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Wie US-Präsident Trump die internationale Handelsordnung zerstört

Der freie Welthandel gilt als Dogma. Mit seinem Eklat beim G7-Gipfel hat Donald Trump dessen Ende eingeläutet. Denn ohne die USA dürfte es für die Globalisierung schwer werden. 

Stefan Kaiser



President Donald Trump boards Air Force One for a trip to Singapore to meet with North Korean leader Kim Jong Un, Saturday, June 9, 2018, at Canadian Forces Base Bagotville, in Canada. (AP Photo/Evan Vucci)

Bye Bye alle andern: Donald Trump bei seiner Abreise aus Kanada. Bild: AP/AP

Ein Artikel von

Spiegel Online

Ein Tweet reichte Donald Trump, um vieles von dem zu zerstören, was seine Vorgänger und andere Regierungschefs in den vergangenen Jahrzehnten aufgebaut hatten. «Ich habe unsere US-Repräsentanten angewiesen, das Kommuniqué nicht zu unterstützen», schrieb ein offensichtlich wütender Trump am Sonntag nach seiner Abreise vom G7-Gipfel in Kanada. Und schob gleich noch eine Drohung hinterher: «Wir werden uns Zölle auf Autos anschauen, die den US-Markt fluten.»

Mit seinem Wutausbruch per Twitter verursachte Trump nicht nur einen beispiellosen diplomatischen Eklat in den Beziehungen mit den westlichen Bündnispartnern der USA - er machte auch noch einmal mehr als deutlich, dass er gewillt ist, eine

Ära der internationalen Handelsbeziehungen zu beenden.In den vergangenen Jahrzehnten bewegte sich der Welthandel stetig in eine Richtung: Liberalisierung. Im Rahmen der Welthandelsorganisation WTO und des Vorläuferabkommens GATT verpflichteten sich die beteiligten Staaten zum immer weitergehenden Abbau von Zöllen und anderen Handelshemmnissen. Hinzu kamen multilaterale Freihandelszonen wie die EU, die nordamerikanische Nafta oder die asiatisch-pazifische Apec. Weitere Abkommen wie das transatlantische TTIP oder das transpazifische TPP waren auf dem Weg - bis Trump mitmischte.

President Donald Trump arrives for the family photo during the G-7 Summit, Friday, June 8, 2018, in Charlevoix, Canada. From left, British Prime Minister Theresa May, German Chancellor Angela Merkel, Trump, Canadian Prime Minister Justin Trudeau, and French President Emmanuel Macron. (AP Photo/Evan Vucci)

Bild: AP/AP

Seit der US-Präsident regiert, ist die Liberalisierung des Welthandels zum Stillstand gekommen, weil eine neue Denkweise Einzug gehalten hat. Zwar haben die beteiligten Staaten natürlich schon immer darauf geschaut, dass die jeweiligen Handelsabkommen im Ergebnis positiv für sie waren - was im Rahmen der WTO häufig auch zu Rückschlägen und Verzögerungen führte. Doch am Ende einte alle relevanten Wirtschaftsmächte der Glaube daran, dass ein möglichst ungehinderter Handel irgendwie zum Wohle aller Nationen sei.

Gestützt und verbreitet wurde diese Überzeugung massgeblich von den USA, die ihren Unternehmen möglichst freien Zugang zu möglichst vielen Märkten verschaffen wollten - und die leidvoll aus der Geschichte gelernt hatten, was ein Handelskrieg bedeuten kann. Während der Grossen Depression in den Dreissigerjahren hatten die USA angesichts ihrer Wirtschaftskrise nämlich schon einmal Hunderte Importzölle erhöht. Viele Handelspartner reagierten damals ihrerseits mit Schutzzöllen, wodurch die Krise nur verlängert wurde.

Auf ein solches Szenario steuert die Welt im schlimmsten Fall auch jetzt wieder zu. Noch sind wir zwar weit entfernt vom Dreissigerjahre-Szenario, die bisher verhängten US-Strafzölle betreffen einen ähnlich geringen Teil des Handels wie die angekündigten Gegenmassnahmen von EU, Kanada, China oder Japan. Doch je stärker der Streit eskaliert - und genau darum scheint es Trump zu gehen - desto grösser wird die Bedrohung für die Weltwirtschaft.

Wie weit wird Trump gehen?

Schon die von Trump in seinem Wut-Tweet angekündigten Zölle auf Autos wären eine ganz andere Dimension als die bisher verhängten Strafaufschläge auf Stahl- und Aluminiumimporte. Und in Washington gehen mittlerweile viele Beobachter davon aus, dass er damit ernst machen wird.

Trump stört sich offenbar besonders an den vielen deutschen und japanischen Autos auf US-Strassen - und sieht die amerikanische Wirtschaft dabei ungerecht behandelt. Tatsächlich werden auf Autos, die aus der EU in die USA eingeführt werden, bisher nur 2.5 Prozent Zölle fällig, umgekehrt sind es bei Einfuhren in die EU 10 Prozent. Trump droht nun mit Aufschlägen von bis zu 25 Prozent - ein Schritt, der nicht nur Deutschland und Japan hart treffen würde, sondern auch die US-Nachbarn Kanada und Mexiko, wo viele Autos für den US-Markt produziert werden (siehe Grafik).

Wer am stärksten von US-Zöllen getroffen würde

Bild

Bleibt die Frage, warum Trump das alles macht. Auch sein Land würde schliesslich darunter leiden, wenn es zu einem wirklichen Handelskrieg käme. Zwar exportieren die Amerikaner tatsächlich seit Jahren mehr Waren als sie importieren (siehe Grafik). Bei Dienstleistungen sieht es aber schon ganz anders aus: Da erwirtschaften die USA stetige Überschüsse. Auch das wäre im Falle eines Handelskriegs gefährdet.

Die fünf wichtigsten Handelspartner der USA

Bild

Meint Trump es also wirklich ernst, wenn er schreibt, die anderen Volkswirtschaften bräuchten die USA mehr als umgekehrt? Und wenn er droht, den Handel mit anderen Staaten einfach ganz einzustellen, falls diese nicht spuren?

Eigentlich ist diese Drohung so absurd, dass man sie für leer halten muss. Doch bei Donald Trump scheint derzeit nichts ausgeschlossen. Nicht mal, dass er sein Land zurück in die Vorglobalisierungsära führt.

Bei Trumps Mischung aus Dreistigkeit und Unberechenbarkeit scheint all das möglich, was man anderen Verhandlungspartnern nie zutrauen würde.

Donald Trump: Das Best Of - (US Wahlen 2016)

abspielen

Video: watson

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    Alle Leser-Kommentare
  • Edwin Schaltegger 12.06.2018 13:09
    Highlight Highlight Dieses Geschrei "Trump, die USA, zerstöre den globalen Welthandel" ist einfach hysterisch und falsch. Wir sollten uns mehr um die Fakten kümmern. Die USA war (ist) der liberalste Wirtschaftsmarkt. Im Gegensatz zu europäischen EU Staaten, die gewisse Wirtschaftsbereiche masslos subventionieren und mit Schutzzöllen abschotten.
    Beispiel: durchschnittliche Importzölle EU = 5.8%
    USA = 3.5%!
    China u. Japan wenden Import-Restriktionen und bürokratischen Import Hürden an.
    Gerade wir Schweizer mit unseren Agrarzollbarrieren sollten besser schweigen.
  • Alex23 10.06.2018 21:11
    Highlight Highlight Ich frage mich, ob ein Zollaufschlag von 25 Prozent auf deutsche Autos wirklich solche verheerenden Folgen für Deutschland hätte. Wer leistet sich denn in den USA einen Audi, BMW oder grossen Mercedes? Das sind doch die, die das Geld ohnehin dicke haben. Die gönnen sich so ein Prestigeobjekt allemal.
    Gut, bei einem Volkswagen sieht es vielleicht schon
    anders aus.
    Aber egal, man darf sich von diesem Grossmachtgebaren
    nicht einschüchtern lassen. Wer so mit der Axt politisiert, darf nicht auch noch das bekommen, was er erpresst.
    • mrmikech 10.06.2018 21:32
      Highlight Highlight Die meiste deutsche autos für den US markt werden in die US produziert.... Teures stahl ist also schlecht für die produzenten, womit US jobs gefährdet sind. Trump ist entweder dumm, oder er will seine wähler arm machen.
    • swisskiss 10.06.2018 22:09
      Highlight Highlight Alex23: Und genau hier beginnt das Unverständnis, dass JEDER Zollzuschlag auf beiden Seiten Schaden anrichtet.

      Geht doch nicht nur um den us- amerikanischen Konsumenten der mehr bezahlt, sondern auch um Autoverkäufer, Autovermieter, Autoausrüster, Reifenhersteller, Spezialisierte Garagen und, und, und.

      Als Beispiel: Obama erhob Strafzölle um die einheimischen Reifenhersteller mit rund 1000 Arbeitsplätzen zu schützen. Der Effekt war, dass rund 5000 Arbeitsplätze im Reifenhandel- und Verkauf vernichtet wurden.
  • ströfzgi 10.06.2018 20:21
    Highlight Highlight Soll Donnie sich doch in Isolation begeben. Russland kann es ja auch. Mal schauen wie lange es geht bis Mutti Angie dem Vlad trotzdem schöne Augen macht. Wäre ja blöd, so ganz allein dazustehen. Gälled si?
  • Dirk Leinher 10.06.2018 20:16
    Highlight Highlight Das anstehende Gipfeltreffen der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) ist eh als wichtiger und auch einiges interessanter einzustufen. Nebst Rußland und China, Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan und Usbekistan gehören seit 2017 auch Indien und Pakistan dazu. Zusammen vertreten sie rund 40% der Weltbevölkerung. Europa sollte sich zu einer Zusammenarbeit mit diesen Ländern entschliessen. Hören wir mit den Spaltungsversuchen auf und anerkennen wir andere Länder einfach als souveräne Staaten an, statt dauernd zu drohen und zu sanktionieren
    • Sebastian Wendelspiess 10.06.2018 22:09
      Highlight Highlight Richtig, dort spielt die Musik.
  • malu 64 10.06.2018 20:11
    Highlight Highlight Wieso brauchen wir überhaupt die Staaten?
  • Redly 10.06.2018 20:09
    Highlight Highlight Prüfen wir kurz Fakten, bevor wir Schuldzuweisungen machen:
    „im Durchschnitt aller Produkte betrugen die Einfuhrzölle der USA 2016 Zahlen der Welthandelsorganisation (WTO) zufolge 3,5 Prozent. In der Europäischen Union waren es hingegen 5,2 Prozent, in China sogar 9,9 Prozent“

    https://www.google.ch/amp/www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/strafzoelle-das-sind-die-positionen-in-einem-moeglichen-handelskrieg-a-1196881-amp.html
    • Fabio74 10.06.2018 22:07
      Highlight Highlight und? Sämtliche Zölle der EU sind mit den Amerikanern vertraglich geregelt. Sämtliche Zölle Kanadas sind im NAFTA-Abkommen festgelest.
      Strafzölle und sich dümmer als ein Kind an der Supermarktkasse benehmen, ist ein absolut illegitimes Mittel.
      Da "Geschäftsmann" Trump mehrmals pleite ging, kann er keine Ahnung haben wie man VErhandlungen führt.
    • Redly 10.06.2018 22:51
      Highlight Highlight @Fabio:
      Lesehilfe: der Artikel dreht sich darum, wer dem Handel schadet. Da spielt die Höhe von Zöllen eine Rolle und es scheint - zumindest teilweise - sprechen die Fakten dagegen, dass USA hier die höchsten hat.
      Kann es sein, dass Fakten nicht interessieren, weil man einfach an seinem festgefahren Weltbild festhalten will?

      PS zu deinem Kommentar, der wenig Zusammenhang zu meinem hatte: Verträge kann man üblicherweise neu verhandeln oder künden. Wo du recht hast: Trumpel agiert wie der Elefant im Porzellanladen.
  • Theor 10.06.2018 20:04
    Highlight Highlight Ach, nicht gleich den Weltuntergang einläuten. Klar macht Trump kurzfristig alles kaputt, aber das kann man mit dem nächsten Präsident alles wieder reparieren.

    Trump ist in 3 Jahren weg. Der kommende Präsident wird einfach leicht verlegen wieder bei den G6 anklopfen und dann darf er wieder dort mitmachen. Denn Europa ist alternativlos, ohne Amerika kann (vorallem will) es nicht bestehen.
  • stadtzuercher 10.06.2018 20:00
    Highlight Highlight Eine Globalisierung, die mehr Verlierer schafft als Gewinner, war absehbar zum Scheitern verurteilt. Das kann man jetzt noch so schönreden und Trump schlechtreden: Trump wurde demokratisch gewählt. Von Menschen, die offensichtlich zu den Globalisierungsverliern zählen.
    • Fabio74 10.06.2018 22:08
      Highlight Highlight und du bist so naiv zu glauben die goldenen Jahre kommen zurück? Auch wenn Trump gewählt ist, Kritik ist legitim und nötig
      Ist es nicht Trump, der Obamacare streichen wollte, der Steuern der Reichen senkt und bei den Armen sparen will?
  • derEchteElch 10.06.2018 19:59
    Highlight Highlight „Denn ohne die USA dürfte es für die Globalisierung schwer werden.“

    Ist doch genau das, was Alternative, Linke und Grüne immer erreichen wollten.. Weniger Globalisierung und weniger Staat, mehr Mensch.. eigentlich müssten sie die grössten Trump-Fans sein, Watson und die Juso allen voran.. 🤔
  • zombie woof 10.06.2018 19:52
    Highlight Highlight Trump wird noch viel mehr als nur die internationale Handelsordnung zerstören. Nur schade dass er NIE zur Rechenschaft gezogen werden kann.
  • phreko 10.06.2018 19:39
    Highlight Highlight Sind Dienstleistungen in der Graphik Exporte/Importe enthalten? Gibts irgendwas wo sie enthalten sind?
  • _kokolorix 10.06.2018 19:38
    Highlight Highlight Zölle auf Waren ohne umfassende Kapitalkontrolle sind wirkungslos. US Produkte spielen auf dem Weltmarkt kaum eine Rolle, genau deshalb importieren die Amis fast alles. Autos made in USA werden nicht gemieden weil sie teurer sind, sondern weil sie schlicht weniger gut sind. So ist es in fast allen Branchen. Die USA sind nur noch in Nischen konkurrenzfähig. Die wehleidige, bequeme, ungebildete weisse Mittelschicht ist weder körperlich noch intellektuel in der Lage asiatischen Arbeitern paroli zu bieten. Ergebnis von Trumps Politik wird ein allseits schrumpfender Markt sein
  • Noblesse 10.06.2018 19:14
    Highlight Highlight Es liegt an den Demokraten, eine bessere Kanditatur zur nächsten Wahl aufzustellen. Dann geht es wieder in eine andere Richtung. Dieses personelle Problem müssen die jetzt lösen. "No trump again"!
  • Basswow 10.06.2018 19:00
    Highlight Highlight Dieser Beitrag wurde gelöscht. Bitte beachte die Kommentarregeln.
  • Astrogator 10.06.2018 18:01
    Highlight Highlight Den Vergleich zu den 30'er Jahren hakte ich für falsch. Die Wirtschaft hat heute auch andere Absatzmärjte als die USA, bloss werden Weichen langfristig gestellt aber auf drohende Verluste kurzfristig reagiert. Langfristig sehe ich den Schaden vor allem bei den USA weil sie offensichtlich als Partner gleich zuverlässig sind wie Venezuela unter Maduro.

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