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Betrug, Bestechung, Partys in Las Vegas – Milliardenskandal erschüttert Goldman Sachs

Britney Spears sprang für ihn einst im Bikini aus der Torte, inzwischen ist der mysteriöse Finanzier Jho Low flüchtig. Im Strudel des Milliardenbetrugs: die US-Bank Goldman Sachs - und ein deutscher Manager.

Marc Pitzke, New York



FILE - In this April 23, 2015 file photo, Jho Low, Director of the Jynwel Foundation, poses at the launch of the Global Daily website in Washington, D.C. The Justice Department on Thursday, Nov. 1, 2018,  charged the fugitive Malaysian financier in a money laundering and bribery scheme that pilfered billions of dollars from a Malaysian investment fund created to promote economic development projects in that country. The three-count indictment charges Low Taek Jho, who is also known as Jho Low, with misappropriating money from the state-owned fund and using it for bribes and kickbacks to foreign officials, to pay for luxury real estate, art and jewelry in the United States and to fund Hollywood movies, including

Jho Low Bild: AP/Invision for the United Nations Foundation

Ein Artikel von

Spiegel Online

In der Party-Hauptstadt Las Vegas war es die Party des Jahrzehnts. Kim Kardashian und Kanye West waren da. Leonardo DiCaprio und Jamie Foxx ebenfalls, ausserdem Bradley Cooper, der in der Nähe gerade «Hangover 3» drehte. An der Bar standen Models, Pharrell, Ludacris und Usher sorgten für Livemusik.

Dutzende Prominente feierten im November 2012 den 31. Geburtstag ihres Gastgebers. Der bekam einen 2.5-Millionen-Dollar-Bugatti geschenkt und ein Ständchen: Britney Spears sprang im Goldbikini aus einer Torte und sang «Happy Birthday».

Sechs Jahre später ist der Gastgeber, ein mysteriöser Malaysier namens Jho Low, auf der Flucht. Die meisten Gäste jener Nacht wollen ihn plötzlich nicht mehr kennen, andere sind wegen Milliardenbetrugs vor Gericht gelandet. Darunter ist ein deutscher Ex-Banker, der seinen damaligen Arbeitgeber jetzt als Mitwisser beschuldigt hat - das renommierte US-Investmenthaus Goldman Sachs.

Was als amüsanter Klatsch begann, ist zum weltumspannenden Krimi geworden. Der Ministerpräsident von Malaysia stürzte bereits über die Affäre, nun gerät auch noch die grösste Wall-Street-Bank mit in den Strudel. Die US-Staatsanwaltschaft hat sich eingeschaltet - und seither befindet sich die Goldman-Aktie im Sturzflug.

Bild

Jho Low und diverse Promis feierten in Las Vegas. Bild: AP/Invision for the United Nations Foundation

Dem Konzern droht der saftigste Skandal seiner Geschichte. Es geht um einen malaysischen Staatsfonds, der von Goldman Sachs mitgemanagt wurde - doch der US-Justiz zufolge nichts anderes war als eine milliardenschwere Spesenkasse für Low und seine Goldman-Komplizen. Goldmans früherer Südostasien-Chef, der Deutsche Tim Leissner, hat sich bereits wegen Betrugs, Bestechung, Geldwäsche und Veruntreuung schuldig bekannt. Leissners Vize, der Malaysier Roger Ng, wurde jetzt in New York angeklagt. Ein dritter Goldman-Manager ist beurlaubt.

«Verwerfliche Aktionen Einzelner»

Wie Low ist auch der 2016 gefeuerte Leissner eine schillernde Figur. Er studierte in Siegen und Connecticut und heuerte 1998 bei Goldman an, wo er schnell aufstieg und als skrupellos galt. 2013 heiratete er Reality-Star Kimora Lee Simmons, die Ex-Frau des bekannten Hip-Hop-Produzenten Russell Simmons.

Er sei «persönlich schockiert», beteuerte Goldman-Chef David Solomon diese Woche zwar in einer Voicemail an alle Mitarbeiter. Er griff dabei zum üblichen Schadensbegrenzungsvokabular: Es handele sich um die «verwerflichen» Aktionen vereinzelter, längst geschasster Übeltäter. Doch der Ruf ist schnell ruiniert: «Das ist ein Desaster für Goldman», resümiert der Wall-Street-Analyst Chris Kotowski.

Der ehemalige Goldman-Vorstandschef Lloyd Blankfein, bis heute Boss des Verwaltungsrats der Bank, soll sich mindestens einmal mit Low getroffen haben. Leissner wiederum erklärte bei seinem Schuldgeständnis vor einem New Yorker Gericht, mehrere Topmanager Goldmans seien eingeweiht gewesen - «im Einklang» mit der Konzernkultur.

Der Mann im Mittelpunkt bleibt unterdessen verschwunden. Low, 37, der sich in Las Vegas als spendabler Milliardär bejubeln liess, ist untergetaucht, sein Vermögen beschlagnahmt: Diamantenkolliers, Privatjets, Picasso-Gemälde und die 92 Meter lange und 250 Millionen Dollar teure Jacht «Equanimity» (Gleichmut), die im Hafen Port Klang bei Kuala Lumpur auf ihre staatliche Versteigerung wartet.

epa07129376 (FILE) - The seized luxury yacht Equanimity arrives at Port Klang, Selangor, Malaysia, 07 August 2018 (reissued 29 October 2018). The superyacht Equanimity belonging to Malaysian businessman Low Taek Jho, also known as Jho Lo, is going on auction on 29 October 2018. It was seized as part of a multi-billion dollar corruption investigation related to 1 Malaysia Development Berhad (1MDB).  EPA/AHMAD YUSNI

Jho Lows nette Yacht: Die «Equanimity».  Bild: EPA/EPA

Wer Jho Low wirklich ist, weiss keiner so genau. Wie Donald Trump studierte der angebliche Finanzier einst an der Wharton School in Pennsylvania, soll schüchtern sein und schnell schwitzen. Auf Fotos wirkt er wie ein harmloses, pausbäckiges Kind.

In Wahrheit habe Low eines der grössten Finanzverbrechen in der Geschichte inszeniert, schreiben die Reporter Tom Wright und Bradley Hope vom «Wall Street Journal» in ihrem neuen Buch «Billon Dollar Whale» über den Fall. Die Affäre offenbart, wie sich Betrüger nach der Finanzkrise von den USA abwendeten und ihr Glück stattdessen im unregulierteren Asien-Markt suchten.

Millionen für Kunst, Klunker und DiCaprio

Die US-Anklage stützt sich auf jahrelange Ermittlungen. Demnach veruntreute Low, assistiert von Leissner, Ng und anderen, von 2009 bis 2014 fast drei Milliarden Dollar aus dem malaysischen Staatsfonds 1MDB. Dazu hätten sie auch Politiker bestochen, allen voran den Ministerpräsidenten Malaysias Najib Razak. Goldman Sachs wiederum habe an 1MDB rund 600 Millionen Dollar Gebühren verdient.

Um das gestohlene Geld zu waschen, habe Low es in den USA ausgegeben, für Villen, Juwelen, Kunst. Etwa für ein Gemälde von Jean-Michel Basquiat, das 2013 bei Christie's für den Rekordpreis von 48.8 Millionen Dollar versteigert wurde. Auch habe Low den Film «The Wolf of Wall Street» mitfinanziert. Der handelt ironischerweise von einem Wall-Street-Schwindler - gespielt von Leonardo DiCaprio.

FILE - In this April 14, 2018, file photo, protesters hold portraits of Jho Low illustrated as a pirate during a protest in Kuala Lumpur, Malaysia. The United States Justice Department on Thursday charged the fugitive Malaysian financier in a money laundering and bribery scheme that pilfered billions of dollars from a Malaysian investment fund created to promote economic development projects in that country. The three-count indictment charges Low Taek Jho, who is also known as Jho Low, with misappropriating money from the state-owned fund and using it for bribes and kickbacks to foreign officials, to pay for luxury real estate, art and jewelry in the United States and to fund Hollywood movies, including

Bild: AP/AP

Der Skandal kostete Ministerpräsident Najib das Amt. Nachfolger Mahathir Mohamad liess ihn anklagen, die Polizei konfiszierte in seinem Haushalt Preziosen im Wert von 275 Millionen Dollar, darunter 1400 Ketten, 567 Handtaschen, 423 Armbanduhren, 2200 Ringe, 1600 Broschen und 14 Tiaras. Die neue Regierung fordert von Goldman die Rückerstattung besagter 600 Millionen Dollar Gebühren.

Low bleibt verschwunden. Er hat jedoch über eine amerikanische PR-Agentur eine Website zu seiner Verteidigung eingerichtet. «Ich bin unschuldig», schreibt er da. Die Rechte an seiner Geschichte wurden unterdessen an Hollywood verkauft, doch ob DiCaprio diesmal mitspielt, ist unbekannt.

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Video: srf/SDA SRF

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29Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Arabra 16.11.2018 19:00
    Highlight Highlight Ich hab noch 5.25 CHF auf dem Konto.
  • Raphael Stein 16.11.2018 15:44
    Highlight Highlight wollen ihn plötzlich nicht mehr kennen, andere sind wegen Milliardenbetrugs vor Gericht

    Ich liebe die Finanzindustrie, genau für so Geschichten.
    Vor 50 Jahren waren das Dienstleister. Im Dienste der Wirtschaft. Heute im Dienste von denen die den urigen Jho Low nicht mehr kennen wollen.

    Hangover offenbar.
  • JaneSoda*NIEwiederFaschismus 16.11.2018 14:04
    Highlight Highlight sfr hat ne sehenswerte Doku mit dem Titel „Goldman Sachs - eine Bank regiert die Welt“ rausgebracht:

    https://m.srf.ch/sendungen/dok/goldman-sachs-eine-bank-regiert-die-welt
    • Chesus80 16.11.2018 17:52
      Highlight Highlight Ist von Arte, aber wirklich gut

      Sorry, für den Klugscheisser Modus😂
    • JaneSoda*NIEwiederFaschismus 17.11.2018 11:45
      Highlight Highlight Wo du recht hast, hast du recht! Pardon, hätte besser ausgestrahlt gerippt....
      Klugscheissen ist immer willkommen - ich will ja kluk werden!
  • Scrat 16.11.2018 13:22
    Highlight Highlight Naja... beim lesen des Namens „Jho Low“ kommt mir immer gleich YOLO in den Sinn. Da war der Name wohl Programm.
  • TanookiStormtrooper 16.11.2018 13:14
    Highlight Highlight Menschen mit "flexibler Moral" bei Goldman Sachs? Kann ich mir nicht vorstellen...
    • Arthur Dent (a.k.a. Geralt) 16.11.2018 17:04
      Highlight Highlight Riech ich da etwa Sarkasmus? Jetzt benimm dich, TanookiStormtrooper, du willst doch nicht etwas andeuten, dass sowas vorkommen könnte? 😅
  • Statler 16.11.2018 13:01
    Highlight Highlight «Verwerfliche Aktionen Einzelner» - ja, klar, immer.
    • Sarkasmusdetektor 16.11.2018 16:34
      Highlight Highlight Stimmt doch - die gesamte Geschäftsleitung sind ja nur ein paar "Einzelne".
    • Kreuzritter 16.11.2018 16:43
      Highlight Highlight @Statler und dann beim Islam wieder sagen: Das sind nur ein paar einzelne. Doppelmoral ahoi
  • Sebastian Wendelspiess 16.11.2018 12:26
    Highlight Highlight Die Firma, mit den meisten Verbindungen zu unsere Politiker in der EU und USA. Was sagt das über die Politiker aus?
  • c-bra 16.11.2018 12:07
    Highlight Highlight Ich hätte lieber mehr Kuchen und weniger Britney Spears in meiner Torte.
  • Wilhelm Dingo 16.11.2018 11:21
    Highlight Highlight
    Play Icon
    • Mietzekatze 16.11.2018 12:11
      Highlight Highlight Wie krass.... Danke Dingo!
    • swisskiss 16.11.2018 12:47
      Highlight Highlight Wilhelm Dingo: Geht noch viel weiter: Steve Bannon, Gary Cohn, Anthony Scaramucci, Dina Powell, Steven Mnuchin, alles EX Goldman Sachs Banker im Team von Trumps Administration der ersten Stunde. Bankenregulierung (Dodd Frank Act) aufgeweicht und Steuersenkung durchgeführt.

      Aber dies ist nur ein weiteres Beispiel der Krake Goldman Sachs:

      https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_former_employees_of_Goldman_Sachs

      Mal beachten,in welchen Regierungen und Organisationen diese ex Angestellten heute tätig sind.
    • sealeane 16.11.2018 12:56
      Highlight Highlight Lang nicht mehr gesehen. Aber immer noch eindrücklich!
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