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Europas neuer grosser Wackelkandidat – Italien taumelt gegen den Abgrund

Die Wirtschaft lahmt, die Schulden sind gewaltig, und Schutzpatron Mario Draghi zieht sich zurück. Während der Rest der Eurozone im Aufschwung ist, hängt Italien hinterher – und wird zum grössten Sorgenkind.

Hans-Jürgen Schlamp, Rom



epa06005106 Italian Air Force's aerobatic demonstration team, the Frecce Tricolori leave colourful vapour trails as they fly over the Altare della Patria monument on Republic Day (Festa della Repubblica) in Rome, Italy, 02 Jun 2017. The anniversary marks the founding of the Italian Republic in 1946.  EPA/MASSIMO PERCOSSI

Das Bild täuscht: Über Rom hangen dunkle Wolken. Bild: EPA/ANSA

Ein Artikel von

Spiegel Online

Claudio Pistocchi hatte 1990 eine Schokoladentorte kreiert, die bald auch jenseits der Stadtgrenzen von Florenz berühmt und begehrt wurde. Der «Torta Pistocchi» folgten weitere Innovationen, und heute verkauft Pistocchis kleiner Betrieb mit drei Angestellten alljährlich für eine halbe Million Euro Süsswaren, selbst in ferne Länder. Eine schöne Erfolgsgeschichte – vor allem für den italienischen Fiskus.

Bild

«Torta Pistocchi» Bild: tortapistocchi.it

Von seinen Einnahmen muss der Kleinunternehmer nämlich 69,3 Prozent ans Finanzamt abführen. Für Steuern mit klingenden Namen, wie Irap oder Irpef, auf die sich zusätzlich noch diverse lokale Abgaben türmen. Und jedes Jahr fordern Staat und Stadt ein bisschen mehr, so dass die Tribute an die Obrigkeit inzwischen Pistocchis Zahlungsfähigkeit überschritten haben. Er kann seine Steuern nur noch in Raten abstottern, zahlt mit den Einnahmen dieses Jahres die Forderungen aus dem Vorjahr. An Investitionen, einen Ausbau des Betriebes, zusätzliches Personal ist trotz voller Auftragsbücher nicht zu denken. Und leider ist der Tortenbäcker kein Ausnahmefall. Er kenne keinen Kleinunternehmer, sagt er, der nicht in ähnlicher Lage sei.

Den gibt es auch nicht, bestätigt ihn der Verband der italienischen Klein- und Mittelbetriebe. In manchen Städten sei die Abgabenlast zwar etwas niedriger als in solchen Steuerhochburgen wie Florenz oder Rom, aber im Landesdurchschnitt liege sie bei 61,2 Prozent. Wirtschaftliches Wachstum sei für die kleinen Unternehmen und Handwerksbetriebe damit schlicht unmöglich.

Der «siebenjährige Krieg» ist vorbei

In den Grossbetrieben ist es freilich auch nicht viel besser. Und weil die drückende Steuerlast ja nur ein Problem von vielen ist – beispielsweise eine alles lähmende Bürokratie, Politik, eine marode Infrastruktur und schlechte Schulen – steckt Italiens Wirtschaft in der Krise fest.

Die Arbeitslosenquote liegt bei zwölf Prozent, bei den jüngeren Italienern sogar bei fast 40 Prozent. Die Einkommen derer, die Arbeit haben, sind niedrig. Entsprechend dürftig ist die Kaufkraft. Im Vergleich zu den anderen Ländern der Eurozone werde Italien immer weiter zurückfallen, falls sich die Wachstumsaussichten nicht deutlich verbessern, schreibt der Internationale Währungsfonds (IWF) in seinem jüngsten Länderbericht.

Das Bruttoinlandsprodukt – das umfasst alles, was im Land durch Produktion, Handel und Dienstleistungen erwirtschaftet wird – liegt heute niedriger als vor zehn Jahren, als die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise begann. Und laut IWF kann es noch einige Jahre dauern, bis das Land überhaupt wieder Vorkrisenniveau erreicht.

In this photo taken on Tuesday, Feb. 7, 2017, a view of the abandoned steelworks factory Falck, in Sesto San Giovanni, Italy. Lombardy is Italy's most productive region with an annual GDP of 337 billion euros, making it Europe's second most productive region. And yet the landscape is dotted with ghosts of industries past. (AP Photo/Luca Bruno)

Bild: Luca Bruno/AP/KEYSTONE

In Europa insgesamt sei diese Krise ja nun weitgehend überwunden, konstatiert der Generaldirektor der italienischen Zentralbank, Salvatore Rossi. Nach dem «siebenjährigen Krieg» wachse die Wirtschaft in der Eurozone jetzt sogar «besser als angenommen». Die neuesten Prognosen liegen bei 1,8 Prozent Wachstum für dieses Jahr – und auch danach soll es ordentlich weitergehen.

Nur Rossis Heimat kommt nicht in Schwung. In diesem Jahr wird die italienische Wirtschaft nach der jüngsten Schätzung der OECD nur um knapp ein Prozent zulegen, 2018 werden es demnach sogar nur noch 0,8 Prozent. Damit ist Italien das Schlusslicht Europas, selbst in Griechenland läuft es besser.

Der Schutzpatron macht Schluss

Auch Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), sieht «das Ende der Krise in der Eurozone» und sprach in der vergangenen Woche, etwas verklausuliert, von der möglichen «Normalisierung» der Geldpolitik. Das löste stillen Jubel in Berlin und blankes Entsetzen in Rom aus. Denn Draghi deutete damit auf seine übliche, ganz vorsichtige Weise das baldige Ende seiner ultralockeren Geldpolitik an.

epa05997499 Mario Draghi, President of the European Central Bank (ECB) and Chair of the European Systemic Risk Board, attends a hearing of the European Parliament Committee on Economic and Monetary Affairs (ECON) in Brussels, Belgium, 29 May 2017. Daghi attends the hearing to present and discuss the ECB's perspective on economic and monetary developments.  EPA/STEPHANIE LECOCQ

Was plant Draghi? Bild: STEPHANIE LECOCQ/EPA/KEYSTONE

Gerade für Italien wäre das ein Schock. Um die Zinsen niedrig zu halten, hat die EZB in den vergangenen Jahren nämlich gigantische Mengen von Staatsanleihen der Euroländer aufgekauft. Was den schönen Nebeneffekt hatte, dass sich alle Staaten extrem billig verschulden konnten.

Einer der grössten Profiteure dieser Politik des leichten Geldes war und ist Italien. Dem Südland hat die EZB seit Anfang des laufenden Programms 2015 insgesamt bereits jetzt Staatsanleihen im Volumen von rund 265 Milliarden Euro abgenommen. 60 Milliarden Euro an Zinsen habe Rom dadurch jedes Jahr gespart, schätzen Experten. Entsprechend wurde Draghi in Italien denn auch als Roms Schutzpatron gefeiert.

Nun, wo die Krise dem Ende zugeht, ist es womöglich auch mit der schönen Krisenintervention bald vorbei. Langsam zwar, ganz vorsichtig will Draghi den EZB-Geldhahn zudrehen, um das zarte Wachstum in der Eurozone nicht zu gefährden.

An den Renditen italienischer Staatsanleihen lässt sich schon jetzt ablesen, was das für Italien bedeutet. Denn die Zinsaufschläge sind schon wieder auf dem Weg nach oben. Musste die Regierung in Rom für ihre Papiere noch vorigen August nur eine Rendite von 1,2 Prozent bieten, sind es mittlerweile schon wieder rund zwei Prozent.

Die Schulden sind dabei enorm hoch: Stand März dieses Jahres waren es 2260 Milliarden Euro, die ja permanent bei Ablauf der Anleihen umgeschuldet werden müssen – da kommt schon bei kleinen Aufschlägen einiges zusammen. Und aus kleinen können schnell grosse «Spreads» werden, sobald die Schutzschirme der EZB weggeräumt werden. Zumal die Zinsen auf mittlere Sicht – in Draghis Nachkrisen-Konzeption – nicht mehr fallen, sondern steigen werden.

«Gute Gründe, nicht heiter zu sein»

Aber auch wenn das Unheil langsam kommt, es könnte verheerende Folgen haben, für den Staat und für die Banken. Die plagen sich ohnehin mit faulen Krediten im Wert von etwa 350 Milliarden Euro herum. Etliche Institute kämpfen ums Überleben. Zudem hat die Geldbranche für rund 380 Milliarden Euro italienische Staatsanleihen in ihren Büchern. Und die bergen womöglich erhebliche Risiken – wenn sich mit der EZB der grösste Käufer am Markt nach und nach verabschiedet.

Der Staat dürfte nach den neuen EU-Regeln nicht so einfach wie früher als spendabler Retter für die Banken einspringen. Und er hätte natürlich auch noch weniger finanziellen Spielraum als heute. Denn das Schuldenmachen wird für die römischen Schuldenmacher wieder deutlich teurer, wenn sie dazu an die Finanzmärkte statt zu Mario Draghi gehen müssen.

«Wir Italiener», schrieb kürzlich der Finanzexperte der römischen Zeitung «La Repubblica», Massimo Giannini, haben «gute Gründe, nicht heiter zu sein».

Zusammengefasst: Die Eurozone ist wirtschaftlich auf Erholungskurs, doch Italien hinkt deutlich hinterher. Das Land kämpft mit hoher Arbeitslosigkeit, schwachem Wachstum und immensen Schulden. Und da die EZB ihre Anleihekäufe allmählich zurückfahren will, dürfte auch die Finanzierung wieder deutlich teurer werden.

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    Alle Leser-Kommentare
  • neutrino 14.06.2017 04:28
    Highlight Highlight Die Situation Italiens zeigt eine Fehlentwicklung in Europa: seit dem 2. WK ging es immer bergauf - mehr Lohn, mehr Wohnraum, weniger Arbeitszeit, bessere Altersvorsorge und Sozialversicherungen generell, etc. Das ging so lange gut, wie das Wachstum entsprechend stark war - nun will man so weiter machen, obwohl man das nötige Wachstum nicht hat und immer mehr Alte. Das kann nicht gut gehen.

    Japan zeigt in ähnlicher Lage vor, wie's geht: man muss persönlich downgraden - weniger Lohn in Kauf nehmen, weniger Wohnraum, kleineres Auto, etc. (ich weiss, Währungspolitik ist auch ein Faktor in J).
    • FrancoL 16.06.2017 12:10
      Highlight Highlight Interessant ist aber dass offensichtlich nur ein Teil der Bevölkerung downgraden müsste und zwar genau der Teil der beim upgraden schon nicht so richtig mit kam.
      Dass die Bereitschaft für das downgraden nicht vorhanden ist, ist für mich mehr als nur verständlich.

      ICH bin der Meinung dass man downgraden MUSS, aber dann bitte alle im Verhältnis zum upgraden das man erfahren hat!
  • Domino 13.06.2017 23:49
    Highlight Highlight Mit einer Geburtenrate von 1.39 Kinder pro Frau wird sich Italien in wenigen Generationen selbst auslöschen. Dieses Problem können auch Wirtschaftsmigranten nicht lösen, sondern verlagern es und schaffen zusätzlich neue dazu.
  • Don Alejandro 13.06.2017 19:24
    Highlight Highlight Es ist nur noch traurig und schlimm. Es gibt keine Jobs für die Jungen, welche sich von Praktikum zu Praktikum hangeln. Enddreissiger, welche aus finanziellen Gründen bei den Eltern bleiben müssen...
  • Sputnik_72 13.06.2017 18:16
    Highlight Highlight Bin selbst Italiener (aus dem Süden - und in der Wahrnehmung und in dem Fakten eine Rolle spielt...)
    Meine Eltern sind vor über 20 Jahren zurück, ich (zum Glück) hiergeblieben.
    Gehe 2-3 mal im Jahr heim und es wird immer schlimmer.
    Oekonomisch (Euro Thematik) aber vorallem auch menschlich leider. Wo ist der Zusammenhalt geblieben, an den ich mich erinnerem kann? Nur noch egoistische Menschen die dank (Berlusconi) TV Formaten immer mehr verblöden...
    Es wird jedes Jahr schwieriger meinen Kindern zu erklären was abgeht.
    Mein Herz blutet
    Viva l'Italia!! Die Hoffnung stirbt als letztes
  • Döst 13.06.2017 17:22
    Highlight Highlight Früher hat Italien einfach die Lira abgewertet, und gut war (wirtschaftlich wieder wettbewerbsfähiger, Tourismus attraktiver).
    Heute kann Italien den Euro nicht abwerten. Wieso ist Italien beim Euro dabei? Weil man unbedingt das EG Gründungsmitglied von Anfang an dabei haben wollte, obwohl die Verschuldungsquote für die Aufnahme viel zu hoch war. Dieser Fehler rächt sich heute.
    • FrancoL 16.06.2017 12:21
      Highlight Highlight Dass der Italiener keine Steuern zahlen mag, dass er wo immer die Schattenwirtschaft bevorzugt und stützt, hat nicht unbedingt mit dem EURO zu tun, weil der Italiener das seit langem so gehalten hat und mit der LIRE das durch die Abwertung verdecken konnte heisst das noch lange nicht dass es damals richtig war. Es war damals so Kreuz falsch wie heute die Wirtschaft zu einem guten Teil im Graubereich anzusiedeln.
    • FrancoL 16.06.2017 12:24
      Highlight Highlight Man kann nicht immer den EURO beschuldigen, heute mit der Lire wäre das Verhalten gegenüber dem Staat in Italien genau das gleiche wie früher, nur die Staatskosten wären massiv gestiegen.
      Denn Gesundheit, Alterung und Bildung wären trotz der LIRE gestiegen und zwar massiv, zu meinen dass dies mit Abwertungen aufzufangen ist grenzt an Wahnsinn.
      Die Verschuldung wäre früher oder später nicht mehr in LIRE möglich gewesen und hätte die Verschuldung nochmals zusätzlich erhöht!
      Italiener haben privat eine niedrige Verschuldung, das wäre mit der LIRE auch nicht möglich.
  • slashinvestor 13.06.2017 16:20
    Highlight Highlight Ich wollte ein Touristen Geschäft (Gite) in Italien starten. In Italien muss man bevor ein Grundstück kauft ein Ingenieur engagieren um sicher zustellen das alles ok ist. So weit so gut. Ein Grundstück hat das Herzen meine Frau und ich erobert. Der Makler hat mitgekriegt welchen Ingenieur wir verwenden wollte und hat er gesagt ich verkauf ihn das Grundstück nicht. Kein Witz er hat uns gesagt das Grundstück sei nicht mehr zum verkauf. Wir waren absolut Baff! End of story, ich sitze jetzt in Medoc (Bordeaux) Frankreich. Italien ist die Hölle... Schade eigentlich.
  • Wehrli 13.06.2017 13:27
    Highlight Highlight Die Italiener waren schon immer Anarchisten, unregierbar.
    Auch diesen Schlamassel werden Sie versenken.
  • äti 13.06.2017 12:23
    Highlight Highlight Geht es dem Staat schlecht - geht es der Mafia gut.
  • Richu 13.06.2017 12:23
    Highlight Highlight In meinem Kommentar zum Artikel "Europa hat seinen Stolz entdeckt" von Ph. Löpfe vom 31.05.2017 habe ich u.a. die äusserst schlechten Italien-Kenntnisse (er meinte, es gehe Italien wieder besser) des watson-Journalisten kritisiert. Der vorliegende Artikel "Italien taumelt gegen den Abgrund" bestätigt meine seinerzeitige Meinung in dem von mir verfassten Kommentar.
  • FrancoL 13.06.2017 12:06
    Highlight Highlight Das grundlegende Misstrauen in den Staat, die Zweiteilung mit dem Süden und dem Norden, die unterschiedliche Leistungsbereitschaft der beiden Teile sind der eine Teil der Negativspirale.

    Der 2. Teil ist die Tatsache dass Italien als Billiglohnland heute überflügelt wird von den EX-Oststaaten und natürlich auch von Fern Ost. Viele Betriebe sind nicht mehr konkurrenzfähig auch wenn die Löhne tief angesetzt werden.

    Das Hauptproblem bleibt das marode System in Rom und dieses wurde mit 20 Jahren Berlusconi noch um Stufen verschlechtert.

    Italien müsste für 10 Jahre technokratisch regiert werden.
    • Kstyle 13.06.2017 14:47
      Highlight Highlight Das waren sie doch schonmal was hats gebracht nichts.
    • FrancoL 13.06.2017 16:30
      Highlight Highlight Es war sehr kurz hat aber zumindest keine Verschlechterung gebracht und vor allem etwas Ruhe ins System eingebracht.
      Ruhe und Vertrauen bräuchte es in Italien. Ja eben auch vertrauen in den Staat und das erarbeitet sich der Staat leider nicht, denn dazu bräuchte es Reformen und vor allem eine Wahlreform die diesen Namen auch verdient. Das alles ist ein Langzeitprojekt.
    • piedone lo sbirro 14.06.2017 09:34
      Highlight Highlight ciao franco

      an deinen kommentaren hatte ich schon wesentlich mehr freude.

      du suggerierst zwei dinge: a) marod ist nur der süden. b) die süditaliener sind arbeitsscheu.

      kann ja nicht dein ernst sein - wo bleibt dein kritischer, objektiver sachverstand?

      das hauptproblem ist mafia, korruption und bestechung - und zwar landesweit!

      die korrupten manager&politiker sowie die mafia sind dort wo das geld steckt, nähmlich im norden. neue hauptstadt der cosa nostra ist bekanntlich mailand. der süden ist wirtschaftliches niemandsland bzw. rückzugs gebiet/rekrutierungs gebiet der mafia.

      ...
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  • Anonymer 13.06.2017 11:27
    Highlight Highlight Ich komme aus Südtirol und habe dort insgesamt etwa neun Jahre gearbeitet. So viel vorweg: Es ist ein grundlegender Unterschied, ob von Nord- oder Süditalien gesprochen wird. Das Land ist quasi zweigeteilt. Im Norden boomt die Industrie und der Tourismus. Es wird investiert und es werden auch Arbeitsplätze geschaffen.
    Der Süden hingegen lebt quasi nur noch vom Tourismus. Dort wird aber leider auch nur wenig gemacht. Überall wird schwarz gearbeitet. Handwerk und Gastgewerbe erwirtschaften wohl etwa die Hälfte am Fiskus vorbei. Die Reaktion des Staates: Steuern anheben. Es ist ein Teufelskreis.
    • Chrigi-B 13.06.2017 12:23
      Highlight Highlight Der Norden von Italien ist Europa der Süden Afrika. Keine Neuigkeiten. Im Süden ist der Mafiasumpf grösser als er je war.
    • moedesty 13.06.2017 12:38
      Highlight Highlight perfekt beschrieben. vorallem der letzte teil mit den steuern. da muss ein neues system her.
    • Tavares 13.06.2017 13:26
      Highlight Highlight Bei rund 60% Steuern auf Einnahmen (stimmt das wirklich? :o ) erstaunt es nicht wirklich, dass vieles schwarz gemacht wird...
    Weitere Antworten anzeigen
  • Amboss 13.06.2017 11:22
    Highlight Highlight Klar ist Italien in der Krise, aber: Na und?

    Italien ist eigentlich immer in einer Krise und auch diese Krise wird vorübergehen.

    Also mal easy locker bleiben
  • Tschakkaaa! 13.06.2017 11:03
    Highlight Highlight Wirklich schade um Italien! Ein Land mit grossem Potenzial und landschaftlich einer der schönsten Flecken dieser Erde. Die Leute sind freundlich und die Lebensfreude ist ansteckend. Aber das Verderben steckt genau so bei den Leuten. Nicht nur die Politiker sind das Problem. Der Italiener muss grundlegend seine Mentalität ändern. Das Bescheissen gehört schon zum guten Ton, viele Italiener sind mammoni (Müttersöhnchen) und Opportunisten. Die einzigen Hoffnung sind die vielen Auslandsitaliener die vielleicht in ihr Land zurückkehren und ein bisschen die Einstellung ändern. Worte einer Italienerin
    • Madison Pierce 13.06.2017 11:30
      Highlight Highlight Bis der Euro kam, hat Italien immer gut gelebt. Nicht so produktiv wie die nördlichen Länder, aber voll mit Lebensfreude, die uns Touristen ja so magisch anzieht.

      Die gleiche Währung wie Länder wie Deutschland zu haben ist aber Gift. Das hat man bei Griechenland und zum Teil auch bei Portugal gesehen.

      Die südlichen Länder sollten wieder ihre eigenen Währungen haben oder allenfalls einen "Süd-Euro" herausgeben.
    • Thomtackle 13.06.2017 11:45
      Highlight Highlight Besser kann man es nicht auf den Punkt bringen. Genau das ist das Problem. Es liegt an der Mentalität. Das Bescheissen "Tagesgeschäft" und solange das so ist, wird es nicht besser.
    • Fly Baby 13.06.2017 12:05
      Highlight Highlight Leider hast du recht, bin auch Italiener, aus dem Norden. Muttersöhnchen und Angeber, schlimmer geht es nicht. Freundlich waren sie mal, das ist auch vorbei, vor allem in den Metropolen.
      Erst wolten wir nach Italien, ein Gästehaus eröffnen. Meine Tanten, Cousins und Onkel aus dem Veltlin haben uns dringend davon abgeraten, zum Glück. Jetzt sind wir in der Provence und sehr glücklich und zufrieden.
    Weitere Antworten anzeigen
  • LeChef 13.06.2017 11:01
    Highlight Highlight Überraschend guter Artikel, obwohl vom Spiegel. Leider vergisst der Autor aber, die katastrophalen Auswirkungen des Euro für Italien zu erwähnen. Die Währung ist viel zu stark für die KMU-lastige und überregulierte italienische Wirtschaft. Ausserdem bleibt so auch die Inflation niedrig. Früher, bei Inflationsraten von 5 bis 10 Prozent war es kein Problem, wenn der Staat dauernd Defizite produzierte, weil die reale Schuldenlast sich durch die Preisentwicklung laufend von selbst reduzierte. Heute liegt die Inflation vielleicht bei 2%, die Staatsdefizite sind aber immernoch gleich hoch...
    • FrancoL 13.06.2017 11:50
      Highlight Highlight Bei 2'200 Mia Schulden eine eigene sich immer abwertende Währung zu haben ist dann was genau ausser Selbstmord? Da würden innert weniger Jahre die Schulden mehr als nur verdoppelt und dies OHNE dass neue Schulden gemacht werden.

      Rettung kommt nur über ein leicht besseres Wachstum und einer Reform die die Steuern betrifft.

      Ich arbeite mit vielen kleinen KMUs in Italien (ein gutes Dutzend) und stelle fest dass deren Eigentümer einen Bruchteil meiner Steuern bezahlen obwohl sie Häuser, Autos und Ferien machen.

      Die Steuerlast muss man im Verhältnis zu den deklarierten Steuern sehen.
    • Hayek1902 13.06.2017 12:25
      Highlight Highlight durch diese hohe Inflation hat sich aber Italien auch hohe Zinsen aufgehalst und das reale Wachstum abgewürgt. So einfach ist die Sache nicht.
    • LeChef 13.06.2017 14:33
      Highlight Highlight Nein, Franco, was du sagst gilt für Entwicklungsländer, die sich v.a. in Dollar verschulden, (weil niemand Guthaben in, sagen wir zB. Liberianischen Pfund halten möchte). Wenn deren Landeswährung abwertet, können sie ihre Dollarschulden nicht mehr bedienen. Italien konnte sich aber immer recht gut in Lire verschulden, sogar bei ausländischen Gläubigern. In dieser Situation führt eine schwache Währung über den Inflationskanal zu einer realen Verringerung der Schuld.
      Hayek: Ja, das Ganze wird über höhere Schuldzinsen erkauft, im Falle von Italien hat das aber immer recht gut funktioniert.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Wilhelm Dingo 13.06.2017 10:50
    Highlight Highlight Das Grundproblem in Italien ist, dass die WählerInnen keine wirklichen Reformer wählen. So geht das Elend unendlich weiter bis zum grossen Knall!
  • Luca Brasi 13.06.2017 10:48
    Highlight Highlight Ein schöner Werbespot für die torta seitens Herr Schlamps. ;P

    Dass Griechenland ein höheres Wachstum aufweist, verwundert mich nicht, wenn vorher dort alles geschrumpft ist.
    • Froggr 13.06.2017 13:16
      Highlight Highlight Und vorallem wenn die EU dort Milliarden reinbuttert à la ist doch egal, der Steuerzahler bezahlts ja eh.
  • Matthias Studer 13.06.2017 10:48
    Highlight Highlight Was noch erwähnt werden darf. Italienische Unternehmen haben den Hauptsitz ins steuergünstige Länder verlegt.
    • LeChef 13.06.2017 11:17
      Highlight Highlight Ja, kannst dus ihnen verdenken, Matthias...? Bei einer durchschnittlichen (!) Abgabenlast von 60%..?
    • atomschlaf 13.06.2017 11:23
      Highlight Highlight Ist auch kein Wunder bei solchen Steuersätzen...
    • Anonymer 13.06.2017 11:23
      Highlight Highlight Das wundert eigentlich niemanden, der in diesem Wirtschaftssystem aufgewachsen ist.
      Es ist allerdings tragisch anzusehen, wenn selbst Fiat (sozusagen Italiens Stolz) ihren Hauptsitz in die Niederlande verlegt.
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  • who cares? 13.06.2017 10:42
    Highlight Highlight Muss unbedingt noch eine dieser Torten haben bevor der Betrieb eingeht :O

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