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Heute vor 100 Jahren: So endete der 1. Weltkrieg

Am 11. November unterzeichneten die Entente und die Mittelmächte einen Waffenstillstand. Dieser sollte zwar nur für 36 Tage gelten, beendete jedoch faktisch den 1. Weltkrieg. Gleich mehrere Grossreiche zerfielen, das alte Europa stand vor einem Scherbenhaufen.



Der 1. Weltkrieg dauerte vier Jahre und tobte in Gebieten in Europa, im Nahen Osten, Asien, Afrika und Ozeanien. Am Ende war Europa nicht mehr wieder zuerkennen: Das russische Zarenreich, das deutsche Kaisertum, die österreich-ungarische Doppelmonarchie und das Osmanische Reich gab es so nicht mehr.

Innert weniger Wochen manifestierten sich tiefgreifende Veränderungen in ganz Europa. Hier eine Chronologie der letzten Tage des «Grossen Krieges»:

September und Anfang Oktober 1918: 

Die osmanische Armee verliert am 21. September die Palästinaschlacht. Die militärische Lage der Mittelmächte gerät damit endgültig ins Wanken. Osmanische, österreichische und deutsche Generäle sehen eine Weiterführung des Krieges als aussichtslos.

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Osmanische Generäle auf der Flucht vor den anrückenden Entente-Truppen. Bild: wikimedia

24. Oktober:

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Die deutsche Hochseeflotte von 1917.  Bild: wikimedia

Aus dieser aussichtslosen Situation heraus entscheiden sich die deutschen Admiräle für einen Frontalangriff der deutschen auf die britische Flotte. Am 24. Oktober ergeht der Auslaufbefehl an die gesamte in Wilhelmshaven zusammengezogene deutsche Flotte.

Ob es den Admirälen um eine Wende im Krieg oder lediglich um den glorreichen Untergang ging, ist umstritten. Ihnen dürfte jedoch klar gewesen sein, dass ein Angriff auf die doppelt so starke «Grand Fleet» Grossbritanniens für die 80'000 deutschen Matrosen einem Himmelfahrtskommando gleichkommen musste.

27. Oktober:

Wenige Tage später kommt es zu ersten Befehlsverweigerungen auf deutschen Kriegsschiffen. Die Matrosen sind nicht bereit, kurz vor Kriegsende ihr Leben für die Ehrerhaltung verhasster Generäle zu geben. 

Ausserdem sind unter den Kriegführenden Staaten bereits Waffenstillstandsverhandlungen im Gange. Die Matrosen sehen im Auslaufbefehl einen Versuch der Armeeleitung, diese Verhandlungen zu torpedieren. 

28. Oktober:

Zur gleichen Zeit löst sich der deutsche Verbündete Österreich-Ungarn allmählich auf. Die geschwächte Armee der Doppelmonarchie ist den Truppen der Entente nicht mehr gewachsen und ersucht diese am 28. Oktober um einen Waffenstillstand.

In den verschiedenen Regionen des Reiches haben bereits im Verlauf der letzten Monate Sezessionsbewegungen eingesetzt. In Ungarn, in Tschechien und auf dem Balken sind Nationalräte gebildet worden. Das Gesuch um einen Waffenstillstand verschafft diesen weiter Aufschwung. Am gleichen Tag wird in Prag die tschechoslowakische Republik ausgerufen.

29. bis 31. Oktober:

Nun beginnt ein Dominoeffekt, dem das zerrüttete Österreich-Ungarn nicht mehr gewachsen ist. Auch auf dem Balkan wird der Staat der Slowenen, Kroaten und Serben ausgerufen.

Einen Tag später konstituiert sich nach Verlust der weitreichenden Gebiete der Staat Deutschösterreich und die osmanischen Truppen leiten ebenfalls Waffenstillstandsgespräche mit der Entente ein. Am 31. Oktober löst schliesslich Ungarn die Verbindung zu Österreich. Damit ist die Habsburgermonarchie faktisch am Ende.

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Innert kürzester Zeit fällt Österreich-Ungarn zum Ende des 1. Weltkrieges in sich zusammen.  Bild: wikipedia/alphacentauri

3. November:

Wenige Tage später ersucht auch die österreichische Militärführung die Entente um einen Waffenstillstand. Die deutschen Truppen stehen nun alleine gegen Grossbritannien, Frankreich und die USA da.

Doch damit nicht genug: Im deutsche Kaiserreich wächst der Matrosenaufstand in Kiel in eine landesweite Revolution aus, die das Kaisertum nicht übersteht.

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Deutsche Revolutionäre vor dem Brandenburger Tor. Bild: wikimedia

9. und 10. November:

Nach mehreren unbeantworteten Abdankungsgesuchen der Mehrheitssozialdemokratischen Partei Deutschlands (MSPD) an den Kaiser wird am 9. November die deutsche Republik ausgerufen, und zwar gleich zwei Mal.

Zum einen von der MSPD, zum anderen von der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD). Die beiden Parteien einigen sich später auf eine gemeinsame Erklärung.

Erster Weltkrieg Kaiser Wilhelm II. am 10. November 1918 auf dem Weg ins Exil in den Niederlanden (Bundesarchiv Bild 183-R12318)

Kaiser Wilhelm II. (4. v. l.) auf einem Bahnsteig in Belgien. Kurz nach der Aufnahme stieg er in einen Zug, der ihn nach Holland ins Exil brachte. bild: Bundesarchiv

Der Kaiser flieht am 10. November in die Niederlande. Das deutsche Kaisertum ist damit am Ende.

11. November:

Eine deutsche Delegation trifft am 8. November auf der Lichtung von Rethondes im Wald von Compiègne ein. Dort wird zusammen mit der Delegation der Entente ein Waffenstillstand ausgehandelt.

Der Verlust aller Verbündeten und die drohende Revolution im eigenen Staat versetzen die deutsche Delegation in eine sehr schwache Verhandlungsposition. Die deutsche Armee wird durch die Bestimmungen des Waffenstillstandes quasi entwaffnet.

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Die Delegation der Entente vor dem «Wagen von Compiègne», in dem der 1. Weltkrieg faktisch beendet wurde.   Bild: wikimedia

Der Waffenstillstand wird am 11. November beschlossen. Er sollte zwar nur für 36 Tage gelten, die Bedingungen machen aber eine Weiterführung des Krieges für Deutschland unmöglich. Der Krieg ist beendet.

Milliardär findet «USS Lexington»

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Video: watson

Die Zahlen des Ersten Weltkriegs

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    Alle Leser-Kommentare
  • MrNiceGuy 12.11.2018 11:24
    Highlight Highlight Im Ersten Weltkrieg hatte Serbien die größte Zahl von Toten unter allen Kriegsteilnehmern zu verzeichnen: 1,2 Mio., d.h. 53 Prozent der männlichen Bevölkerung zwischen 18 und 55 Jahren
    • Fabio74 12.11.2018 17:28
      Highlight Highlight Prozentual gesehen
  • hifish 11.11.2018 15:57
    Highlight Highlight Nach dem 1. Weltkrieg hiess es bei allen beteiligten: „Nie mehr Krieg“. Einige Länder (unter anderem die Schweiz) reduzierten darauf Ihre Armee aufs Minimum.
    Doch aus der Kapitulation der Deutschen Generäle wurde dann die Dolchstoss-Lüge. Mit diesen „Fake News“ konnte Hitler die kriegsmüden Deutschen sehr schnell für eine „Revanche“ begeistern.

    Ich frage mich manchmal ob wir nicht schon langsam wieder auf dem Weg in eine solche Spirale sind.
    • Billy the Kid 11.11.2018 18:43
      Highlight Highlight @hifish
      Man sagte zwar "nie wieder Krieg" - Die Verträge, die man abschloss verraten aber eine andere Realität. General Foch (einer der höchsten Militärs) sprach dies ganz unverblümt aus: Dies ist kein Friede, sondern nur ein Waffenstillstand, der in 20 Jahren (!) wieder gebrochen wird. Er lag quasi aufs Jahr richtig mit seiner düsteren Prophezeiuung.
      Die Dolchstosslegende wurde übrigens von Ludendorff höchst persönlich ins Leben gerufen um seine Schuld an der Misere auf die Kommunisten und Sozialisten abzuwälzen. Hitler hat dann noch die Juden und Liberalen hinzugedichtet...
    • Billy the Kid 11.11.2018 18:49
      Highlight Highlight @hifish
      Tschuldigung: Foch war Marschall und nicht General.
    • hifish 11.11.2018 22:50
      Highlight Highlight Schlussendlich hatte die Schweizer Armee beim Ausbruch des 2. Weltkriegs (Überfall auf Polen) kaum eine Hose für jeden Soldaten. Geschweige denn genug Munition.
      Den Militärs war zwar die Gefahr wohl bewusst, doch Ihre Warnungen kamen weder in der Politik noch beim Volk an. Die Armee wurde in den Jahren nach 1917 quasi totgespahrt.
      Ich bin nicht wirklich ein Militärfreak. Aber mir gibt die momentane Entwicklung (Weltpolitik und CH-Politik) zu Denken.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Elsässer 11.11.2018 14:06
    Highlight Highlight Ergänzende Zahlen zum Vergleich:
    Spanische Grippe 1918-1920 : zwischen 25 und 50 Millionen Opfer.
    Russischer Bürgerkrieg 1917-1922 : 8-10 Millionen Opfer.
    Stalinistische Säuberungen 1929-1953: über 20 Millionen.
    (Alle Zahlen aus Wikipedia).
    Das grosse Sterben im 1. Weltkrieg war keinesfalls einmalig.
    • Garp 11.11.2018 15:55
      Highlight Highlight Du hast den zweiten Weltkrieg vergessen.
    • der Denker 11.11.2018 15:56
      Highlight Highlight Es gibt ja auch die Meinung, dass es ein grosser Krieg zwischen 1914 und 1945 war. Dies ist nicht mal so abwägig wenn man diese Zeitspanne anschaut
    • Liselote Meier 12.11.2018 11:02
      Highlight Highlight Wenn man schon Quellen angebiet sollten die Zahlen mit der Quelle schon übereinstimmen.

      Der Wiki-Eintrag zu den stalinistischen Säuberung besagt 3-20 Millionen.


  • Pafeld 11.11.2018 13:31
    Highlight Highlight In den meisten westeuropäischen Staaten ist heute sogar ein richtiger Feiertag. Dumm nur, dass heute Sonntag ist... :(
    • Garp 11.11.2018 16:01
      Highlight Highlight Feiertage und frei, wird eh bald abgeschafft, wenn die Bedeutung der Feiertage keinen mehr kümmert. Auch Sonntage können abgeschafft werden, ein Atheist braucht keinen biblisch verschriebenen Ruhetag. ^^







    • Garp 11.11.2018 18:06
      Highlight Highlight Hej, ich bin Agnostiker 😁 aber an den christlichen Feiertagen will ich festhalten. Sieht man doch im Verkauf, dass immer mehr versucht wird, die abzuschaffen.
  • Garp 11.11.2018 13:16
    Highlight Highlight Und gleich wurde der Grundstein für den zweiten Weltkrieg gelegt, mit unsäglichen Reparationszahlungen.
    • Fabio74 11.11.2018 19:10
      Highlight Highlight Legende. WK2 wurde von Hitler und dem Faschismus gelegt. Und von den Westmächten die weg schauten als die Deutschen aufrüsteten, als sie 1936 ins entmilitarisierte Rheinland einmarschierten. Mit den Annektionen 38 war der Weg vorgezeichnet
    • Liselote Meier 12.11.2018 11:42
      Highlight Highlight Durchaus, man muss sich aber im klaren sein, dass die Deutschen kein Stück besser waren.

      Der Vertrag von Brest-Litowsk 1918 (Separatfrieden mit Russland) hatte noch viel grössere Gebietsabtrennungen als der Versailler Vertrag.
  • Raphael Conca 11.11.2018 11:59
    Highlight Highlight Unglaubliche Zahlen in der Bild Reihe zum Schluss.
    Und das nur damit ein paar an der Macht bleiben wollten.
    Und 12 Jahren später dasselbe Spiel.
    Hoffentlich nie mehr in Europa!
    • Billy the Kid 11.11.2018 13:12
      Highlight Highlight 70 Millionen Soldaten - das sprengt jegliches Vorstellungsvermögen.
      Es ging auch um viel Geld, dass die Amerikaner vor allem in die Alliierten gesteckt hatten. Als im Sommer 1916 nicht die erhoffte Wende eintrat - mussten die riesigen Investitionen (nicht die Menschen!) gerettet werden.
      Wilson hat nicht nur sein eigenes Volk belogen, indem er ihm hoch und heilig versprochen hatte, dass mit ihm kein Krieg stattfinden werde, sondern er hielt es mit der Neutralität von Anfang an nicht. Mit dem Kriegseintritt der USA wurde der Krieg unnötig verlängert und die 2. Katastrophe vorbereitet.
    • der Denker 11.11.2018 15:57
      Highlight Highlight @Billy erst durch die USA wurde dieser Krieg in entscheidende Bahnen gelenkt
    • sslider 11.11.2018 16:08
      Highlight Highlight Du hast recht,aber es war 21 Jahre später.
    Weitere Antworten anzeigen
  • OLAF der I. aka Gàn 11.11.2018 11:12
    Highlight Highlight Bedeutet das, dass der Matrosenstreik zum Ende eines Kriegs massgeblich beigetragen hat? Ich wünsche mir mehr solche Soldaten auf der Welt.
    • Cédric Wermutstropfen 11.11.2018 11:35
      Highlight Highlight Solche Soldaten wünsche ich mir auch bei allen ausländischen Streitkräften, aber nicht in der Schweiz.
    • Wenn Åre = Are dann Zürich = Zorich 11.11.2018 11:45
      Highlight Highlight Er löste halt eine Kettenreaktion aus.
      Die Matrosen, viele Soldaten (allen voran Kommunistisch Orientierte Soldaten und Matrosen) aber auch viele Zivilisten in Deutschland jhatten die Schnauze voll vom Krieg
      Die Seeblockade schnürte das Land ab.

      Der Krieg wäre eh nicht mehr lang gegangen, die Generäle (z.B. Hindenburg oder die Admiraliät) wollten sicher noch eine letzte Grosse Schlacht schlagen aber Verloren war der Krieg allemal schon, die Deutsche Armee hatte den Ententen nicht entgegenzusetzen
    • Ohniznachtisbett 11.11.2018 17:32
      Highlight Highlight Naja da ist glaube ich immer auch die Frage nach dem Huhn und dem Ei. Die Mittelmächte waren im Herbst 18 wohl insgesamt militärisch und ökonomisch besiegt. Hat also der Matrosenaufstand massgeblich zur Beendigung des Krieges beigetragen? Eher Nein. Hat der Aufstand dazu beigetragen, dass der Kaiser abdanken musste, die Republik ausgerufen wurde und dass mehrere 10-tausend Seeleute nicht auch noch diesem 4-jährigen Wahnsinn zum fielen. Bestimmt ja

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