International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Jagd auf den Löwenkiller: «Walter Palmer hat schon die Hälfte von Noahs Arche getötet»

Tot: Löwe Cecil. Bild: EPA/ZIMPARKS



Cecil the Lion ist tot. Das 13-jährige Alpha-Männchen aus dem Hwange-Nationalpark in Simbabwe war bekannt aus BBC-Tierdokus und somit einer der berühmtesten wild lebenden Löwen der Welt. Aufgrund seines GPS-Halsbands war sein Kadaver eindeutig indentifizierbar (seine Jäger hatten vergeblich versucht, das Halsband zu zerstören).

Play Icon

Cecil the Lion, festgehalten auf einer Safari YouTube/Bryan Orford

Ebenfalls identifizierbar ist seit gestern Cecils Jäger, der amerikanische Zahnarzt Walter Palmer, der offenbar 50'000 Dollar für den Kill bezahlt hatte. 

Image

Walter Palmer (l.) 2008. Bild: trophyhuntamerica

«So weit ich es verstehe», so ein Sprecher Palmers gegenüber dem «Guardian», «vermutet Walter, dass er den Löwen geschossen hat, den man als Cecil bezeichnet.» Die Löwenjagd sei seines Wissens «legal» gewesen, alle Bewilligungen habe er sich organisieren lassen.

Laut der Zimbabwe Conservation Task Force (ZCTF) hatten die Jäger den Löwen aber mit Hilfe eines an ihrem Wagen befestigten toten Tiers in der Nacht aus dem Nationalpark, wo er geschützt ist, gelockt und zunächst vergeblich versucht, ihn mit Pfeil und Bogen zu erlegen. Gestorben ist der Löwe nach 40-stündigem qualvollem Todeskampf. 

Der Safari-Organisator und der Besitzer der Farm, auf der Cecils Kadaver entdeckt wurde, müssen sich nun vor Gericht der Grenzstadt Victoria Falls wegen Wilderei verantworten. Auch Walter Palmer wird polizeilich gesucht:

Derweil bleibt Walter Palmers Zahnarztpraxis in Bloomington, Minnesota geschlossen:

Gleich nach den ersten Reports, waren «Cecil the Lion» und «Walter Palmer» die trending Topics auf Twitter.

walter palmer twitter screenshot

Screenshot: Twitter

Sehr, sehr schnell wurden weitere Bilder von Palmers Jagd-Ferien gefunden:

Und dann ging es los. Palmer ist der zur Zeit meistgehasste Mann auf Twitter:

Auffällig viele Prominente tweeten, was das Zeugs hält:

Die Yelp-Seite für Palmers Praxis River Bluff Dental wurde ebenfalls von Hasstiraden überschwemmt. Die meisten User gaben ihm eine 5-Sterne-Bewertung, damit ihre Comments zuoberst auf der Liste erscheinen: 

walter palmer yelp page River Bluff Dental

Bild: Yelp

Mit der Zeit merkten User, dass die Kommentare gelöscht wurden. Yelp erklärte: «Yelp-Reviews müssen eine Kundenerfahrung aus erster Hand sein, nicht etwas, das jemand in den Nachrichten gehört hat. Unser User-Support-Team löscht Rezensionen, die unseren Richtlinien nicht entsprechen.» 

Doch die Palmer-Kritiker liessen (und lassen weiterhin) nicht ab: 

walter palmer yelp

Bild: Yelp

«Keine Narkose, häutete mich, hackte mir den Kopf ab und schaute nicht einmal nach meinen Zähnen!»

Derweil war auf der Facebook-Page von River Bluff Dental die Hölle los.

Inzwischen ist die Page gelöscht worden:

Image

Ebenfalls die Website riverbluffdental.com.

Image

Der Eingang der Praxis wurde inzwischen zu einem Schrein für Cecil the Lion umfunktioniert.

Angeblich machen Kritiker nun «Jagd» auf Palmer, in dem sie Löwen-Kuscheltiere «als Köder» um sein Haus streuen.

Erst im Juni hatte die Weltnaturschutzunion IUCN darauf hingewiesen, dass der Löwe zu den immer bedrohteren Arten zählt. Trotz einiger Schutz-Erfolge im südlichen Afrika gingen die Löwen-Bestände im Westen und Osten des Kontinents deutlich zurück. 

Die Naturschützer von ZCTF fürchten nun, dass auch Cecils Junge getötet werden könnten, allerdings auf natürliche Weise: Cecils Nachfolger Jericho dürfte es nicht gelingen, sie vor anderen männlichen Löwen zu schützen.


Derweil sickern weitere Informationen über Walter Palmer durch: Der zweifache Familienvater ist nach einem Bericht der Zeitung «Star Tribune» ein passionierter Jäger und Mitglied der Trophäen-Jagd-Organisation Safari Club International. Dort prahlt er mit 43 «kills», unter anderen soll er einen Büffel, Eisbären und Berglöwen erlegt haben. 

Die «New York Times» berichtete einst, wie der Mann einen rekordverdächtig grossen Elch in Kalifornien mit Pfeil und Bogen tötete. Diese Waffe habe es ihm offenbar besonders angetan. Er verabscheue es, eine Feuerwaffe auf seine Jagdtrips mitzunehmen, sagte er der Zeitung. Und er prahlte damit, eine Spielkarte aus 90 Metern Entfernung treffen zu können.

In Sachen Wilderei ist der Zahnarzt indes kein unbeschriebenes Blatt: 2008 gestand er, mit anderen einen Schwarzbären in Wisconsin ausserhalb einer Jagdzone erlegt zu haben. Er erhielt eine einjährige Bewährungsstrafe und bezahlte eine Busse über 3000 Dollar. Auch wegen Fischens ohne Lizenz wurde er schon gebüsst.

Schliesslich berichtete die «Star Tribune» auch, dass der Zahnarzt 2009 rund 128'000 Dollar bezahlte, um einen Fall von angeblicher sexueller Belästigung abzuwenden. Der Vergleich enthielt jedoch kein Schuldeingeständnis. Der Fall brachte ihm auf den Sozialen Medien keinen Sympathiegewinn.  

Diese Jäger mussten einen Shitstorm über sich ergehen lassen:

Abonniere unseren Newsletter

31
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
31Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Nachtvogel 30.07.2015 11:46
    Highlight Highlight Absolut verwerflich, was dieser sogenannte Jäger (für mich Wilderer) sich da geleistet hat. Eine Schweinerei, dass die Einheimischen ihn sogar noch unterstützt haben.

    Jagd in Afrika hat eine sozio-ökonomische Komponente (wenn auch eine kleine). Wenn der Erlös aber dem Unterhalt und Vergrösserung des Reservats dient und der Finanzierung der Wildhüter gegen Wilderer, dann durchaus eine Positive.
  • Nachtvogel 30.07.2015 11:14
    Highlight Highlight Die Hege ist keine Mär - im Kanton Bern muss ein Jungjäger schon mal 50 Hegestunden leisten, um zur Prüfung zugelassen zu werden. Bei 140 Jungjägern in Ausbildung 2014 gibt das 7000 Hegestunden (gratis) - dies ohne übrige Jäger.

    Selbstregulierung gibt es. Dies jedoch durch Tollwut, Staupe, Räude, Tuberkulose, Autounfälle, Mähunfälle, Winter usw. Gesetzlich muss ein Jäger alles tun, um dem Wild unnötiges Leiden zu ersparen - sonst droht Entzug der Jagdberechtigung. Alkohol aus meiner Sicht Nulltoleranz. Verurteile nicht was du nicht kennst.

    Viel Spass beim weiterbashen - bin dann mal weg...
    • Lu-Tze 30.07.2015 14:22
      Highlight Highlight es sagt gar keiner was gegen Jäger, "Nachtvogel". Sondern gegen Leute, die in den Ländern anderer Leute geschützte/seltene Tiere erlegen. Das eine hat mit dem anderen NIX zu tun!
    • Nachtvogel 30.07.2015 14:50
      Highlight Highlight Wenn man die Posts so durchliest enthalten gewisse Quoten das übliche Halbwissen, Verallgemeinerungen und Unwahrheiten. Wollte nur eine differenzierte Betrachtung nahelegen.
  • Rocky77 29.07.2015 16:00
    Highlight Highlight Wie kann man nur Tiere zum Spass töten.

    Fühlt ihr euch dabei so überlegen, wenn ihr euer Steak esst?
    • Datsyuk * 29.07.2015 21:07
      Highlight Highlight Olga, ich stimme dir zu.
  • Robert K. 29.07.2015 13:59
    Highlight Highlight Hr Palmer sollte mit einer so hohen Busse gestoppt werden, dass zukünftige Jagdsafaris nicht mehr in sein Budget passen.
  • Boston5 29.07.2015 13:56
    Highlight Highlight Wie kann man 50'000 CHF bezahlen nur um ein Tier zu töten, sowas ist doch krank...
  • Triumvir 29.07.2015 13:46
    Highlight Highlight Eines Tages muss er für seine abscheulichen Taten (wer ein Tier ohne Not, mutwillig und vor allem ohne vernünftigen Grund tötet, der handelt in meinen Augen abscheulich) die Verantwortung übernehmen müssen. Denn ich persönlich glaube daran, dass alle bösen Taten eines Tages auf einen selber zurückfallen werden.
    • Datsyuk * 29.07.2015 14:52
      Highlight Highlight Das denke ich auch..
    • decay 29.07.2015 16:19
      Highlight Highlight Karma yes
    • olga 29.07.2015 18:52
      Highlight Highlight Triumvir, du sagst: "Wer ein Tier ohne Not, mutwillig und vor allem ohne vernünftigen Grund tötet, der handelt in meinen Augen abscheulich." (Genau das macht ein Metzger!) Ich weiss jetzt schon, was für Reaktionen gleich kommen werden, aber mal ganz ehrlich: Seid ihr alles Vegetarier? Das wäre natürlich toll und dann verstehe ich auch den Shitsorm den dieser Typ als "meistgehasster Mensch des Internets" grad über sich ergehen lassen muss. Klar ist es falsch einen Löwen zu töten, aber wegen Fleischessern werden jedes Jahr Milliarden von Nutztieren ohne mit der Wimper zu zucken abgeschlachtet!!
    Weitere Antworten anzeigen
  • Datsyuk * 29.07.2015 13:45
    Highlight Highlight Der Mensch (Säugetier) sieht sich als Krone der Schöpfung. Anstatt daraus Verantwortung abzuleiten für den Umgang mit den restlichen Tieren, nutzt der Mensch Tiere aus, tötet sie, sperrt sie ein und benutzt sie zur Unterhaltung usw. Meiner Meinung nach messen viele Menschen den (anderen) Tieren keinen Wert zu. Natürlich kann die Natur brutal sein. Jedoch gehe ich davon aus, dass Raubtiere grundsätzlich nur zur Selbsterhaltung andere Tiere töten. Wie der Mensch als "höchstes" Tier mit den restlichen Tieren umgeht ist beschämend.
    • 1337pavian 29.07.2015 15:56
      Highlight Highlight Wer behauptet heute noch, wir seien das höchste Tier?

      Unbescheiden sind wir, das wär's!

      Wären wir tatsächlich das höchste Tier (nach unseren eigenen Ansprüchen), so hätten wir besseres zu tun, als in solchen Kategorien zu denken.
  • Hans Jürg 29.07.2015 13:14
    Highlight Highlight Von mir aus kann er auch die ganze Arche von Noah killen. Aber die Tiere soll er gefälligst in Ruhe lassen.
    • obi 29.07.2015 13:43
      Highlight Highlight Yeah I see what you did there 😄
  • Shamol 29.07.2015 12:59
    Highlight Highlight "Cecils Nachfolger Jericho dürfte es nicht gelingen, sie vor anderen männlichen Löwen zu schützen."
    Falsch. Man wird die Cecils Junge nicht vor Jericho schützen können. Nachfolger töten die Jungen des Vorgängers wegen der Verteilung ihrer DNA, das ist leider in derselben vorprogrammiert.
    • Shamol 31.07.2015 23:46
      Highlight Highlight Anscheinend hält Cecils Bruder die Stellung 👍
  • droelfmalbumst 29.07.2015 12:50
    Highlight Highlight Das sowas krankes überhaupt erlaubt ist... wie kann man jagen überhaupt als "sport" bezeichnen... höre hier lieber auf anstatt zu texten was mir durch den kopf geht wenn ich solches zeug lesen muss...
  • saukaibli 29.07.2015 12:47
    Highlight Highlight Kann mir mal irgend einer, vielleicht gibt's hier einen Jäger, erklären, was das geile daran ist ein Tier zu töten? Was erregt euch dabei, wenn ihr das Leben aus einem Tier weichen sieht? Es geht mir dabei nicht um Schlachthöfe wo Tiere getötet werden um daraus Nahrung zu machen, sondern um die, die Tiere einfach zum Spass töten. Würdet ihr auch gerne einen Menschen zum Spass töten? Was sind das für Gefühle beim Töten?
    • Tobi-wan 29.07.2015 13:02
      Highlight Highlight Vergleiche nicht die Jäger in der Schweiz mit einem Safarijäger. Das sind zwei verschiedene paar Schuhe! Hier in der Schweiz jagen die Jäger, weil der Wildbestand sonst überhand nehmen würde (es gibt ja kaum natürliche Feinde). Zudem wird der Hirsch oder die Gemse danach verwertet.
      Ich zumindest kenne keinen Jäger, der er es 'geil' findet einen Hirsch sterben zu sehen.

      Auf der Safari werden nur Trophäen gejagt. Das bringt in gewissen "Gentlemenclubs" wohl ein höheres Ansehen...
    • Ms. Song 29.07.2015 13:06
      Highlight Highlight Niemand denkt von sich selbst, dass er Tiere aus Spass tötet. Jeder Jäger sieht einen Grund in seiner Arbeit. Meistens wird die Ausrede benutzt, eine Überpopulation zu vermeiden. Bei Tieren wie z.B. Elefanten wird angegeben, dass diese Tiere die Ernten der Menschen zerstören.Raubkatzen greifen anscheinend Menschen an.In Wahrheit werden Raubtiere getötet, da sie Konkurrenz darstellen und da man sich so überlegen und mächtig fühlen kann.Je grösser und gefährliche ein Tier, desto mächtiger fühlt sich der Jäger.Die Natur braucht keine Jäger, sie reguliert sich selbst.Auch hier wäre dies der Fall.
    • Ikarus 29.07.2015 13:10
      Highlight Highlight Die grundsätzliche jagd geht doch immernoch um nahrung. Also jäger gleich zu verteufeln muss nicht sein.

      Leider zählt halt geld mehr als ein leben, das wird dann damit begründet das er mit den 50'000 ein zaun gesponsert hat damit 100 löwen sicher leben können blabla,
      traurige welt.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Mooogadelic 29.07.2015 12:20
    Highlight Highlight Zahnärzte sind eben doch Sadisten!
    • mrmouse 29.07.2015 13:28
      Highlight Highlight na, ich kenn paar tolle Zahnärzte die nicht so einen "Flick" abhaben...

Warum einer Aargauerin die IV-Rente halbiert wird, nachdem sie zu viel getwittert hat

Brigitte Obrist ist aktiv auf Twitter und Facebook. Zu aktiv, finden einige und fragen sich, wie eine IV-Bezügerin den ganzen Tag vor dem PC sitzen kann. Sie beschweren sich bei den Behörden – mit fatalen Konsequenzen für Obrist.

In ihrem Wohnkanton, dem Aargau, ist Brigitte Obrist bekannt als eine Frau, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Vor zwei Jahren hat sie gegen ein Muslim-Inserat von der SVP Strafanzeige eingereicht. Über die Kantonsgrenze hinaus kennt man Obrist als ehemalige Bordellbetreiberin, AIDS-Hilfe-Projektleiterin und heutige Kämpferin für die Rechte von Sexarbeiterinnen. 

Mit fast allem in ihrem Leben geht Obrist offen um. Mit ihrer Vergangenheit als Prostituierte, mit ihrer Krankheit, den …

Artikel lesen
Link to Article