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epa07588013 US President Donald J. Trump responds to a question from the news media as he walks to board Marine One on the South Lawn of the White House in Washington, DC, USA, 20 May 2019. President Trump is traveling to Pennsylvania for a political rally.  EPA/SHAWN THEW

Bild: EPA/EPA

Donald Trump, die Angstmaschine

Der US-Präsident twittert – und schon wächst die Angst vor einem Irankrieg wieder. Der ist derzeit unwahrscheinlich. Doch Donald Trumps Kommunikation ist eine Gefahr.

Carsten Luther / Zeit Online



Was sollen sie eigentlich glauben in Teheran, wie es weitergeht? Das iranische Regime muss ja auch irgendwie umgehen mit den Tweets des US-Präsidenten. Oder den dürftigen Sätzen, die Donald Trump und Mitglieder seiner Regierung gelegentlich in ausgestreckte Mikrofone werfen. Will er nun Krieg oder nicht?

Solche Verwirrung scheint ihm jedenfalls recht zu sein: «Zumindest weiss der Iran nicht, was er denken soll, was an diesem Punkt sehr wohl eine gute Sache sein könnte», twitterte Trump vergangene Woche. Verbunden war das mit den üblichen Angriffen auf die «Fake-News-Medien»: alles falsch, gelogen und erfunden, was in Sachen Iran berichtet wird. Aber in Teheran werden sie ihre eigenen Quellen haben. Und wahrscheinlich trotz allen Getöses eine ganz solide Vorstellung davon, was der US-Präsident ernst meint und was er erreichen will.

Die Angstmaschine läuft. Plötzlich wird wieder überall gefragt, ob denn jetzt doch der Krieg komme.

Die Iraner werden also auch Trumps jüngste Twitter-Warnung – hoffentlich – mit der nötigen Gelassenheit in ein Gesamtbild einordnen: «Wenn der Iran kämpfen will, wäre es das offizielle Ende des Irans. Droht niemals wieder den Vereinigten Staaten!», schrieb er am Sonntag.

In vielen Überschriften wurde daraus in grösstmöglicher Zuspitzung: «Trump droht Iran mit Auslöschung» – eine Interpretation, die verdeutlicht, wie sehr der US-Präsident alle konditioniert hat, immer nur das abgrundtief Schrecklichste von ihm zu erwarten. Und wie wichtig es ist, jeden seiner Tweets als das einzuordnen, was er ist: ein Impuls mit üblicherweise geringer Halbwertszeit, der Aufschluss über sein Denken geben kann, aber nicht zwingend mit seinem Handeln übereinstimmt.

Aber die Angstmaschine läuft. Plötzlich wird wieder überall gefragt, ob denn jetzt doch der Krieg komme. Flugzeugträger, Bombergeschwader, 120'000 Soldaten, man hört ja so viel. Während allerlei symbolische Akte eine militärische Drohkulisse erzeugen, ist aber gleichzeitig offensichtlich: Weder Trump noch das iranische Regime wollen die Konfrontation in einen Krieg treiben. Der Iran nicht, weil er tatsächlich davon ausgehen muss, dass eine Eskalation seine Existenz bedroht. Und Trump nicht, weil er eben nicht einer dieser US-Präsidenten mit dem Finger am Abzug ist, aus deren Ära sein Nationaler Sicherheitsberater John Bolton stammt – ihn und andere Falken, die schon vom regime change in Teheran träumen, hat er dem Vernehmen nach inzwischen entsprechend eingenordet.

«Versuch es mit Respekt – es funktioniert»

Und doch provoziert Trump. Vor der aktuellen Wutrunde hatte er den Iran bereits vor Konsequenzen gewarnt, «wie sie im Laufe der Geschichte nur wenige jemals zuvor erlitten haben», und sich weitere Drohungen verbeten. Der iranische Aussenminister Mohammed Dschawad Sarif war da bereits ebenso deutlich geworden: «Krieg mit dem Iran ist die Mutter aller Kriege.» Später entgegnete er Trump, sein Land werde sich nicht vom «Geheul» des US-Präsidenten beeindrucken lassen, und empfahl: «Sei vorsichtig.» Aktuell rät er: «Versuch es mit Respekt – es funktioniert.»

President Donald Trump pumps his fist to the crowd after speaking to a campaign rally in Montoursville, Pa. (AP Photo/Evan Vucci)

Was will Trump? Der US-Präsident hat ein Kommunikationsproblem. Bild: AP/AP

Bis hoch zum obersten geistlichen Führer reicht in Teheran allerdings die Erkenntnis, dass diese Wortgefechte nicht entscheidend sind: «Es wird keinen Krieg geben», sagte Ajatollah Said Ali Chamenei in einer Rede vor Staatsbediensteten schon vor einer Woche. Auf US-Seite bleibt es bei einem «Wir wollen keinen Krieg, aber ...» – was derzeit stimmt, aber gleichwohl das Risiko nicht ausschliesst, dass man in einen hineinstolpert.

Deshalb ist es nicht getan mit dem Hinweis, dass Trumps Tweets mit Vorsicht zu behandeln sind. Dass sie Teil seiner Taktik sind und beispielsweise Nordkoreas Diktator Kim Jong Un ebenso zur Zielscheibe gewaltiger Drohungen und Beleidigungen wurde, bevor es Liebesbekundungen regnete, damit das Schauspiel eines weltverändernden Gipfels über die Bühne gehen konnte – und nach einem zweiten Treffen doch wieder alles ein wenig komplizierter aussieht.

Ja, das ist es, was der US-Präsident auch diesmal will: mit kompromisslosem Druck in Verhandlungen gehen, um den Gegner zu maximalen Zugeständnissen zu zwingen – alles oder nichts, sein Deal oder kein Deal. Das allein hat seine inhärenten Schwächen und Gefahren, doch das Kommunikationsvakuum zwischen den Tweets ist der eigentliche Grund zur Sorge: Trumps Regierung erklärt zu wenig, was sie tut; das Vertrauen in das Gesagte fällt nach unzähligen Falschdarstellungen und ständigen Widersprüchen schwer; und beides erhöht in einer Krise wie der mit dem Iran das Risiko von Missverständnissen.

Der Präsident wird es schon richten

Als amerikanische Flugzeugträger und Bomber zum Persischen Golf aufbrachen, wären klare Ansagen gut gewesen. Es gab Zeiten, da wäre ein solcher Schritt Anlass für eine ausführliche Pressekonferenz im Weissen Haus gewesen, die es nun seit Wochen nicht gegeben hat. Oder im Pentagon, wo die Journalisten seit einem Jahr nicht mehr vor laufenden Kameras umfassend unterrichtet wurden.

Jeder muss sich selbst einen Reim auf die Strategie dieses Präsidenten machen. Insbesondere in der aktuellen Krise mit dem Iran gleicht das Weisse Haus einer Blackbox.

Fragen hätte es genug gegeben, etwa zur angeblichen akuten Bedrohungslage durch den Iran, auf der die jetzige Eskalation beruht. Trumps Stabschef Mick Mulvaney argumentierte jüngst, der Zugang zu Informationen sei alles andere als eingeschränkt: «Meine Güte, der Präsident selbst ist fast jeden einzelnen Tag für die Presse verfügbar.» Der mag potenziell am besten erklären können, was er vorhat. Er äussert sich auch dauernd, was aber nicht immer erhellend ist. Und vom Aussenminister bis zum Sicherheitsberater ist zwar das eine oder andere zu hören, nur können sie eben nicht für Trump sprechen, weil es keine einheitliche Linie in der US-Regierung gibt.

So muss sich jeder selbst einen Reim auf die Strategie dieses Präsidenten machen. Insbesondere in der aktuellen Krise mit dem Iran gleicht das Weisse Haus einer Blackbox. Die Entscheidungen bleiben weitgehend unklar, hartnäckige Recherchen helfen nur stückchenweise beim Verstehen. Meist wird erst klar, was passiert, wenn es passiert.

Das gilt im Übrigen nicht nur für die Öffentlichkeit, sondern auch für die Senatoren und Abgeordneten im Kongress, von denen sich viele unzulänglich informiert fühlen. Und es gilt für die Verbündeten der USA, die auch gern mehr wüssten.

Es wirkt ein wenig wie in einem dieser abgeschotteten Regime, deren starke Männer Trump so imponieren: Ihr müsst das nicht wissen, der Präsident wird es schon richten. Gut möglich, dass er das hinbekommt, weil auch der Iran kein Interesse an einem Krieg hat. Aber bis dahin werden wir wohl noch den ein oder anderen Tweet ignorieren und viele Fragen stellen müssen.

Dieser Artikel wurde zuerst auf Zeit Online veröffentlicht. Watson hat eventuell Überschriften und Zwischenüberschriften verändert. Hier geht’s zum Original.

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40Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Joe Frangelico 22.05.2019 15:02
    Highlight Highlight Der macht alles um wieder gewählt zu werden.
  • rescue me 21.05.2019 09:28
    Highlight Highlight Passender tweet dazu von Trump im 2013:
    https://twitter.com/realdonaldtrump/status/399731975432728576
    Benutzer Bild
  • anundpfirsich 21.05.2019 08:16
    Highlight Highlight 😴
  • Triumvir 21.05.2019 07:46
    Highlight Highlight Trump ist und bleibt der grösstmögliche politische Unfall in der Geschichte der USA. Doch jeder, der diesen Narzissten gewählt hat, wusste was er damit bekommen hat...
  • rodolofo 21.05.2019 07:26
    Highlight Highlight Bei mir entsteht der Eindruck, dass Trump WILL, dass der Iran Atombomben baut, so wie er ständig droht und schimpft!
    Trump verkörpert den arroganten, aufgedunsen-hässlichen, angeberischen und ignoranten Yankee, der auf der ganzen Welt verhasst ist, weil er sich in Dinge einmischt, die ihn nichts angehen und von denen er nichts versteht, einfach weil er viel Kohle hat und mit einem überdimensionierten Offroader lärmt und die Luft verpestet!
    Aber etwas Gutes hat dieses Ekelpaket:
    Er eint alle Experten-Nerds, Mittelständler ohne Markenkleider, ehrenwerte Arme und Feministinnen!
    Thanks Donald!
  • De Flip 21.05.2019 07:16
    Highlight Highlight Das Vakuum zwischen den einzelnen Tweets entsteht, weil er im ersten Moment selber nicht weiter weiss.
  • Logan 21.05.2019 06:43
    Highlight Highlight Interessant, in Amerika selber ist Trump um einiges beliebter, als uns die europäische Presse seit seinem Amtsantritt weismachen will. Unsere Wischiwaschi-Politiker, die nur ständig vor der EU kriechen, und nicht mal ohne Umschweife die Wahrheit aussprechen dürfen, sind Nicht weniger Lügner.
    Worte wie Überbefölkerung, zu teures Asylwesen, AHV-Zerfall, Ausländer, Kriminalität, übervolle Gefängnisse, Islamisierung, überforderte Justiz und vieles Andere, werden hübsch umschrieben, weil sonst politisch unkorrekt. Mir ist einer der laut denkt um einiges sympathischer.
    • Roman Loosli 21.05.2019 07:07
      Highlight Highlight Tolles Weltbild. Einen Kriegstreiber und offensichtlich Kriminellen unterstützt ihr. Aber die Weltprobleme lösen wollt ihr nicht. Lieber weiter die Schweiz als steuerparadies verksufen und unsere direkten Nachbarn bashen. Fie EU ist ein wichtiger Gegenpol zu den Usa. Ohne eine geeinte starke EU werden die von dir grnannten Probleme nicht verschwinden.
    • Patho 21.05.2019 07:14
      Highlight Highlight Es wäre schon, wenn er auch wirklich denken würde...
    • rodolofo 21.05.2019 07:27
      Highlight Highlight An den vielen Blitzen erkennst Du, dass Du Dich im kultivierten Europa befindest.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Alice36 21.05.2019 06:27
    Highlight Highlight Die grösste Gefahr für die USA sind nicht der Iran oder Nordkorea, die grösste Gefahr für die USA heisst Donald Trump. Dieser unsichere, narzisstische und traurige Gestalt die versucht Präsident zu spielen setzt sich selbst immer wieder schachmatt. Mittlerweile glaubt doch kein Kind mehr was er permanent twittert da er Morgen schon wieder was anderes sagt. Dazu kommt seine unsägliche ständige Lügerei die nicht mal mehr die Rep's glauben, die ihm aber, aus Angst sie könnten nicht mehr gewählt werden, noch immer die Stange halten. Arme USA🤯
    • Pisti 21.05.2019 12:15
      Highlight Highlight Wenn man sich so die Kommentarspalte Watson durchliest und die Artikel von Löpfe sind die Reaktionen aber komplett verschieden. Haben alle Angst das Krieg ausbricht. Irankrieg, Atombombe, Krieg mit China usw...
      Überhaupt nichts wird passieren, das ist halt die Art wie Trump verhandelt. Ziemlich erfolgreich übrigens.
    • rodolofo 21.05.2019 13:40
      Highlight Highlight @ pisti
      Sehr erfolgreich, alle Beziehungen mit ehrlichen und integren Menschen zu zerstören...
      Bisr DU in DEINEM Leben ähnlich "erfolgreich", wie Trump?
    • Pisti 21.05.2019 17:10
      Highlight Highlight @ Rodolfo die wären? Der Iran, Venezuela etc... ??
      Nein Milliardär bin ich nicht. 😜
    Weitere Antworten anzeigen
  • wasps 21.05.2019 05:53
    Highlight Highlight Gefährlich an der Twitterei ist, dass die Wirkung verloren geht und dieser Ignorant irgendwann handeln muss. Kim lässt grüssen.
  • Zeit_Genosse 21.05.2019 05:19
    Highlight Highlight Stell dir vor der 45 twittert und keiner liest es.
  • AdvocatusDiaboli 21.05.2019 04:48
    Highlight Highlight Das ist alles nur wieder das gleiche Säbelrasseln, an einem Ort wo es leider alle 2-4 Jahre so vorkommt. Wer gerade US Präsident ist spielt dabei nur eine relativ kleine Rolle.
    • rodolofo 21.05.2019 07:34
      Highlight Highlight Wie sehr das eine Rolle spielt, merken wir gerade jetzt, wo wir uns mit Wehmut an die Zeiten erinnern, als mit Barak Obama ein Mann US-Präsident war, der diesem mit besonders viel Macht ausgestatteten Amt auch gewachsen war!
      Und mit noch grösserer Wehmut erinnern wir uns an die First Lady, Michelle Obama, die nicht nur eine Hülle für exklusive Markenkleider ist, sondern die ein MENSCH MIT CHARAKTER!
      Oh doch, es spielt eine Rolle, wer seine Rolle nicht nur spielt!
      Es spielt verdammt noch mal eine Rolle!
      Wählt diesen Hohlkopf endlich dorthin, wo er hingehört: Ins Casino, oder auf den Golfplatz!
    • AdvocatusDiaboli 21.05.2019 07:53
      Highlight Highlight Blitzt ruhig weiter, es wird trotzdem keinen Krieg geben. Ihr glaubt jeder Angstmacherei solange der name Trump verwendet wird.
    • Froggr 21.05.2019 08:11
      Highlight Highlight Advocatus: Häts nicht besser sagen können. Langsam ists wirklich schlimm. Aber dann bei jeder Gelegenheit der SVP Angstmacherei vorwerfen jaja.
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