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AfD-Sprecher Lüth wurde wegen Rassismus entlassen – nun ist er zurück im Bundestag

Der Abgeordnete Kay Gottschalk schliesst einen Arbeitsvertrag mit Christian Lüth, der sich als Faschist bezeichnete. Ehrenvorsitzender Gauland sieht darin kein Problem.
26.05.2022, 08:53
Tilman Steffen / Zeit Online
Ein Artikel von
Zeit Online

Ein wegen rassistischer Äusserungen entlassener früherer Mitarbeiter der AfD-Bundestagsfraktion kehrt in den Bundestag zurück. Der Bundestagsabgeordnete Kay Gottschalk hat den 2020 entlassenen Christian Lüth als Mitarbeiter eingestellt, wie Lüth ZEIT ONLINE bestätigte. Was genau sein künftiges Aufgabengebiet sein wird, wollte er nicht näher erläutern.

Alexander Gauland (rechts), der frühere Fraktionsvorsitzender der AfD, 2019 mit Pressesprecher Christian Lüth.
Alexander Gauland (rechts), der frühere Fraktionsvorsitzender der AfD, 2019 mit Pressesprecher Christian Lüth.Bild: keystone

Lüth war seit Gründung der AfD vor neun Jahren lange Zeit in gehobener Position für die Partei tätig, zuerst als Parteisprecher, später als Sprecher der Bundestagsfraktion. 2020 war er aufgrund menschenverachtender und rassistischer Äusserungen gegenüber Migranten von der Fraktion freigestellt worden. Der damalige Fraktionschef Alexander Gauland hatte die Freistellung Lüths, der sich selbst als «von arischer Abstammung» und als «Faschist» bezeichnete, unterstützt.

ZEIT ONLINE hatte damals zuerst über die extrem menschenverachtenden Äusserungen Lüths berichtet. Zur Frage, warum er Lüth trotz dieser Vergangenheit und seiner Entlassung aus dem Dienst der AfD-Fraktion wieder beschäftigt, wollte sich Gottschalk auf Nachfrage nicht äussern. Fraktionschef Tino Chrupalla liess eine Anfrage dazu unbeantwortet. Der heutige AfD-Ehrenvorsitzende Gauland sagte ZEIT ONLINE, er habe mit der Anstellung Lüths durch Gottschalk «kein Problem, das muss Herr Gottschalk für sich entscheiden». Er sei dazu nicht gefragt worden und habe dazu keine Meinung. Vor zwei Jahren hatte Gauland Lüths Äusserungen noch als «völlig inakzeptabel» bezeichnet.

Jetzt auf

Im Landesvorstand in NRW, deren stellvertretender Vorsitzender Gottschalk ist, wird die Rückkehr Lüths anders bewertet: Man äussere sich nicht zu Personalangelegenheiten, sagte zwar Landeschef Martin Vincentz ZEIT ONLINE. Darüber hinaus seien die von Lüth getätigten Aussagen «für uns völlig inakzeptabel», daher verbiete sich jede Form der weiteren Beschäftigung. Vincentz zeigte sich davon überzeugt, dass sich die Anstellung durch Gespräche noch abwenden lasse. 

In einer persönlichen Erklärung hatte Lüth sich 2020 nach seiner Entlassung von den menschenverachtenden Äusserungen distanziert und eingeräumt, «unentschuldbare» Äusserungen über Migranten gemacht zu haben. ZEIT ONLINE sagte Lüth am Mittwoch: «Es war ein dummes, privates Gequatsche, das nichts mit meiner liberalen Einstellung zu tun hat.» Warum er dennoch nicht gegen seine Entlassung aus dem Dienst der Fraktion juristisch vorgegangen sei, begründete Lüth mit der Tragweite seiner Worte. «Ich bin nicht dagegen vorgegangen, weil ich die Reaktion der Fraktion nachvollziehen konnte.» Lüth ist ehemaliges Mitglied der FDP, in der AfD wurde er zunächst Pressesprecher der Partei, 2017 der Bundestagsfraktion. Nach seiner Entlassung trat er aus der Partei aus und arbeitete eigenen Angaben nach selbstständig.

Dieser Artikel wurde zuerst auf Zeit Online veröffentlicht. Watson hat eventuell Überschriften und Zwischenüberschriften verändert. Hier geht’s zum Original.

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37 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Magnum
26.05.2022 10:37registriert Februar 2015
Der Typ bezeichnet sich zugleich als Faschisten arischer Abstammung und als liberal? Scheint wirklich nicht die hellste Kerze auf der AfD-Torte zu sein.
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FrancoL
26.05.2022 09:42registriert November 2015
Das Braun klebt der AfD, trotz gegenteiligen Beteuerung, überall hartnäckig im System.
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Sälüzäme
26.05.2022 11:02registriert März 2020
Es ist ein bekanntes Phänomen, Abfall zieht Abfall an.
Legt man irgendwo Dreck hin wird der Haufen immer grösser, entsorgen dürfen ihn dann die anderen, oft auf Kosten der Allgemeinheit.
Darum darauf achten dass der Haufen nicht noch grösser und zu einem Problem wird.
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