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US-Präsident Joe Biden bedient in Fort Bragg Soldaten anlässlich des Feiertags Thanksgiving, 22. November.
US-Präsident Joe Biden bedient in Fort Bragg Soldaten anlässlich des Feiertags Thanksgiving, 22. November. Bild: keystone

Corona, war da was?

Täglich sterben immer noch mehr als 1000 US-Bürger an Corona, Thanksgiving soll trotzdem recht unbeschwert gefeiert werden. Amerika hat sich an die Pandemie gewöhnt.
24.11.2021, 21:40
Rieke Havertz / Zeit Online
Ein Artikel von
Zeit Online

Ein Truthahn mit ordentlicher Füllung, Süsskartoffeln, Brötchen mit Butter, Preiselbeeren, eine Gemüseplatte, Kürbiskuchen mit Schlagsahne, dazu noch Kaffee und genug für das Restesandwich am nächsten Tag. Variationen von diesem klassischen Thanksgiving-Essen werden an diesem Donnerstag bei vielen Amerikanerinnen und Amerikanern serviert werden. Kosten pro Person im Schnitt: mehr als 53 Dollar bei zehn Gästen.

Ein Anstieg von mehr als 14 Prozent, wie die Interessenvertretung der Landwirte ausgerechnet hat. Ein Preis, den dennoch viele in Kauf nehmen werden, um endlich wieder gemeinsam mit der ganzen Familie zu feiern, nachdem das traditionelle und so wichtige US-amerikanische Fest im vergangenen Jahr aufgrund der Pandemie für viele nicht mit einer Reise zu den Verwandten verbunden war.

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In dieser Woche dürften Strassen und Flughäfen des Landes wieder voll werden. Die American Automobile Association (AAA), der amerikanische ADAC, prognostiziert 53.4 Millionen Reisende von Mittwoch bis Sonntag, 13 Prozent mehr als 2020. Damit liegt das Reiseaufkommen nur noch fünf Prozent unter dem Niveau vor der Pandemie. Vor allem Fliegen ist wieder Normalität geworden. Laut AAA hat sich der Flugverkehr von dem dramatischen Rückgang während der Pandemie fast vollständig erholt hat und ist um rund 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist. Thanksgiving 2021 soll, so scheint es, endgültig die Rückkehr zu Normalität besiegeln.

So sah Thanksgiving vor sechs Jahren aus:

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46 Millionen Truthähne an einem Tag: So bereiten sich die USA auf Thanksgiving vor
quelle: ap/ap / evan vucci
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Und das, obwohl die Infektionszahlen im Land vor dem beliebtesten Feiertag neben Weihnachten wieder ansteigen. Die Gründe dafür sind der in vielen Teilen des Landes einsetzende Winter, der viele Treffen wieder in Innenräume verlegt, die nachlassende Immunität und die vielen noch ungeimpften Amerikaner. Knapp 63 Prozent der über Fünfjährigen im Land sind komplett geimpft.

Einen Booster, der seit wenigen Tagen für alle Erwachsenen frei verfügbar ist, haben knapp 20 Prozent der über 18-Jährigen. Die Auffrischung ist dabei wie schon die Impfungen unkompliziert in jeder Apotheke möglich. Dem gegenüber stehen nach wie vor knapp ein Viertel der Bürger, die sich auf keinen Fall oder sehr wahrscheinlich nicht impfen lassen wollen. Die regelmässige Umfrage der Kaiser Family Foundation zeigt ausserdem, dass sich vier von zehn Republikanern, die voll geimpft sind, nicht boostern lassen wollen.

Mehr als 764'000 Todesopfer

In diesem Jahr hat das Virus in den Vereinigten Staaten bereits mehr Menschen getötet als im Jahr 2020, wie Daten der US-Gesundheitsbehörden Centers for Disease Control and Prevention (CDC) zeigen. Mehr als 764'000 Menschen sind mittlerweile an den Folgen des Coronavirus gestorben, am Ende des vergangenen Jahres waren es geschätzt 377'883. Immer wieder bilden sich neue Hotspots im Land, im Wochenschnitt sterben derzeit immer noch mehr als 1000 Menschen täglich. Es waren in aber auch schon mehr als 4000 Opfer an einem Tag.

Das erklärt eine gewisse Gelassenheit im Umgang mit dem Virus, auch wenn das zynisch erscheinen mag. Bei aller Unberechenbarkeit des Virus, so scheint es zumindest aktuell, haben die US-Amerikanerinnen und -Amerikaner ihre ganz grossen Corona-Krisen schon hinter sich. Da war etwa das vergangene Frühjahr, als New York komplett zum Stillstand gekommen war. Die Stadt musste die Leichen in Kühllastern abtransportieren. Abends klatschen die Menschen aus dem Lockdown heraus in die Hände oder trommelten auf Kochtöpfe für alle systemrelevanten Arbeiter und Arbeiterinnen, die irgendwie versuchten, durch diese Pandemie zu kommen.

Dem New Yorker Gesundheitspersonal wurde im vergangenen Frühjahr applaudiert.
Dem New Yorker Gesundheitspersonal wurde im vergangenen Frühjahr applaudiert. Bild: AP

Im ersten Winter gab es noch keine Impfstoffe. Im Weissen Haus sass dazu noch der Wahlverlierer Donald Trump, der keine nationale Strategie in der Pandemiebekämpfung hatte. In diesem Frühjahr folgte dann der Beginn einer Sorglosigkeit, als erst ein geringer Teil der Bevölkerung geimpft war, viele republikanische Gouverneure aber dennoch in ihren Bundesstaaten die Beschränkungen lockerten. Als im Sommer die Fälle durch die Delta-Variante wieder anstiegen und sich viele weiter nicht überzeugen lassen wollten, sich doch impfen zu lassen, war das für Experten und Regierung Anlass zur Besorgnis. Ein Drama war es im Leben der meisten Amerikaner nicht mehr.

Mit dem Virus leben, die Fallzahlen, die Hotspots und ja, auch die Opfer in einem gewissen Masse akzeptieren auf dem Weg zurück zu einer Normalität, die sich doch alle so sehr wünschen, das scheint die Haltung zu sein, auf die sich Amerika gerade einigen kann. Vieles im Alltag fühlt sich doch auch schon lange wieder normal an, die Restaurants und Shoppingmalls sind wieder voll, es wird gereist, Konzerte finden auch in Innenräumen statt, Masken verschwinden mehr und mehr. Laut einer aktuellen Axios/Ipsos-Umfrage sind mehr als die Hälfte der Befragten der Ansicht, dass die Rückkehr in ihr präpandemisches Leben lediglich ein geringes oder gar kein Risiko darstellt.

«Geniessen Sie die Feiertage»

Auch Joe Biden, der die Bekämpfung der Pandemie zu einem seiner obersten Ziele als Präsident gemacht hat, spricht nicht mehr so oft vom Virus. Zu Beginn seiner Präsidentschaft überbot er sich fast selbst mit Pressekonferenzen, Andachten und Reden zur Lage. Und seine Botschaft hat sich auch nicht verändert, er trägt sie nur weniger oft und weniger drängend vor.

«Lassen Sie sich impfen. Die Impfstoffe sind sicher, kostenlos und leicht erhältlich. Warten Sie nicht. Lassen Sie sich noch heute impfen», hiess es in einem Statement vergangene Woche, als Biden die Entwicklung des Pfizer-Corona-Medikaments kommentierte. Am Montag antwortete seine Pressesprecherin Jen Psaki auf die Frage, ob erneute Einschränkungen oder ein Lockdown, wie es derzeit in Europa passiert, denkbar seien: «Das würde ich nicht sagen. Wir konzentrieren uns weiterhin darauf, dass mehr Amerikaner geimpft werden.»

Politisch gibt es mittlerweile andere Prioritäten: die steigende Inflation, das Weihnachtsgeschäft inmitten einer Lieferkettenkrise, das endlich unterschriebene Infrastrukturgesetz und der Kampf für die Sozialagenda, die noch aussteht. Vieles davon ist eng mit der Pandemie und ihren Folgen verbunden.

Die allgemeine Corona-Stimmungslage fasste am besten wohl Anthony Fauci zusammen. Der wohl bekannteste Immunologe des Landes plädierte am vergangenen Sonntag bei CNN für entspanntes Feiern an Thanksgiving. «Geniessen Sie die Feiertage im Kreise Ihrer Familie, drinnen, mit Grosseltern und Kindern. Tun Sie es», sagte Fauci. Aber:

«Seien Sie sich bewusst, dass Sie in einer Situation, in der Sie zum Beispiel auf Reisen sind und sich in geschlossenen Räumen aufhalten und den Impfstatus der anderen nicht kennen, eine Maske tragen sollten. Aber innerhalb der Familie, insbesondere unter Geimpften, sollten Sie den Feiertag geniessen.»
Anthony Fauci

Mit Nachdruck wies Fauci auch in diesem wie in jedem seiner Interviews darauf hin, dass sich alle Menschen impfen lassen sollten und das der wirksamste Schutz gegen das Virus sei.

Jetzt auf

Doch ob auch wirklich jede Cousine und jeder Onkel am Thanksgiving-Tisch geimpft ist, wollen bei weitem nicht alle Bürger abfragen. Forscher des Ohio State University Wexner Medical Center haben in einer Befragung Ende Oktober ermittelt, dass sich nur etwa die Hälfte der Befragten nach dem Impfstatus bei Freunden und Familien erkundigen wollen. 46 Prozent wollen von ungeimpften Gästen einen Corona-Test verlangen.

Wenn die Restesandwiches gegessen und die Reisenden nach Hause zurückgekehrt sind, werden die Daten zeigen, wie gut das Land durch seinen ersten Winterfeiertag gekommen ist. Und was das für Weihnachten bedeuten könnte.

Dieser Artikel wurde zuerst auf Zeit Online veröffentlicht. Watson hat eventuell Überschriften und Zwischenüberschriften verändert. Hier geht’s zum Original.

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