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Träume sterben nicht hinter dem Zaun – eine Reportage aus dem Gazastreifen

Von allen Seiten Gewalt, Propaganda und Hass: Im Gazastreifen sind junge Menschen von vielen Chancen abgeschnitten. Doch sie finden Wege, die Grenzen zu überwinden.

Andrea Backhaus / Zeit Online



Ein Artikel von

Zeit Online

Am Strand haben sie die ersten Sonnenschirme aufgestellt, dazwischen liegen Badetücher, Plastikstühle wurden in den feinen Sand gerammt. Ein paar Jungs und Mädchen flitzen ins Wasser, die Erwachsenen fläzen sich im Schatten. Die Sonne reflektiert auf den Wellen, der Himmel ist an diesem Freitagmorgen im Juni tiefblau und wolkenlos. Es könnte ein ganz normaler Sommertag am Mittelmeer sein.

Wäre da nicht dieses lästige Geräusch, das Brummen der israelischen Drohnen, die am Himmel kreisen und alles und jeden zu beobachten scheinen. Auch die Sicht auf das Meer ist getrübt: Am Horizont patrouillieren die Boote der israelischen Marine. Normalerweise können die Fischer wenigstens ein paar Meilen aufs Meer fahren. In diesen Tagen aber hat das israelische Militär das Gebiet vor Gazas Küste ganz gesperrt. Wer sich den Marineschiffen nähert, wird beschossen. Das soll die Strafe dafür sein, dass militante Palästinenser wieder einmal Ballons und Drachen mit Brand- oder Sprengsätzen Richtung Israel hatten aufsteigen lassen. Zur Vergeltung der totalen Seeblockade schoss die Hamas bereits eine Rakete auf Südisrael, in der Nacht wiederum bombardierte die israelische Luftwaffe Bunker der Hamas. 

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Für die Strandbesucher gehört all das zu ihrer verstörenden Normalität. Für viele ist das Leben hier mittlerweile ein blosses Überleben. Trotzdem lachen und planschen sie manchmal, sie müssen ja irgendwie weitermachen. Sie haben keine andere Wahl.

Wieder einmal schaut die Welt auf die Palästinenser. Und wie so viele Male zuvor verhandeln andere über ihre Zukunft. Diesmal verspricht die US-Regierung, ihnen mit Investitionen Wohlstand und Frieden zu bringen, doch es ist ungewiss, ob die im angeblichen «Jahrhundertdeal» versprochenen Milliarden jemals bei ihnen ankommen. Und ihre Hoffnung auf einen eigenen Staat rückt in weite Ferne: Unter Donald Trump unterstützt die US-Politik vor allem die Interessen der Israelis, die Palästinenser werden nicht gefragt, etwa wenn die US-Botschaft nach Jerusalem verlegt oder über eine Annexion des Westjordanlands diskutiert wird. Dabei sind es die Palästinenser, die dringend einen Wandel bräuchten.

In Gaza lässt sich in keinem Moment vergessen, wo man ist: in einer dichtbesiedelten Enklave, rund 40 Kilometer lang, bis zu 14 Kilometer breit, umgrenzt von einem riesigen Zaun. Seit die Hamas 2007 die Kontrolle im Gazastreifen übernahm, blockiert Israel den Küstenstreifen zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Die Übergänge nach Israel und Ägypten sind oft geschlossen, für die Einfuhr von Gütern gibt es strikte Auflagen, raus kommt hier kaum jemand.

Die Menschen müssen Wege finden, die Grenzen auf andere Weise zu überwinden; um auszubrechen aus Armut und Gewalt, aus Apathie und Enge, die das Leben zeichnen.  

Al-Mokh verwandelt seine Wut in Texte

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Hosam Khalaf alias Al-Mokh. bild: zeit online

Al-Mokh empfängt in einem Haus in einer Seitenstrasse im Zentrum von Gaza-Stadt. In der Mauer im Treppenaufgang, der zu seiner Wohnung hinaufführt, klafft ein grosses Loch, dadurch blickt man auf das Nachbarhaus, oder das, was davon übrig ist: im Boden ein Krater, daneben Schutt und Geröll. Das Gebäude wurde bei Unruhen im Mai von einer Rakete der Israelis getroffen, vermutlich, weil dort Führungskader der Islamisten, der Hamas oder des Islamischen Dschihad gewohnt hatten. 

Al-Mokh ist 30 Jahre alt, trägt Jeans. Sein Wohnzimmer ist ein kahler Raum, Fliesen, ein Teppich, Matratzen, in einer Ecke steht ein Holzschrank, darauf ein kleiner Fernseher. An der Wand hängt ein Plakat: «Das Leben ist nicht dazu da, sich selbst zu finden. Das Leben ist dazu da, sich selbst zu erschaffen.» Das ist das Lebensmotto von Hosam Khalaf, der sich Al-Mokh nennt, das Gehirn. Er ist der bekannteste Rapkünstler des Gazastreifens.

«Wir leben in dem Gefühl, dass in jeder Minute alles vorbei sein kann.»

Rapper Al-Mokh

Er ist zugleich ein unerschrockener Kritiker der Hamas, die Israel und einige westliche Staaten als Terrororganisation einstufen und die den Gazastreifen autoritär führt. Mehr als 20-mal hat die Hamas Khalaf wegen seiner kritischen Äusserungen festgenommen. Auf die Frage, warum er dieses Risiko immer wieder eingeht, antwortet er: «Ich habe nichts mehr zu verlieren.» 

Vor sechs Jahren hat Khalaf mit dem Rappen angefangen. Da lebte er noch in Rafah im Süden des Gazastreifens. Er hatte gerade sein Studium in Medienwissenschaft und Französisch abgeschlossen und fand keine Stelle. Sein Leben zu der Zeit beschreibt er so: «Ich konnte nicht arbeiten und hatte kein Geld, ich durfte nicht reisen und nicht meine Meinung sagen.» Zumindest Letzteres wollte er ändern und begann, seine Wut in Texte zu verwandeln. Ende 2014 nahm er sein erstes Musikvideo auf. Da rappt er mit zwei Freunden vor der Handykamera, sie singen über das Leben in Gaza, das sei wie schwarzer Kaffee, bitter und dunkel.

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Eine Strasse in Gaza-Stadt. bild: zeit online

Seine kritische Haltung wird sich auch durch alle späteren Lieder ziehen: Er singt über das schmutzige Wasser und den fehlenden Strom. Davon, dass Menschen in Gaza aus Verzweiflung Suizid begehen. Wie die Jungen von Moment zu Moment leben, weil sie nie wissen, wann der nächste Krieg ausbricht. So wie alle hier hat Khalaf drei Kriege mit Israel erlebt, 2008, 2012, zuletzt 2014. «Wir leben in dem Gefühl, dass in jeder Minute alles vorbei sein kann.» Er singt darüber, wie der Machtkampf innerhalb der Palästinenserführung die Gesellschaft lähmt.

Die 1965 gegründete Fatah hat jahrzehntelang den palästinensischen Kampf um einen eigenen Staat angeführt. Die radikal-islamistische Hamas wurde 1987 als Ableger der ägyptischen Muslimbrüder im Gazastreifen gegründet. Zwischen beiden Gruppen herrscht seit 2007 ein Bruderkrieg, nachdem die Hamas, die zuvor die Parlamentswahl in den palästinensischen Gebieten gewonnen hatte, die Fatah mit Gewalt aus Gaza vertrieben hatte. Seither gibt es zwei parallel regierende palästinensische Verwaltungen, die Fatah im Westjordanland und die Hamas im Gazastreifen; beide Gruppen beanspruchen die alleinige Macht über alle palästinensischen Gebiete.

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Gaza-Stadt: ein stadtgewordenes Flüchtlingslager. bild: zeit online

Khalaf singt davon, dass die Hamas in Gaza die Freiheit einschränke, wie sie den jungen Leuten diktiere, wie sie auszusehen hätten, dass sie etwa lange Bärte tragen sollten. Davon, dass die Hamas das Leid der Menschen missbrauche, um Geld aus dem Ausland zu bekommen, das sie dann in ihre eigenen Taschen stecke. Wie sie ihren militanten Kampf auf Kosten der Zivilisten austrage.

So etwas öffentlich zu sagen, traut sich in Gaza sonst eigentlich niemand. 

Nachdem Khalaf das erste Video auf Facebook hochgeladen hatte, erhielt er einen Brief der Hamas, mit der Aufforderung, auf der Polizeistation zu erscheinen. Sie brachten ihn in ein Gefängnis, dort hielten sie ihn neun Monate und 16 Tage fest, erzählt er. Diese Zeit, sagt Khalaf, sei ein «Stück der Hölle» gewesen. Er habe sich mit sieben Kriminellen die Zelle teilen müssen, keinen Anwalt nehmen dürfen, es sei die totale Gesetzlosigkeit gewesen. Sie warfen ihm vor, er sei ein Spion aus dem Ausland, der die Hamas zerstören wolle, er würde die Palästinenser verraten. Khalaf habe geantwortet: «Ich möchte nur leben und eine Arbeit haben.»

Seit seiner Freilassung hat er immer wieder Videos auf seinem YouTube-Kanal veröffentlicht. Manchmal rufe jemand von der Hamas an, um ihm zu sagen, er solle dieses Video oder jenen Facebook-Post löschen. Auf Facebook hat Khalaf fast 100'000 Follower, und wenn ihn die Hamas-Polizei wieder für ein paar Tage festhält, starten seine Fans manchmal Kampagnen für seine Freilassung.

Er spreche für die normalen Leute, sagt Khalaf. Und die interessierten sich nicht für Politik oder die Ideologie der palästinensischen Führer. Sie wollten nur in Würde leben. Doch die Hoffnung darauf wird immer wieder zerstört.

Der Kampf um das Heilige Land

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Im Camp in Gaza-Stadt. bild: zeit online

Israelis und Palästinenser erheben gleichermassen Anspruch auf das Gebiet zwischen dem Jordan und dem Mittelmeer. Die israelische Souveränität erstreckt sich auf den Grossteil des Gebietes, über den Rest herrscht Israel seit dem Sechstagekrieg 1967 als Besatzungsmacht. Die Palästinenser wollen ihrerseits einen eigenen Staat. Umstritten sind vor allem der Grenzverlauf zwischen Israel und Palästinader israelische Siedlungsbau, der Status von Jerusalem und das Rückkehrrecht der Palästinenser, die während des israelischen Unabhängigkeitskriegs 1948/49 – den Palästinenser und Araber Nakba nennen: Katastrophe – geflohen und vertrieben worden waren. 

Dass der Konflikt anhält, liegt auch an seiner religiösen Überhöhung. In Israel beanspruchen ultra-national-religiöse Siedler das gesamte Gebiet als von Gott versprochenes Land, was ihnen als Rechtfertigung dient, gewaltsam gegen Palästinenser vorzugehen und deren Besitz zu zerstören. Auf palästinensischer Seite rufen radikale Islamisten zum heiligen Kampf auf, um das ehemals palästinensische Land zurückzuerobern.

Einige Bewohner im Gazastreifen unterstützen diesen Kampf, aber bei Weitem nicht alle. Die Kluft, die die palästinensische Gesellschaft durchzieht, zeigt sich am «Grossen Marsch der Rückkehr», dem Protest am Grenzzaun, der seit März 2018 jeden Freitag stattfindet.

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Demonstranten auf dem Weg zum Grenzzaun, wo jeden Freitag der «Grosse Marsch der Rückkehr» stattfindet Video: streamja

Der Rapper Khalaf gehörte zu den Ersten, die beim «Grossen Marsch der Rückkehr» protestierten. Anfangs demonstrierten vor allem Zivilisten friedlich für ein Ende der Blockade und für ein besseres Leben. Die Lage für die Bewohner im Gazastreifen war seit der Blockade 2007 noch prekärer geworden. Und dann verkündeten die USA, ihre Hilfszahlungen für die Palästinenser kürzen zu wollen. Die Wirtschaft kam zum Erliegen, die Arbeitslosigkeit war und ist eine der höchsten der Welt, bei den 20- bis 24-Jährigen liegt sie bei 60 Prozent. Die Gesundheitsversorgung ist schlecht, die Hälfte der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze und ist auf humanitäre Hilfe angewiesen. (Lesen Sie dazu ein Interview mit dem UNRWA-Direktor in Gaza). Auch deswegen gingen viele Zivilisten an den Zaun. Sie wollten der Welt zeigen: Wir sind noch hier. 

Doch schon bald nutzte die Hamas den Marsch für ihren Widerstand, mittlerweile kontrolliert sie die Proteste ganz. Sie organisiert den Transport und die Verpflegung der Leute am Zaun, es gibt Hinweise, dass sie manche Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch bezahlt. Seit Beginn der Proteste wurden mehrere hundert Menschen in Auseinandersetzungen mit israelischen Sicherheitskräften getötet und Tausende verletzt. Wegen der Gewalt und weil sie sich von der Hamas benutzt fühlen, nehmen viele der einstigen Demonstranten, darunter auch Rapper Khalaf, nicht mehr an den Protesten teil. Khalaf kritisiert, die Hamas stilisiere die Toten und Verletzten zu Helden und biete den Angehörigen Geld als Kompensation. «Als ob Geld ein verlorenes Bein ersetzen könnte», sagt er.

Aber es gibt auch Leute, die solche Opfer nicht davon abhalten, zum Zaun zu gehen. Im Gegenteil. 

Für Palästina würde Familie Abd Rabbu alles tun

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Hassanat Abd Rabbu vor seinem Haus. bild: zeit online

Familie Abd Rabbu wohnt in Jabala, einem Lager nördlich von Gaza-Stadt, unweit der Grenze. Im Haus leben drei Generationen: der Grossvater Hassanat, 61, und seine Frau Kamela, 56, mit ihren sieben Söhnen und vier Töchtern sowie deren Partnern und Kindern, zusammen 28 Menschen. An diesem Nachmittag ist viel los, wie jeden Freitag. Die Familie bereitet sich auf den Grossen Marsch vor. Kamela kocht in der Küche, das Essen will sie später am Zaun verteilen. Sie alle unterstützen die Hamas, aber wie weit die Unterstützung geht, ist schwer zu sagen. Sie sagen, die Hamas sei die einzige Organisation, die sie als Palästinenser vertrete. Und alle Probleme, da ist sich die Familie einig, gäbe es nur wegen der Israelis und der Besatzung.

Hassanat sitzt in einem kahlen Raum im Erdgeschoss auf einem Stuhl. Er sieht aus, wie man sich einen Patriarchen vorstellt: langer Bart, traditionelles Gewand, wuchtige Statur. Um ihn herum haben einige seiner Söhne auf dem Sofa und einer Matratze Platz genommen. Drei Söhne wurden während der Proteste am Zaun verletzt, einer hat deshalb ein gelähmtes Bein, der 20-jährige Mahmoud, der auf dem Sofa sitzt, die Krücken neben sich. Die Kugeln von israelischer Seite trafen beide Beine, sie sind von Wunden gezeichnet, die Mahmoud vorzeigt und dabei fast ein bisschen stolz wirkt.   

«Wir würden alles für Palästina tun», sagt Hassanat. Er ist in Jabala aufgewachsen. Als 1987 die erste Intifada begann, habe er Steine auf die israelischen Soldaten geworfen, erzählt er. Er habe sein Leben lang gegen die Besatzung gekämpft, das werde er weiter tun. Wie lange? «Bis Israel uns unser Land zurückgibt.» Sein Sohn Yousef ergänzt: «Alle Revolutionen haben Opfer gefordert. Auch wir müssen Opfer bringen.» Dann redet der 29-Jährige davon, dass jede Befreiung ihren Preis habe und die Juden kein Recht hätten, hier zu sein. Ob er vom Holocaust gehört habe? Yousef nickt. Und sagt: «Hitler hat die Juden vergast, weil er wusste, dass sie die ganze Welt zerstören.»

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Drei Söhne von Hassanat: Mahmoud, Mustafa und Yousef (von links nach rechts). bild: zeit online

Wie viele Menschen in Gaza derart hasserfüllt sind wie Familie Abd Rabbu, lässt sich schwer einschätzen. Im Gespräch betonen viele, sie hätten mit der Religion, dem Judentum, kein Problem, nur damit, dass einige Israelis dächten, sie seien den Palästinensern überlegen. Die israelische Regierung und die Hamas seien zwei Seiten der gleichen Medaille, extreme Positionen, die ein normales Leben für die Palästinenser unmöglich machten.

Je länger die Blockade anhält, desto grösser ist die Gefahr einer weiteren Radikalisierung, gerade unter den Jungen. Für viele von ihnen sind Juden jene, die als Scharfschützen vor ihrem Zaun patrouillieren und auf ihre Freunde schiessen, die sie Tag ein, Tag aus beobachten, als seien sie Kriminelle. Eine Synagoge haben die meisten nie gesehen. Die Hamas weiss das für sich zu nutzen.

Die Ideologie des Hamas-Hardliners Mahmoud az-Zahar

Wie festgefahren die ideologische Sicht zumindest bei den militanten Kräften der Hamas ist, verdeutlicht ein Treffen mit Mahmoud az-Zahar. Er ist Gründungsmitglied der Hamas, Aussenminister und Führer des radikalen Flügels. Die Führer der Hamas geben westlichen Medien selten Interviews, aber der 73-Jährige empfängt nach dem Abendgebet in seinem Garten in Gaza-Stadt. Er schaut ernst und spricht leise. Die desolate Lage in Gaza erklärt er mit der fehlenden Unterstützung arabischer Länder und der Politik des aus seiner Sicht schwachen, weil «pro-israelischen» und «pro-westlichen» Mahmud Abbas – dem Chef der gemässigten Fatah und Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde.

Fragen danach, wie sich die Hamas die Zukunft der Palästinenser vorstelle, beantwortet Az-Zahar mit rhetorischen Gegenfragen: Ob man in Deutschland eine Besatzung akzeptieren würde, etwa einen islamischen Staat unter Kontrolle der Hamas? Oder was die Juden hier wollten, wo sie doch vor 1948 in den USA, Russland und sonst wo gelebt hätten? Az-Zahar umschreibt in seinen Aussagen die Grundsätze der Hamas: dass Palästina ein Land sei, das von einem rassistischen zionistischen Projekt gekapert wurde; dass Verhandlungen Zeitverschwendung seien. Dass es einen islamischen Staat in ganz Palästina geben sollte. Die jüdische Regierung existiere auf Kosten der Existenz der Palästinenser, sagt Az-Zahar: Dieses Land gehöre den Vorfahren der Palästinenser, es sei ein islamisches und kein christliches oder jüdisches Land. 

Glaubt die Hamas noch an den bewaffneten Widerstand? «Wir verteidigen uns gegen die Besatzung», sagt Az-Zahar. «Wenn sie uns angreifen, müssen wir reagieren. Das ist Selbstverteidigung.» 

Hardliner wie Az-Zahar sagen, sie sprächen für die Mehrheit der Palästinenser. Dabei haben viele Menschen in Gaza genug von der Gewalt. Sie verfolgen ganz andere Ziele.

Der Radsportler Alaa al-Daly ist ein Idol für die Amputierten

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Der Radsportler Alaa al-Daly. bild: zeit online

So wie Alaa al-Daly. Der 22-jährige Radsportler wohnt im Haus seiner Eltern am Stadtrand von Rafah, einer Kleinstadt im Süden des Gazastreifens, wenige Kilometer von der ägyptischen Grenze entfernt. Sein Zimmer liegt im Erdgeschoss und ist spärlich möbliert. Ein Bett steht darin, ein Schrank und Regal, darauf seine Pokale, Erinnerungen an ein anderes Leben, das im März 2018 endete.

Al-Daly hatte als Jugendlicher mit dem Radfahren begonnen, er fuhr erst für sich allein auf den unebenen, verstaubten Strassen, dann wurde er ins palästinensische Nationalteam der Radsportler aufgenommen. Das Team wurde oft zu internationalen Radrennen eingeladen, doch für die Sportler war es meist unmöglich auszureisen, weil der Grenzübergang geschlossen war oder Israel ihnen die Ausreise verweigerte. Deswegen konnte Al-Daly bisher nur an Rennen in Gaza teilnehmen, gegen ein Team aus dem Westjordanland zum Beispiel. Aber Al-Daly wollte immer ganz nach oben – er hatte die besten Voraussetzungen, war damals einer der besten Radsportler im Gazastreifen.

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Bilder von Alaa al-Daly vor seiner Verletzung. bild: zeit online

Der 30. März 2018, an dem der «Grosse Marsch der Rückkehr» begann, war der Tag, an dem sein Traum starb, wie Al-Daly es beschreibt. Er trainierte für ein Rennen im indonesischen Jakarta – seine grosse Chance, wenn er die Genehmigung zur Ausreise bekommen würde. An jenem Freitag war er mit seinen Radkollegen am Zaun, sie wollten sich das nur anschauen, sagt er, und zeigen, dass sie nicht einverstanden seien mit den ständigen Reiseverboten, die sie von internationalen Wettbewerben ausschlossen. Er sei in grosser Distanz zum Zaun geblieben, er habe ja seine Karriere als Sportler nicht gefährden wollen. Doch dann hätten die Israelis Tränengas auf die Demonstranten abgefeuert und Al-Daly, panisch und nahezu blind, sei aus Versehen immer näher an den Zaun herangelaufen. Schüsse trafen ihn ins rechte Bein. Im Krankenhaus wurde klar: Es war nicht zu retten.

«Ich hatte mein Bein verloren, aber nicht meinen Willen.»

Radsportler Alaa al-Daly.

In den Wochen nach der Amputation ging es Al-Daly sehr schlecht: «Ich hatte alle Hoffnung verloren», sagt er. Doch dann sei ihm klar geworden, dass er sein Schicksal akzeptieren müsse, es werde ihn nur stärker machen. Radfahren sei immer das Wichtigste in seinem Leben gewesen – und das sollte es auch bleiben. «Ich hatte mein Bein verloren, aber nicht meinen Willen.» Sobald es ging, stieg er wieder auf sein Rad und trainiert seither regelmässig – mit einem Bein. Seine Prothese eignet sich nicht für Sport und für eine Spezialanfertigung fehlt ihm das Geld.

Vier- oder fünfmal die Woche trainiert sein einstiger Coach Al-Daly wieder. Derzeit sucht er nach Sponsoren, um ein Team für amputierte Radfahrer aufzubauen, noch ist er selbst das einzige Mitglied. Überhaupt ist er der einzige amputierte Profiradfahrer in den Palästinensergebieten. Rund 1'600 Amputierte gibt es im Gazastreifen, und weil Verletzungen oft nicht richtig behandelt werden können, werden es immer mehr. Unter diesen Menschen gebe es viele Talente, sagt Al-Daly, denen wolle er mit dem Radsport ein Ziel im Leben geben.

Für die Amputierten in Gaza ist Al-Daly bereits ein Idol. Er gebe ihnen Kraft und Mut, schreiben sie ihm, er sei eine Inspiration für sie. Das treibe ihn an, sagt er und lächelt. Sein Traum ist es, mit einem palästinensischen Nationalteam der Amputierten weltweit Rennen zu fahren.

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Auf dem Markt in Gaza-Stadt. bild: zeit online

Talente, Potenzial – das sieht man in Gaza überall. Gaza, das ist auch immer ein Könnte. Es könnte ein schöner Ort sein, mit der weitläufigen Strandpromenade, der Sonne, den Palmen. Und den warmherzigen Menschen, die Neues schaffen, auch wenn ihre Umgebung das eigentlich nicht zulässt.

Die Gaza Sky Geeks ermöglichen Selbstbestimmung

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Eingang bei den Gaza Sky Geeks. bild: zeit online

Um zu den Gaza Sky Geeks zu kommen, das erste Gründerzentrum für Internet-Start-ups in Gaza, lässt man die verstopften Strassen im Zentrum von Gaza-Stadt hinter sich. In einem unscheinbaren Bürogebäude geht es die Treppe hinauf, dort haben sie fast die ganze Etage gemietet. Es gibt einen grossen Gemeinschaftsraum mit einer Küche und einem Kiosk, dahinter liegen abgetrennt und klimatisiert die Arbeitsräume, alle grosszügig geschnitten und modern eingerichtet. Bunte Graffiti verzieren die Wände, junge Frauen und Männer wetzen von Raum zu Raum, Lachen dringt durch den Flur.

Bei den Gaza Sky Geeks lernen junge Programmierer, Apps zu entwickeln und Start-ups zu gründen. Das Projekt wurde 2011 von der US-Hilfsorganisation Mercy Corps ins Leben gerufen und wird unter anderem von Google und der Konrad-Adenauer-Stiftung unterstützt. Die Gaza Sky Geeks stellen Räume, Strom und eine schnelle Internetverbindung zur Verfügung, was es sonst selten gibt in Gaza. Jedes Jahr können sich Jungunternehmer mit ihren Projektideen bewerben, die Gewinner werden durch die verschiedenen Entwicklungsstufen begleitet, am Ende sollen sie ihr Unternehmen gründen und ausländische Investoren finden. Es gibt Programmierschulungen und Kurse für Freischaffende, etwa zur Zeiteinteilung oder zum Umgang mit Kunden, Mentoren geben Bewerbungstrainings. Wenn sie eine Einreisegenehmigung bekommen, trainieren auch Profis aus dem Ausland. Jeden Tag treffen sich hier um die 150 Leute. Die Kurse sind voll, viele Bewerber werden vertröstet. Bisher haben sie bei der Umsetzung von 37 Start-ups geholfen, 16 davon laufen noch.

An diesem Nachmittag arbeiten in einem Raum zwei junge Frauen aus Gaza-Stadt an ihrem Projekt. Sie entwickeln eine kostenpflichtige Smartphone-App, die in Echtzeit eine Haushaltshilfe vermitteln kann. In einem anderen Raum sitzt eine junge Frau an ihrem Laptop, die in den Schulungen hier viel gelernt hat. Sie nimmt nun als freischaffende Texterin und Übersetzerin über Onlineplattformen Aufträge aus aller Welt an. Gerade hat sie ein E-Book über Touristenattraktionen in Ohio geschrieben – auch, wenn sie Gaza noch nie verlassen hat.

Solche Möglichkeiten zu schaffen, das war Iyad AltahrawisPlan. Der 29-Jährige arbeitete nach seinem Studium für eine Bank in Gaza und nebenbei ab 2012 als Mentor bei den Gaza Sky Geeks. Er mochte die Atmosphäre, sie ermöglichte es den jungen Leuten, den harten Alltag für einen Moment zu vergessen. «Die Leute, die zu den Sky Geeks kamen, sprachen nicht über Krieg und Katastrophen, sondern darüber, wie sie neue Jobs schaffen und neue Dinge lernen könnten.»

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Nach Gaza zurückgekehrt: Iyad Altahrawi. bild: zeit online

Den Krieg mit Israel 2014 konnte er dennoch nicht ignorieren, er veränderte Altahrawis Sicht auf das Leben. Er erzählt die Geschichte so: Die Familie eines Freundes seines Vaters, die im Süden von Gaza lebte, war während der Bombardements eingeschlossen, 46 Menschen in einem Haus. Sie riefen Altahrawi an, er solle Hilfe rufen. Altahrawi kontaktierte das Rote Kreuz, dort hiess es: Wir können derzeit nichts tun. Also sprach er mit den Eingeschlossenen am Telefon, beruhigte sie stundenlang, während die Bomben einschlugen. Er habe die Schreie gehört, das Weinen der Kinder. Später sei die Familie nach draussen geflohen, viele seien angeschossen worden, manche sofort, andere später im Haus verblutet. Altahrawi habe sie bis zuletzt atmen hören. Nachprüfen lässt sich seine Erzählung natürlich nicht. 

Nach diesem Telefonat, sagt er, habe er den Glauben an die Menschheit verloren, alles in ihm sei dunkel geworden. Aus seiner Verzweiflung gerettet habe ihn die Anteilnahme seiner Freunde aus aller Welt, die er von früheren Aufenthalten kannte. Und die Zusage für ein Praktikum im Ausland, für das er sich beworben hatte. Dass es Menschen gab, die für ihn da waren, die ihm eine Chance geben wollten – das habe ihn zurück ins Leben geholt.

Als die Kämpfe vorbei waren, packte er seinen Rucksack und fuhr nach Rafah, um über die Grenze nach Ägypten zu gelangen. Er hatte genug von Krieg und Gewalt. «Ich wollte nicht in Gaza sterben», sagt Altahrawi. Er blieb erst eine Weile in Kairo, machte dann das Praktikum bei Coca-Cola in den USA und zog anschliessend nach Deutschland, um an einer Wirtschaftsuniversität in Hessen einen weiteren Studiengang abzuschliessen. Danach bekam er mehrere Angebote, bei internationalen Firmen Karriere zu machen – doch er schlug alle aus und kehrte im September 2017 nach Gaza zurück, um bei den Gaza Sky Geeks als Start-up-Programmmanager zu arbeiten. Er wollte sein Versprechen einlösen, anderen eine Brücke zu bauen, Menschen eine Chance zu bieten, so, wie er es einst erlebt hatte.

Am Ende bleibt die Hoffnung

Nicht aufgeben, seine Ziele verfolgen: Das will auch Rapper Khalaf. Gerade schreibt er seinen nächsten Song, in dem er wieder alle Seiten kritisieren wird. Die Hamas werde vielleicht bald merken, dass Gewalt keine dauerhafte Lösung sei, sagt er. Dass es eine Lösung nur gebe, wenn die Herrschenden auf die Menschen hörten.

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Links das Meer, der Rand von Gaza-Stadt, geradeaus liegt Israel. bild: zeit online

Da ist sie wieder, die Hoffnung, die einem immer wieder in Gaza begegnet. Als sie ihn letztens festhielten, hätten sie ihn zum ersten Mal nicht geschlagen, sagt Khalaf noch und grinst. Vielleicht sei das ein gutes Zeichen.

Dieser Artikel wurde zuerst auf Zeit Online veröffentlicht. Watson hat eventuell Überschriften und Zwischenüberschriften verändert. Hier geht’s zum Original.

Auch das ist der Gazastreifen

Die Wirtschaft ist am Ende: In Gaza wächst die Frustration

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    Alle Leser-Kommentare
  • Kubod 09.07.2019 00:14
    Highlight Highlight Wie wär dies:
    Doch schon bald missbrauchte die Hamas die Menschen, die aufgrund der von der Hamas geschaffenen Lebensumstände unzufrieden sind, um wieder zu versuchen, den Terror nach Israel zu tragen.

    Ist ein bisschen länger der Satz. Stimmt.
  • Die_andere_Perspektive 08.07.2019 21:55
    Highlight Highlight Kann die Palästinenser verstehen. Da kommen so paar tausend Leute in ihr Land, sagen es sei ihres von Gott gegebenes Land, unterdrücken und vertreiben die lokale Bevölkerung und fragen sich dann auch noch warum die den alle auf die Barrikaden gehen...
    • Smeyers 09.07.2019 06:48
      Highlight Highlight Stimmt, die Juden leben seit tausenden von Jahren in Israel und bildeten immer die Mehrheit in Jerusalem und dann kommen ein paar Araber sagen alles ist uns und nennen sich Palästinser. Da würde ich auch auf die Barrikaden gehen zumal Sie schon ein zu Hause haben, das sich Jordanien nennt. Lies doch einfach ein Geschichtsbuch anstatt Propaganda.
    • Kruk 09.07.2019 13:48
      Highlight Highlight Welche Geschichtsbücher uns Herr Smeyers empfiehlt, würde mich dann doch noch interessieren.
    • Kruk 09.07.2019 18:01
      Highlight Highlight Die Bücher von Tom Segev und Ilan Pappe laufen bei Ihnen wohl unter Propaganda nicht?

      Ach übrigens:


      "die Juden leben seit tausenden von Jahren in Israel und bildeten immer die Mehrheit in Jerusalem "

      https://en.wikipedia.org/wiki/Demographic_history_of_Jerusalem
    Weitere Antworten anzeigen
  • Avenarius 08.07.2019 20:44
    Highlight Highlight Mal Klartext: Die 50 Milliarden sind ein Kredit. Rückzahlbar. Da die Israelis und die Amis die Palästinenser seit jeher verarschen, wird auch nichts über Gebietsansprüche gesagt. Die "Hilfe" ist ein einziger Erpressungsversuch die Palästinenser noch Abhängiger zu machen. Die Palästinenser wittern Verarschung schon bevor sie da ist. Kushner, die Pfeife im Weissen Haus, habe 2 Jahre daran gearbeitet. Ein 14 jähriger könnte sowas wohl in 3 Wochen schaffen. Die Palästinenser verdienen als Grundinhaber! seit Generationen, einen eigenen Staat.
    Der religiöse Fanatismus Israels will dies aber nicht.
    • Smeyers 08.07.2019 21:59
      Highlight Highlight Zum Glück gab es schon so viele Friedensinitiativen (ernst gemeinte) von den Palästinsern. Uuups nicht mal ein einziger.

      Der Vorschlag ist immer der gleiche, wir wollen alles oder wir töten Euch, dafür Opfern wir auch die Zukunft unserer Kinder.
  • Smeyers 08.07.2019 20:25
    Highlight Highlight Ich habe Mitleid mit Ihnen und doch verstehe ich die Palästinser nicht. Sie protestieren gegen Israel anstatt die Hamas zu stürzen. Durch Korruption werden Sie an den Milliarden von Hilfsgeldern beraubt. Nach dem zweiten Weltkrieg gab es 8 Millionen Flüchtlinge, neu Grenzen wurden gezogen, Länder aufgeteilt. Alles ist seit 70 Jahren friedlich nur die Palästinser haben es bis heute nicht verstanden Ihr Leben selber in die Hand zu nehmen. Ausserdem haben Sie Ihr Land, es nennt sich Jordanien.
  • Lionqueen 08.07.2019 20:01
    Highlight Highlight Sackstarker Beitrag, herzlichen Dank für diese Sicht.
  • Randy Orton 08.07.2019 19:54
    Highlight Highlight Zu sagen, Israel und „einige westliche Staaten“ sähen die Hamas als Terrororganisation ist in etwa so, wie wenn man dies über den IS sagen würde. Die gesamte EU stuft die Hamas als Terrororganisation ein, nur Russland, China und die Türkei machen dies aus politischen Gründen nicht.
    • Kruk 08.07.2019 20:57
      Highlight Highlight Der IS wird weltweit (Wahrscheinlich von allen Staaten?) als Terrororganisation eingestuft.
      Die Hamas gilt, nebst den von ihnen genannten, auch in den OIC Ländern (ausser Ägypten), Norwegen und der Schweiz nicht als Terrororganisation.
      Also der Text ist gar nicht so falsch.
    • Randy Orton 08.07.2019 22:16
      Highlight Highlight @Kruk nein wird er nicht, zB die Austragungsnation der nächsten Fussball-WM (Katar) listet den IS nicht als Terrororganisation und tat dies nie.
      In Jordanien, Ägypten, Saudi Arabien und anderen muslimischen Ländern zählt die Hamas ebenso als Terrororganisation. Ich bemängle nur die Wortwahl „einige westliche Staaten“: Kanada, USA, Australien, Neuseeland und die EU - eigentlich die ganze westliche Welt stuft die Hamas als Terrororganisation ein. Bei der Schweiz hat es diplomatische Gründe.
    • Kruk 08.07.2019 23:26
      Highlight Highlight ist es nicht ein Unterschied ob ein Land die Hamas oder lediglich ihren bewaffneten Arm, die Qassam-Brigaden, als Terrororganisation listet?
  • LaGioia 08.07.2019 17:20
    Highlight Highlight Ich finde diesen Konflikt zwischen den Ländern so erdrückend. Ich versteh beide Seiten und wünsche mir, dass es irgendwann eine Lösung geben wird. Nur sind die Fronten schon so verhärtet, dass es diese wohl nicht mehr geben kann. Mir tun einfach die unschuldigen Menschen leid, die friedlich ihr Leben leben möchten.

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