DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Dominic Müller hat die Mushroom-Substanz Psilocybin ausprobiert – rein wissenschaftlich. 
Dominic Müller hat die Mushroom-Substanz Psilocybin ausprobiert – rein wissenschaftlich. 
bild: pd
Interview mit einem Psilo-Proband

«Spätestens als die Köpfe und Hände meiner Betreuer übernatürlich gross wurden, wusste ich, dass dies kein Placebo gewesen sein konnte»

«Uni organisiert Drogencamps», titelt der Blick am Mittwoch, «Stoppt diesen Leichtsinn», lässt sich SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi zitieren. Doch wie verlaufen Studien an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich wirklich? Geografie-Student Dominic Müller berichtet von seinem Trip im Namen der Wissenschaft. 
05.11.2014, 20:2007.11.2014, 13:56

Herr Müller, wie kamen Sie auf die Idee, an der Psilocybin-Studie von Professor Franz Vollenweider teilzunehmen?
Dominic Müller:
 Ich surfte im Internet auf der Suche nach Nebenjobs. Da stiess ich auf die Anzeige der Psychiatrischen Universitätsklinik. Ich fand sie sofort spannend. Ich dachte mir: Das ist wahrscheinlich der beste Rahmen, um mal eine psychoaktive Substanz auszuprobieren. Ich hatte Lust mitzumachen. 

Und dann drückte man Ihnen ein paar Pillen in die Hand? 
Natürlich nicht sofort. Zunächst wurden umfassende Voruntersuchungen durchgeführt. Ich musste seitenlange Fragebögen zu meiner psychischen und körperlichen Gesundheit ausfüllen. Mein Gemütszustand wurde zudem in einem Gespräch abgeklärt. Hinzu kamen medizinische Untersuchungen zur Herzaktivität sowie Blut- und Urintests. 

«Spätestens, als sie Köpfe und Hände meiner Betreuer übernatürlich gross wurden, wusste ich, dass dies kein Placebo gewesen sein konnte.»

Sie wurden als geeignet befunden? 
Ja. Das Team lud mich dann zur Hauptuntersuchung ein. Es gab zwei Termine, beim einen Mal erhielt man ein Placebo, beim anderen das Psilocybin. 

Zur Studie 
Der Psychiatrie-Professor Franz Xaver Vollenweider erforscht seit Jahren die Wirkung von Halluzinogenen auf das Gehirn. Als eine der wenigen Spezialisten auf dem Gebiet hofft er, die Stoffe dereinst zur Behandlung von schweren und damit schwer behandelbaren Depressionen einsetzbar zu machen. 

In der im Interview thematisierten Studie «Jenseits des Selbst und zurück: neuropharmakologische Mechanismen der Selbstauflösung» an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich untersuchen Vollenweider und sein Team den Einfluss von Psilocybin auf den Bewusstseinszustand und die Gehirnprozesse. «Es geht um die Frage, wie Menschen sich selbst wahrnehmen und wie sie Informationen von der Aussen- und Innenwelt bearbeiten», steht in der Probandeninformation zur Studie. Psilocybin ist eine natürliche psychoaktive Substanz, die in einigen Pilzarten vorkommt. Sie verändert das Bewusstsein auf vielfältige Weise: «Veränderungen im Affekt, der Sinneswahrnehmung, sowie der Wahrnehmung von Zeit und Raum» treten gemäss dem Informationsblatt auf. Das Risiko von psychischen Komplikationen ist bei Psilocybin gering, körperliche Nebenwirkungen wie erhöhte Herzfrequenz, Blutdruckanstieg, Übelkeit oder Zittern können vorkommen. 

Haben Sie den Unterschied gemerkt? 
Ja, der wird einem ziemlich schnell bewusst. Ich habe beim ersten Termin das Psilocybin erhalten. Spätestens, als sie Köpfe und Hände meiner Betreuer übernatürlich gross wurden, wusste ich, dass dies kein Placebo gewesen sein konnte.  

Haben Sie keine Angst gekriegt? 
Nein, ich habe das völlig unaufgeregt hin genommen. Ich glaube das gelang mir deswegen gut, weil ich Lust hatte, mich darauf einzulassen. Ich begann mich sehr leicht zu fühlen und ich habe ständig gelacht. 

«Manchmal flogen die Tastaturbeschriftungen wie Glühwürmchen durch die Luft. Im Hintergrund vernahm ich den Klang von Windspielen.»

Warum? 
Ich habe Farben gesehen, die ich noch nie gesehen habe. Mir sprangen Regenbögen aus dem Computer entgegen, Textzeilen schlängelten sich über den Bildschirm oder alle Buchstaben fielen in die eine Ecke. Manchmal flogen die Tastaturbeschriftungen wie Glühwürmchen durch die Luft. Im Hintergrund vernahm ich den Klang von Windspielen und als ich einmal hochschaute, sah ich mich von oben am Tisch sitzen. 

Sie sassen an einem Computer?
Ja, während der Wirkung des Psilocybins musste ich einfache Aufgaben am PC lösen. Auf dem Kopf trug ich eine Kappe mit Elektroden, die meine Hirnströme aufzeichneten. 

Was waren das für Aufgaben? 
Bei einer Aufgabe wurden mir ganz kurz Bilder gezeigt, die manchmal scharf und manchmal stark verpixelt waren. Dann musste ich einschätzen, wie klar ich sie wahrgenommen habe und erklären, was darauf zu sehen war. Einmal erkannte ich die Schuhe einer Freundin in einem Bild. Dann begann ich von ihr zu erzählen, und was wir schon alles zusammen erlebt haben. Ich vergas die ursprüngliche Aufgabe komplett. 

«Danach fühlte ich mich, als hätte ich den ganzen Tag intensiv Sport gemacht.»

Was taten die Betreuer?
Nichts, sie verhielten sich zurückhaltend und beruhigend. Manchmal stellten sie mir Fragen wie: «Wie spürst du gerade deinen Körper?» Das waren ebenfalls Situationen, in denen ich jeweils sehr lachen musste. 

Mehr zum Thema

Wie fühlten Sie sich nach dem Trip? 
Danach fühlte ich mich, als hätte ich den ganzen Tag intensiv Sport gemacht: sehr müde. Die Versuchsleiter haben mich vorgewarnt, dass ich mich so fühlen werde. 

Waren Sie nicht depressiv? 
Überhaupt nicht. Hätte ich irgendwelche Nebenwirkungen gehabt, wäre ich ohnehin durch die Psychiatrische Universitätsklinik versichert gewesen. 

Haben Sie irgendeinen Nutzen aus der Studie gezogen?
Eine spannende Erfahrung und 300 Franken. 

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Über 7300 Schulkinder sitzen schon in Quarantäne – und das ist nur die Spitze des Eisbergs

Mindestens 7353 Schulkinder sind in Quarantäne oder Isolation. Das hat die Umfrage von watson bei den Kantonen gezeigt. Ein wichtiger Player fehlt jedoch.

Die Quarantäneregel für Schulkinder sorgt momentan für Aufregung. Gründe dafür gibt es viele, zwei fallen besonders auf. Zum einen sind es die Eltern, die in den Medien über die zusätzliche Belastung klagen, wenn ihre Kinder nicht zur Schule gehen können. Zum anderen ist es Impfchef Christoph Berger mit seinem neuen Credo: «Mit dem repetitiven Testen braucht es in den Schulen keine Quarantäne mehr». Dies sagte der Präsident der eidgenössischen Kommission für Impffragen gegenüber …

Artikel lesen
Link zum Artikel