Interview
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MIAMI, FL - NOVEMBER 22: (EDITORS NOTE: Image has been converted to black and white.) Jason Segal  Debuts His Book

Jason Segel ist ein Mann geworden. Bild: Getty Images North America

«How I Met Your Mother»-Star im Interview

Jason Segel hat «wunderschöne, sehr köstliche Zehen» und ist zum Mann geworden: «Die Trottel-Phase liegt hinter mir»

In «How I Met Your Mother» war er der charmante Trottel. Jetzt hat US-Schauspieler Jason Segel ein Horror-Kinderbuch geschrieben. Hier spricht er über seine grössten Ängste – und verrät, was er vom umstrittenen Serienfinale hält.

Anna-Lena Roth / Spiegel Online

Ein Artikel von

Spiegel Online

Spiegel Online: Als Kind hatten Sie Albträume von einer Hexe, die an Ihren Zehen knabbern will. So geht es auch dem Protagonisten in Ihrem Buch. Herr Segel, zeigen Sie mir Ihre Zehen?
Segel: Das geht leider nicht, ich trage Schuhe. Aber glauben Sie mir, es sind wunderschöne Zehen, sehr köstlich. Und am wichtigsten: Sie sind alle noch intakt. Meine Horrorvision von der zehenfressenden Hexe bin ich erst als Teenager losgeworden. 

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Die Botschaft Ihres Kinderbuches lässt sich leicht zusammenfassen: Jeder Mensch hat Angst, und das ist auch in Ordnung, so lange man sich ihr stellt. Wovor haben Sie Angst? 
Ich habe zwei grosse Ängste: Unvorbereitet zu sein. Und Menschen zu verletzen.  

Lassen Sie uns zum Thema Angst etwas spielen: Ich nenne Ihnen einen Begriff, und Sie verraten mir, ob Sie sich davor fürchten. 
Schiessen Sie los! 

Spinnen. 
Furchterregend, wirklich gruselig. 

Dracula.
Von ihm hatte ich als Kind schlimme Albträume, er hat mich durch seine riesige Villa gejagt. Aber seit Gary Oldman Dracula gespielt hat, finde ich Vampire faszinierend.  

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Gary Oldman in «Bram Stoker’s Dracula», 1992. bild: heyguys

US-Moderatorin Ellen DeGeneres.
Eine unfassbar talentierte Frau, die mich in ihrer Talkshow zu Tode erschreckt hat.

Waagen. 
Halten Sie sich bloss von denen fern! Sie sind pathologische Lügner. Ich habe noch keine Waage gesehen, die mir die Wahrheit gesagt hätte. 

Einsamkeit. 
Hat mir früher Angst gemacht, ich habe es nicht ertragen, mit mir alleine zu sein. Es musste immer der Fernseher laufen, meistens waren es Horrorfilme. Bei denen kann ich gut abschalten. Heute bin ich in der Lage, das Alleinsein zu geniessen. 

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Altern. 
Davor fürchte ich mich nicht, im Gegenteil. Ich liebe das Älterwerden, weil ich lerne, was wichtig ist und wie ich mit meinen Albträumen umgehen kann. 

Nämlich?
Ich habe gelernt, gnädiger mit mir zu sein. Ich kann nur versuchen, mein Bestes zu geben. Und wenn mir das gelingt, kann ich nachts gut und angstfrei schlafen. Diese Einstellung kam aber erst mit dem Alter. Wenn du aufwächst, willst du perfekt sein. Bis du merkst: Das ist unmöglich, du kannst es nicht allen recht machen. 

BERLIN, GERMANY - NOVEMBER 17:  Jason Segel attends the presentation of his book 'Nightmares' (Die Schrecken der Nacht) at Hugendubel KaDeWe  on November 17, 2014 in Berlin, Germany.  (Photo by Anita Bugge/Getty Images)

Jason Segel bei der Präsentation seines Buches «Nightmares» («Die Schrecken der Nacht») in Berlin.  Bild: Getty Images Europe

Zur Person

Jason Segel, Jahrgang 1980, wurde durch die TV-Serie «How I Met Your Mother» berühmt. Neun Staffeln lang verkörperte er den liebenswert-trotteligen Marshall Eriksen. Die Rolle des grossen Kindes hat Segel nebenbei fürs Kino perfektioniert: Er spielte unter anderem in den seichten Komödien «Nie wieder Sex mit der Ex», «Bad Teacher» und im Disney-Film «Die Muppets». Segel schreibt zudem Drehbücher und komponiert Musik. Privat machte er mit seiner Beziehung zu Schauspielkollegin Michelle Williams und mit Alkoholproblemen Schlagzeilen. Gemeinsam mit der Bestseller-Autorin Kristen Miller hat Segel ein Kinderbuch veröffentlicht, das jetzt auch in Deutschland erschien: «Nightmares – Die Schrecken der Nacht» erzählt die Geschichte des zwölfjährigen Charlie Lairds, dessen Albträume allzu real werden.

Sind Sie zufrieden mit sich?
So sehr wie noch niemals zuvor. Ich weiss jetzt, auf welche Werte es ankommt: Ich will ein guter Freund sein, ein gutes Familienmitglied, ein guter Partner. Früher dachte ich, ich müsste mit meinen Ängsten alleine klarkommen. Heute rede ich mit Freunden darüber. Je älter ich werde, desto mehr weiss ich eine gute, ehrliche Unterhaltung zu schätzen, also umgebe ich mich mit Menschen, die das auch so sehen. Smalltalk langweilt mich. 

In Deutschland sind Sie vor allem als Marshall Eriksen aus «How I Met Your Mother» bekannt, die letzte Folge lief Ende August und wurde von Fans heftig kritisiert. Wie hat Ihnen das Finale gefallen? 
Die Geschichte wurde neun Jahre lang erzählt und genauso lange haben die Fans mitgefiebert. Es gab keinen Weg, alle zufrieden zu stellen. 

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Waren Sie es? 
Marshall Eriksen war gut zu mir. Ich war 21, als ich angefangen habe, ihn zu spielen. Ich steckte ein Jahrzehnt in seiner Haut und bin in dieser Zeit sehr gewachsen. Aber es ist auch in Ordnung, dass sie nun zu Ende ist. Ich kann nur sagen, dass ich zufrieden war, die Sendung zu drehen. Aber ich habe mich nicht zurückgelehnt und sie angeschaut. 

Aber Sie wissen doch, wie die Geschichte endet. 
Natürlich. (lacht) Lassen Sie es mich so sagen: Die Entscheidung, Cristin Milioti die Mutter spielen zu lassen, war entzückend, charmant, brillant. Ich denke, sie ist die Frau, die man in der Serie heiraten will. Und ich war sehr traurig, dass sie gestorben ist. 

Die Serie ist auserzählt, dafür ist jetzt Ihr Kinderbuch auf dem Markt. Wie gross ist Ihre Angst, als Autor zu scheitern?
Wann würde ich denn scheitern? Wenn ich nicht genügend Exemplare verkauft habe? Darum geht es mir nicht. Der Erfolg war für mich in dem Moment da, als ich das Buch geschrieben hatte und mit der Botschaft zufrieden war. Mir geht es um den Prozess und nicht so sehr um das Ergebnis. Das gilt für die Arbeit und fürs Private. 

Im vergangenen Jahrzehnt haben Sie sich das Image des gutherzigen, leicht trotteligen Kumpeltyps erarbeitet. Fürchten Sie, es nicht mehr loszuwerden? 
Während der Serie ging es mir manchmal so. Aber ich habe parallel viele Filme gedreht und Drehbücher verfasst, das war ein guter Ausgleich. Für mich ist jetzt die Zeit vorbei, einen grossen Jungen zu spielen, der erwachsen werden muss. Diese Filme sprechen mich nicht mehr an und ich schaue sie nicht mehr. Die Trottel-Phase liegt hinter mir. Wenn ich heute in den Spiegel schaue, sehe ich einen Mann. Graue Barthaare inklusive.

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Jason Segel in «Forgetting Sarah Marshall». gif: giphy



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