Interview
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Mona Vetsch bei den Schweizer Auswanderern: «Für Träumer ist das überhaupt nichts»



Seit sieben Jahren begleitet das SRF Schweizer, die sich im Ausland ein neues Leben aufbauen. Was ist aus ihrem Traum vom Auswandern geworden? In «Auf und davon Spezial» (ab Freitag, 21 Uhr, SRF 1) hat Moderatorin Mona Vetsch die Emigranten von damals besucht – und mit watson darüber gesprochen, ob es für die Exilanten ein böses Erwachen gab oder doch ein Traum in Erfüllung gegangen ist.

Ihr habt bei den Auswanderern der ersten Stunde nachgehakt: Wo seid Ihr überall gewesen und wie viele Kilometer habt ihr abgespult?
Ich bin mit Zahlen so schwach: keine Ahnung. Es fühlt sich in etwa an wie einmal um die ganze Welt, tatsächlich waren wir in Kanada, Australien, Dubai, Peru, Venezuela und finally in Bülach.

Wie gross war das Team?
Unterschiedlich. Zu dritt oder zu viert.

Ihr habt euch sechs Existenz-Neugründungen angeschaut: Ist Auswandern etwas für Träumer?
Nein, ich glaube, der Traum vom Auswandern ist nur etwas für sehr handfeste Charaktere. Er wird sehr schnell sehr real, und wer sich da nicht zu helfen weiss und nicht mit beiden Beinen im Leben steht, hat keine Chance. Ich bewundere das: Es sind alles Leute, die vieles selber machen können – von der Wohnungseinrichtung bis zum Anbau von Lebensmitteln. Für Träumer ist das eigentlich überhaupt nichts.

Der beliebteste Schweizer Auswanderer ist schon fast Kanadier

Ein Berner Naturbursche findet seine Erfüllung in Kanada, Bündner Tierfreunde sind glücklich auf einer Insel in Venezuela. Es macht den Eindruck, als haben die Auswanderer in ihren speziellen Nischen gesucht und gefunden?
Ja, aber man hat auch gesehen, dass das beileibe nicht immer gelungen ist. In einer anderen Sendung zeigen wir ein Pärchen, das nach Kanada ausgewandert ist. Sie haben am Manitobasee eine riesige Farm an einem schönen See gekauft. Mittlerweile sind sie aber in Kanada an einem völlig anderen Ort gelandet. Sie haben gesagt: «Was wir da am See erlebt haben – nie wieder!» Der Winter: vier Monate lang -30 Grad. Im Sommer hatte es so viele Mücken, dass du nie vor deinem Haus im Freien sitzen konntest. Und dann hatten sie noch eine riesige Überschwemmung und monatelang auf ihren Feldern Wasser gehabt. Dieses Paar hat erst im zweiten Anlauf in Kanada seine Bestimmung gefunden.

Was sind die gängigsten Fehler, die die Auswanderer begangen haben?
Es gibt keine gängigen Fehler, im Gegenteil: Die aus Venezuela haben mir gesagt, dass sie nur wegen ihrer Naivität das so durchgezogen haben. Wenn sie gewusst hätten, was da auf sie zukommt, hätten sie sich das nie angetan. Ich glaube, das ist noch häufig so: Zu lange überlegen kann eben auch ein Problem sein. Wenn du zu sehr ins Detail gehst, drehst du durch und machst das dann nicht mehr.

Was vermissen die Leute an der Schweiz?
Es ist lustig: Manchmal bin ich mir vorgekommen wie in einem Schweizer Klischee-Werbefilm, wenn ich mir angesehen habe, was wir den Leuten mitbringen sollten. Das ging von Schoggi über Bergkäse über Aromat bis zu Bratensosse und Willisauer Ringli. Das ganz Klassische, von dem die Auswanderer sagen: «Das fehlt eben doch.»

Man besinnt sich in der Fremde automatisch auf die Wurzeln, oder?
Unser Auswanderer in Dubai ist ein Pilot mittleren Alters, der einen Ländler-Klingelton gehabt hat. Er hat selber gesagt: «Ich habe in der Schweiz nie Volksmusik gehört. Im Ausland wirst du erst richtig zum Schweizer.» Sie hören auch viel Schweizer Radio – vor allem wegen des Dialekts, weil sie sich dann heimisch fühlen.

Claudio und Teres in Venezuela

Wie ist das Image der Schweizer im Ausland?
Ich glaube sehr gut, aber die meisten haben sich nicht gross damit beschäftigt. Das Thema ist nicht so sehr, wie angesehen die Schweizer sind, sondern: Wie wirst du als Ausländer aufgenommen? Sie bekommen eine neue Sicht – wie es sich als Ausländer lebt.

Image

Mona Vetsch – die Thurgauerin, der Auslandsschweizer vertrauen.
bild: srf

Und wie ist das Leben als Ausländer?
In Kanada zum Beispiel sagten uns die Auswanderer, es sei nie ein Thema, woher man komme. Die wollen nur wissen: Kann man dich für was gebrauchen? Integrierst du dich? Englisch ist in der Regel auch kein Problem – und du gehörst eigentlich sofort dazu. Die Schweizer machen in der freiwilligen Feuerwehr mit und sind ziemlich schnell akzeptiert. In Australien ist das schon wieder ein anderes Thema. Man denkt, da herrscht die grosse Freiheit, aber dann hat mir ein Familienvater erzählt, sie würden immer Immigranten bleiben. Ihre Kinder hätten jetzt aber eine Chance, richtig akzeptiert zu werden, weil sie akzentfrei australisches Englisch reden. In Dubai ist es wieder etwas anderes. Es ist ein Aufenthaltsort auf Zeit: Da bist du als Ausländer genau solange akzeptiert, wie du arbeitsfähig bist. Danach wirst du sofort wieder zurückgeschickt.

Durch den starken Franken werden die Auswanderer ja fast automatisch zum «reichen Schweizer». Erfüllen diese auch soziale Funktionen?
Je nachdem, wo du hinziehst, wechselst du auch die soziale Schicht. Teres und Claudio, die nach Venezuela gegangen sind, waren in der Schweiz totaler Mittelstand. Teres hat als alleinerziehende Mutter hier 100 Prozent gearbeitet und war wie Claudio Normalverdiener. Durch den starken Franken sind sie jetzt in Venezuela wirklich reich, und Teres verteilt beispielsweise auch sehr viel. Ein Franken, der hier sehr wenig ist, kann für eine Familie dort wirklich sehr viel sein. Sie hilft gern in ihrem Umfeld, wenn etwa eine Zahnarztrechnung bezahlt werden muss. Nur deshalb zählt sie heute gerne zu den Reichen: Weil sie die Möglichkeit hat, mit ihrem Geld zu helfen.

Ist es bei dem Paar in Peru ähnlich?
Jenny ist selber Peruanerin und in Lima aufgewachsen. Da ist das Thema eher, dass ihr Schweizer Partner plötzlich im Schosse einer peruanischen Familie landet und dort darum kämpfen musste, sich selbstständig eine neue Existenz aufzubauen, ohne dass ihm ein Familienoberhaupt sagt, was er zu tun hat.

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    Alle Leser-Kommentare
  • kEINKOmmEnTAR 08.04.2016 13:49
    Highlight Highlight Ih verdammt würde ich gern auswandern. Glaub aber wenig dass mich Amerika haben will :(
  • Der Rückbauer 08.04.2016 10:25
    Highlight Highlight Interessanter Hintergrundbericht, danke Mona. Hebt sich wohltuend ab von den Wohlfühlauswandererfilmli von SRF. - Un saludo de España.
  • saugoof 08.04.2016 01:33
    Highlight Highlight Habe zwar die Sendung noch nie gesehen, aber bin auch Ausgewandert. Hatte das eigentlich nicht mal vor, urspruenglich dachte ich nur so fuer 6 Monate bis ein Jahr, aber das ist nun schon 26 Jahre her.

    Was ich vermisst habe, mindestens am Anfang war Essen, vorallem Brot. Und jedesmal wenn ich in der Schweiz bin esse ich sachen die ich frueher praktisch nie ass, z.b Landjaeger, Cervelat, etc. Aber Laendlermusik ist mir heute noch ein Graus.

    Was ich vorallem gelernt habe ist das, so schoen und gut es auch in der Schweiz ist, es gibt auch viele Dinge die andere Laender besser machen.
  • Röschtigraben 07.04.2016 23:47
    Highlight Highlight das mit dem auswandern ist so eine sache. nicht jeder ist dafür geschaffen. und es sollte wohlüberlegt sein.
    ich bin vor 2 jahren auch ziemlich naiv an die sache ran und bin ausgewandert. es war und ist nicht immer einfach,aber ich würde falls möglich nie mehr zurück in die schweiz wollen. ausser für familienbesuche und sonstige ferien natürlich
    • smoe 08.04.2016 00:54
      Highlight Highlight Ich habe durch die Sendung und ein paar persönliche Bekanntschaften eher den Eindruck, dass sich einige zu viel überlegen:)

      Da werden Tausende Kilometer vom Auswanderungsziel entfernt Business Pläne ausgeheckt, die nächsten 10 Jahre vorbereitet und dann gleich Bar, Farm oder Hotel an einem Ort gekauft, an dem man vorher lediglich mal wochenweise im Urlaub war.

      Ich denke, man kann sich beim Auswandern so einiges an Ärger ersparen, wenn man zuerst einmal ein Jahr oder so bescheiden aus dem Rucksack lebt und erst wenn man Land, Sprache und Leute kennt, seine Strandbar oder was auch eröffnet. Allerdings gäbe das keine interessante Sendung:)
    • saugoof 08.04.2016 01:38
      Highlight Highlight @smoe - ist mir eigentlich auch so gegangen. Hatte eigentlich gar keine Plaene ausser mal ein paar Monate im Ausland zu leben. Inzwischen sind daraus 26 Jahre geworden. Die ersten zwei Jahre wahre brutal hart (so mit Weltwirtschaftskrise usw.) aber danach ging es stetig aufwaerts.

      Fand zwar die Schweiz schon immer ein tolles Land mit super Moeglichkeiten, aber ich muss doch sagen dass ich nie soviel im Leben erreicht haette waere ich in der Schweiz geblieben.
  • G-4 07.04.2016 18:17
    Highlight Highlight Das werd en Quote-Hit O:-)
  • Viturin Catschegn 07.04.2016 16:32
    Highlight Highlight Also die Bildstrecke zu Venezuela ist voller Tippfehler..
  • Hans Maulwurf 07.04.2016 15:19
    Highlight Highlight Richi! Ha gseit söusch di häbe!
    • JoJodeli 07.04.2016 19:29
      Highlight Highlight Haha, muss gleich auf youtube die szene suchen!! 😂
    • JaneSoda*NIEwiederFaschismus 07.04.2016 21:21
      Highlight Highlight Die Szene war unschlagbar!
      😃
  • christianlaurin 07.04.2016 15:12
    Highlight Highlight Ehhh The "Canadian" is still crazy! He is accepted, no doubt, but he is still considered crazy. Trust me, I lived 18 years in Canada out in the country side and woods. Actually I am guessing he is referred to as, "that guy". And honestly, as somebody who has lived nearly 17 years here, the two countries are not that different.
    • revilo 07.04.2016 16:05
      Highlight Highlight Kolleg..
    • christianlaurin 07.04.2016 21:41
      Highlight Highlight I just talked to my wife, who's family has lived in Quebec 400 years (in the area). She said I am right, people in Canada still consider him crazy, but he is accepted because people DON'T CARE! It's his life and if he wants to live in the boondocks, so be it, he lives in the boondocks his choice. Hence I don't understand why people are flaming me.
    • Hierundjetzt 07.04.2016 23:51
      Highlight Highlight Christian: hä? Nein, einfach nein. Sorry geht gar nicht
  • sheshe 07.04.2016 14:22
    Highlight Highlight Ich habe selbst auch einige Jahre im Ausland gelebt, aber so richtig auswandern und alle Zelte abbrechen möchte ich dann doch nicht. Die Schweiz ist sooo schön und hat so viel Gutes zu bieten, man muss es nur sehen! Trotzdem hat es viel zu meiner Lebenserfahrung beigetragen und ich denke, ich sehe die Welt auch ein bisschen mit anderen Augen als meine Mitmenschen. Nichtsdestotrotz träume ich von einem kleinen Häuschen am Meer mit Wald im Rücken und ein paar Berge um mich rum :-)
  • dracului 07.04.2016 13:40
    Highlight Highlight Die Pragmatik Kanadier gefällt mir: "Kann man dich für was gebrauchen?" Eine Frage, die wir uns alle auch immer mal stellen sollten hierzulande.
    • zeromg 07.04.2016 14:31
      Highlight Highlight @axantas
      ...nur am Rande bemerkt, den Kanton wechseln gilt nicht ;-)
    • Schreiberling 07.04.2016 15:13
      Highlight Highlight Bei jenen, die hier bleiben, ist die wichtigste Frage: Wie kann man dich gebrauchen.

      Bei jenen, die vorübergehend Schutz suchen, ist die wichtigste Frage: Wie kann man dir am besten helfen.
  • Aufblasbare Antonio Banderas Liebespuppe 07.04.2016 12:59
    Highlight Highlight ich freue mich auf hermann!
    • lily.mcbean 07.04.2016 13:57
      Highlight Highlight Ich ha der gseid sötsch di fest heba!

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