Irak
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Raghad Saddam Hussein, daughter of the former Iraqi president Saddam Hussein, attends a memorial services to mark the 40th day of her father's death in Sanaa, February 7, 2007. REUTERS/Khaled Abdullah (YEMEN) - RTR1M37K

Als trauernde Tochter zeigte sich Raghad Hussein 2007 in Jemen. Dort wurde am 40. Tag nach Saddam Husseins Erhängung eine Trauerfeier veranstaltet. Bild: © Khaled Abdullah Ali Al Mahdi /REUTERS

«Islamischer Staat» im Irak

Saddams Tochter ist die Terrorpatin der IS 

Saddam Husseins Tochter sinnt auf Rache. Mit ihrem Millionenvermögen sponsert Raghad Hussein offenbar die Terrormiliz «Islamischer Staat». Wie viele Gefolgsmänner ihres Vaters träumt sie von der Rückkehr an die Macht.

raniah salloum / Spiegel online

Ein Artikel von

Spiegel Online
Vice Chairman of the Iraqi  Revolutionary Command Council Izzet Ibrahim, left, presents Iraqi President Saddam Hussein with a gold medal, in Baghdad, Iraq in this  May 11, 1999 photo. State-run Iraqiya television says, Saturday morning, Dec. 30, 2006, that Saddam Hussein has been hanged.   (AP Photo/Iraqi News Agency)

Saddam Hussein. Bild: AP

Saddam Husseins älteste Tochter Raghad ist berüchtigt für ihr Luxusleben im jordanischen Exil. Man kennt sie in den grossen Juweliergeschäften und Designerläden Ammans. Wenn die 45-Jährige dort mit ihren Bodyguards vorfährt, wittern die Verkäufer ein gutes Geschäft. Auch beim berühmtesten Schönheitschirurgen der Stadt gilt die Diktatorentochter als Stammkundin – Nase, Busen, Augenringe.

Raghad Hussein geht mit der Mode, privat wie politisch. Früher passte sie mit ihrer wallenden blond gefärbten Mähne zur Baath-Ideologie ihres Vaters: säkular, modern, nationalistisch. Nun scheint Raghad Hussein plötzlich den Glauben für sich entdeckt zu haben. Im Juni bejubelte sie in einem Interview den Vormarsch der Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Normalerweise äussert sich Raghad Hussein nur selten politisch. Es ist die Bedingung dafür, dass die jordanische Königsfamilie weiterhin ihre schützende Hand über sie hält. 2007 stellte Interpol einen Haftbefehl gegen sie aus, weil sie den Aufstand gegen die Amerikaner unterstützte. Jordanien lieferte sie nicht aus. Nun finanziere die Hussein-Tochter die Radikalen, schimpfen nahöstliche Diplomaten. Ihr Vermögen wird auf einen zweistelligen Millionenbetrag geschätzt.

Für die geschassten Hussein-Anhänger ist jetzt die Zeit der Rache

Es schlägt die Stunde der Rache für die geschassten Baath-Anhänger. Einst hochrangige Militärs wie Fadel al-Hajali, Adnan al-Sweidawi oder Abu Ali al-Anbari, die mit dem Sturz Saddam Husseins alles verloren haben, stehen nun auf der Gehaltsliste von IS und feiern ihr Comeback.

Der US-Zeitung «New York Times» erzählte ein irakischer Militär von den ständigen Anrufen, die er von einem Ex-General Husseins bekommen habe. Inbrünstig habe der Mann immer wieder gebeten, in die Armee aufgenommen zu werden – vergeblich. Nun rief der Ex-General wieder an. «Ich kämpfe jetzt mit IS», sagte er, «warte nur, wir kommen und hacken euch in Stücke». Auch Issat Ibrahim al-Duri, einst Husseins rechte Hand und ein Vertrauter von Husseins Tochter, rührt für IS die Werbetrommel.

Jahrzehntelang hatte der Sunnit Saddam Hussein jegliche Opposition unterdrückt; es bildete sich ein schiitischer Widerstand. Nach Husseins Sturz übernahmen die einst Verfolgten die Macht und jagten ihrerseits erbarmungslos Sunniten. Nun wird IS vereint zum Sammelbecken für junge Radikale – und Veteranen aus der Hussein-Ära.

Raghad Hussein will in die Fussstapfen ihres Vaters treten

Die IS-Milizen können wohl bald auf eine potente Geldgeberin hoffen. Bild: AP/Raqqa Media Center of the Islamic State group

Raghad Hussein hat die Zeichen der Zeit erkannt. Sie ist ein Machtmensch genauso wie ihr Vater. Einmal verriet sie sogar ihren eigenen Ehemann. Der hatte 1995 versucht, Saddam Hussein zu stürzen. Mit Raghad und Millionen im Gepäck ging er nach Jordanien und biederte sich den Amerikanern und Briten an. Doch das westliche Interesse verpuffte schnell. 1996 kehrte die Familie enttäuscht nach Bagdad zurück. Raghad Hussein trennte sich von ihrem Mann. Der Vater liess den Schwiegersohn ermorden und aus den Familienfotos retuschieren.

Seitdem wartet Raghad Hussein geduldig darauf, in die Fussstapfen des Vaters zu treten. Sofort nach dem Sturz des Diktators meldete sie ihren Anspruch an. Als ältestem Kind stünde ihr sein politisches Erbe zu, nicht dem verschollenen Halbbruder oder einem der Enkelsöhne.

Seit Husseins Exekution kultiviert die Tochter sein Andenken. Eine Facebook-Seite, die ihr gehören soll, veröffentlicht täglich Fotos aus dem Hussein-Familienalbum.

Dort wird der Lebemann nun plötzlich als Glaubensfürst inszeniert: Statt Saddam mit Whiskey sieht man den Diktator auf einmal mit dem Koran oder in den schlichten Gewändern eines Pilgers nach Mekka, dazu die Überschrift: «Märtyrer der Islamischen Glaubensgemeinschaft».



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    Alle Leser-Kommentare
  • Zeit_Genosse 30.08.2014 09:44
    Highlight Highlight Der Islamismus lässt sich über den Islam am besten "bekämpfen". Dazu braucht es versönliche Religionsführer mit einer friedlichen Vision zwischen Tradition und Moderne, die Zulauf erhalten. Menschen müssen in ihrer Religion eine Heimat finden und eine Perspektive für ein besseres Leben. Die westliche Mission, mit modernsten Waffen Diktaturen zu stürzen, den Islam zu bekämpfen und Demokratien zu installieren, ist fehlgeleitet. Der Westen sollte sich für friedvolle Islamische Staaten einsetzen und helfen, dass sich gemässigte Kräfte (nicht dem Westen hörige) durchsetzen können und durch wirtschaftlichen Austausch zum sanften Aufbau beitragen. Es braucht Mehr als eine präsidiale Amtsdauer Zeit und weniger Einmischung. Doch wenn das Ziel die Destabilisierung der Islamischen Staaten ist, um sie zum Implodieren zu bringen und Macht ausüben zu können, damit diese Region nicht erstarken kann, dann ist man auf gutem, aber traurigem Weg. Der Krieg wird dann in den Westen getragen und alle verlieren.
    • zombie1969 07.09.2014 13:55
      Highlight Highlight Wie haben Sie es geschafft, ein Kommentar von über 600 Zeichen einzustellen?
  • zombie1969 29.08.2014 20:35
    Highlight Highlight Der Westen kann nicht alles richten und ist glücklicherweise auch nicht für alles verantwortlich. Militärische Interventionen haben in der Region noch nie zu etwas Gutem geführt. Die Mehrheit dort möchte mehr oder weniger islamisch organisierte Staaten. Über das Mehr bzw. Weniger müssen und werden sie selbst entscheiden; jetzt noch mit der Waffe in der Hand. Die noch funktionierenden islamischen Staaten sind in der Pflicht sich einzumischen und einen Weg in Zukunft zu suchen. Der Westen und speziell Europa wird seine Kraft dazu brauchen, um die eigene fragile Zukunft zu sichern.
  • Thomas Binder 29.08.2014 19:22
    Highlight Highlight Hinter jeder "Hölle auf Erden" steckt ein (oder maximal eine Handvoll) (narzisstisch gekränkter) Psychopath. Dies ist bei IS nicht anders als in Gaza, Baden...

    http://www.vimentis.ch/dialog/readarticle/das-groesste-problem-der-menschheitsgeschichte/
  • Bonifatius 29.08.2014 14:49
    Highlight Highlight Das zeigt doch schön auf, dass es - zumindest einigen - IS-Kämpfer eigentlich nicht um die Religion geht sondern um Macht, Anerkennung, Geld, Perspektiven. Der islamische Glauben ist einfach der Werterahmen für die kollektive Gewalt. Unter anderem weil die Nation als Identifikation in diesen Ländern schon immer versagt hat. Die Husseintochter ist nur einer von vielen Boomerangs der amerikanischen Aussenpolitik. Sicher nicht der Letzte.
    • Vladtepes 29.08.2014 17:47
      Highlight Highlight Sehr gut erkannt! Kommt hinzu, dass es dem Irak und vorab seinem Volk unter Saddam Hussein bedeutend besser gegangen ist! Wenn man mal ansieht, was die USA dort angerichtet haben, mit abertausenden von Toten und einem Land in dem täglich Bomben der unterschiedlichsten politischen Selbstmord-Attentäter, dies unter der frechen und mittlerweile allgemein und weltweit bekannten Lügen mit den Massenvernichtungswaffen, fallen, dann darf man füglich behaupten, dass es die meisten Iraker solange unter Saddam besser lebten, als sie sich politischen Kommentaren gegen ihn enthielten. Jetzt kann man treudoof fragen, ob es besser ist, in "Freiheit" zu leben - schaut euch doch diese Freiheit einmal an. Überzeugend, nicht wahr?

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