Iran
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Reyhaneh Jabbari: Hinrichtung steht laut Onkel kurz bevor. Screenshot: Youtube

Zum Tode verurteilte Iranerin

Reyhaneh Jabbari soll Samstag hingerichtet werden

Immer wieder wurde die Hinrichtung der Iranerin Reyhaneh Jabbari verschoben. Nun soll die 26-Jährige am Samstag exekutiert werden – das berichtet ihr Onkel. Die Eltern seien aufgefordert worden, sich zu verabschieden. 

24.10.14, 19:04

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Alle Appelle haben offenbar nichts genützt: Die Iranerin Reyhaneh Jabbari soll angeblich am Samstag hingerichtet werden. Wie der Onkel der 26-Jährigen SPIEGEL ONLINE sagte, erhielten die Eltern der jungen Frau einen Anruf aus Jabbaris Gefängnis. «Mein Bruder und seine Frau sind auf dem Weg zu ihr», sagte Fariborz Jabbari. «Sie sollen sich verabschieden.» 

Seit sieben Jahren sitzt Jabbari wegen Mordes an einem früheren Mitarbeiter des iranischen Geheimdienstes in der Todeszelle. Die junge Frau hatte angegeben, aus Notwehr gehandelt zu haben. Morteza Abdolali Sarbandi habe sie angegriffen und vergewaltigen wollen. Daraufhin habe sie ihn mit einem Messer verletzt und sei geflüchtet. 

Der Fall der jungen Frau hatte international Proteste ausgelöst, iranische Künstler hatten sich für Jabbari stark gemacht, im Internet unterschrieben Hunderttausende eine Petition. Die Uno und das US-Aussenministerium forderten Iran auf, die Exekution auszusetzen und den Fall neu zu überprüfen. Zuletzt appellierte EU-Parlamentspräsident Martin Schulz in einem Brief an seinen Amtskollegen Ali Larijani. Er habe mehrere Hinweise erhalten, wonach Reyhaneh Jabbari keinen fairen Prozess bekommen habe. 

Offenbar ohne Erfolg. Nach iranischem Recht der «Kisas», dem Vergeltungsgesetz nach dem Prinzip Auge um Auge, Zahn um Zahn, kann jetzt nur noch die Familie des Opfers Jabbari begnadigen. Doch die besteht anscheinend darauf, dass die Verurteilte den Vorwurf der Vergewaltigung zurücknimmt, um die Ehre des Getöteten wiederherzustellen. Dies hat Jabbari jedoch mehrfach abgelehnt. (gam)



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    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 26.10.2014 09:12
    Highlight Der Iran ist formal eine Demokratie, der Staat selbst sichert seine Macht aber über Strukturen ab, die man hier mit den Diktaturen des vergangenen Jahrhunderts in Verbindung bringen würde.
    Offensichtlich hat das Gericht dem Opfer keinen Glauben geschenkt, sondern hat eine Strafe verhängt, wie sie im System des Iran für einen Mord an einem Repräsentanten des Staats vorgesehen ist.
    Dies ist keine Frage der Religion, sondern mehr dessen, wie ein Staat das Verhältnis zu seinen Bürgern definiert.
    Die Todesstrafe ist etwas inhumanes und sollte von diesem Planeten einfach gänzlich verschwinden.
    3 0 Melden
  • Zeit_Genosse 24.10.2014 19:15
    Highlight Ob es uns schmeckt oder nicht, wenn wir über alle Justizirrtümer in "unseren Medien" berichten wollen, dann ist watson für die nächsten 10 Jahre damit beschäftigt und wir komplett abgestumpft. In dieser Zone werden zudem viele Greueltaten begannen, von denen ich nicht alles wissen muss. Sorry, wir sollten uns auch abgrenzen dürfen, wie das Ärzte täglich tun müssen, wenn verletzte und kranke versterben.
    1 6 Melden
    • christianlaurin 24.10.2014 20:27
      Highlight So ein Kommentar ist komplett daneben. Ein Arzt hilft bis es nicht mehr geht. Das hier ist eine Sache wo es freiwillige ist. Der Justiz kann ja oder nein sagen. Niemand muss sterben.
      3 1 Melden
    • Zeit_Genosse 24.10.2014 21:20
      Highlight @christianlaurin
      Ich wollte nicht verstanden wissen, dass Ärzte nicht alles fürs Leben tun, sondern dass sie das Recht auf Abgrenzung haben, um ihre bewundernswerte Leistung erbringen zu können. Auch wir als Medienkonsumenten können nicht die ganze Welt retten. Der Vergleich hinkt immer noch, war aber eigentlich gut gemeint;)
      2 0 Melden

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