Islam
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Wie ein Todesurteil auf Raten

Weil ein saudi-arabischer Blogger den Islam beleidigt haben soll, wird er mit 1000 Peitschenhieben und 10 Jahren Gefängnis bestraft 

10.01.15, 09:58 10.01.15, 12:59

Wegen «Beleidigung des Islams» ist ein saudi-arabischer Menschenrechtsaktivist und Blogger am Freitag öffentlich ausgepeitscht worden. Augenzeugen berichteten, Raef Badawi habe nach dem Freitagsgebet in der Nähe der Al-Dschafali-Moschee in Dschidda 50 Peitschenhiebe erhalten.

Die Menge der Gläubigen habe schweigend zugeschaut (siehe Video). Der 2012 inhaftierte Badawi war im vergangenen November zu einer zehnjährigen Gefängnisstrafe und 1000 Peitschenhieben verurteilt worden. Er soll insgesamt 20 Mal je 50 Hiebe bekommen.

Unklare Quelle: Menschenmenge in Dschidda, die am 9.1.15 der Auspeitschung des Bloggers zusieht. YouTube/fakhercom

Der 30-Jährige ist Gründer der inzwischen gesperrten Internetseite Liberal Saudi Network und 2014 Träger einer Auszeichnung der Organisation Reporter ohne Grenzen. Auf der Website kritisierte er vor allem die saudi-arabische Religionspolizei. Im erzkonservativen Saudi-Arabien herrscht eine besonders strenge Auslegung des Islam, der Wahhabismus. Die Religionspolizei setzt die Scharia wahhabitischer Auslegung mit harter Hand durch.

EU verurteilt Auspeitschung

Die EU hat die öffentliche Auspeitschung eines islamkritischen Bloggers in Saudi-Arabien verurteilt. «Die Prügelstrafe ist inakzeptabel und (steht) im Gegensatz zur Menschenwürde», teilte ein Sprecher der EU-Chefdiplomatin Federica Mogherini am Freitagabend in Brüssel mit.  

 «Die Prügelstrafe ist inakzeptabel und (steht) im Gegensatz zur Menschenwürde»

Saudi-Arabien solle eine Abschaffung von Auspeitschungen überdenken. Die Strafe verstosse unter anderem gegen die Anti-Folter-Konvention, die das Land ratifiziert habe.

Reporter ohne Grenzen protestierte im Fall Badawi gegen eine «inhumane, völkerrechtswidrige Verurteilung» und startete eine Petition an König Abdullah. Darin wird der Monarch aufgefordert, Badawi zu begnadigen. Auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International verlangt Badawis Freilassung. (kub/sda/afp)



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    Alle Leser-Kommentare
  • ROLI LIVE 10.01.2015 16:45
    Highlight Nie würde ich in so einem Staat Ferien machen. Nur eine unbewusste Handlung, und Du kommst erst 20 Jahre später Heim.
    2 1 Melden
  • AdiB 10.01.2015 14:12
    Highlight er hat nicht den islam beleidigt sonder die obersten führer in arabien. aber da muss man sich ein bisschen damit auskennen.
    es ist arabien eben so das die alte ulema (ulema sind die kardinäle des islams) im gefängnis oder im exil ist. da der könig loyale anhänger zur ulema machte und die alten jagt. die neuen sind korrupt und nutzen zum teil aus dem kontext gerissene oder sogar verfälschte regeln des islams um ihre macht standhaft zu erhalten.
    das ist auch ein grund wiso viele muslime saudi arabien verurteilen und als verräter bezeichnen.
    sie tretten dort "im namen des islams" die grundwerte des islam mit den füssen.
    5 1 Melden
  • JJ17 10.01.2015 12:08
    Highlight Kranke Welt...
    11 0 Melden
  • Easypeasy 10.01.2015 11:00
    Highlight Irgendwie schon noch ironisch: Saudi Arabien verurteilt die Anschläge in Paris. Aber zeitgleich lässt Sie einen Blogger der den (strikten) Islams teilweise hinterfragt, fast zu tode auspeitschen.
    26 0 Melden
    • Citation Needed 10.01.2015 18:06
      Highlight Das eine hat nichts mit dem andern zu tun, obwohl es natürlich als Absurdität sondergleichen erscheint, wenn man die zwei Begebenheiten in nebeneinander stellt. SA verurteilt das Blutbad (oder Terror oder Selbstjustiz oder was auch immer). Das heisst aber nicht, dass sie Pressefreiheit und Meinungsfreiheit toll finden. Oder sagen wir so: es ist nicht wiedersprüchlicher als die USA, die die halbe Welt bespitzeln und Freedom of Speech predigen, die aber Assange und Snowden hinter Gitter und zum Schweigen bringen wollen.. ;-)
      1 1 Melden
  • kuhrix 10.01.2015 10:26
    Highlight Und einen solchen Staat verkaufen wir auch noch Waffen..
    26 1 Melden

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