Islamischer Staat (IS)
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Burn-IS-Flag-Challenge BurnIsis/youtube

Protest gegen Islamisten

Libanesische Jugendliche starten «Burn-IS-Flag-Challenge», doch nicht allen passt das

Libanesische Jugendliche protestieren gegen die radikale Miliz «Islamischer Staat» - indem sie deren Fahne verbrennen. Doch für manche ist die Aktion eine Beleidigung des Islams insgesamt.

raniah Salloum / Spiegel Online

Ein Artikel von

Spiegel Online

Angefangen hat alles mit drei jungen Männern, die mitten in Beirut auf dem Sassine-Platz eine Flagge des «Islamischen Staats» (IS) verbrannten. Der IS hat auch im Libanon Unterstützer. Im August entführten die Extremisten im Nordlibanon 24 libanesische Soldaten und Polizisten und köpften nun einen von ihnen. Die Jugendlichen ließen ihre Wut über diesen grausamen Mord an der Fahne der Miliz aus.

Bald zirkulierten Fotos ihrer Aktion auf Twitter. Libanons Justizminister Aschraf Rifi war empört. Denn er befürchtete, das Flagge-Verbrennen könnte Racheakte nach sich ziehen, die das prekäre Zusammenleben der verschiedenen Religionsgruppen im Libanon erschüttern.

Rifi forderte die Staatsanwaltschaft auf, die drei Jugendlichen zur Verantwortung zu ziehen und sie zur «härtesten Strafe» zu verdonnern. Doch damit löste der Minister unfreiwillig das Gegenteil aus: die «Burn IS-Flag Challenge».

Auf YouTube wurde ein Video veröffentlicht mit der Botschaft: «Ich nominiere die ganze Welt zur IS-Flaggen-Verbrennung-Herausforderung. Ihr habt 24 Stunden. Los gehts!»

Manche sehen das Flaggen-Verbrennen als Islam-Beleidigung

Unter dem Hashtag «BurnISISFlagChallenge» solidarisieren sich nun Libanesen mit den Jugendlichen - und stellen sich gegen ihren Justizminister. Doch auch Kritik an der Aktion ist zu hören.

Manche sehen das Flagge-Verbrennen als Beleidigung des Islams insgesamt. Denn die schwarze Fahne und ihre Schriftzüge sind keine reine Erfindung der Miliz. Es gibt sie schon viel länger.

Nur auf manchen IS-Flaggen steht der Schriftzug «Der Islamische Staat». Auf vielen steht lediglich das muslimische Glaubensbekenntnis - es gibt keinen Gott ausser Gott - darunter prangt das Siegel, das der muslimische Prophet Mohammed benutzt haben soll.

«Ich würde das Wort ‹Gott› herausschneiden», twittert ein muslimischer Libanese. «Und danach würde ich die Fahne sofort verbrennen.» Es ist auch ein Ringen um Symbole. Viele Muslime wollen sich ihren Glauben nicht einfach von den Radikalen kapern lassen.

Die Radikalen spalten die arabische Welt

Der IS spaltet den Nahen Osten entlang mehrerer Bruchstellen. Argwöhnisch beäugen sich die verschiedenen Konfessionsgruppen untereinander und auch entlang unterschiedlicher sozioökonomischer Schichten zieht sich der Riss. Ist der Nachbar ein heimlicher IS-Sympathisant? Der rasante Siegeszug der Miliz und ihre Brutalität verstören viele zutiefst.

Arabische Intellektuelle - Wissenschaftler, Journalisten, Religionsgelehrte - versuchen, die Ursachen für den raschen Aufstieg des IS zu ergründen. Im Netz verbreiten sich rasant Satiren über die Radikalen. Doch außerhalb der besser gestellten Kreise verfolgen die wenigsten solche Debatten.

Viele im Nahen Osten stehen dem IS schlichtweg fassungslos gegenüber. Sie können sich nicht vorstellen, wie eine solche barbarische Miliz entstanden sein könnte. Also machen sie andere für den Aufstieg verantwortlich: Die USA und Europa trügen die alleinige Schuld daran - der Einmarsch in den Irak 2003, das Nichteingreifen in Syrien.

Besonders beliebt, um das schwer Begreifliche zu erklären, ist die Verschwörungstheorie: Viele glauben, dass der amerikanische und israelische Geheimdienst den IS erfunden haben, um den Nahen Osten weiter zu schwächen und zu unterwerfen. In Ägypten eine weit verbreitete These: Die Ex-US-Aussenministerin Hillary Clinton habe den IS geschaffen.

Nicht wenige arabische Medien verbreiten Lügen bereitwillig und auch die Politik befeuert sie gern, denn es erspart ihr, die eigene Verantwortung zu hinterfragen. Im Libanon sagte der Außenminister Gebran Bassil, er habe vom US-Botschafter in Beirut eine Erklärung verlangt. Die amerikanische Botschaft sah sich daraufhin genötigt, öffentlich zu dementieren, dass sie etwas mit der Gründung des IS zu tun habe.



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