Israel
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Smoke and debris rises as an Israeli missile strike hits a building in Jabalya refugee camp in the northern Gaza Strip, Monday, July 14, 2014. Israel began airstrikes Tuesday against militants in the Hamas-controlled Gaza Strip in what it says was a response to heavy rocket fire out of the densely populated territory. The Palestinian Health Ministry in Gaza said Monday that at least 175 people have been killed in Israeli  strikes, including dozens of civilians. No Israelis have been killed as a result of Hamas rocket launches. (AP Photo/Hatem Moussa)

Bild: Hatem Moussa/AP/KEYSTONE

178 tote Palästinenser

Hamas und die Waffenruhe: Zu hoch gepokert 

Ägypten und Israel haben gemeinsam ein Konzept für eine Waffenruhe entwickelt – die Hamas war aussen vor. Mit ihren Forderungen hat sich die Miliz verspekuliert. 

15.07.14, 14:10 15.07.14, 14:40

raniah salloum / spiegel online

Ein Artikel von

Es klang ein wenig eingeschnappt, was der militärische Flügel der Hamas am Dienstag veröffentlichte: «Keine offizielle oder inoffizielle Seite ist an uns herangetreten mit dem Waffenstillstandsvorschlag, der in den Medien diskutiert wird», so die Presseerklärung. Man habe von Ägyptens Plan nur auf den Nachrichtenseiten gelesen. «Wenn der wiedergegebene Inhalt stimmt, ist es eine Unterwerfung, die wir klar ablehnen.»

Die israelische Regierung stimmte dem Waffenstillstand am Dienstagmorgen dagegen zu. Ihr hatte Ägypten den Vorschlag zur Diskussion vorgelegt. Er sieht eine Waffenruhe vor. Zudem soll über die Einfuhr von Waren und Personen in den abgeriegelten Gazastreifen verhandelt werden. Binnen 48 Stunden nach Inkrafttreten des Waffenstillstands will Ägypten ranghohe palästinensische und israelische Delegationen empfangen, um indirekte Verhandlungen zu führen. 

Geschickt haben Kairo und Jerusalem die Hamas in eine schwierige Lage manövriert. Egal, was die Radikalen nun tun, sie können nur verlieren. 

Israel's Prime Minister Benjamin Netanyahu (R) speaks during a joint news conference with Germany's Foreign Minister Frank-Walter Steinmeier in Tel Aviv July 15, 2014. Israel sees in the Egyptian-proposed Gaza truce an opportunity to strip the Palestinian enclave of rockets but is prepared to redouble military action there if the cross-border launches persist, Netanyahu said on Tuesday. REUTERS/Dan Balilty/Pool (ISRAEL - Tags: POLITICS CIVIL UNREST)

Benjamin Netanyahu und der deutsche Aussenminister Minister Frank-Walter Steinmeier bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Tel Aviv Bild: POOL/REUTERS

Waffenruhe nicht sehr stabil

Stimmen sie dem ägyptischen Vorschlag doch noch zu, würde keine der Bedingungen erfüllt, die sie für eine Waffenruhe stellen: eine Lockerung der Blockade des Gazastreifens, die Freilassung von Hunderten Hamas-Mitgliedern, die Israel zuletzt festgenommen hat.

Lehnt die Hamas die Waffenruhe weiter ab, steht sie als einsamer Aggressor da. Dabei war gerade der internationale Druck auf Israel gestiegen, die Bombardierungen einzustellen. Schliesslich sind rund 80 Prozent der Todesopfer in Gaza Zivilisten. Nach Uno-Angaben sind bis Montagnachmittag 178 Palästinenser ums Leben gekommen. 1361 wurden verletzt, darunter 400 Kinder. In Israel ist bisher niemand durch den Krieg ums Leben gekommen.

Die israelische Armee könnte nun jederzeit ihre Bombardierungen wieder aufnehmen – gestützt durch das Argument, dass die Hamas nicht zu einem Ende der Gewalt bereit ist. (So geschehen am Dienstagnachmittag.)

Four-year-old Palestinian girl Shayma Al-Masri, who hospital officials said was wounded in an Israeli air strike that killed her mother and two of her siblings, listens to her aunt as she lies on a bed while receiving treatment at a hospital in Gaza City July 14, 2014. The girl and her father were the only survivors left in the family. Israel said it shot down a drone from Gaza a week into its offensive on Monday, the first reported deployment of an unmanned aircraft by Palestinian militants whose rocket attacks have been regularly intercepted. More than 166 Palestinians, most of them civilians, have been killed, Gaza health officials said, in seven days of fighting that has shown no sign of ending. Israel says its offensive is intended to halt rocket fire at its cities from the Gaza Strip.
REUTERS/Mohammed Salem (GAZA - Tags: POLITICS CIVIL UNREST)

Ein verletztes Kind wird im Spital von seiner Mutter getröstet Bild: MOHAMMED SALEM/REUTERS

Hamas-Führung uneinig

Es dauerte nur wenige Stunden, bis militante Palästinenser am Dienstag auf die Zustimmung zum Waffenstillstand durch die israelische Regierung reagierten: mit Raketen-Salven, abgefeuert Richtung Israel. Im TV war zu sehen, wie der israelische Raketenschirm mehrere Geschosse über der Hafenstadt Aschdod abfing. Auch in anderen Teilen Südisraels erklangen die Warnsirenen. 

Ganz einig ist sich die Hamas über ihren Kurs offenbar ohnehin noch nicht. Ein hoher Vertreter verkündete, dass die endgültige Entscheidung über den ägyptischen Vorschlag noch nicht getroffen worden sei. «Wir beraten uns noch», postete Moussa Abu Marzouk auf Facebook. Er hält sich derzeit in Kairo auf.

Die Islamisten haben sich verpokert. Zu gross waren ihre politischen Forderungen. Nun wird es für sie schwierig, davon wieder abzurücken. Es fehlt zudem auch an einem Verhandlungspartner, der bei der Kompromisssuche helfen könnte. Denn Ägypten ist ebenfalls Konfliktpartei in dem Krieg. 

ASHDOD, ISRAEL - JULY 15:  Homefront Command members clean up rubble from a home after a Hamas rocket landed in the front yard on July 15, 2014 in Ashdod, Israel.  As operation 'Protective Edge

Die israelische Polizei sichert das Gelände nach dem Einschlag einer Hamas-Rakete in Ashdod Bild: Getty Images Europe

Israel behält Kontrolle über Grenze

Der ägyptische Präsident Abd al-Fattah al-Sisi hat die Hamas zum Staatsfeind erklärt. Seit seiner Machtübernahme am 1. Juli 2013 liess er den ägyptischen Grenzübergang zu Gaza abriegeln und palästinensische Schmuggeltunnel zerstören. So macht er der Hamas, aber auch den Menschen im Gazastreifen das Leben schwer. Eine Bedingung der Hamas für einen Waffenstillstand richtet sich daher auch an Kairo: Ägypten soll seine Grenze wieder aufmachen.

Der ägyptische Vorschlag, den die israelische Zeitung «Haaretz» veröffentlichte, sieht eine Lage vor, wie sie sich nach dem Krieg 2012 darstellte: «Sobald die Sicherheitslage am Boden stabiler» sei, sollten «Grenzübergänge wieder geöffnet werden». Das heisst, die Hamas bekäme weiter keine Garantie für offene Grenzen. Israel und Ägypten könnten diese nach Belieben öffnen und schliessen. Für die Menschen in Gaza ein unerträglicher Zustand.

Doch welchen Ausweg gibt es aus der vertrackten Lage? Letztlich wird der Krieg wohl tatsächlich durch eine Rückkehr zu den Bedingungen von 2012 beendet, glaubt der sicherheitspolitische US-Thinktank Crisis Group in einer am Montag veröffentlichten Analyse. Die Frage sei nur, wie viel Blut vorher fliessen müsse. 

Bericht von der Grenze zwischen Israel und Gaza Youtube/TheRealNews



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    Alle Leser-Kommentare
  • cogito 15.07.2014 23:11
    Highlight Ein Ziel der Hamas ist, gemäß Charta, Israel zu vernichten.
    0 0 Melden
  • mauchmark 15.07.2014 18:29
    Highlight Im obigen Test steht zu den Opferzahlen: "In Israel ist bisher niemand durch den Krieg ums Leben gekommen"

    Das ist nicht korrekt. Die ersten Todesopfer in diesem Krieg waren drei israelische Jugendliche. Sie wurden durch die Palästinenser entführt und dann erschossen.
    1 0 Melden

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