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epa04453967 (FILE) A file picture dated 19 August 2013 shows South African Paralympic athlete Oscar Pistorius as he appears in the Pretoria Magistrates court in Pretoria, South Africa. Pistorius was found guilty of culpable homicide of his girlfriend Reeva Steenkamp on 12 September 2014. The sentence is expected to be announced on 21 October.  EPA/STR *** Local Caption *** 51262773

Bald erfährt Pistorius das Strafmass für die fahrlässige Tötung seiner Freundin. Bild: STR/EPA/KEYSTONE

Hausarrest oder Knast?

Für Pistorius kommt morgen die Stunde der Wahrheit

Richterin Thokozile Masipa verkündet am Dienstag, ob sie der Forderung der Anklage nach zehn Jahren Gefängnis nachkommt oder welches andere Strafmass sie für die fahrlässige Tötung des Models Reeva Steenkamp durch ihren Freund Oscar Pistorius festlegt.



Südafrikas Paralympics-Star Oscar Pistorius erfährt morgen Dienstag 20 Monate nach der Erschiessung seiner Freundin das Strafmass. Das Urteil lautete auf fahrlässige Tötung. Darauf stehen nach südafrikanischem Recht maximal 15 Jahre Haft. Da keine Mindeststrafe vorgeschrieben ist, könnte Richterin Masipa den 27-Jährigen auch nur zu Hausarrest und gemeinnütziger Arbeit verurteilen – so die Forderung der Verteidigung.

Pistorius hatte die 29-jährige Reeva Steenkamp in der Nacht auf den Valentinstag 2013 durch eine geschlossene Toilettentür seiner Villa bei Pretoria erschossen. Die Richterin folgte seiner unter Tränen vorgebrachten Beteuerung, er habe hinter der Tür einen Einbrecher vermutet. Sie wies die Mordanklage zurück und sprach den beinamputierten Paralympics-Sieger am 12. September lediglich der fahrlässigen Tötung schuldig.

epa04453972 (FILE) A file photograph dated 27 June 2012 showing Reeva Steenkamp, named in the FHM 100 sexiest women 2012 in Johannesburg, South Africa. Paralympic athlete Oscar Pistorius was found guilty of culpable homicide of his girlfriend Reeva Steenkamp on 12 September 2014. The sentence is expected to be announced on 21 October.  EPA/TIMOTHY BERNARD *** Local Caption *** 51565788

Das Opfer: Pistorius-Freundin Reeva Steenkamp. Bild: EPA/INDEPENDENT NEWSPAPERS FILE

Verteidiger: Tragischer Irrtum

Pistorius' Anwalt Barry Roux hatte in seinem Schlussplädoyer erklärt, sein Mandant bedauere sein fahrlässiges Verhalten zutiefst. Er sei keineswegs «der kaltblütige Mörder», als den ihn die Staatsanwaltschaft dargestellt habe.

Der Sportler könne nicht verwinden, dass er aufgrund eines «tragischen Irrtums» den Tod seiner Geliebten verursacht habe. Seine Bestrafung habe daher gleich nach den Schüssen auf die Toilettentür begonnen. «Sollte er ins Gefängnis kommen, würde ihn dies brechen.» 

epa04453981 (FILE) A file picture dated 16 October 2014 shows Judge Thokozile Masipa, istening to proceedings during day four of sentencing procedures of South African Paralympic athlete Oscar Pistorius at the High Court in Pretoria, South Africa. Pistorius was found guilty of culpable homicide of his girlfriend Reeva Steenkamp on 12 September 2014. The sentence is expected to be announced on 21 October.  EPA/ALON SKUY/POOL *** Local Caption *** 51620170

Richterin Thokozile Masipa. Bild: EPA/TIMES MEDIA GROUP/POOL

Bevölkerung für Gefängnisstrafe

Staatsanwalt Gerrie Nel erwartet hingegen, dass die Richterin Pistorius so bestrafe, wie dies die Mehrheit der Südafrikaner wolle. «Zehn Jahre sind das Minimum», sagte der Chefankläger in seinem Schlussplädoyer. Falls Pistorius mit Hausarrest in der Luxusvilla seines Onkels davonkomme, wäre dies angesichts des Leids der Opfer-Familie «schockierend».

Südafrikanische Juristen äusserten unterschiedliche Vermutungen zu Art und Umfang der Strafe. Einige erwarten ein hartes Urteil, nachdem die Richterin massiv dafür kritisiert worden war, dass sie Pistorius nicht des Mordes schuldig gesprochen hatte. 

Andere Experten verwiesen darauf, dass Richter in Südafrika angesichts der weit verbreiteten Gewaltkriminalität oft milde Strafen gegen Hausbesitzer verhängen, die auf echte oder vermeintliche Eindringlinge schiessen.

Sozialdienst als Alternative

Der Strafrechtsexperte Professor André Thomashausen von der Johannesburger Kanzlei Werth Schröder Inc. schliesst nicht völlig aus, dass die Richterin Pistorius mit Sozialdienst – zum Beispiel auf der Farm seines Onkels in Mosambik – davonkommen und sich danach in den Ruhestand versetzen lasse. 

Andererseits könne sie «ihm acht Jahre aufbrummen, um zu beweisen, dass sie eben doch unabhängig ist», sagte er der Nachrichtenagentur DPA. Am wahrscheinlichsten ist für Thomashausen, dass das Strafmass zwischen fünf und sechs Jahren liegen wird. Dann könne er nach spätestens drei Jahren zur Bewährung nach Hause.

Berufung wahrscheinlich

Dass der Pistorius-Fall, der weltweit Aufsehen erregt hat, mit der Verkündung des Strafmasses zu den Akten gelegt wird, ist allerdings nicht sicher. Sollte es zu weit von den jeweiligen Forderungen der Anklage und der Verteidigung abweichen, könnten beide Seiten Berufung einlegen. Dies wäre unmittelbar nach der Bekanntgabe möglich oder noch bis zu zwei Wochen danach.

Daher wird damit gerechnet, dass Pistorius – wenn überhaupt – frühestens nach Ablauf dieser Frist ins Gefängnis müsste. Sollte Berufung eingelegt werden, würde dies die Vollstreckung der Strafe aussetzen. Bis zur Verhandlung vor dem Obersten Gericht Südafrikas könnten zwei Jahre vergehen, schätzen Experten. In dieser Zeit würde Pistorius weiter auf Kaution in Freiheit bleiben können. (whr/sda/dpa)

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