Leben
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ARCHIV - 15.01.1977, Bayern, München: Hannelore Elsner, Schauspielerin, und Mario Adorf, Schauspieler, sitzen waehrend des Deutschen Filmballs am Tisch. Elsner ist tot. Das teilte der Anwalt der Familie am 23.04.2019 in Hamburg mit. Sie starb am 21.04.2019 nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 76 Jahren. (KEYSTONE/DPA/Istvan Bajzat)

Hannelore Elsner und Mario Adorf am Deutschen Filmball 1977. Bild: DPA

Adieu, Madame, Sie waren wunderbar! Zum Tod von Hannelore Elsner

Die deutsche Schauspielerin begleitete uns sechs Jahrzehnte lang. Sie starb am Ostersonntag in München.



Es gibt Gesichter, von denen nimmt man an, sie seien für die Ewigkeit. Oder wenigstens über den kurzen Abschnitt hinaus, den das eigene Leben der Ewigkeit abtrotzt. Gesichter, die von einer Schönheit sind, wie sie nur sehr viel und sehr grosszügig gelebtes Leben erzeugt. Hannelore Elsner war eins dieser Gesichter, die Landschaft eines Lebens. Jetzt ist es nicht mehr. Jedenfalls nicht mehr im Leben. In all den Momenten, die Kameras eingefangen haben, wird es weiterhin für uns da sein.

Nach einem heftigen und kurzen Krebsleiden sei sie am Ostersonntag im Alter von 76 Jahren friedlich entschlafen, teilte der Anwalt ihrer Familie mit. Sie starb in einem Münchner Krankenhaus, wo sie bis zuletzt unter einem Pseudonym stationiert gewesen war. Sie hinterlässt einen Sohn und über 220 Rollen, die sie für Film und Fernsehen verkörperte. Von 1959 bis 2019.

ARCHIV - 30.11.1990, ---: Hannelore Elsner posiert für den Fotografen. Elsner ist tot. Das teilte der Anwalt der Familie am 23.04.2019 in Hamburg mit. Sie starb am 21.04.2019 nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 76 Jahren. (KEYSTONE/DPA/Istvan Bajzat)

1990 Bild: DPA

1959 debütierte sie als Partnerin von Freddy Quinn in «Freddy unter fremden Sternen», 2019 beschloss sie ihre Filmographie als nierenkranke Moderatorin im ARD-Film «Lang lebe die Königin». Sie hoffte vergeblich, noch einmal aus dem Krankenhaus ans Filmset zurückkehren zu können, um die letzten Szenen zu drehen.

1942 kam sie als Tochter eines Ingenieurs in Bayern zur Welt, kurz vor Kriegsende verlor sie ihren zwei Jahre älteren Bruder bei einem Tieffliegerangriff. Er war auf dem Weg zur Grossmutter, der Zug wurde bombardiert, im Körper des Bruders fanden sich sechs Patronen. Als Hannelore Elsner acht war, starb ihr Vater an Tuberkulose, als sie 38 war, verunglückte ihr damaliger Partner tödlich bei einem Autounfall.

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1968 bild: imdb

«Ich erinnere mich an Wiesen und Bäche und den Waginger See, in dem ich als sechsjähriges Mädchen mit meinem Vater geschwommen bin», sagte sie in einem Interview mit der «Süddeutschen Zeitung», «an meine Oma, die so bäuerlich und liebevoll war und uns Zwetschgendatschi gebacken hat. Verstecke im Heuschober. Sommergewitter. Und hinter jedem Löwenzahn lauerte das Grauen, wie in jeder Idylle.»

Die Mutter schickte sie ins Kloster-Internat, wo sich Hannelore vorstellte, wie die Nonnen «etwas mit Priestern» hätten und tote Babys einmauerten. Nach ihrer Schauspielausbildung in München wurde sie zur sexy Verlockung des frivol-biederen deutschen 60er-Jahre-Films, etwa «Das Mädchen mit den schmalen Hüften». Im Alter zur Grande Dame der Komödie – wie in Dani Levys «Alles auf Zucker» oder als tyrannische Mutter des Münchner Modedesigners Rudolph Mooshammer 2018 in «Der grosse Rudolph».

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«Alles auf Zucker» (2004). Bild: zdf

Zwölf Jahre lang war sie «Die Kommissarin», 2000 erntete sie Preise als «Die Unberührbare» von Oskar Roehler, sie gastierte im «Tatort» und im «Traumschiff», und wenn sie nicht selbst vor der Kamera stand, war sie die Synchronstimme von Liza Minelli und Fanny Ardant.

«Ich lerne den Text nicht auswendig, ich esse ihn auf, fotografiere ihn buchstäblich. Natürlich ist auch immer ein bisschen Technik und Erfahrung mit dabei», sagte sie einmal. Schauspiel war für sie rückhaltlose, schonungslose Selbstverschwendung: «Du bist, wenn du einen Film drehst, die Knetmasse für den Regisseur. Du bist zu allem bereit, was die Rolle betrifft. Du verschenkst dich, du gibst alles, was du kannst.»

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«Die Unberührbare» (2000). bild: imdb

«Ich will 120 werden – mindestens», war ihr Bonmot, es war ihr nicht gewährt. Ihre Autobiografie taufte sie «Im Überschwang». Sie liebte die Schriftstellerin Siri Hustvedt, das Alleinsein ebenso wie die grosse Gesellschaft. Sie lebte, wie sie spielte. Viel und grosszügig. Und sie sei, sagen die nicht mehr ganz so jungen Redaktions-Herren von watson «die attraktivste ältere Frau aller Zeiten» gewesen. Zum Glück haben wir das auf Film.

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17Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • hoffmann_15@hotmail.com 25.04.2019 09:54
    Highlight Highlight Eine, egal in welchem Alter sie gerade war, sehr schöne Frau. Und Mario Adorf sieht auf dem Bild des Filmballs aus wie ein sexy MF, das nenn ich mal Stil.
  • schmettervogel 24.04.2019 13:48
    Highlight Highlight Der letzte Vorhang hat sich gesenkt. Ihre Lebensfreude war immer ansteckend. Ich freue mich auf die Filme, in denen sie mitwirkte, die jetzt dann im TV laufen werden.
  • WaterSign 24.04.2019 08:14
    Highlight Highlight Der Bayrische Rundfunk strahlt in seiner Sendung „Lebeslinien“ Dokumentationen von Menschen wie H. Elsener aus - neben anderen Alltagsmenschen wie du und ich. Letzthin z. B. über Michaela May. In meinen Augen einen lohnt sich das reinschauen mal.
  • ~°kvinne°~ 23.04.2019 21:09
    Highlight Highlight Ein wunderschöner Text über eine wunderbare Schauspielerin. Eine grosse Dame, ich habe viele Filme mit ihr gesehen und bin nach wie vor fasziniert wie sie gespielt hat. Zu früh die Bühne verlassen. Zu schnell. Zu plötzlich. Schade.
  • Flipperli 23.04.2019 19:32
    Highlight Highlight Sorry aber afach so ä geili Frau 😍😍😍
    R.I.P.
  • Katzenseekatze 23.04.2019 19:19
    Highlight Highlight Sie war für mich die Beste. Traurig dass sie nicht mehr ist. Danke für viele tolle Filme.
  • Ohmann94 23.04.2019 19:14
    Highlight Highlight Wer war Hannelore Elsner?
    • Wander Kern 23.04.2019 21:04
      Highlight Highlight Frag in 10 Jahren nochmal. Und nun ab in die Legoecke!
    • sowhat 23.04.2019 22:29
      Highlight Highlight Lies den Nachruf, nicht nur den Titel. Lesen bildet.
    • Mia_san_mia 23.04.2019 22:47
      Highlight Highlight Steht ausführlich im Artikel...
  • TomZH 23.04.2019 18:33
    Highlight Highlight Sie kam mir immer so mutig und unerschrocken vor. Eine Abenteurerin. Sicher eine der besten Schauspielerinnen, die Deutschland je hatte. Ich verneige mich vor ihr.
  • Heinzbond 23.04.2019 18:27
    Highlight Highlight Eine grosse ist gegangen und sie wird fehlen
  • salamandre 23.04.2019 18:20
    Highlight Highlight Danke für die schönen Worte, und gute "Reise" Hannelore!
  • AlteSchachtel 23.04.2019 18:14
    Highlight Highlight Wunderschöner Text für die wunderbare Frau.

    Sie hat mich immer fasziniert, nicht nur als Schauspielerin sondern auch in Interviews. Ihre Natürlichkeit, ihre unglaublich sinnliche Ausstrahlung (die trotz der reifen Jahre immer geblieben ist) ....Schade...
  • Calvin Whatison 23.04.2019 17:49
    Highlight Highlight Sie war so viel mehr als nur wunderbar und ich könnte einfach nur heulen.

    Merci für die schönen Worte Simone Meier 😞😞😞
  • Peter R. 23.04.2019 17:42
    Highlight Highlight Eine der besten Schauspielerinnen, die Deutschland hatte in den vergangenen Jahrzehnten.
    • mukeleven 23.04.2019 22:31
      Highlight Highlight ja! und nicht nur das, sie hatte einen unglaublichen ‚sex-appeal‘!
      ... obwohl ich 30 jahre jünger bin.

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