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Die Fans. Man kann ihnen auch am ZFF nicht entgehen. Aber sie sind hier schon sehr nett, das muss mal gesagt sein. Judi Dench fühlt sich jedenfalls wohl.
Die Fans. Man kann ihnen auch am ZFF nicht entgehen. Aber sie sind hier schon sehr nett, das muss mal gesagt sein. Judi Dench fühlt sich jedenfalls wohl.
Bild: KEYSTONE

Judi Dench sprechen und sterben (oder leben und mit 84 noch so cool sein wie sie)

Bond, Shakespeare, einen Oscar als Queen – Judi Dench hat alles und will noch mehr, was super ist, weil wir von ihr auch nicht genug kriegen können. Eine Begegnung in Zürich.
04.10.2018, 19:5005.10.2018, 14:45

«Auf wen warten Sie?», fragt ein mitteljunger mitteldeutscher Mann am Rand des grünen Teppichs von Zürich. «Auf Judi Dench.» Die Sonne grinst dazu als wäre sie von Sinnen. «Sagt mir spontan nichts», sagt der Mann und legt seine Stirn in Falten. «Sie war sieben Mal die Chefin von Bond.» – «Waaaas?! Die mit den kurzen grauen Haaren? Oh wow, ich liebe sie! An Promis hab ich ja sonst in Zürich erst Roger Federer gesehen!» Immerhin.

«Halt!», sagt Judi Dench wenig später im Innern des kleinen ZFF-Pavillons, «ich hab nicht in sieben Bonds mitgespielt, sondern in acht! In ‹Spectre› hatte ich diesen Kurzauftritt in Bonds Erinnerung. Eine Morgenszene. Und hab ich schon erzählt, wie es war, als mich der MI6 nach ein paar Bondfilmen in seine Zentrale eingeladen hat? Ich sagte: ‹Gut, ich komm zu euch.› Sie sagten: ‹Ach, Sie wissen ja gar nicht, wo wir sind, wir müssen Sie schon in einem Wagen abholen.› Ich sagte: ‹Ihr seid in diesem Legohaus an der Themse! Ich kenn es doch in- und auswendig.› Der Wagen des MI6 hatte dann 45 Minuten Verspätung. Der britische Geheimdienst war nicht in der Lage, mein Haus zu finden.» 

In «Skyfall» starb Judi Dench als Bonds Chefin M. Gäbe es für sie im Bond-Universum noch irgendeine Zukunft? Klar, als Bösewichtin.
In «Skyfall» starb Judi Dench als Bonds Chefin M. Gäbe es für sie im Bond-Universum noch irgendeine Zukunft? Klar, als Bösewichtin.
bild: sony

Im Dezember wird sie 84. 84!!! Sie dreht immer noch drei bis vier Filme pro Jahr. «Normalerweise lassen sich die Menschen pensionieren, um sich endlich dem widmen zu können, was sie am liebsten tun. Aber ich mach nichts lieber als zu spielen! Ich will mich nie zurückziehen müssen!»

Stars wie sie rezyklieren natürlich ihre eigenen Bonmots. Etwa dieses: «Meine Traumrolle wäre eine Frau aus Afghanistan, die sich in einen Drachen verwandelt.» Prompt kommt es auch in Zürich.

Das einst graue Haar so weiss, die Augen so blau, die Frau blendet uns wie die Schneekönigin aus dem Märchen, nur dass sie statt eines Herzens aus Eis eines aus lautem Lachen besitzt. Und diese Stimme! «Als würde ich immerzu Whisky trinken und ein liederliches Leben führen! Früher glaubten die Leute, ich sei schwer erkältet.» 

Schon die blutjunge Judi Dench (hier 1960) klang wie heute.
Schon die blutjunge Judi Dench (hier 1960) klang wie heute.
bild: rsc

Zwanzig Jahre ist es jetzt her, seit sie Elizabeth I. in «Shakespeare in Love» spielte und damit einen Oscar gewann. «Zwanzig Jahre! Oh! Ich hab die wundervollsten Erinnerungen an den Film», sagt sie am Donnerstagmorgen im Hotel Baur au Lac, «es brauchte drei Leute, um mich anzuziehen, das Kostüm war so schwer, und auf meinem Kopf sassen zwei Perücken übereinander, zuerst der kahle Schädel der Königin, darauf ihre Perücke. Ich konnte mich unmöglich bewegen, in der Lunchpause löffelte man mir das Essen in den Mund.»

«Shakespeare in Love», 1998. Wir erinnern uns alle.
«Shakespeare in Love», 1998. Wir erinnern uns alle.
Bild: AP/UNIVERSAL

Für den Film wurde Shakespeares Globe Theatre in einer Halle nachgebaut. Aus echtem Eichenholz, und weil Judi Dench so gerne Erinnerungen an ihre Drehs sammelt, schenkte man ihr zum Abschied kurzerhand das ganze Globe Theatre. Es war ein LKW voller Eichenholzbretter, die seither irgendwo lagern und darauf warten, wieder zusammengebaut zu werden.

«Shakespeare ist meine Leidenschaft, immer schon», sagt sie, sie begann als Ophelia auf der Bühne, erntete brutale Verrisse, machte weiter, wurde zu einer der renommiertesten Schauspielerinnen Grossbritanniens und einer der fabelhaftesten alten Damen Hollywoods.

Hat sie eine Altersmacke? «Ich bin ganz versessen auf korrekte Grammatik! Das ist bei mir ganz ungesund geworden. Weder meine Familie noch meine Freunde mögen mich dafür.»

In Zürich ist sie für einen Award, aber auch mit ihrem neuen Film «Red Joan» über eine Physikerin, die in den 40er-Jahren Geheimpläne zum Bau einer Atombombe an die Russen verrät und 2000 als alte Dame wegen Hochverrats verhaftet wird. Regisseur ist Trevor Nunn. Ein süffiger Film, der lose an eine wahre Geschichte angelehnt ist. Judi Dench kennt sich mit den «true events» verblüffend nicht aus. Also überhaupt nicht. Aber das ist okay. Es geht ihr um die Rolle, nicht um den Wikipedia-Eintrag dahinter. Das ist eine ökonomische Arbeitseinstellung.

Judi Dench in Zürich

Das Kleid wurde übrigens schon 2016 in London beim Olivier Award gesichtet. 

Sie betrachtet all die Aufnahmegeräte vor sich: «Mein Enkel besitzt eine Uhr, in die er sprechen kann und dann geht in seinem Haus das Licht an. Ich bin hoffnungslos mit Technik, ich kann kaum bügeln!» Vor ihr liegt etwas schmales Dunkles: «Ist das auch so eins?» Nein, das ist Schokolade, sagt ihr Produzent (okay, es sind Pfefferminzbonbons, egal).

Apropos Schokolade: Seit sie 2000 mit Johnny Depp «Chocolat» drehte, bezeichnet sie sich als verliebt. In den Mann, mit dem sie sich die Initialen teilt. JD & JD.

Jetzt kommt auch er nach Zürich. Sie spielt die Verlegene und presst eine Hand auf ihre Brust: «Steh still, mein bebend Herz! Ich hab ihm gerade einen Brief geschrieben. Leider verpassen wir uns. Er kommt heut Abend, da bin ich schon weg. Richtet ihm meine Liebe aus!»

Dies ist Judi Dench 1965. Da war Johnny Depp gerade mal zwei Jahre alt.
Dies ist Judi Dench 1965. Da war Johnny Depp gerade mal zwei Jahre alt.
bild: odeon entertainment

Ihr Mann nennt sie Elster, weil sie so viele Souvenirs und Awards sammelt. Aus Zürich wird sie den Golden Icon Award mitbringen: «Es gibt immer einen Platz für sowas! Ein Award ist sowas Wundervolles! Ich liebe den Namen ‹Golden Icon› – nicht zu verwechseln mit ‹GoldenEye›.» Ihrem ersten Bond also. Sie ist vernarrt in das Bond-Universum, immer schon, liebt die Gadgets, die kleinen Abenteuer, die sie während der Drehs erlebte, etwa, dass bei der Rückreise von einem Dreh in Panama am Zoll ihre Fingerabdrücke nicht gefunden wurden. «Ich sagte: ‹Ihr müsst sie haben! Vor einer Woche bei der Einreise waren sie noch da!› Sie hassten mich dafür und behielten mich noch etwas länger zurück.» 

2005 überreichte ihr auch die Queen einen Award. Pardon, Orden.
2005 überreichte ihr auch die Queen einen Award. Pardon, Orden.
Bild: AP POOL PA

Frau Dench, macht Sie das politische Klima auf der Welt – der Brexit, Trump, der Populismus – nervös? «Sehr. Mehr als je vorher. Es hat mich noch nie so traurig gemacht, Nachrichten zu schauen. Wir sind an einem sehr kritischen Punkt. Und der Brexit ist reiner Wahnsinn.» 

Was treibt Sie an? «Angst!» Auch nach sechzig Jahren Film und Bühne? «Die Angst generiert eine riesige Energie, wenn ich sie vor einem Auftritt nicht hätte, müsste ich tatsächlich um meine Arbeit fürchten.»

Bligg, Ueli und Janosch auf dem grünen Teppich

Video: srf

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