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«Das ist armselig»: «Star Wars» hat einen pansexuellen Charakter – und zeigt es nicht

Yasmin Polat / watson.de



Der neue «Star Wars»-Film «Solo: A Star Wars Story» kommt in die Kinos. Darin spielt unter anderem Donald Glover mit, der die Rolle des Lando Calrissian übernommen hat. 

Donald glover Star wars lando

Lando auf dem dem «Star Wars»-Plakat Bild: zvg

Jonathan Kasdan, Drehbuchautor des Films, sagte nun, der Charakter sei pansexuell, eine sexuelle Orientierung, bei der Personen in ihrem Begehren keine Vorauswahl treffen, was Geschlecht oder Geschlechtsidentität angeht.

Hier der Trailer zum Film:

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Video: YouTube/New Trailer Buzz

In einem Artikel der Website Daily Beast kritisiert Autor Ira Madison III nun, dass die Filmemacher den Charakter zwar als pansexuell betiteln, aber als solchen nicht im Film darstellen. 

Yony Leyser ist US-amerikanischer Filmemacher, Stefan Mesch Buch- und Comic-Kritiker. Beide sagen: Queere Sichtbarkeit ist in Comics und Comic-Verfilmungen ein Problem. 

watson hat mit Leyser und Mesch gesprochen.

Das sagt Yony Leyser, 34, Filmemacher:

Yony Leyser, 34, Filmemacher

Bild: Yony Leyser

Hier der Trailer von «Queercore»

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Video: YouTube/Edition Salzgeber

«Ich bin 1984 geboren, ich kannte keine schwulen Charaktere, ausser vielleicht ‹Will and Grace›. Ich sah lange niemanden auf dem Bildschirm, der queer war wie ich. 

Die erste Idee von queeren Konzepten, die mir als Kind begegnete, ist lustigerweise «X-Men». Ich habe mich zu den Charakteren hingezogen gefühlt, da sie von ihrer Familie und der Gesellschaft zurückgewiesen wurden. Sie waren Ausgestossene, kreierten ihre eigene Gesellschaft, abseits von festem Freund oder Freundin. Das war meine erster Einstieg in die queere Welt, da war ich 6 oder 7 Jahre alt. 

Daher können Comics für die eigene Identifikation sehr wichtig sein. Aber ich denke, Medien, also Filme, Fernsehen sind um einiges wichtiger.»

Zur fehlenden Darstellung der Pansexualität im Film:

«Wenn Menschen, die Filme machen, einen bestimmten Markt für sich gewinnen wollen, ist das immer schwierig. Queerness zu benutzen oder was auch immer gerade ‹angesagt› ist, ohne das Risiko einzugehen, die community wirklich abzubilden, ist einfach billig.

Das Risiko wäre in dem Fall, dass homophobe Menschen keine Tickets für den Film kaufen. Die Macher wollen, dass queere Menschen die Tickets kaufen, dass Liberale den Film sehen.

Aber sie wollen eben, dass auch rechte Menschen Filmtickets kaufen. 

Und das ist schwierig.»

Was muss sich ändern?

«Medien spielen eine grosse Rolle. Es hat sich, beispielsweise was die LGBT-Rechte angeht, in den letzten 5 bis 10 Jahren viel getan. Auch wegen solcher Shows wie ‹Transparent› oder ‹Orange is the New Black›. Das Erzählen und Normalisieren der Geschichten ändert die öffentliche Meinung und macht die Welt für Transmenschen sicherer.

Wenn wir diese Geschichten erzählen wollen, brauchen wir aber nicht nur Produzenten und Menschen hinter und vor der Kamera, die diese Communities repräsentieren. Wir brauchen sie auch in der Finanzierung. Sonst haben wir das gleiche Problem wie jetzt bei ‹Star Wars›.

Die Geschichten in deutschen Filmen und Fernsehserien sind auch heute noch ziemlich homogen. Dabei gibt es so viele interessante Künstler und Filmemacher in Deutschland. Gerade jetzt, wo Deutschland die Stimme eines demokratischen Europas ist, hoffe ich, dass einige dieser Stimmen ihre Geschichte auch erzählen können.»

Das sagt Stefan Mesch, 35, Buch- und Comic-Kritiker:

Stefan Mesch, 35, Buch- und Comic-Kritiker

Bild: Stefan Mesch

Welche Bedeutung Comics für mich hatten:

«Als Kind habe ich nur die ‹Micky Maus› gelesen. Helden-Comics habe ich angefangen zu lesen, als ich 25 Jahre alt war. Ich hatte damals ein gut bezahltes Praktikum und konnte mir die Comics leisten. Heute ist das keine Geldfrage mehr, man kann alle Comics im Netz lesen.

Comics, in denen Helden oder Figuren offen als queer sichtbar sind, machen es Menschen natürlich auch leichter, sich zu identifizieren. Ich identifiziere mich als queer. 

Dass der Charakter von Donald Glover im ‹Star Wars›-Film nicht offen pan-sexuell dargestellt wird, finde ich schockierend. Es gibt aber auch sonst in den grossen ‹Star Wars›-Erzählungen keine queeren Figuren. Wenn, dann finden die in Nebenfiguren statt. Auch in den 18 Marvel-Filmen gab es noch keine einzige queere Figur. 

Das ist armselig.

Das allerschlimmste ist aber die ‹Harry Potter›-Welt. Wir wissen seit 7 Romanen, dass Dumbledore schwul ist. Dann gab es den Film ‹Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind› und Dumbledore kam nicht vor, aber seine grosse Liebe. Jetzt ist der zweite Teil bald da und die Macher sagen: ‹Nee, nee, man sieht die beiden Figuren zwar, und das ist auch der Fokus, aber über Sexualität reden wir nicht.› Das verstehe ich nicht.

Ich muss allerdings auch eine Lanze für ‹Star Wars› brechen. Seit 2015 gehört alles zu Disney und die Macher geben sich sehr grosse Mühe: Die Bücher sind politisiert, die Autoren achten genau darauf, wie man beispielsweise totalitäre Systeme oder Unterdrückungsmechanismen wiedergibt.»

Wenn Donald Glover nicht schauspielert, macht er Musik – und dazu grossartige Videos

Finden queere oder trans Charaktere in Comics statt?

«Nicht genug. Es gibt derzeit keine schwarze, queere Heldin und ich finde, das sollte es jetzt einfach bald geben. 

Auch trans Figuren und trans Helden kann ich kaum nennen. Im gesamten DC-Comics-Universum fallen mir nur zwei Nebenrollen ein. Da ist noch so viel zu tun.

Bei den grossen Verlagen Marvel und DC Comics ist es so: Je kleiner das Heft und die Nebenrolle ist, desto mehr queere Sichtbarkeit ist da. In gefühlt jeder dritten Marvel-Reihe und in jeder fünften DC-Reihe taucht eine queere Figur auf. Wenn ich aber einen queeren Helden oder eine queere Heldin lesen will, habe ich vielleicht 5 oder 6 Comics zur Auswahl.»

Gibt es also Positiv-Beispiele?

«Ja, zum Beispiel ‹Batwoman›, eine lesbische, jüdische Frau. Seit 2007 sehr tolle Comics. ‹Batwoman› ist meine liebste, queere Heldin.

In Deutschland gibt es unter anderem den Comic-Zeichner Ralf König, der grossartige Arbeit macht oder Martina Schradis. 

So ein monatliches ‹Batman›-Heft wird vielleicht von 80'000 Leuten gekauft. Die kleineren Hefte wie ‹Batwoman› überleben trotzdem, auch wenn es nur 17'000 Leute kaufen.

Es gilt: Je kleiner die Auflage, desto queerer, kantiger, People of Color-zentrierter kann man sein. Das ist das Tolle an Comics: Man kann Figuren schnell realisieren und schauen, wie das dann bei Leuten ankommt. Um eine Fernsehsendung mit den gleichen Charakteren zu produzieren, müsste man viel mehr Leute ansprechen – allein die Finanzierung wäre ein Drama.»

Wenn Superhelden texten ...

Video: watson/Sandro Zappella, Emily Engkent

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