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Was heute Bali ist, war früher Goa: Bilder vom Hippie-Trail der 70er

bild: flickr

Viele junge Menschen mit langen Haaren reisten über zehn Jahre lang auf der selben Route von London bis Goa – auf dem sogenannten Hippie Trail.



Hipster hiessen früher Hippies. Früher, das war in den 60er- und 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Ihre Jutebeutel waren Reiserucksäcke mit 60-Liter-Volumen und ihr Craft Beer hiess Haschisch. Ihren Veganismus nannten sie Pazifismus und ihr Netzwerk kam in Form eines Restaurants daher: dem Pudding Shop in Istanbul.

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bild: curt gibbs via tumblr

Aber mehr dazu später. Graben wir uns zunächst zur Wurzel des Reisephänomens hinab und beginnen bei den Anfängen der ersten touristischen Überlandsreisen. 

Bürgerliche Entdecker als Hippie-Vorbilder

Vor 60 Sommern kam der Wind des hedonistischen Reisens bei jungen Europäern auf. The Indiaman war der erste Pauschalreise-Anbieter, der Touristen geführt über die Seidenstrasse transportierte. Von London nach Bombay in vier Wochen.

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bild: cindy amey

Während der Mittfünfziger wurde das Bereisen anderer Kontinente und das Entdecken ferner Kulturen zur Mode junger Menschen. In Magazinen, Zeitungen und Büchern las man von Entdeckern, Draufgängern, reichen Leuten oder gesponserten Studenten, die aus irgendeinem Grund die Chance kriegten, nach Afrika, Indien oder Japan zu reisen. Wieso genau wusste man nie, aber sie alle kamen spätestens nach ihrer Rückkehr nicht mehr aus dem Schwärmen heraus.

«Der Fritz Bühler, König der Lausbuben, jagt Alligatoren am Titicacasee. Er ist ein Held.» 

Aus «Mein Name ist Eugen», 1955

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bild: cindy amey

Wie die vier Pfadi-Jungs in «Mein Name ist Eugen», die ihrem Lausbubenidol Fritz Bühler nachjagten, taten es bald viele junge Europäer gleich. Sie reisten auf der Route, die ihnen Abenteurer und Forscher in Büchern und anderen Publikationen sprachlich skizzierten. Zusammenhängend mit dem Fakt, dass solch eine Bustour auf einmal relativ erschwinglich wurde, ergab sich Anfang der 60er ein kleiner Hype. Bustouren-Anbieter schossen aus dem Boden und bald war «The Indiaman» nicht mehr der einzige Erlebnisanbieter in Westeuropa.

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bild: cindy amey

Die ersten Überlandreisenden hatten noch keine langen Haare auf dem Kopf und keine Blümchen-Aufnäher an ihrer Kleidung. Erst als grosse Ikonen wie die Beatles, Janis Joplin oder Jimi Hendrix den magischen Osten für sich entdeckten, machten sich auch vermehrt deren Jüngerinnen und Jünger auf den Weg in die Ferne; hoffend darauf, spirituelle Selbstfindung, Freiheit und Marihuana zu finden. 

Um der Individualität so richtig zu frönen, verzichteten die wilden Blumenkinder meistens auf pauschale Bustransport-Angebote. Viele reisten mit dem Zug, per Anhalter oder in kleinen Fahrgemeinschaften. Letzteres führte schliesslich zur Geburt des Hippie-Büslis. 

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bild: Graham Bourne/ Asia Overland Hippie Trail Archive

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bild: flickr

Am Ende der europäischen Komfortzone

Bis Istanbul funktionierte jegliche Form der reisenden Fortbewegung. Alle kamen an. Doch am Bosporus, der Pforte zum asiatischen Kontinent, fing das eigentliche Abenteuer erst wirklich an. Von hier an waren die Strassenschilder nicht mehr immer lesbar, wenn es überhaupt welche gab. Denn den meisten Strassen, auf denen man unterwegs war, wurde der Begriff Strasse nicht wirklich gerecht; es waren Pisten. 

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bild: flickr

Dem einen oder der anderen wurde erst hier bewusst, auf was für ein Abenteuer er sich eigentlich eingelassen hatte.

Doch das Anschlagbrett in einem Restaurant, das eine überraschende Vielzahl an Puddings anbot, wusch die Sorgen aller vom Fremden eingeschüchterten Seelen hinweg. Durch Mund-zu-Mund-Propaganda wurde dieses Lokal, das sich eigentlich Lale nannte, zu einer extrem wichtigen Schlüsselstelle des Hippie-Trails. Da sich niemand an den richtigen Namen erinnern konnte (man besuchte schliesslich viele Lokale auf der Durchreise), begann man es als den Ort in Istanbul zu bezeichnen, wo es die leckeren Puddings gab. Der Pudding Shop also.

Die Pinnwand, die in diesem «Restaurant» hing, war das damalige Facebook, Tripadvisor und Couchsurfer – alles in einem. Zurückgereiste schwärmen von traumhaften Stränden in Südindien, von verlassenen Bergtälern im Iran, vom besten Hasch aus Kabul und den Vibes in Kathmandu. Einige haben ihre Karten zurückgelassen, individualisiert mit Markierungen von den eindrücklichsten Orten, die sie gesehen haben.

«For young Souls with Love from fulfilled ones.» 

Eine Botschaft auf dem Anschlagbrett des Pudding Shops

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Das Anschlagbrett des Puddingshops in Istanbul. Es war das damalige Social Media der Hippie-Trail-Reisenden.  bild: pd

Guckt man sich die ungefähre Route des Hippie-Trails an, fällt schnell auf, dass es wohl nicht nur die Beatles und Janis Joplin waren, die Massen von jungen Menschen aus dem Westen (nicht nur von Europa, sondern auch aus den USA, Kanada und Australien) auf jene Fährte führten.

karte: wikimedia/ jin 

Es handelt sich bestimmt nicht um einen Zufall, dass die Strecke all den grossen Produktionsländern von Haschisch folgt. Es scheint, als wollten die jungen Blumenkinder der 60er und 70er-Jahre nicht nur sich selbst, sondern auch den Hintergrund der Droge finden, die sie in wenigen Zügen in andere Sphären zu katapultieren vermochte.  

«Gerade in Afghanistan kannst du schon beim Einatmen der normalen Luft stoned werden.»

Tony Wheeler

Der erste «Lonely Planet»

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Maureen und Toni sind die Gründer von «Lonely Planet», einer der momentan bekanntesten Reiseführer-Verlage weltweit.  bild: lonely planet

1972 ersetzte ein kleines Büchlein, geschrieben von einem britischen Ehepaar auf der Durchreise von London nach Singapur, die Pinnwand im türkischen Imbiss-Schuppen. «Across Asia on the Cheap» nannten Maureen und Tony Wheeler ihren Reiseführer. Darin erzählten sie, wo in welcher Stadt grosse Sammeltaxis stehen, mit denen man für wenig Geld hunderte Kilometer weit reisen kann, oder wo man vor der Durchquerung des Irans noch sein letztes Säckchen Gras herkriegt.

In anderen Kapitel erklären sie, wie man auf Reisen seine Wäsche waschen soll oder wie man mit Blutspenden gutes Geld verdienen kann, wenn man pleite ist.

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Im Afghanistan der 60er und 70er definierte Offenheit den Alltag  bild: flickr

Mit den Tipps und Tricks der Eheleute Wheeler reisten Tausende durch den Iran, durch Afghanistan, Pakistan, Indien und Nepal. Manche mehr, andere weniger strikt der direktesten Route entlang. Im Winter pilgerten die meisten zu den warmen Stränden Goas, im Sommer galt Kathmandu als Hotspot. Manche suchten den Kontakt zur einheimischen Kultur, liessen sich von Yoga-Meistern schulen oder lernten die hinduistische Sternkunde kennen. Die meisten aber blieben unter den anderen Reisenden, die sie unterwegs kennengelernt hatten. Ein paar Monate lang, vielleicht ein Jahr, bis sie wieder in die Heimat zurückkehrten.

So ging das, bis 1979 der Krieg über die von den Hippies als Orte des unendlichen Friedens wahrgenommenen Länder hereinbrach. 

1966 an der syrisch-libanesischen Grenze. bild: flickr

Mit der sowjetischen Intervention in Afghanistan und dem Ersten Golfkrieg zwischen dem Irak und dem Iran war Schluss mit der Reisefreiheit: Afghanistan und der Iran schlossen ihre Grenzen. In Kabul tanzten nun schlagartig keine langhaarigen Jungs mit weiten Jeans und runden Sonnenbrillen mehr durch die Strassen. Sie wurden abgelöst von uniformierten Kämpfern.

Gleichzeitig ermattet das Wirtschaftswachstum im Westen. Wer einen Job hatte, gab diesen nicht mehr so schnell auf. Auf jeden Fall nicht für ein bisschen Selbstfindung. Im Zuge dieser Entwicklung lösten sich die alten Hotspots entlang des Hippie-Trails auf. Alternative Hostels gingen bankrott, und die einst verlassenen Strände, an deren Unberührtheit sich die Blumenkinder fast ein ganzes Jahrzehnt lang erfreuten, entlebten sich aufs Neue.

Und der Pudding Shop in Istanbul? Aus ihm wurde ein Restaurant, das statt primitiver Reisekommunikation eine Speisekarte mit Bildern anstelle von Worten anbietet.

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bild: ayse gül via google recomendations

Aber jetzt schnell wieder zurück zur Nostalgie:

Noch mehr Bilder vom Hippie-Trail:

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    Alle Leser-Kommentare
  • HAL9000 13.07.2017 11:50
    Highlight Highlight Maaaann, früher war echt alles besser...
  • Pasch 12.07.2017 22:36
    Highlight Highlight Hahahaha und dann erfand jemand "die Altersvorsorge" 😎✌
    • Pasch 14.07.2017 12:41
      Highlight Highlight Uhhh ich hab mich so gut dahinter versteckt ich finde mich selbst nicht mehr! Aber zum Glück bist du ja dort aufgetaucht!
  • Butzdi 12.07.2017 20:03
    Highlight Highlight Super Bericht, hätte ich liebend gerne erlebt. Habe Teile dieser Route gemacht, aber ist kein Vergleich zu früher.
    Was der Bezug zu heute und Bali soll ist dagegen sehr fraglich. Bali ist kompett überbevölkert, Verkehrschaos, Ballermann der Aussies, Sunfish- und Mantataucher (da gehörte ich rein), dann ein paar Kiffer auf den Gilli Islands die eigentlich zu Lombok zählen - und europäische Pärchen auf Hochzeitsreise. Ein Affenwald, ein Vulkan und ein paar Tempel ersetzen die Hippiekultur nicht.
    • CASSIO 14.07.2017 20:42
      Highlight Highlight die australier auf bali waren unter jeder verdammtwn sau. die einheimischen versuchen im mehr, fische zu fangen, und ein paar aussies machen sich einen spass draus, und vertreiben auf den jetskis die fische, indem sie immer wieder in der nähe der fische vorbeirasen. auch in nusa dua oder in ubud benehmen sich viele aussies unter jeder sau.
  • gbf 12.07.2017 17:30
    Highlight Highlight 👍
  • kebabverkaufer 12.07.2017 17:06
    Highlight Highlight tolle geschichte des reisens, aber der titel ist meiner meinung nach irreführend ( wo ist der vergleich mit bali) und bali ist aus meiner erfahrung der ballermann von australien.... sextourismus und alkohol in erster linie....
    • mvrisita 12.07.2017 19:48
      Highlight Highlight Australien?
    • Gulasch 13.07.2017 00:57
      Highlight Highlight Das stimmt nicht. Bin gerade auf Bali. Es lebt zu 95% vom Tourismus und es ist im Vergleich zu Sumatra sehr gepflegt. Ballermann und Party ist aber nur in Kuta Beach, der Rest ist eher Mallorca andere Seite oder Toscana! Uns gefällt es sehr!
    • kebabverkaufer 13.07.2017 17:02
      Highlight Highlight ja der Norden ist schön, aber kuta, semnyiak und noch ein teil sind ultra hässlich und dort gehn auch die meisten touris hin, wenn Indonesien, empfehle ich die malukken, da kann man richtig schön abseits gehn.
  • A. Buendia 12.07.2017 16:45
    Highlight Highlight Hört doch endlich auf, in jedem (gefühlt) zweiten Artikel, irgendeinen Hipster-Bezug an den Haaren herbei zu ziehen!
    Ansonsten: Schade, das die Route so nicht mehr möglich ist...
    • bokl 12.07.2017 20:02
      Highlight Highlight Die Route ist auch heute noch möglich. Braucht einfach etwas mehr Eier als früher ...
    • HAL9000 13.07.2017 11:52
      Highlight Highlight @bokl, nicht für ein bisschen Selbstfindung...
  • Cerberus 12.07.2017 16:10
    Highlight Highlight In Bali wird man höchstens "stoned" vom Dreck und den Abgasen.
    • Gulasch 13.07.2017 00:59
      Highlight Highlight In Denpasar und Ubud Village, aber nicht auf der restlichen Insel. Aber die Bevölkerungszahl ist schon immens, 4 Mio. auf eine Fläche des Kanton Wallis!
  • Triumvir 12.07.2017 15:49
    Highlight Highlight Na ja, in Bali resp. Indonesien wird jeglicher Drogenbesitz- und konsum extrem streng bestraft. Ich würde deshalb keinem Neo-Hippi oder Hipster raten, auch nur ein Mikrogramm Betäubungsmittel dort auf sich zu tragen resp. einzuführen. Ansonsten droht im schlimmsten Fall nämlich die Todesstrafe...
    • HAL9000 13.07.2017 11:53
      Highlight Highlight Was wohl dann der ultimative Betäubungstrip wäre...
  • Raphael Stein 12.07.2017 15:45
    Highlight Highlight Ach was.... schon nur die Reise...

    Geschichte kann man nicht wiederholen.
    Ist einfach was "neues". Sicher auch gut.
    Goa war Goa, Bali ist nun Bali.

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