Leben
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bild: shutterstock

Meine Kindheit mit Zucker – ein Liebesbrief

Gunda Windmüller / watson.de



Neulich im Zug sass ein kleines Mädchen mit seiner Grossmutter hinter mir. Ich schaute gedankenverloren aus dem Fenster, als ich sie fragen hörte: «Du, Oma?! Gibst du mir ein Stück Obst? Denn nur Kekse sind ja auch nicht gesund.»

Was für ein erstaunlich aufgeräumtes Kind. Und so vernünftig!

Wir waren früher ganz anders. Meine Freundinnen und ich haben als Kinder zum Beispiel Pippi Langstrumpf gefeiert. Die marschierte in einer Episode mit ihren Freunden Annika und Tommy in einen Süsswarenladen. Und kaufte ihn leer. Anschließend verteilte sie den Süsskram unter der Dorfjugend, die sich darüber hermachte wie Schiffbrüchige über Wasser.

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#lifegoals hätten wir gedacht, hätte es damals schon Hashtags gegeben. Oder lifegoals.

Heute wachsen Kinder anders auf. Das hat mir das Mädchen im Zug gezeigt. Das höre ich aber auch von Freunden, die aus den Kitas ihrer Kinder erzählen. Ein Freund sagte, in der Kita seiner Tochter gebe es eine Hausordnung, die es verbiete, den Kindern Süssigkeiten mitzubringen.

Und neulich half ich einer Freundin, einen Kindergeburtstag zu organisieren, und sie erzählte, andere Eltern hätten sie im Vorfeld angerufen, um zu sagen, dass ihre Kinder keinen Zucker essen sollten. 

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Sicher. Nicht alle Eltern sind so streng und nicht alle Kitas sind zuckerfreie Zonen. Aber die Anti-Zucker-Lobby hat dennoch ganze Arbeit geleistet: Zucker ist out. Und ja, aus gutem Grund. Zucker ist schlecht für uns. Ungesund, süchtig machend. Zucker liefert leere Kalorien, macht im Übermass also dick. Ausserdem antriebslos und müde. Wer zuviel Zucker isst, kann Diabetes bekommen, oder Adipositas. Zucker ist nicht gut. Und versteckt in vielen verarbeiteten Lebensmitteln nehmen wir mehr davon zu uns, als wir sollten.

Das wussten wir als Kinder irgendwie auch schon, hat uns aber nicht gestört. Kinder heute allerdings scheinen zu wissen: Zucker ist fast schon moralisch böse.

Zucker ist schwierig. 

Aber Zucker ist auch großartig.

Denke ich an meine Kindheit, denke ich an Zucker. An meinen Geburtstagskuchen, der jedes Jahr der gleiche sein musste: Haselnuss mit Nougatguss und Gummibärchenverzierung. Meine Kollegin Julia bekam einen Schokokuchen mit Marzipandecke. Helena eine Benjamin-Blümchen-Torte. Wir haben fast alle solche Erinnerungen. Süsse Erinnerungen.

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Ich denke an die Biskuitrollen, die meine Mutter mit mir machte, wenn sie keine Zeit hatte und mir trotzdem eine schnelle Freude bereiten wollte. Kirschkuchen mit Früchten aus dem Garten und Puderzucker. Viel Puderzucker. Der Süssigkeitenschrank, aus dem ich mir ab und zu mal ein paar Lakritzschnecken rausnehmen durfte. Schokoküsse. Ab und an eine Limo und mit viel Glück spendierte der Spielplatzwärter eine Runde Kratzeis.

Wenn wir konnten, griffen wir zu. Und wenn wir träumten, dachten wir an Betten aus Zuckerwatte und Schokobrunnen.

Diagnose 2018: Was für süchtige kleine Zuckermonster!

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Und selbst mein zuckerverpapptes Hirn weiss: Man kann auch eine wundervolle Kindheit ohne Zucker haben. Etwas anderes zu behaupten wäre Quatsch. Aber was eben auch Quatsch ist: Dass Essen nur etwas mit Ernährung zu tun hat.

Denn Essen kann so viel mehr. Essen ist ein sinnliches Erlebnis. Es kann uns wärmen, trösten, befriedigen, anstacheln, Lust verschaffen. Essen kann glücklich machen. Ein bisschen, wirklich wahr!

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Aber unsere Beziehung zum Essen, das zeigt das Zucker-Beispiel, ist zunehmend kontrolliert. Das kleine Mädchen im Zug hat es bereits verinnerlicht. Es gibt gutes Essen und böses Essen. Denn beim Essen geht es um Gesundheit und Nährstoffe. 

Ja, stimmt. Aber, ganz ehrlich, wer sich bestmöglich mit Nährstoffen versorgen möchte, wäre sehr wahrscheinlich am besten mit Astronautennahrung beraten. Brrr.

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Und trotzdem: Wir Schweizer essen zu viel Zucker

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Video: srf/SDA SRF

Diese 33 Bilder zeigen: Glaube nie, was auf der Verpackung steht

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    Alle Leser-Kommentare
  • Ms. Song 30.07.2018 10:54
    Highlight Highlight Ich wurde schon vor über 30 Jahren möglichst zuckerfrei erzogen. Schliesslich sollten wir keine Löcher in den Zähnen bekommen und nicht dick werden. Süsses gab es bei uns nur zu speziellen Anlässen und Süssigkeiten mussten wir uns immer vom eigenen Sackgeld kaufen.

    Für meinen Partner ist es jedoch normal, dass er nach dem Essen immer ein Dessert bekommt. Er wurde so erzogen. Ich bin ehrlich gesagt froh, dass es bei uns nicht so war. Es macht vieles einfacher.
  • Janis Joplin 30.07.2018 08:20
    Highlight Highlight Unsere Kita war auch schon in den frühen 80ern zuckerfrei - allerdings mochten wir alle Süsses trotzdem genauso gern. (unsere Kioskfrauen könnten erzählen)

    Ich für mich sage: lieber (weniger) echter Zucker als irgendein komisch schmeckender und sicher nicht gesünderer Süssstoff. Alles im Mass, so muss man sich nichts verbieten.

    Und Pippi rules forever ♥
  • Zat 30.07.2018 00:23
    Highlight Highlight Ich stimme zu. Allerdings bin ich der Meinung, dass man gesundes Essen ebenso geniessen kann, das schliesst sich ja nicht aus.
  • weachauimmo 29.07.2018 14:26
    Highlight Highlight Obst ist nicht einfach nur gesund.. Alles im Maß ist nach wie vor am Besten. Auch Süßes im Maß hat noch keiner/keinem geschadet.

    https://www.focus.de/gesundheit/ernaehrung/gesundessen/von-wegen-gesund-obstluege-warum-obst-nicht-besser-ist-als-schokolade-und-alkohol_id_6657563.html
  • kledchen 29.07.2018 12:57
    Highlight Highlight denn essen kann so viel mehr...
    das ist der schönste abschnitt im ganzen text und vielen dank dafür.
    es geht vergessen dass essen nicht nur nahrungsaufnahme ist, es nerven mich auch die bodyoptimierer und bei manchen hört es sich schon fast nach einem glaubensersatz an, dabei sollte man doch essen einfach auch geniessen!
    • salamandre 29.07.2018 20:06
      Highlight Highlight ...und fängt schon beim Kochen an, so schön
  • c_meier 29.07.2018 12:53
    Highlight Highlight ich lebte am Geburtstag früher sehr gesund und habe mir immer eine Rüeblitorte gewünscht... 😂
    • weachauimmo 29.07.2018 14:20
      Highlight Highlight Ganz ohne Zucker ;)
    • c_meier 29.07.2018 16:58
      Highlight Highlight klar, von der Glasur und den Marzipanrüebli obendrauf sprechen wir heute mal nicht... ;)
      andere Hersteller betonen ja auch immer die "Extraportion Milch" 😉
    • salamandre 29.07.2018 20:07
      Highlight Highlight genau oder Zucchetti Cake
  • öpfeli 29.07.2018 12:15
    Highlight Highlight In Kitas macht es absolut Sinn. Kommt ein Kind wollen alle. In Kits gibts Zucker, aber die Menge halt kontrolliert, da die Kita auch einen Auftrag zu erfüllen hat und da gehört nunmal gesundes Essen dazu.

    Ich sage in meinem Fall, dass ich quasi süchtig nach Zucker bin. Jeden Tag muss was Zuckriges her. Ein wenig hätten mein Eltern gerne darauf achten dürfen.
  • Anmatipe 29.07.2018 10:47
    Highlight Highlight Ich lebe seit etwa 4 Jahren während der Heuschnupfenzeit (6 Monate) komplett ohne Zucker. Die restliche Zeit konsumiere ich sehr reduziert, vor allem in Form von Früchten (1 Portion) und die nicht vor 1600h. Es fühlt sich extrem gut an. Meinen Kindern erkläre ich immer wieder, was der Zucker im Körper macht und es gibt Tage, da verzichten sie freiwillig darauf. Für Kinder mit konzentrationsproblemen ein möglicher Schlüssel zur Lösung, allerdings nicht als Verbot, sondern mit den entsprechenden Erklärungen.
    • tabernac 29.07.2018 12:26
      Highlight Highlight ojee... tönt anstrengend...
    • KXXY 29.07.2018 14:35
      Highlight Highlight Jedes Stück Brot, jedes Korn Reis, jede Nudel werden in deinem Körper zu Zucker zerlegt. PANIK!

      Sorry wollte deinen Mimimimimimi-Zcuker-Religionstempel mal schleiffen ....
    • Maunadis 29.07.2018 16:37
      Highlight Highlight @tabernac: es ist nicht so anstrengend, wie man wahrscheinlich meint! Ich kaufe den Bio Cottage Cheese anstatt den normalen und halt die Mayonnaise ohne Zucker drin. Dann lässt sich doch sehr normal essen und kochen.

      Die ganz Krassen achten noch auf die Kohlenhydrate etc. Mir ist das aber too much.
      Und ich weiss auch, dass ich im Restaurant und auf Besuch halt eh Zucker kriege.
      Aber das Wegfallen von diesen Blutzucker-Schwankungen mit Müdigkeitsanfällen ist genial. Das hätte ich nicht gedacht!
    Weitere Antworten anzeigen
  • Maunadis 29.07.2018 09:30
    Highlight Highlight Ob es früher auch schon in beinahe jedem Lebensmittel Zucker gehabt hat? Dass es selbst in Cottage Cheese Zucker hat finde ich doch fraglich!
    Ich habe Süsses geliebt und bemühe mich jetzt seit etwa einem Monat auf Zucker zu verzichten. Und ich bin damit viel fitter und es geht mir besser als vorher. Es fühlt sich nicht mal wie ein Verzichten an und kochen tue ich wie vorher.
    Aber wo und wieviel Zucker es in beinahe allen Lebensmitteln hat, ist doch sehr erschreckend!
    Drauf gekommen bin ich, weil der Nachbarjunge es ohne Zucker schafft, seine Hausaufgaben zu machen. Mit Zucker nicht.
    • Eifach öpis 29.07.2018 12:42
      Highlight Highlight Früher hatte es eher noch mehr Zucker in den Lebensmitteln. Die Leute waren nicht sensibilisiert und haben deswegen nicht darauf geachtet. Beispielsweise Cola ohne Zucker hätte es früher nie gegeben, weil kein Bedürfnis da war.
    • no-Name 29.07.2018 13:39
      Highlight Highlight Dein Nachbarjunge... so was kenn ich!

      Nach dem ersten Chupa-Chup (vorher nie raffinierten Zucker gekriegt) den meine grösste mit 3 jahren gelutscht hat, sass sie 30minuten später weinend auf der Schaukel und riss mit den Armen wie wild am Seil hin und her und schrie: „ig cha nümm aagää! Ig cha nümm aagää“ und die Aufforderung nicht am Seil zu reissen sondern zu wippen wie sonst auch quitierte sie mit „es hört nid uf! Ig cha nid!“. Sie tat mir richtig leid.

      Das Zucker so wirkt war mir bis dahin nicht bewusst. Uns ging es als Hobbygourmets darum sie an natürliche Geschmäcker zu gewöhnen.
    • KXXY 29.07.2018 14:31
      Highlight Highlight Böser Zucker ... bla bla bla.

      Ist eine Frage der Menge, und ja, ganz normal, hats Zucker in vielen Dingen und das Seit 10000 Jahren.



    Weitere Antworten anzeigen
  • lilie 29.07.2018 07:26
    Highlight Highlight Alles wahr.

    Meine Mutter war allerdings schon zu meiner Zeit auf dem Anti-Zucker-Tripp. Süssigkeiten mussten wir von unserem Taschengeld kaufen (und wir lebten so abgelegen, dass wir eh nicht allein einkaufen gehen konnten).

    Dafür hatten wir den ganzen Sommer lang eigene Früchte, frisch ab Baum/Strauch, noch warm von der Sonne. Unschlagbar!

    Glacé machten wir aus Sirup selber.

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