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Kelsie? Diese Frau heisst eigentlich Shubnum Khan. bild: twitter

Die Frau, die weltbekannt wurde, ohne es zu wissen



Shubnum Khan ist eine südafrikanische Autorin und Illustratorin. Ihr Bild ist überall auf der Welt zu sehen – das hat aber nichts mit ihrer Bekanntheit oder ihrem Beruf zu tun. Im Gegenteil. Lange Zeit wusste Khan gar nichts von der Verbreitung ihrer Bilder.

Genauer handelt es sich um drei Bilder. Entstanden waren diese bei einem gratis Foto-Shooting, an dem Khan als junge Frau mit einigen Freunden teilgenommen hatte. Was danach mit den Fotos geschah, geriet vollkommen ausser Kontrolle. Kahn erzählt die ganze Geschichte auf ihrem Twitter-Account:

«Heute werde ich euch die Geschichte erzählen, wie mein Gesicht auf einer McDonald’s-Werbung in China landete – eine Warnung. Vor sechs Jahren oder so postete eine Freundin in Kanada ein Bild von mir auf Facebook, um mir zu zeigen, dass sie mich in einer kanadischen Zeitung auf einer Werbung für Immigration gefunden hatte.» 

«Natürlich war ich schockiert und ... verwirrt. Ich habe das Bild lange angeschaut und stimmte zu, dass es sich um mich handelte. Es störte mich nicht, dass ich für Immigration in Kanada warb, aber ich konnte nicht verstehen, wie mein Gesicht in eine Zeitung auf der anderen Seite der Welt gelangen konnte.»

«Nach einigen ‹Was-zum-...›-Momenten erinnerte mich ein Freund daran, dass wir vor Jahren ein Fotoshooting mitgemacht hatten. Als ich an der Uni studierte, hörte ich von einem gratis Fotoshooting eines Fotografen, der uns professionelle Fotos im Austausch für ein Shooting versprach. Es nannte sich ‹Der 100 Gesichter Shoot› und der Fotograf ...»

«... schoss Bilder von 100 verschiedenen Gesichtern jeglicher Altersklassen und Herkunft in Durban. Meine jungen Freunde und ich waren begeistert; wir haben zu Beginn eine Übertragungsurkunde unterschrieben. (Ich dachte, es handle sich um die Erlaubnis, dass der Fotograf die Bilder für sein Portfolio benutzen darf.) Wir haben das Kleingedruckte nicht gelesen. Ich weiss. Das war blöd.» 

«Also habe ich den Fotografen kontaktiert und er sagte, ja, wir haben ihm diese Fotos überschrieben (wir haben drei Bilder geschossen – ein ernstes Gesicht, ein Lächeln und ein verrücktes) und diese sind nun Stock-Bilder, die er verkauft. Er sagt, es ist möglich, dass ich an verschiedenen Orten auftauche. Also habe ich eine umgekehrte Google-Suche mit diesen Bildern gestartet & ja...» 

«Es scheint, als ob ich alles Mögliche verkaufe! Wenn ich nicht gerade Immigranten in Kanada willkommen heisse, verkaufe ich Teppiche in NYC, mache Touren in Kambodscha oder suche nach der Liebe in Frankreich. Beginnen wir mit etwas Leichtem: Hier bin ich das Gesicht für dentale Sedierung in Virginia Beach. Unschuldig, könnte man sagen.» 

«Aber dann kommen die härteren Sachen und ich möchte diese nervigen Säcke unter den Augen loswerden. Haloxyl ist das Zeug, dass das Zusammenziehen der Gesichtsmuskeln verhindern soll und ist das Schlagwort (klar) für die Anti-ageing-Augencrème.»

«Und plötzlich zieht das ganze Gesichtszeug deine Aufmerksamkeit auf sich und du bist Dina M. mit Baby- und postnatalem Melasma, und Dermolyte kommt zu deiner Rettung und gibt dir gephotoshoppte Haut.»

«Trotzdem bleibt vieles von der Hyperpigmentierung übrig und will einfach nicht weggehen und du musst dich mit deinem Schicksal mit traurigem Blick stellen.»

«Aber nachdem all das behandelt ist, kannst du einige Buch- und Magazin-Umschläge zieren.»

«Ich kann auch neue Identitäten annehmen. Die schockierendsten davon sind Werbungen für Nachhilfe und Kindererziehung – wer ist also wirklich bei diesen Kindern? Als ich den Fotografen darauf ansprach, sagte er, ich hätte die Rechte zur ‹Verzerrung des Charakters inklusive falsche Namensgebung› gegeben.»

«Ausserdem finde ich es toll, wie sich meine Ethnizität je nach Laune verändert. Ich bin Seng Bonny, die Touren in Kambodscha führt, Phoebe Lopez aus San Francisco, Kelsi aus San Francisco, Chandra aus Kalifornien, Christine aus der LaTrobe Uni, Dina M. und so weiter.»

«Ich habe auch online auf einer französischen Dating-Webseite nach der Liebe gesucht. Die Übersetzung heisst ungefähr: ‹Ich bin hier, klicke nicht zu fest, denn ich bin zerbrechlich. Ich bin hier, um Prinz Charming aus meinen Träumen zu finden, der auf einem weissen Pferd kommt, um mein Herz zu stehlen ...›»

«Schon wieder, das Gesicht von positiver Immigration in Uruguay. (Mal ehrlich: Die Werbungen für Immigration stören mich nicht wirklich.)»

«Die Liste geht weiter: Unzählige Empfehlungen verschiedener Produkte – jemand hat ein Poster an einer Londoner Bus-Station gesehen –, Poster für McDonald’s in Indien, China, Südkorea, Bankenbroschüren, Augenkliniken, Make-Up, Webseiten, Laser-Augenbehandlungen etc.»

«Mal abgesehen davon, dass niemand von uns JEMALS für diese Werbungen bezahlt wurde, geht es auch einfach um die irreführende und tatsächlich unehrliche Werbung für diese Produkte. Ich kontaktierte den Fotografen und sagte ihm, dass ich nicht zu all dem zugestimmt habe.»

«Er sagte mir, dass es ihm leidtue, dass ich mich betrogen fühle, aber dass alles legal sei und er uns von vornherein aufgeklärt habe. (Ich erinnere mich wirklich nicht daran, dass uns irgendjemand gesagt hat, dass mein Bild ein Stock-Foto werden würde und dass es verzerrt werden könnte.)»

«Er erklärte sich aber einverstanden, es von seiner Seite runterzunehmen, da ich mich beschwerte, dass ich als Schriftstellerin erkannt werden könnte. (Ich denke nicht, dass das eine echte Begründung ist, aber es hat funktioniert, ihn dazu zu bringen, die Bilder runterzunehmen). Er sagte aber auch, dass ich weiterhin überall dort auftauchen könne, wo mein Bild bereits gekauft sei.»

«Ich habe jahrelang über all das gelacht und es ist eine super Party-Geschichte und ich finde einige dieser Bilder noch immer lustig und lache, wenn mich Menschen in irgendwelchen Werbungen für Zahnimplantate finden, während sie eine Zeitung in New York lesen.» 

«Aber jetzt, da ich älter und durchsetzungsfähiger bin und mir der Macht und Manipulation stärker bewusst bin, erkenne ich nun, wie wir alle benutzt wurden – eine ganze Galerie von Gratis-Bildern, die dieser Fotograf verkaufen kann, und wir haben keinen Cent von all den Dingen gesehen, für die WIR geworben haben.» 

«Es hätte auch schlimm ausgehen können – mein Bild hätte an den falschen Orten auftauchen können. Ich meine, das Recht, die ‹Bilder und den Charakter zu verzerren› ist angsteinflössend. Daher ist meine Geschichte eine Warnung, vorsichtig zu sein, was man unterschreibt.»

«Denn, obwohl es ab und zu lustig ist, dein Bild zufälligerweise auf einem Brett im McDonald’s in China zu sehen, willst du trotzdem nicht Dina M. sein, die sich im Internet über Schwangerschafts-Melasma beklagt oder im Internet nach Prinz Charming auf einem weissen Pferd sucht. (Okay, dieser Teil ist okay.)»

«Es zeigt auch, wie einfach man heutzutage ausgenutzt werden kann und wie trügerisch das alles ist. Diese Aussagen sind falsch, diese Werbungen sind falsch. Dein Ferien-Tour-Guide, dein Nachhilfelehrer, deine zukünftige Braut könnte eine beliebige Studentin sein, ...» 

«... die in einer kleinen Stadt in Südafrika lebt und nichts darüber weiss, wie ihr Bild benutzt wird. Daher ist meine Geschichte eine Warnung. Geht nicht zu Gratis-Fotoshootings, lest, was ihr unterschreibt, und vor allem: Glaubt nichts von den Dingen, die ihr im Internet lest.» 

«Seid schlau. Seid aufmerksam. Verfangt euch nicht in etwas. Ich bin mir sicher, ich hätte damit Geld verdienen können, aber anstelle dessen werbe ich für Akne-Crème, während jemand anderes Profit schlägt. Und jetzt wisst ihr es.»

Betrüger kopieren Facebook-Accounts und kassieren ab

Video: srf

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