Leben
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Hört auf, mir beim ersten Date diese leidigen Fragen zu stellen!

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«Und, wie geht's dir so? »



Jetzt mal unter uns: niemand möchte «sich kennenlernen». Kennenlernen ist nichts weiter als ein Umweg, der zähneknirschend in Kauf genommen wird, weil das Navi die falsche Route zum Ziel berechnet hat. Was soll das überhaupt heissen, «sich kennenlernen»? Dass man sich zwei Stunden lang bei einem Kaffee mit der eigenen Biografie langweilt und danach vorspielt, dem anderen durch die Aufzählung biografischer Eckpfeiler (Alter, Herkunft, Status) ein Stück näher gekommen zu sein?  

Wer so tut, als ob das «dazugehört», dass die Monolog-Aneinanderreihung «auch manchmal Spass» macht, hat entweder ein halbes Jahr lang in einer abgelegenen Berghütte gelebt – oder sich noch nie selbst beim Sprechen beobachtet.

Wer sich und anderen einen Gefallen tun möchte, vermeidet in Zukunft folgende acht Fragen, während er seinem Gegenüber einen Drink spendiert und denkt sich bitte etwas Eloquenteres aus.

«Und, was machst du so beruflich?»

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Liebe Anna, es ist 22:41 Uhr, ich bin gerade beim dritten Hauswein in dieser schäbigen Eckkneipe angelangt und versuche mit aller Willenskraft das zu vergessen, was mir die restliche Woche zwischen 9 und 18:30 Uhr widerfahren ist.  

Das Letzte, worüber ich mich mit dir unterhalten möchte, ist das, was ich «so beruflich mache». Zum einen, weil das, was ich «so beruflich mache» ohnehin mein halbes Leben einnimmt und ich zweitens nicht bereit bin, dir das wahre Ausmass meines Vollversagens vorzuleiern, noch bevor du die Chance bekommen hast mich als attraktives Wesen voller Lebensfreude und Elan kennenzulernen. Und sei es nur für einen Moment!  

Also lassen wir die Illusion ziehen wie einen guten Tee, bis wir uns zumindest ein Wochenende lang gegenseitig die Zunge in den Hals gesteckt haben.

«Wie findest du das Restaurant/den Club/die Terrasse hier?»

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Reiht sich nahtlos in die Frage nach dem Wetter ein und bietet Gesprächsstoff für ungefähr zwei Minuten, wenn man Lust hat, über die Interior-Ausstattung des süssen Hipster-Cafés mit der unfreundlichen Bedienung zu sprechen (Fake-Vitra-Stühle, kleine Kacheln in der Küchenzeile, selbstgeschnitzte Tischlein).  

Es wird Gründe haben, warum einer von euch ausgerechnet diesen gottverdammten Ort vorgeschlagen hat.

Ihr müsst hier ja nicht gleich heiraten.  

«Wie geht’s dir?»

Der Klassiker. Beweist erneut, warum Kennenlernen so anstrengend ist. Nicht nur muss eins ständig dieselben Fragen über sich ergehen lassen, nein, man muss auch noch ziemlich geschickt lügen und dabei den dazu passenden Gesichtsausdruck auflegen.

Smalltalk hin oder her: Niemand möchte in den ersten Stunden über den Streit in der Familien-WhatsApp-Gruppe sprechen oder über eine grauenhafte Trennung letzten Monat informiert werden.

«Und, wie viele Geschwister hast du?»

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Ganz ehrlich: Macht es einen Unterschied, ob ich zwei oder vier Brüder habe? 

Kannst du anhand meiner Geschwisterzahl riechen, um welche Sorte verkorkster Mensch es sich diesmal handelt?

Ob ich ein Faible für fermentierten Paprika habe? Genauso wie regelmässige Alpträume von Clowns?  

Weder musst du wissen, was mein Bruder macht, noch, wie er heisst. Es bringt dir nichts, es bringt mir nichts, es ist ein weiterer Punkt auf der Liste «unnützes Wissen über eine Person, die du höchstwahrscheinlich nicht wiedersehen wirst» und bietet wenig bis kaum Spielraum, tiefer ins Detail zu gehen.  

Es sei denn, du möchtest mit mir über dein kompliziertes familiäres Verhältnis sprechen, da lässt sich eventuell etwas draus machen, stimmt. Aber wer traut sich das schon?  

«Und, wie ist es so in (Ort, wo du aufgewachsen bist), ich habe gehört, dass die dort wunderbares (Irgendwas) haben?»

Genau! Meine Heimatstadt ist genau so, wie du es dir dank Instagram zurechtgebogen hast. Wir haben alle einen ursüssen Dialekt und essen den ganzen Tag Schnitzel.

Ausserdem hat sich die Kunstszene rund um den Brunnenmarkt, genau wie du sagst, prächtig weiterentwickelt in den letzten Jahren und überhaupt, du musst unbedingt mal zu diesem einen Stand gehen, der nur zwischen Februar und April offen hat und in der Textilfabrik vorbeischauen, um abgefahrene Local-Design-Streetwear zu erwerben. Toll ist sie, meine, deine, schon bald vielleicht unsere Stadt!  

«Erzähl doch mal, warum du weggezogen bist?»

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Alles klar. Ausgerechnet die Frage, die mich schon seit Monaten beschäftigt und nachts nicht schlafen lässt, soll nun für mein neues Gegenüber in drei, vier mundgerechten Sätzen aufbereitet werden, ohne dass ich dabei

a) verzweifelt
b) geisteskrank oder
c) total abgebrüht (ach, alles zuhause hat mich gelangweilt, vor allem mein Exfreund) wirke.

Und zu all dem gleichzeitig noch so viel Interesse wecken, dass man mich danach wiedersehen, statt mich straight zur Lebensberatung schicken möchte.    

«Wo wohnst du jetzt genau?»

Setzen Sie hier einen Ort ein. Gespräch beendet – wenn man Glück hat. Manchmal folgt auf diese Frage auch noch die Nachfrage, warum man dort wohnt (Schon mal was von Wohnungsmangel gehört?) oder ob man gerne dort wohnt (in Grossstädten völlig irrelevant, Hauptsache kein Klo im Gang).  

Nein, Stefan, ich wohne nicht gerne in dieser Strasse über dem Pub, das 24/7 offen hat und mich seit November am Schlafen ohne Oropax hindert!

Aber danke, dass du mich daran erinnert hast.  

«Was hast du studiert?»

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Toll, wenn man sechs Jahre seines Lebens inklusive unzähliger Seminararbeiten über die Homosozialität in Hermann Hesses Peter Camenzind in nur einem Satz abhandeln kann, um dabei wie eine kompetente Kosmopolitin zu wirken. Hat sich ausgezahlt, das ganze oberflächliche Bücherwälzen!

Als Belohnung kann man jetzt für den Rest seines Lebens die Fächerkombination aufzählen, die man mit 18 Jahren aus Langeweile und Unwissen gewählt hat, ohne sich an die genaue These seiner Masterarbeit zu erinnern.  

Nice try, aber …

Im Endeffekt ist es egal, ob wir fünf oder keine Geschwister haben, aus Fernweh oder gebrochenem Herzen weggezogen, Molekularbiologie oder Latein studiert haben – die ersten Fragen, sie sind nichts weiter als ein Abtasten. Etwas, bei dem man Mimik und Gestik einordnen, zumindest einen Einblick in den Intellekt des anderen bekommen kann und unabhängig von den Antworten entscheidet, ob man sich wiedersehen möchte. 

Um anzuknüpfen und das wacklige Fundament auszubauen, sodass man schon bald zusammen Fudge-Brownies backen und am Wochenende einen Ausflug machen kann, ohne dabei an akuter Nervosität zu sterben.  

Also: Augen zu und durch, auch mal abseits der ausgetretenen Pfade fragen – und vielleicht sogar aufs nächste Treffen hoffen.

Auf dass die Masken zeitnah fallen!

Nun noch ein paar «spannende» Fragem: Die seltsamsten Fragen an Dr. Sommer

Und zum Schluss noch etwas nicht ganz ernst gemeinte Dating-Schulung.

Wie spricht man jemanden an? Mach es nicht wie DIESE Typen:

Video: watson/Knackeboul, Madeleine Sigrist, Lya Saxer, Emily Engkent

Mehr Fuck, mehr Feel:

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29 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
who cares?
08.09.2017 20:40registriert November 2014
Also wenn mir jemand nicht irgendwann von sich aus erzählt, was er beruflich macht, hake ich schon mal nach. Und wenn ich jemanden frage, wie es ihm geht, dann meine ich das auch ernst, weil mir die Person tatsächlich wichtig ist. Sowieso frage ich nur, was mich interessiert und wenn ich eine Person mag dann höre ich gerne zu.
Allgemein, was ist so schlimm daran, etwas über eine Person wissen zu wollen? Klar ist schweigsam Fudgebrownies zu backen auch nice, aber was spricht gegen Konversation? Und warum soll man dabei akut nervös sein? Verstehe ich nicht.
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supremewash
08.09.2017 22:38registriert November 2015
Klar, man muss ja nicht gleich den Fragenkatalog in 30min. abarbeiten. Aber es handelt sich hier doch um langzeiterprobte Konversationselemente welche oft zu interessanten Themen überleiten. Sie liefern auch für mich relevante Informationen über die Person die ich kennenlernen möchte (dafür ist das Date ja auch da).
Eine Verabredung mit der Schreiberin gleicht dann wohl eher einer Partie Tabu.
Klingt zwar eigentlich auch amüsant...
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Pana
08.09.2017 20:04registriert June 2015
Was um Himmels Willen soll bzw darf man dich denn fragen? Mir irgendwas muss man ja anfangen. Und von da aus entwickelt sich ein Gespräch, oder halt nicht.
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