Leben
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

«Don't Be a Sucker» – warum sich «Neue Rechte» diesen Film von 1943 anschauen sollten

bild: shutterstock

Nachdem in Charlottesville (USA) demonstriert wurde, dass die sogenannte «Neue Rechte» definitiv erstarkt ist, reagiert das Internet mit einem besonderen Kurzfilm: einem Anti-Nazi-Aufklärungsvideo vom Kriegsministerium aus dem Jahre 1943. 



Sie nennen sich Alt-Right, KKKs oder White Supremacists – doch im Grunde sind sie alle gleich. Sie sind alles «Suckers». Sagt zumindest das Internet. Auf Twitter, Facebook und anderen sozialen Netzwerken kommentieren derzeit nämlich viele US-Amerikanerinnen und Amerikaner die «neue rechte» Hetze, die jüngst in der Universitätsstadt Charlottesville eine Frau das Leben kostete, mit einem Youtube-Link.

«Don't Be a Sucker» heisst es im Titel des 17-minütigen Videos, bei dem es sich um ein 74-jähriges Relikt des US-amerikanischen Kriegsministeriums handelt. 1943 wurde dieser Film zum ersten Mal der amerikanischen Öffentlichkeit gezeigt, um an sie zu appellieren: «Seid keine Schösslinge (engl.: Suckers) faschistischer Hetze!» Auf staatlicher Ebene wollten die USA ihren Bürgerinnen und Bürgern klar machen, dass sich ihr Land keine Fremdenfeindlichkeit, keinen Faschismus und keinen Rassismus leisten kann.

Ein biederes Plädoyer für Diversität

Hauptfiguren des Kurzfilms sind zwei Männer, die beide spontan auf eine öffentliche Kundgebung stossen. Ein älterer und ein etwas jüngerer.

Bild

screenshot: youtube/ khalbrae

«Ich bin ein ganz normaler Amerikaner. Aber ich bin ein amerikanischer Amerikaner», schreit ein weiterer, weisser und stattlicher Mann mit vor Zorn heiserer Stimme in die Menschenmenge hinaus. Er beklagt sich über die Schwarzen, die er «Neger» nennt, die Jobs haben, die eigentlich ihm und seinesgleichen gehören sollten. Dass bringe sein Blut zum Kochen. Das Publikum nickt.

Der ältere Mann schüttelt den Kopf und wendet sich dem jüngeren zu. Er fragt ihn mit deutlich hörbarem osteuropäischen Akzent: «Ich habe solches Gerede auch schon gehört. Aber niemals hätte ich erwartet, dass ich ihm auch mal in Amerika begegnen werde. Glauben Sie diesem Mann?» – «Ich glaube, er weiss, wovon er spricht. Für mich macht das Sinn», entgegnet der jüngere dem älteren in akzentfreiem Englisch.

Bild

screenshot: youtube/ Khalbrae

Der Redner wettert polemisch weiter: «Und ich sage euch, meine Freunde, wir werden dieses Land niemals als unser eigenes bezeichnen können, wenn es nicht ein Land ohne ist. Ohne wen? Ohne Neger. Ohne Ausländer. Ohne Katholiken …» Der jüngere Mann nickt dem Gerede bedacht zu, bis der Referent die nächste Minderheit, die er zu eliminieren vorhat, aufzählt: «… Ohne Freimaurer.» 

Der junge Mann legt die Stirn in Runzeln und murmelt halb vor sich hin, halb dem Alten, der neben ihm steht, zu: «Freimaurer? Was soll falsch sein an Freimaurern? Ich bin einer. Der redet über mich!» – «Sehen Sie», erwidert der Alte, «und das macht den Unterschied, oder?»

Den ganzen Kurzfilm kannst du dir hier anschauen:

abspielen

Das Original von «Don't be a Sucker» wurde 1943 zum ersten Mal ausgestrahlt. 1947 wurde der Kurzfilm überarbeitet und erneut publiziert. Video: YouTube/Khalbrae

«Wir Menschen sind nicht für Vorurteile gemacht. Sie werden für uns gemacht. Und zwar immer von Menschen, die uns für etwas missbrauchen wollen.»

Der ältere der beiden Männer.

Nach dieser Szene, zeigt der Film dokumentarisch die Folgen des Nazifizierung Deutschlands, wie Separierung einen Staat zerstören kann und wie die die «farbige» amerikanische Armee, über die geschwächten, eigenartigen Nazis triumphierte. 

Am Schluss werden noch einmal die beiden Männern gezeigt, die auf einer Parkbank das vorherige Geschehen reflektieren. Sie konstatieren, dass die USA aus unzähligen Minderheiten bestehen, dass aber gerade auch darin ihr Wert liege. «Persönliche Freiheit, Redefreiheit, Religionsfreiheit sind hier nicht nur schicke Worte, sondern Teil der amerikanischen Lebensqualität. Nagen wir an der Freiheit anderer, bringen wir die eigene in Gefahr», plädiert der ältere Mann, der sich als gebürtiger Ungar outet. 

Alte Schule für moderne Phänomene

Im Zeichen des Rechtsrutsches unter Präsident Trump, der sich mit einer expliziten Kritik an den Vorfällen in Charlottesville zunächst schwer tat, ist dieser Kurzfilm ein gefundenes Fressen. Denn für eine breite Öffentlichkeit, die sich Informationen gerne über soziale Online-Kanäle abholt, dürfte dieser nostalgische Info-Film in Erinnerung rufen, was den Staat, in dem sie leben, ausmacht und wofür die vorherigen Generationen unter anderem einen Weltkrieg austrugen. 

Oder um es in den herzig patriotischen Worten des alten ungarisch-amerikanischen Mannes zu sagen:

«Let's be selfish about our country. Let's forget about we and they. Let's think about US.»

(jin)

Sieg Fail! Warum Nazis Volldeppen sind:

Mehr mint gibt's hier:

15 Styles, die Ende 90er und Anfang 2000er der Shit waren

präsentiert vonMarkenlogo
Link zum Artikel

Nach «Avengers: Endgame» – diese 7 kommenden Filme könnten auch die Milliarde knacken

Link zum Artikel

Ich + Ich + Tattoo-Dirk à Paris

Link zum Artikel

«Game of Thrones»: Das war sie also, die grösste Schlacht der TV-Geschichte?!?!

Link zum Artikel

Dieses Model trägt als Erste einen Burkini auf der Titelseite der «Sports Illustrated»

Link zum Artikel

«Avengers: Endgame» pulverisiert Kinorekord – und sorgt für Schlägerei

Link zum Artikel

«Meine Ehefrau hat mich jahrelang mit ihrer Jugendliebe betrogen»

Link zum Artikel

Die vegane Armee

Link zum Artikel

14 Comics, die das Leben als Mann perfekt auf den Punkt bringen

Link zum Artikel

Die Jackson-Doku «Leaving Neverland» erhitzt die Gemüter – 6 Gründe, warum das so ist

Link zum Artikel

Auf den Spuren meiner Urgrossmutter

Link zum Artikel

Regie-Legende Francis Ford Coppola: Neues Alter, neuer Film, neues «Apocalypse Now»

Link zum Artikel

Schwangerschafts-Abbruch wegen Trisomie: «Die Entscheidung war furchtbar, aber klar»

Link zum Artikel

«Mimimi» – Wie schnell bist du empört?

Link zum Artikel

Sterben am Schluss alle? Das verraten uns die 3 neuen Teaser zu «Game of Thrones»

Link zum Artikel

So heiss, stolz und glücklich feierten die «Game of Thrones»-Stars Premiere

Link zum Artikel

10 lustige Antworten auf die dumme Frage: «Wann hast du entschieden, homosexuell zu sein?»

Link zum Artikel

Böööses Büsi! Stephen Kings «Pet Sematary» ist wieder da

Link zum Artikel

RTS zeigt GoT zeitgleich am TV. Und wir fragen: Wann wollt ihr dazu was von uns lesen?

Link zum Artikel

Ja, in der Schweiz gibt es Obdachlose – und so leben sie

Link zum Artikel

«Krebs macht einsam» – wie Ronja mit 27 Brustkrebs überlebte

Link zum Artikel

Coca Cola Life und 17 weitere Getränke, die (beinahe) aus der Schweiz verschwunden sind

Link zum Artikel

US-Komiker Noah spricht über seine (Schweizer-)Deutsch-Erfahrungen – und es ist grossartig

Link zum Artikel

Die Boeing 737 ist derzeit nicht sehr beliebt – wie dieser Litauer jetzt auch weiss

Link zum Artikel

«Leaving Neverland»: Brisante Jackson-Doku kommt am Samstag im SRF

Link zum Artikel

Sag nicht, wir hätten dich nicht gewarnt: 7 Dokus zum 🐝-Sterben

präsentiert vonMarkenlogo
Link zum Artikel

Der neue Schweizer Streaming-Dienst «Filmingo» will das Anti-Netflix sein

Link zum Artikel

Tantra-Tina, ihre Latexhandschuhe und mein Orgasmus

Link zum Artikel

Ich machte bei GNTM mit – und so war's (empörend!)

Link zum Artikel

Mick Jagger braucht eine neue Herzklappe – und will bald wieder auf der Bühne stehen

Link zum Artikel

Nacktbild von Sohn löst Shitstorm aus – Sängerin Pink rastet aus

Link zum Artikel

«Ich liebe meine Freundin, aber ich liebe auch schöne Frauen…»

Link zum Artikel

Ihre Produkte haben die Welt erobert – trotzdem wurden diese 5 Erfinder nicht reich

Link zum Artikel

Disney wird immer mächtiger – warum darunter vor allem Kinos und Zuschauer leiden

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

5 Antworten zu den geheimen Tapes zu Salvinis Parteispenden-Deal mit dem Kreml

Link zum Artikel

Warum wir aufhören müssen, uns selbst auszubeuten

Link zum Artikel

Wenn Kantonswappen ehrlich wären – die komplette Edition

Link zum Artikel

5 Dinge, die verzweifelte Singles tun – und unbedingt lassen sollten

Link zum Artikel

Hast du in Zürich einen Verrückten ins Wasser springen sehen? Wir wissen nun, wer es war

Link zum Artikel

9 absolut clevere Wege, wie Rechtsradikalen und Neonazis schon die Stirn geboten wurde

Link zum Artikel

Dieser Fotograf zeigt Hochzeiten – so wie sie wirklich sind

Link zum Artikel

Trump, Clinton, der Sex-Milliardär – und die Verschwörungstheoretiker

Link zum Artikel

Warum dieser NZZ-Artikel für einen Shitstorm sorgte – und er von Maassen retweetet wurde

Link zum Artikel

BBC-Moderator berichtet über Patrouille-Suisse-Fail – und lacht sich schlapp 😂

Link zum Artikel

Stell dir vor, die App einer Sportliga fordert per Push plötzlich 6000 Dollar von dir ...

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

5
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
5Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Sheez Gagoo 15.08.2017 18:21
    Highlight Highlight Als ob das etwas bringt, wenn sich ein paar ewig gestrige ein Propagandavideo aus den 40ern reinziehen. Ich glaube nicht eine Sekunde, dass es deswegen einen Nazi weniger gibt.
  • John Smith (2) 15.08.2017 18:07
    Highlight Highlight Dieser viertelstündige, furchtbar ausschweifende Film sagt nicht mehr aus als das bekannte Niemöller-Zitat, das genau den gleichen Inhalt in ein paar kurze, prägnante Sätze packt:

    «Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist. Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat. Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschafter. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.»
  • DonCamillo 15.08.2017 18:05
    Highlight Highlight Der Film ist von 1947 nicht 1943, sonst könnte der gute alte Mann schlecht vom D-Day erzählen. Aber der Film ist stark, nur irgendwie bedenklich, dass er immer noch gezeigt werden muss...
    • Jein 15.08.2017 19:34
      Highlight Highlight Das Original stammt von 1943, im Artikel ist die zweite überarbeitet Auflage von 1947: "Don't Be a Sucker! is a short film produced by the United States War Department in 1943 and re-released in 1947"
    • Black hat (minus hat) 15.08.2017 20:14
      Highlight Highlight "Das Original von «Don't be a Sucker» wurde 1943 zum ersten Mal ausgestrahlt. 1947 wurde der Kurzfilm überarbeitet und erneut publiziert."

      Steht auch so im Artikel. Ich war aber zuerst auch verwirrt...

Von Zimbabwe bis Taiwan: Der Schweizer Frauenstreik sorgt international für Reaktionen

In der ganzen Schweiz streiken zehntausende Frauen, um auf Frauenrechte und Gleichberechtigung aufmerksam zu machen. Die nationale Aktion findet auch im Ausland viel Beachtung und Unterstützung. So tweeten, posten und schreiben Menschen von Thailand bis Zimbabwe über den Schweizer Frauenstreik.

Wie international das Anliegen der Frauen in der Schweiz ist, zeigt diese Übersicht:

(leo)

Artikel lesen
Link zum Artikel