Leben
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Jered Threatin, Bandleader der Band Threatin, täuschte mit einer Fake-Fanbasis Klubs in halb Europa. Bild: screenshot

Die fantastische Geschichte der Metalband, die die halbe Musikwelt narrte



«Breaking the World» titelte er seine Tour, jetzt sieht es so aus, als ob Jered Threatin selbst als gebrochener Mann endet.

Die Geschichte der gleichnamigen Band Threatin, die in den vergangenen Tagen Metalfans rund um den Globus in den Bann zog, gehört zum Absurderen, was die Musikindustrie seit ihrem Bestehen hervorbrachte.  

Was ist passiert? 

Als die Konzertverantwortlichen des Musikklubs Underworld in London die US-Hardrockband Threatin buchte, glaubten sie ein Schnäppchen gelandet zu haben. Threatin galt als aufstrebende Metalband aus Los Angeles – zumindest wurden sie so von ihrer Booking-Agentur dargestellt: Als «Hollywoods Hardrock-Ikone».

Belegen sollten das Videos von Konzerten, in denen die Fans reihenweise durchdrehten, ein paar tausend Likes auf der Facebook-Seite, eine vertrauenswürdige Band-Website, eine Booking-Agentur, die scheinbar Dutzende bekannte Bands weltweit vertrat. Dazu Hunderte Konzertzusagen auf Facebook. Die ganze Palette.

Was sollte da schiefgehen? Nun, alles. Die Booking-Agentur ist offenbar Fake, die angeblich unter Vertrag stehenden Bands entweder Fantasienamen oder längst aufgelöste, mittelmässig bekannte Bands aus dem Rock-Spektrum.

Die Likes und die Eventzusagen stammen praktisch durchgehend aus Brasilien. Die Konzertvideos wurden so gefilmt, dass immer nur entweder der Sänger selbst oder das Publikum zu sehen ist, nie aber beide gleichzeitig. Wie die Heavy-Metal-Website Metalsucks spekuliert, wurde die Musik wohl unter die Videobilder der austickenden Fans gemischt.

Mittlerweile existiert die Facebook-Seite der Band nicht mehr, auch YouTube-Videos wurden entfernt. Es scheint, als wolle Threatin seine Spuren um jeden Preis verwischen. 

Eines der Videos:

abspielen

«I could only get a few seconds here and there the crowd was pretty wild. i kept almost dropping my phone..great show though.» Video: YouTube/Live from my phone (jamie grundy)

Dass im Fall von Threatin nicht alles koscher ist, musste der Underworld-Klub in London am 1. November mit Schrecken feststellen: Statt der von der Booking-Agentur angekündigten 182 Zuschauer fanden sich an diesem Donnerstag gerade mal 13 Personen im Saal ein, darunter: ein Barkeeper, ein Soundtechniker, die Vorband plus Anhang und eine Person, die tatsächlich ein Ticket gekauft hat (warum auch immer). Ähnlich lief auch die Show in Bristol ab.

Kurz darauf berichtete die renommierte Musikzeitung NME über die Band, wenig später zogen der Independent und die BBC nach. Am Wochenende wurde der Auftritt in der Empire Music Hall in Belfast gecancelt – notabene vom Bandmanagement, nicht vom Klub. Über die Konzerte in Newcastle und Glasgow ist nichts bekannt, die Facebook-Seiten der jeweiligen Events wurden gelöscht.

Threatin hatte die Geschichte seiner Band selbst zusammenfantasiert und mit beeindruckendem Aufwand im Netz verbreitet. Dass er damit durchgekommen ist, ist wohl das grösste Rätsel an der ganzen Geschichte.

Oder handelt es sich am Ende gar nicht um den abgebrühten (und letztlich wohl zum Scheitern verurteilten) Versuch, ein bisschen Geld aus einer Europa-Tournee zu schlagen, sondern um einen Meta-Metal-Hoax eines Konzeptkünstlers, der der Musikindustrie den Spiegel vorhält?

Am Dienstag sollte theoretisch die nächste Show von Threatin stattfinden, im Le Klub in Paris. Google listet den Auftritt zwar noch, auf der Website des Venues ist aber keine Spur mehr zu finden. Über die Alpen ist die Story der Fake-Metalband aber offenbar noch nicht gedrungen: Das Druso im norditalienischen Bergamo führt die Band weiter im Konzertprogramm, die Beschreibung ist dieselbe wie : «Icona di hard rock di Hollywood».

Bild

Aber selbst wenn Threatin am Donnerstag in Bergamo auftauchten sollte, viel Musik werden die Barkeeper nicht zu hören bekommen: Drummer und Gitarrist haben den Bettel geschmissen, offenbar wurden auch sie von Jered Threatin hinters Licht geführt. Damit bleibt neben Bandleader gerade noch der Bassist – etwas wenig für «eine der vielversprechendsten Rockbands der letzten Dekade». Damit bleibt eigentlich nur noch die Frage, wie die Band denn eigentlich klingt: 

(wst)

Bandempfehlung des Hauses: Max Giesinger & the watsons

abspielen

Video: watson/Emily Engkent, Nico Franzoni

Das könnte dich auch interessieren:

«Das Beste im Mann» – mit diesem Anti-Sexismus-Werbespot läuft Gillette voll in den Hammer

Link zum Artikel

«Terroristischer Anschlag» in Nordirland

Link zum Artikel

Ein ziemlich seltsames Outfit – so erklärt Serena Williams ihren Netzstrumpf-Auftritt

Link zum Artikel

Drei Lawinen fordern eine Tote und mehrere Verletzte im Wallis

Link zum Artikel

Nico soll Schneeketten montieren und bringt damit den Chef zur Verzweiflung 😂

Link zum Artikel

Wie der Schweizer Arzt Ruedi Lüthy in Simbabwe tausende Menschen vor dem Aids-Tod rettete

Link zum Artikel

So hast du die Karriere von Roger Federer noch nie gesehen

Link zum Artikel

Warum die Bezahl-App Twint bei Schweizer Teenagern gerade so richtig durchstartet

Link zum Artikel

Vorsicht! Mit den Apple-Ohrstöpseln wird das iPhone zur Wanze 😳

Link zum Artikel

«Der Zug stellt einfach ab»: So leiden die Lokführer unter den SBB-Pannen-Doppelstöckern

Link zum Artikel

Der Lambo-Trottel, sein High-Heels-Schrank und ich

Link zum Artikel

Die grössten Apple-Irrtümer – was nicht nur iPhone-Fans wissen sollten

Link zum Artikel

Die grosse Game-Vorschau: Auf diese 50 Spiele dürfen wir uns 2019 freuen

Link zum Artikel

So cool ist es WIRKLICH, im Januar auf Alkohol zu verzichten 🤔😂

präsentiert vonMarkenlogo
Link zum Artikel

Trump will den Notstand ausrufen – aber darf er das überhaupt?

Link zum Artikel

«Gölä ist die falsche Art von Büezer» – Nico bügelt mit dem Berner Rapper Nativ

Link zum Artikel

Samsung, Huawei oder doch Nokia? Diese Android-Handys erhalten am längsten Updates

Link zum Artikel

Sie wollte dieses Kleid kaufen – und brach bei der Lieferung (zu Recht) in Tränen aus

Link zum Artikel

Tsitsipas wirft Federer aus dem Turnier

Link zum Artikel

Genfer Caritas-Lagerleiter vergriff sich an jungen Mädchen

Link zum Artikel

Warum Trump plötzlich die Sowjets verteidigt

Link zum Artikel

«Die toten Hoden» – neue Twitter-Challenge ruiniert die Namen deiner Lieblingsbands

Link zum Artikel

«Familie wird mich töten»: Rahaf auf Flucht aus Saudi-Arabien in Thailand vorerst sicher

Link zum Artikel

Wenn sogar Fox News Trumps Grenz-Lüge anprangert

Link zum Artikel

Das Beste an den Golden Globes? Diese Wasserträgerin

Link zum Artikel

Die bizarre Liebesgeschichte der KZ-Aufseherin, die sich in eine Gefangene verliebte

Link zum Artikel

7 Wahlen hat er analysiert – jetzt meint er: «Das System könnte aus den Fugen geraten»

Link zum Artikel

Sexy Särge oder phallische Felsen – welcher Wandkalender darf's denn sein?

Link zum Artikel

Bellydah: «Diesen Job nennt man ‹Rap-Video-Bitch›»

Link zum Artikel

Kann man wirklich zu lange schlafen?

Link zum Artikel

Der einzige Schweizer auf Mikronesien braut Bier und lebt auf diesem Inselcheln

Link zum Artikel

6 Webseiten, auf denen du dir toll die Zeit totschlagen kannst – klicken auf eigene Gefahr

Link zum Artikel

7 Dinge, die dir bei diesen bekannten Weihnachtsfilmen noch nie aufgefallen sind

Link zum Artikel

Jetzt muss Trump die Börse mehr fürchten als Mueller 

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

21
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
21Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Schne 13.11.2018 07:11
    Highlight Highlight Haben wir vor knapp 20jahren als Punkband auch so gemacht, einfach nicht ganz so dreist durchgezogen. Damals reichte noch eine selbst gebastelte Homepage und eine Verlinkung auf einem schweizer Bandportal. Schwups hatten wir Bookings in der Boa und im Dynamo. Ein alter Typ sagte damals zu uns: Ihr spielt noch echten Punk! Steht auf der Bühne und könnt nichts. Das ist echter Punk!
  • Schleiger 12.11.2018 22:31
    Highlight Highlight Kelly ohne Family
  • Shikoba 12.11.2018 18:29
    Highlight Highlight Ich finde die Musik nicht schlecht, mir fehlt lediglich das "rauhe", "kratzige" in der Stimme, dann wärs super!
  • Pingune 12.11.2018 16:12
    Highlight Highlight Musik: mittelmässig bis schlecht. *gähn*
    Marketing skills: Unbezahlbar. Ich meine, da muss man schon einiges in Petto und Können haben, um sowas auf die Reihe zu kriegen.
  • Papa Swappa 12.11.2018 14:29
    Highlight Highlight So schlecht ist der Song nicht und das Video hat fast 1 Million Views, das muss man zuerst mal hinbekommen.
    Die Produktion ist etwas klinisch, was auch nicht erstaunt, der Typ scheint ja alles selber eingespielt zu haben, zumindest war niemand anderes bereit, für den Videodreh vor die Kamera zu treten.
    Forscht mal nach, wie "The Strangers" am Anfang ihrer Karriere zu Gigs gekommen sind, war mindestens so dreist (aber auch einiges amüsanter).
  • Pana 12.11.2018 14:23
    Highlight Highlight Ich war mal an einem Montagabend in Vegas an einem Gig von zwei relativ bekannten Metal-Bands. Es hatte, mich mitgezählt, drei Zuschauer. It happens.
  • hummelhoden 12.11.2018 12:26
    Highlight Highlight ... wer mayhem kennt wird jetzt ein wenig schmunzeln.... ein wenig.
    • Pingune 12.11.2018 16:12
      Highlight Highlight So e birre bizeli. ;)
  • der nörgler 12.11.2018 11:23
    Highlight Highlight schlechter als nickelback ist er jetzt auch nicht...
    • Toerpe Zwerg 12.11.2018 12:07
      Highlight Highlight Was jetzt nicht unbedingt eine Auszeichnung ist ...
    • der nörgler 12.11.2018 12:53
      Highlight Highlight nein, aber es zeigt wie relativ das ganze ist. Ich sehe zwischen der Musik keinen Unterschied. Also könnte er genauso erfolgreich sein.
  • FrauMirach 12.11.2018 11:03
    Highlight Highlight jöö
  • Randy Orton 12.11.2018 10:35
    Highlight Highlight Ich und meine Kumpels wollten eigentlich an das Konzert in London, leider sind wir im Lift steckengeblieben. Alle 169 von uns.
    • Shnoesi 12.11.2018 12:53
      Highlight Highlight Den Spruch hab ich doch auf YouTube schon gelesen........ RandyRandyRandy... ;)
    • Randy Orton 12.11.2018 14:05
      Highlight Highlight Shnoesi, jap, den habe ich tatsächlich stinkfrech von einem seiner youtube-Videos geklaut😄
    • Signor_Rossi 13.11.2018 07:58
      Highlight Highlight Dein Kommentar wäre eigentlich lustig, wenn du ihn nicht aus der You Tube Kommentar Spalte abgeschrieben hättest 😉
  • Amateurschreiber 12.11.2018 10:32
    Highlight Highlight Meiner Meinung nach ist das sicher kein Metal, eher Glam-Rock. Das Lied wäre eigentlich gar nicht soo schlecht, wenn es professioneller aufgenommen worden wäre. Aber eben; wenn alles so tönt, glaube ich auch, dass niemand extra zu einem Konzert geht.
  • Kieran Murphy 12.11.2018 10:22
    Highlight Highlight Zeigt wiedermal wunderschön auf, wie sich die Leute heutzutage stupid auf Social Media verlassen, anstatt mal eine Sekunde nachzudenken.
  • Markus97 12.11.2018 10:20
    Highlight Highlight Dieser eine Typ, der einfach an jedes Metal-Konzert geht... 😂😂
    • ujay 12.11.2018 13:23
      Highlight Highlight ....das ist der, der als einziger sich jeweils vor der Bühne ins Delirium tanzt🤣🤣🤣......egal bei welchem Act.....
  • Luagsch 12.11.2018 10:04
    Highlight Highlight die werden mit filmrechten kohle machen XD

Ben Salomo: «Die antisemitischen Vorfälle waren die Sargnägel für meine Leidenschaft»

Hat Hip-Hop ein Antisemitismusproblem? Wer könnte diese Frage besser beantworten als Ben Salomo? Die Hip-Hop-Legende aus Berlin ist bekennender Jude und ein Pionier der Battle-Rap-Szene in Deutschland. Er hat die Werte und Ansichten der Hip-Hop-Kultur verinnerlicht, versteht die Dynamiken von Battle-Rap und hat sich als Veranstalter eine Existenz im Deutschrap-Kosmos geschaffen.

Gleichzeitig ist er als gebürtiger Israeli und praktizierender Jude in der jüdischen Gemeinschaft Berlins verankert …

Artikel lesen
Link zum Artikel