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So sieht ein Menü für 600 Dollar aus: Ein Abend in Amerikas zweitteuerstem Restaurant

10.03.2017, 15:5613.03.2017, 20:43

Eine amerikanische Studentin lässt sich auf ein abendfüllendes Menü im Restaurant Saison in San Francisco ein ... und teilt jeden einzelnen Gang mit der gesamten Imgur-Community. Mittlerweile haben über eine halbe Million Menschen den Post von Userin Hoptail angeklickt.

Das ist ihr Bericht – vom Englischen ins Deutsche übersetzt:

Ich wurde also nach San Francisco geschickt. Und wenn ich reise, habe ich es mir angewöhnt, die besten Restaurants auszuprobieren. Ich habe nicht viel Geld – ich bin Studentin. Aber ich liebe einfach gutes Essen und ich spare ewig auf diese Momente hin. 

Also geniesst bitte stellvertretend anhand der folgenden Bilder mein Single-Menu im Restaurant Saison in San Francisco

1. Der Tee

Das ist ohne Witz der beste Tee, den ich je in meinem Leben getrunken habe. Ich könnte den jeden Tag trinken bis ich sterbe und ich würde es lieben. Er sollte nur einen Gang begleiten, aber ich habe gebettelt, dass sie ihn den ganzen Abend lang wieder auffüllen – die ganzen vier Stunden lang!

Jedes Büschel enthält Douglas Fichte, Schafsgarbe, Kamille, englische Brennnessel, Anis und Eisenkraut. Alle Zutaten frisch geerntet vom eigenen Bauernhof des Restaurants und serviert in einem Aufguss aus heissem Meyer-Zitronen-Wasser. (Die Meyer Zitrone ist eine chinesische Mischung aus Zitrone und Orange.) 

Verdammt gut!! 

2. Babyspinat

Und los geht's: Babyspinat und gerösteter Seetang in geklärter Butter – mit Dank an die hauseigene Kuh Bella. Mit einem Abschluss von firmeneigenem Kaviar, den man auch ausschliesslich hier kriegt. 

Die Beschaffenheit jeder Zutat ist so unterschiedlich. Und trotzdem verbindet sich alles zu einem sehr geschmeidigen Ganzen. 

3. Heilbutt

Heilbutt – auf zwei Weisen. Das Sashimi ist unglaublich. Ich will hier wirklich nicht wie ein Idiot mit diesen blöden Gastro-Begriffen um mich schmeissen. ABER: Das «Mundgefühl» (Aaargh) ist das zarteste, butterigste, das ihr jemals in eurem Leben erleben werdet.

Ich fange fast an zu weinen, weil mir grade klar wird, dass ich soeben den Gipfel erreicht hatte: Nie mehr werde ich besseren rohen Fisch geniessen. Die zweite Variante ist gegrillt mit einer leichten Soja-Glasur. Begleitet wird das Gericht von alten Tomatensorten und irgendeiner frittierten Blume. Das ist nett. 

4. Geoduck (Elefantenrüsselmuschel)

Dieses verdammt Ding nennt sich Geoduck oder Elefantenrüsselmuschel. Wenn ihr noch nie davon gehört habt, googled es. Die sehen einfach nur verrückt aus.

Und um ehrlich zu sein ... das ist nicht so besonders. Irgendwie zäh und die Marinade so stark, dass ich das Fleisch kaum noch schmecken kann. Das sind tatsächlich sogar drei unterschiedliche Teile der Muschel: Der Rüssel – dieser irre lange, klebrige äussere Teil – der Muskel und ich glaube noch etwas vom inneren Teil.

Aber jetzt mal ehrlich: Guckt euch das Ding doch an.

5. See-Igel

Das ist – ohne Scheiss – mein liebster Gang. Frischer See-Igel auf gegrilltem Brot. Und das getränkt in einer Sauce, die aus Abschnitten eben dieses Brotes gefertigt ist. Irgendwie wie Brot-Confit ... keine Ahnung, aber grossartig.

Ich hatte noch nie See-Igel, aber der hier ist SUPER-cremig. Wie die Butter des Meeres. So wahnsinnig frisch und die Sauce im Brot war unglaublich. Definitiv mein Favorit.

6. Radieschen

Für dieses Gericht wird jeder Teil des Radieschens verarbeitet. Das sind dünn geschnittene Scheiben oben drauf (wieder von der eigenen Farm) übergossen mit Bellas geklärter Butter. 

Darunter verbirgt sich etwas ähnliches wie eine Radieschen-Pudding-Essig-Reduktion. Dazu die Radieschen-Köpfe und marinierte Radieschen-Würfel. Das kommt total frisch und herb und ist ein wunderbarer Übergang nach der überwältigenden «Cremigkeit» des vorangegangenen Gerichts.  

7. Kürbis

Das hier sind jetzt drei Sorten gerösteten Kürbisses. Der Erste links ist ähnlich wie Agedashi Tofu nur, dass es eben zerrupfter, gerösteter Kürbis ist, mit Oktopus-Flocken drüber. Super! 

Die zweite Zubereitung ist ein über dem Feuer im Restaurant gehangener Kürbis der über acht Stunden langsam geröstet und mit Buttermilch-Crème angerichtet wird.  Die «Karamelisation»: schlicht sagenhaft.

Bei dem hier bin ich mir nicht so sicher. Kürbispüree in kalt-gepresstem Kürbiskernöl. Schmeckt irgendwie, als wäre ihnen das am Schluss noch eingefallen und ist viel zu salzig. Ich weiss nicht mal, wie ich das essen soll. 

8. Antilope

Das ist Antilope. Als Beilage werden ein Kräutersalat, rote Endivie und wirklich tolle kleine Brötchen serviert mit einer Honigbutter, die wie Pfannkuchen schmeckt. 

Objektiv gesehen: Ich bin mir sicher das ist gut. Es wurde sehr gut gewürzt. Die Textur liegt irgendwo zwischen Wild- und Rindfleisch. Perfekt à point. Schmilzt auf der Zunge wie im Herzen. Unglaublich. Aber die Tatsache, dass die Antilope auf einer Farm in Texas aufwuchs, kann meine Lion-King-Flashbacks nicht verringern. Und schliesslich ist es meine Kindheits-Sentimentalität, die mich daran hindert, dieses Gericht wirklich zu geniessen. 

9. Suppe

Gott! Bitte lass es aufhören. Antilopen-Brühe mit Salbei. Ist wirklich richtig toll, aber ich muss Bambis Verwandtschaft langsam hinter mir lassen. 

10. Eiscrème

Yesss, Dessert! Der beste Teil. Fängt an mit geräucherter Eiscrème. Fragt mich jetzt bloss nicht, wie die das machen – aber es hat wohl irgendwas damit zu tun, dass die Glut exotischer Hölzer in das Eis miteingearbeitet wird.

Schmeckt ganz wunderbar. Und wird von gesalzenem Karamell begleitet, das mich umhaut. 

Auch nett: Eine inklusive Auswahl kandierter Nüsse. (Walnüsse, Erdnüsse, Kakaobohnenstückchen und Pinienkerne)

Gelobt sei Jesus, der soeben meine Zunge gesegnet hat. Amen!

11. Orangecrème

Orangenbuttercrème-Eis am Stil. Superzart. Super cremig. Auf dem Grund sind sogar kandierte Orangenstücke versteckt.

Ich muss zugeben, ich esse jetzt schon seit ungefähr dreieinhalb Stunden und kämpfe mich nur noch durch die Crème, um an diese Stückchen ranzukommen. Sicher hab ich ein schlechtes Gewissen, aber ich bin erst so halb durch den Nachtisch durch und gehe jetzt schon ziemlich auf dem Zahnfleisch.

12. Heidelbeer-Sorbet

Heidelbeer Sorbet auf in Brandy eingeweichten Heidelbeeren. Übergossen mit ... mehr Brandy. 

Super Sache, wenn man Brandy mag. 

Ich mag keinen Brandy. 

Zum Abschluss: Ihre Variante eines Snickers

Steht nicht auf der Karte, kriegt man aber, wenn man freundlich ist zum Kellner ... und nebenbei erwähnt, dass man eine Passion für Süsses hat.

Dunkle Schokolade und Nüsse, bisschen wie ein Brownie. Salziger Karamellkern und das Ganze dann übergossen mit einer Mischung aus Rahm und Kuvertüre bevor das 24 Karat Blattgold angebracht wird.  

Weil, warum auch nicht, wenn man das zweitteuerste Restaurant im Land ist. 

Das Geschenk

Beim Rausgehen kriegt man noch diesen Jute-Beutel und eine fancy mit Wax versiegelte Speisekarte. Ganz ernsthaft, das war eine grossartige Erfahrung und – für mich – den Preis absolut wert.

Die Crew war absolut umwerfend. Am Anfang war ich etwas ernüchtert, weil ich als Einzelperson an der Bar sitzen musste und keinen eigenen Tisch kriegte. Aber Anthony, der Barman ist ganz wunderbar theatralisch während er mit flüssigem Stickstoff unglaubliche Molekular-Cocktails mixt. Und so wurde ich den ganzen Abend toll unterhalten.

Wenn man nett ist, erhält man auch mal einen Schluck von seinem geklärten Milch-Punsch oder dem gerösteten Buchweizen-Tee – beides himmlisch. Und dann ist da die Musik. Kein schleimiges Orchester oder Fahrstuhlmusik.  

Eine exzellente 70s-80s-Spotify Playlist kriegt man hier zum Essen gleich dazu ... und so rockte ich zu Hip To Be Square, drehte mich zu How Deep Is Your Love von den Bee Gees und sang mit dem Barkeeper im Duett zu We Didn't Start The Fire

Ich hoffe euch hat das genauso viel Spass gemacht wie mir! :D

Mehr! Mehr! Mehr! – Dessert, Dessert, Dessert!

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Dessert, Dessert, Dessert!
quelle: shutterstock / shutterstock
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