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epa07033788 US producer Michael Moore arriving at the premiere of Briarcliff Entertainment's Fahrenheit 11/9 at Samuel Goldwyn Theater in Beverly Hills, California, USA 19 September 2018. The movie opens in the US 21 September 2018.  EPA/NINA PROMMER

Bild: EPA/EPA

Michael Moore gegen Donald Trump – hat es der Filmemacher diesmal übertrieben?

Unterhaltung, Tränen, Ohnmacht, Revolution: Der Dokumentarfilmer gibt in «Fahrenheit 11/9» wie immer alles. Aber ist es jetzt zu viel?



Michael Moore hat jetzt die Schuldigen gefunden. Sie sind weiblich. Und weil er diese Idee offenbar enorm sexy findet, eröffnet er seinen letzten und seinen aktuellen Film auch gleich damit. In «TrumpLand» von 2016 war Beyoncé schuld an Trumps Erfolg als Präsidentschaftskandidat. Weil sie in der Halbzeit des Wahljahres-Superbowls mit ihren «shit-kicking» Stiefeln und ihrem feministischen Schlachtgesang den heiligsten Rasen Amerikas versaut habe. Exakt da habe der hässige weisse Mann begriffen, dass es nun um alles geht. Hat geklappt.

Jetzt, in «Fahrenheit 11/9» ist Gwen Stefanie schuld. Weil Trump irgendwann herausgefunden habe, dass sie bei «The Voice» mehr verdiene als er bei «The Apprentice». Exakt da habe er als hässiger weisser Mann begriffen, dass er nun seinen eigenen Show-Wert ins Unermessliche steigern und einfach mal behaupten müsse, der nächste Präsident werden zu können. Hat geklappt.

Der Trailer

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Video: YouTube/mmflint

Ein typischer rhetorischer Stunt à la Michael Moore. Wild, plakativ, populistisch, lustig. Hauptsache Unterhaltung, Hauptsache These, Hauptsache Emotion. Moore, der kraft- und saftstrotzende Haudegen unter den Dokumentarfilmern, ist da bei allen politischen Differenzen Trump nicht ganz unähnlich. Er verschweigt auch nicht, dass Trump und seine Entourage ihn deshalb früher durchaus cool fanden.

Steve Bannon, Kellyanne Conway, Jared Kushner und Trump selbst – allesamt machen sie Werbung für seine Filme, plauschen, essen und trinken mit ihm. Sind für ihn genauso Multiplikatoren wie es die Medien für Trump sind.

Fahrenheit 11/9 Michael Moore

Michael Moore verabreicht dem Garten des Gouverneurs von Michigan eine Giftwasserspritze. Bild: Elite film

Alle sind Amerika. Trump, Moore, die Medien. Mitverantwortlich für Amerikas Traum. Seinen Alptraum. Wie konnte es kommen, dass es zu Trump kommen konnte, fragt Moore und fragt das Richtige. Bloss mit der Antwort verzettelt er sich unendlich. Denn jetzt wird alles herbeigezogen, was in irgendeiner Beziehung zum Versagen des konservativen Amerikas steht, darunter die Wasserkatastrophe von Flint oder die Schiesserei an der Parkland High School.

Und Michael Moore tut, was er seit jeher tut: Er, der eben noch mit Kellyanne flirtete, geht zu den Opfern des Systems. Den schwarzen Familien von Flint, den Überlebenden der Schiesserei, setzt sich dazu, hört zu, wird unweigerlich von der Augennässe der aufrichtigen Betroffenheit überfallen, muss schlucken und auch einfach mal nur schweigen.

FILE - In this March 24, 2018, file photo, Cuban-American and Parkland activist Emma Gonzalez, a survivor of the mass shooting at Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland, Fla., stands silently at the podium for the amount of time it took the Parkland shooter to go on his killing spree during a

Die Parkland-Überlebende Emma Gonzalez gedenkt der Toten. Bild: AP/AP

Es folgt, auch dies seit jeher, der nächste Schritt in der bewährten dramaturgischen Erregungskurve seiner Filme: Er protestiert im Namen der Schwachen bei den Mächtigen. Geht mit einem Glas Flint-Wasser zu einem Mitarbeiter des Gouerneurs von Michigan und bittet diesen, es zu trinken. Fährt mit einem Tankwagen voller Wasser vor die Villa des Gouverneurs und spritzt dessen Rasen. Demonstriert damit wirkungsvoll, aber ohne irgendeine Konsequenz die Ohnmacht derer, mit denen er sich solidarisiert.

Doch Moore wäre nicht er, wenn sich aus der aschgrauen Ohnmacht nicht schillernd wie Phoenix Hoffnung und Protest erheben würden: Moore demonstriert mit den streikenden Lehrerinnen und Lehrern von West Virginia, zeigt Emma Gonzalez bei ihrer mitreissenden Rede über die Toten von Parkland, trifft die neuen jungen Gallionsfiguren der Demokraten.

Alexandria Ocasio-Cortez, the winner of a Democratic Congressional primary in New York, reacts to a passerby, Wednesday, June 27, 2018, in New York. Ocasio-Cortez, 28, upset U.S. Rep. Joe Crowley in Tuesday's election. (AP Photo/Mark Lennihan)

Die 28-jährige Alexandria Ocasio-Cortez ist eins der neuen Erfolgsgesichter der Demokraten. Bild: AP/AP

Er vollzieht auf dem Höhepunkt der Emotionalität und Aufwiegelung, die sich aus seinem satten Agitprop unweigerlich ergibt, den Koitus zwischen Trump und Hitler: Unterlegt den gestikulierenden Hitler mit Trumps Worten. Sagt, dass das Böse ein sich langsam vorwärts bewegender Organismus sei, dem jetzt durch die Kraft des kollektiven Aktivismus' Einhalt geboten werden müsse.

Die Energie, die er dafür aufbringt, die Rhetorik, die Masse der Argumente gehören gewiss zum Bewegtesten, Hässigsten, was er seit Längerem geschaffen hat. Und es ist schier unmöglich, sich seiner dreisten Emotionsdramaturgie zu entziehen. Er weiss schon sehr genau, was er tut. Und vielleicht ist das gelegentliche Abgleiten in gröbere Konfusionen ja nichts anderes als die sehr populistische Aneignung und Zurschaustellung von Trumps eigener präsidialer Verwirrungsstrategie.

«Fahrenheit 11/9» läuft jetzt im Kino.

Viele kleine Schweizer Gewässer gleichen Giftcocktails

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Video: srf/SDA SRF

Indien versinkt im Plastik

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14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • MaskedGaijin 11.10.2018 08:11
    Highlight Highlight Vielleicht sollte er zuerst mal anfangen selber weniger "Fake News" zu verbreiten. So wie im Interview mit der Sonntags Zeitung, wo er sagte, dass es in Kanada und der Schweiz, nach den USA, Weltweit am meisten tote durch Schusswaffen gibt.
  • Muselbert Qrate 11.10.2018 07:42
    Highlight Highlight Moore will Kohle machen..
  • der nörgler 10.10.2018 21:57
    Highlight Highlight Nun, wenn man Dokus wie 'michael Moore hates america' oder 'manufacturing dissent' anschaut, fragt man sich, wieviele male er wohl diesmal lügt und sich irgendwas zurechtbiegt.... Ich kann den nicht mehr ernst nehmen.
  • Clife 10.10.2018 20:44
    Highlight Highlight Also dass Personen wie Beyoncé, Kardashians oder Nicki Minaj schuld daran haben, viele Frauen in den Abgrund zu bringen, ist sehr wohl wahr. Hat aber nicht wirklich was mit Trump zu tun. ABER der Gerechtigkeit halber sage ich auch, dass Menschen wie Ronaldo, Messi oder Neymar Männern als Vorbild dienen und diese mehr auf (Hobby-)Fussball setzen als auf Karriere oder Politik.
  • Billy the Kid 10.10.2018 20:33
    Highlight Highlight Sehr gute Analyse Frau Meier - chapeau.

    Michael Moore ist vor allem deswegen an seine Grenzen gestossen, da er immer davon ausging, dass der "average joe" schon irgendwie immer Recht hat.
    Um doch noch irgendwie Sinn aus der jetzigen Situation zu machen - greift er nun in die gleiche Trickkiste wie Trump und Konsorten: Er übt sich in Schattenboxen mit einem Teil der vermeintlichen Elite, die tatsächlich nichts anderes als abhängige Gestalten, Gespenster und Wasserträger, der tatsächlichen Macht sind.
    Damit ist er Teil des Problems und bietet so ziemlich null Lösungen an.

  • Füdlifingerfritz 10.10.2018 18:21
    Highlight Highlight Eines muss man Michael Moore lassen: Hollywoodreife Propaganda kann er.
    • The Count 10.10.2018 23:52
      Highlight Highlight Nö, nicht eimal das kann er.
  • meine senf 10.10.2018 18:17
    Highlight Highlight *Hoffentlich* hat er übertrieben ...
    • Triumvir 10.10.2018 21:29
      Highlight Highlight Genau das habe ich auch gedacht..denn ohne extreme Zuspitzung erreicht man in den USA leider rein gar nichts....
  • Olmabrotwurst 10.10.2018 18:05
    Highlight Highlight Der einzige der jemals ein gutes Statemant abgab in einem seiner Filme war Marilyn Manson. Ist meine Meinung.
    • Imfall! 10.10.2018 22:32
      Highlight Highlight Ich finde, dass Marilyn wohl nicht der Eizige war, aber mit Sicherheut hat er das beste Statemant abgegeben.
    • Triple 10.10.2018 23:23
      Highlight Highlight Bowling for Columbine
    • Kunibert der fiese 10.10.2018 23:46
      Highlight Highlight Jap.
  • Statler 10.10.2018 17:45
    Highlight Highlight Man darf nie vergessen, dass Moore seine Filme vor allem für Amerikaner macht. Daher die Tonalität, die Übertreibungen und der (z.T. schier unerträgliche) Pathos.

    Über einen seiner früheren Filme hatte ein WOZ-Journi einst geschrieben, der Film hätte ihn überhaupt nicht abgeholt. Sein Fehler war, dass er nicht merkte, dass er auch gar nicht abgeholt werden musste, sondern eben die Amis.

    Moore spielt eigentlich sehr virtuos auf dieser Orgel. Ob er damit auch die Leute erreicht, die Trump nicht mehr wählen sollten, sei dahingestellt.

    Noch ein OT-Filmtipp zum Thema Amerika (nicht von Moore):
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