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Jennifer Aniston, Adam Sandler u.a. in «Murder Mystery»

Wenn Jennifer Aniston so schaut, weiss man ... ach nein, man weiss noch nicht, wie schlimm es wird. Bild: Netflix

Review

Der Netflix-Superhit «Murder Mystery» ist Mord an unserer Lebenszeit!

Jennifer Aniston und Adam Sandler bescheren Netflix den grössten Filmerfolg seiner bisherigen Geschichte. Was einigermassen Besorgnis erregend ist.



Mein Liebesleben und ich sassen vor Netflix und wollten uns überraschen lassen. Etwas anderes blieb uns auch nicht übrig, wir hatten unser Netflix-Segment – sinistre Qualitätsserien, erträgliche Kochshows, Real-Crime-Dokus und «Modern Family» – so ziemlich leer gesehen und bis zur nächsten Staffel «Stranger Things» dauerte es noch ein paar Tage.

«Lass uns DEN Netflix-Überhit schauen», schlug ich vor, «Jennifer Aniston und Adam Sandler, 31 Millionen Zuschauer am ersten Wochenende können sich nicht nur irren, ein All-Time-Netflix-Film-Rekord, das wird sicher der Knaller!» «Okay», sagte mein Liebesleben, «aber ich mach das erstens aus Liebe. Zweitens aus unterhaltungs-ethnologischen Gründen. Ich befürchte Schlimmstes.»

Trailer zu «Murder Mystery»

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Video: YouTube/Netflix

Und es kam schlimmer. Was auf Netflix überraschend oft der Fall ist. Was habe ich da schon probiert. Etwa «What/If» mit René Zellweger: Ein abstruses Meisterwerk des Generalversagens. «Velvet Buzzsaw» mit Jake Gyllenhaal: Lieber Noro-Virus als das, lässt mein Bildschirm ausrichten. «Gypsy» mit Naomi Watts: Wurde wahrscheinlich nicht von einem Menschen, sondern von einer Kehrichtverbrennungsanlage erfunden.

Netflix ist auch nicht immer die Lösung. Und Stars machen jeden Mist für Geld. So wie Aniston und Sandler in «Murder Mystery». Ein Titel, der geradezu knistert vor Anspielungen an das uralte Genre des – nennen wir es mal – Kaminzimmer-Krimis, wie wir ihn von Agatha Christie kennen: Viele Menschen stehen in einem Raum voller Tapetentüren und Polstersessel herum, süffeln Sherry oder Whisky, bis jemand tot umfällt und dann vielleicht noch jemand, und irgendjemand von den vielen war es.

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Wenn Jake Gyllenhaal so schaut, wirds auch nicht besser. Netflix-Original-Schrott «Velvet Buzzsaw». Bild: AP/Netflix

Genau so ist dieser Film. Ein amerikanisches Ehepaar (Aniston und Sandler) – sie Coiffeuse, er Ermittler – holt endlich seine Hochzeitsreise nach Europa nach. Im Flieger lernt sie einen reichen, attraktiven Europäer kennen, der die beiden auf die Yacht seines Onkels mitnimmt. Wo eben dieser Onkel ermordet wird. Und noch einer. Und noch eine. Und so weiter. Und wo langsam alle die beiden Amerikaner verdächtigen. Die ihrerseits den wahren Mörder entlarven.

Es gibt ein bisschen Monaco, ein bisschen Lago di Como, weil Europa ja so exotisch ist, das eine oder andere flotte italienische Auto wird zu Schrott gefahren, irgendwann sagt Sandler zu Aniston: «Weisst du, WIE irre schön du gerade bist!» Echt? Fragten wir uns verdutzt. Wo doch zwischen zwei Tellern im Geschirrschrank mehr Chemie herrscht als zwischen den beiden.

René Zellweger in «What/If»

Bridget Jones we dearly miss you. René Zellweger im von Netflix vertriebenen Schrott «What If». Bild: netflix

Und was ist eigentlich mit dem Drehbuch los? Im Gegensatz zur irrelevanten und unbekannten Regie (von Kyle Newacheck) stammt dieses nämlich von James Vanderbilt. Und der hat vor einem Dutzend Jahren das Drehbuch für David Finchers Meisterwerk «Zodiac» geschrieben. Was ist in der Zwischenzeit mit ihm passiert? Wurde er Opfer eines sinistren Lobotomie-Versuchs? Vielleicht gar in einem geheimen, irgendwo in einem Bunker versteckten Schweizer Labor für Kreativitätsvernichtung?

Jennifer Aniston, Adam Sandler u.a. in «Murder Mystery»

Geile Schauspielerführung kann man angesicht dieses intensiven, expressiven Trios nur sagen, beim Regisseur von «Murder Mystery» muss es sich um ein geschmeidiges Genie handeln. Bild: Netflix

Denn «Murder Mystery», der Netflix-Gassenhauer, der in Amerika GELIEBT wird wie nix Gutes, kommt daher wie der Prototyp der schlechtesten Schweizer Filmkomödie ever. Also so unterirdisch schitter, wie in der Schweiz noch gar nichts gedreht worden ist. Komplett vorhersehbare, hüftlahme Pointen, Dialoge aus Sperrholz, Figuren aus ... ach, man wäre froh, sie wären wenigstens aus Holz!

Furchtbar. Flach. Fail. Vielleicht aber auch einfach ganz normaler, nulldimensionaler, biederer amerikanischer Unterhaltungsmainstream. Und gerade deshalb so erfolgreich. Tja. Unser Pech. Haben wir mal wieder eine Lektion gelernt. Jetzt gilt das Prinzip Hoffnung: Nur noch ein paar Stunden bis «Stranger Things»!

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