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ABD0135_20190729 - BERLIN - DEUTSCHLAND: ARCHIV - 19.12.2018, Berlin: HANDOUT - Marie Sophie Hingst erhält aus den Händen von Award-Mitgründer Daniel Fiene den

«Fräulein Read On» hiess Marie Sophie Hingst in der Blogosphäre. 2017 wurde sie von den «Goldenen Bloggern» als Jahresbeste ausgezeichnet. Bild: APA/Die Goldenen Blogger via obs

Die Bloggerin, die 22 Holocaust-Opfer erfand, ist tot, ihre Fantasie war grenzenlos

Marie Sophie Hingst publizierte einen Bildband mit Brotbelags-Kunst. Und erfand sich selbst und anderen ebenso abenteuerliche wie tragische Biografien.



Plötzlich legte sich Deutschland aufs Brot. Schmierte und schnippelte sich die Seele aus dem Leib. Auf Twitter. Das Ergebnis war der Bildband «Kunstgeschichte als Brotbelag», herausgegeben von der 31-jährigen Marie Sophie Hingst. Da gab es Claude Monets Seerosenteich, nachgestellt auf einer Scheibe Toast mit Pesto, Frischkäse und Tomatensauce. Das «Mädchen mit dem Perlenohrring» aus Wurst und Birne.

Am 18. Juli 2018 hatte Hingst #KunstGeschichteAlsBrotbelag lanciert, ein Hashtag, der es kurzfristig auf Platz eins der deutschen Twitter-Trends schaffte. Im März 2019 erschien das Buch zum Trend. «Wer Kunstwerke bisher als etwas Heiliges betrachtet hat, auf das man höchstens mit einem ehrfürchtig-wissenden Nicken reagieren darf, muss nun stark sein», schrieb die NZZ. «Von wegen brotlos! Deutschlandweit imitieren Menschen berühmte Werke der Kunstgeschichte als Käsestulle oder Marmeladentoast», jubelte der «Spiegel».

Bild

Claude Monets Seerosenteich à la #KunstGeschichteAlsBrotbelag. bild: via twitter/maria kruse

Was war diese Frau Hingst, auf Twitter auch als «Fräulein Read On» bekannt, doch für eine lustige, verspielte, kreative junge Frau! Und das, obwohl sie anderswo, auf ihrem Blog «Read on, my dear, read on» nämlich, seit längerem von der tragischen Holocaust-Vergangenheit ihrer Familie berichtete. Dem Blog folgten 240'000 tief berührte Leserinnen und Leser, 2017 hatte die promovierte Historikerin dafür die Auszeichnung «Bloggerin des Jahres» und 2018 einen Essay-Preis der «Financial Times» erhalten.

Dinge ungefähr der Wirklichkeit nachzubilden, war ihr Hobby. Nicht nur auf Brot. Auch im Blog.

Plötzlich gab es Zweifel an ihrer Holocaust-Story. An den 22 Naziopfern, von denen Hingst berichtete und die sie der Internationalen Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem zur Erfassung gemeldet hatte. Eine Gruppe Historiker entdeckte Widersprüche und Fehler und wandte sich an den «Spiegel». Archivare der Stadt Stralsund bestätigten, dass es die 8 angeblich aus Stralsund stammenden Opfer nie gegeben habe.

Der «Spiegel»-Journalist Martin Doerry, dessen Grossmutter in Auschwitz ermordet wurde und der die Briefe an ihre Kinder unter dem Titel «Mein verwundetes Herz» herausgegeben hatte, begab sich auf die Spuren von Marie Sophie Hingst, die seit 2013 in Dublin lebte.

Eine Zugladung von Opfern, die fuer das Konzentrationslager in Auschwitz bestimmt sind. Die Reichsbahn hat eine  wesentliche Rolle bei der Deportation von Millionen Opfern des Holocausts in die Todeslager gespielt. Die Deutsche Bahn dokumentiert diese Rolle ab Mittwoch, 23. Januar 2008, in der Ausstellung

Eine Zugladung von Opfern, deren Endstation Auschwitz sein wird. Bild: AP

Von 22 Biografien, die Hingst in ihrem Blog regelmässig präsentierte und über die sie gerne auch an Tagungen Vorträge hielt, waren 19 frei erfunden. Und die 3 Menschen, die real existiert hatten, waren weder jüdisch noch in Auschwitz ermordet worden. Ihre Grossmutter etwa war keine Auschwitz-Überlebende, die jedes Jahr mit andern «Auschwitzern» zusammen der Toten gedachte, eine Festivität, während der die Uhren angehalten wurden und für die die kleine Marie Sophie Einladungen verpackt hatte. Die Grossmutter war eine ganz normale, durchschnittliche Protestantin.

Und dann will Hingst auch noch im Alter von nur 19 Jahren in einem Slum von Neu Delhi ein Spital gegründet haben. Auch das ist nicht wahr.

Andernorts tritt sie unter dem Pseudonym Sophie oder Marie-Sophie Roznblatt in Erscheinung. «Roznblatt» wird 2017 zu einer prominenten Autorin und Gesprächspartnerin in der «Zeit» und am «Deutschlandradio». Nicht zum Holocaust, sondern zum Thema «Sexunterricht für männliche Flüchtlinge». Ihr «Zeit»-Artikel «DasProblem mit dem Penis» über ihre Arbeit mit jungen Syrern sorgt weitherum für Aufsehen. Und stimmt nicht.

ABD0036_20181015 - AUSCHWITZ - POLEN: ++ THEMENBILD ++ ZU APA0016 VOM 15.10.2018 - Schuhe getöteter Insassen aufgenommen im KZ Auschwitz (Stammlager) am Freitag, 12. Oktober 2018. Das Konzentrationslager Auschwitz am Staatsgebiet des heutigen Polen war das größte Vernichtungslager des NS-Regimes. Mehr als 1,1 Millionen Menschen verloren dort ihr Leben, rund 900.000 wurden vergast, die übrigen starben an Krankheiten, Hunger, Misshandlungen oder bei medizinischen Versuchen. - FOTO: APA/HELMUT FOHRINGER

Schuhe getöteter KZ-Insassen. Mehr als 1,1 Millionen Menschen verloren in Auschwitz ihr Leben. Bild: APA/APA

Doerry besucht Hingst in Dublin, konfrontiert sie mit seinen Recherchen, nach einer Stunde bricht sie das Gespräch wütend ab. Er erinnert sich an den Fall Relotius. An den Fall Wilkomirski, jenen Schweizer, der eigentlich Bruno Doesekker hiess und sich 1995 eine jüdische Biografie zusammengedichtet hatte.

Am 31. Mai erhält der irische Journalist Derek Scally eine Vorabmeldung, dass der «Spiegel» tags darauf über die Bloggerin aus Dublin berichten werde. Er sieht, wie Hingsts Blog Stück für Stück gelöscht wird. Wenige Tage nach Erscheinen trifft er sich mit ihr. Nicht in Dublin, sondern am Wannsee bei Berlin, wo der Dichter Heinrich von Kleist im November 1811 erst seine Liebste und dann sich selbst erschoss. Gemeinsam stehen sie vor Kleists Grab.

Sie zeigt ihm ein gelbes Stück Stoff in Form eines Judensterns und behauptet, es habe ihrer Grossmutter gehört, der bereits bekannten Protestantin.

Sie erzählt auch, wie sie als 16-Jährige ihre Mutter Rachel mit einer Kugel im Kopf in der Badewanne gefunden habe. Und wie sich ihr Leben seit Doerrys Artikel in Luft aufgelöst habe.

A slightly torn yellow star of David is on display at the Museum Otto Weidt's Workshop for the Blind at 39 Rosenthaler Strasse in Berlin, April 17, 2007. Weidt, who owned a brush-making company during World War II, employed and hid many Jews throughout the war. More than 60 years after the Holocaust, Germany is building its first museum for Germans who hid Jews in their homes during the Third Reich. The

Ein gelber Judenstern, wie ihn Hingsts Grossmutter getragen haben soll. Bild: AP

Sie macht einen derart verstörten Eindruck, dass er fürchtet, der letzte Mensch zu sein, der sie lebend gesehen haben wird. Hingst erzählt ihm von ihrer Stiefmutter Cornelia Hingst. Scally macht sie ausfindig, ruft sie an, fragt sie nach Hingsts leiblicher Mutter Rachel. Eine Rachel habe es nie gegeben, sagt Cornelia, sie selbst sei die leibliche Mutter. «Meine Tochter hat mehrere Realitäten und ich habe bloss zu einer einzigen Zugang», sagt sie, und dass ihre Tochter seit vielen Jahren mit ihrer geistigen Gesundheit kämpfe und in Irland zu neuer Stabilität gefunden habe.

Lass dir helfen!

Du glaubst, du kannst eine persönliche Krise nicht selbst bewältigen? Das musst du auch nicht. Lass dir helfen. In der Schweiz gibt es zahlreiche Stellen, die rund um die Uhr für Menschen in suizidalen Krisen da sind – vertraulich und kostenlos.

Die Dargebotene Hand: Tel.: 143, www.143.ch
Beratung + Hilfe 147 für Jugendliche: Tel.: 147, www.147.ch
Reden kann retten: www.reden-kann-retten.ch

Die Kantonale Kinder- und Jugendförderung okaj zürichlancierte in Zusammenarbeit mit Prävention und Gesundheitsförderung Kanton Zürich und Gesundheitsförderung Schweiz ein Präventionsangebot zur Förderung der psychischen Gesundheit bei Jugendlichen. Mehr dazu: www.undduso.ch

Cornelia Hingst kümmert sich darum, dass ihre Tochter in Dublin nicht von ihrem Arbeitgeber entlassen wird und psychologische Hilfe erhält. Regelmässig meldet sie sich bei Scally. Am Donnerstag, den 18. Juli allerdings mit der Nachricht, dass die Polizei Marie Sophie tags zuvor tot in ihrem Bett gefunden habe.

Ein Leben ist zu Ende. Die damit verbundenen Lügen, die von Hingst in letzter Verzweiflung als Literatur deklariert wurden, auch.

Ihren Blog gibt es schon lang nicht mehr. Auch ihr «Zeit»-Artikel wurde gelöscht. Jüdische Organisationen monierten, dass Hingst mit ihren Fake-Biografien das Elend echter Überlebender verhöhnte. Am 31. Juli wird sie in Wittenberg, wo sie aufwuchs, zu Grabe getragen. Nur die «Kunstwerke als Brotbelag» verkaufen sich munter und bleiben als zynische Fratzen über dem Ableben ihrer Erfinderin stehen.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Satan Claws 01.08.2019 12:22
    Highlight Highlight Sie war psychisch krank und wie jene die unreflektiert alles glauben.
  • Bowell 31.07.2019 23:58
    Highlight Highlight Auf Twitter wird so schnell gehypt und gehasst, das es mir einfach ablöscht.
    • Spooky 01.08.2019 04:57
      Highlight Highlight @ Bowell

      Nicht nur auf Twitter.
      Aber ich sage jetzt nicht, auf was auch noch. 😶😁
  • Asparaguss 31.07.2019 23:46
    Highlight Highlight Ich lese fast jede Woche Gesuchten eines Journalisten der sich immer und immer wieder dasselbe wünscht, den Untergang eines Politikers. Geht in dieselbe Richtung
    • DieFeuerlilie 01.08.2019 11:29
      Highlight Highlight Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich..
  • Th. Dörnbach 31.07.2019 19:53
    Highlight Highlight Ich finde es völlig daneben, dass teils dem Spiegel eine Mitschuld gegeben wird. Solche Lügengeschichten aufzudecken ist eine Aufgabe des Journalismus.
    • Moretti 31.07.2019 21:10
      Highlight Highlight Das sehe ich auch so, aber "c'est le ton qui fait la musique". Der Spiegel Reporter hatte sich bei ihr angemeldet mit dem Vorwand, über ihr neues Buch zu sprechen und hat sie dann mit den Vorwürfen überrascht. Die Irish Times, resp. Derek Scally, hat gezeigt, dass Journalismus auch anderst geht.
    • Th. Dörnbach 31.07.2019 23:28
      Highlight Highlight Hier noch ein guter Kommentar dazu: https://www.juedische-allgemeine.de/politik/das-ende-der-kritik/
    • Butschina 01.08.2019 03:55
      Highlight Highlight Einerseits finde ich es gut, wurde aufgedeckt, dass die Geschichten erfunden waren. Aber der Spiegel hätte tatsächlich etwas sensibler mit der Frau umgehen dürfen. Ihr Vorgehen war nie böswillig. Man hätte auf die Krankheit eingehen sollen und aufzeigen warum so was entsteht.
      Dennoch direkt dem Spiegel die Schuld geben ist nicht korrekt. Schuld war die Krankheit.
    Weitere Antworten anzeigen
  • DemonCore 31.07.2019 19:11
    Highlight Highlight Wie sie ihre Kritiker in der Kommentarspalte der Zeit und auf ihrem Blog abgefertigt hat, schien sie mir aber nicht besonders sensibel gewesen zu sein. Jetzt ist sie leider tot und es ist zu spät, aber man darf auch mal darauf hinweisen, wie arrogant Hochstapler und Wichtigtuer sind, solange sie noch oben auf schwimmen.

    Sie wurde frühzeitig von Kritikern auf Unstimmigkeiten angesprochen. Die Zeit-Redaktion hat Kritik auch gerne mal gelöscht oder gekürzt. Der Journalismus hat in dieser Angelegenheit keine gute Falle gemacht.
  • TNBM 31.07.2019 18:55
    Highlight Highlight mich verwirrt die geschichte.
    was war ihre absicht?
    wollte sie einfach nur „erkannt“ werden?
    war sie als kind eine aussenseiterin, welche durch solche geschichten ansehen erlangen wollte?
    wollte sie damit insgesamt der jüdischen gemeinschaft helfen?


    ...ich stehe mir wohl gerade selbst auf dem schlauch...

    die geschichte wühlt mich auf.
    sie hatte psychische probleme, wie dem artikel zu entnehmen ist, doch was möchte man nun damit sagen?


    mein aufrichtiges beileid den hinterbliebenen.
    • Spooky 31.07.2019 20:17
      Highlight Highlight @kotwort: scheisse

      Kinder erzählen die verrücktesten Phantasiegeschichten und glauben selber daran. Sie unterscheiden noch nicht zwischen Phantasie und Realität. Es gibt Menschen, die bewahren diese Eigenheit ihr ganzes Leben lang. (Nur so als Denkanstoss gemeint.)
    • Asho 31.07.2019 20:18
      Highlight Highlight Ohne Ferndiagnosen stellen zu wollen, aber anhand des Bericht und den Äusserungen der Mutter („verschiedene Realitäten“) könnte eine Form der multiplen Persönlichkeitsstörung vermutet werden.
    • lilie 31.07.2019 21:12
      Highlight Highlight @Kotwort: Ich bin Psychologin, aber die Angaben sind zu dürftig, um Rückschlüsse auf eine mögliche zugrundeliegende Erkrankung zu ziehen.

      Die Mutter spricht von "mehreren Realitäten". Solche Phänomene können zum Beispiel Teil einer psychotischen Erkrankung sein - in diesem Fall vermutlich einer chronisch produktiven, was nicht die Regel ist.

      Es könnte sich aber auch um sogenannte dissoziative Phänomene handeln. Dabei würde die junge Frau Dinge tun, von denen sie nachher nichts mehr weiss.

      Ich halte es aber auf jeden Fall für möglich, dass die Frau ihre Geschichten selber für wahr hielt.
    Weitere Antworten anzeigen
  • DerBenutzer 31.07.2019 18:48
    Highlight Highlight Heute gerade in Auschwitz gewesen. Da sind genug Menschen gestorben, ohne dass wir noch welche dazuerfinden.
    • DemonCore 31.07.2019 20:12
      Highlight Highlight Offenbar ist diese Holocaust-Hochstapelei gerade im deutschsprachigen Raum ein gar nicht so seltenes Phänomen. Eine Art Verarbeitung der Schuld, mit einer oder zwei Generationen Verspätung. Aus psychiatrischer Sicht sehr interessant. Aber ich verstehe auch die jüdische Perspektive, weil solche Geschichten natürlich die Holocaust-Leugner in ihrer Verschwörungstheorie bestätigt.
    • Drüü 31.07.2019 20:15
      Highlight Highlight In Auschwitz sind die Menschen nicht einfach gestorben. Sie wurden brutal ermordet.
    • Sergio Colleoni 01.08.2019 03:37
      Highlight Highlight Hast Du das Postbüro besucht, wo die Rotkreuzpakete für die Häftlinge sortiert wurden?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Couleur 31.07.2019 18:42
    Highlight Highlight Marie Sophie Hingst ist/war aus meiner Sicht zweierlei: Eine höchst talentierte Erzählerin und eine psychisch schwer kranke Frau. Und bei zweitem spreche ich nicht von "psychischen Problemen" sondern von einer schwerwiegenden Erkrankung. Und diesen Fakt hätte der Spiegel bei der Veröffentlichung seiner Geschichte einbeziehen müssen, denn es war eine krasse Blossstellung, die zwar den Tatsachen entsprach, aber nicht das höchst sensible Wesen der Frau einbezog. Man hätte ihr besser Hilfe und die Chance auf eine eigene Stellungsnahme zu den Erfindungen angeboten.
    • Saraina 31.07.2019 19:33
      Highlight Highlight Hilfe kann man auch nur anbieten, wo sie angenommen werden kann. Ich bezweifle, dass die Frau zu einer angemessenen Stellungsnahme fähig gewesen wäre.
    • DemonCore 31.07.2019 19:45
      Highlight Highlight Die Stellungsnahmen gab es. Ganz zu Anfang gönnerhaft und arrogantin der Zeit-Kommentarspalte und auf ihrem Blog, dann aufgebracht am Telefon und persönlich mit dem Spiegeljournalist und zum Schluss hat sie mit dem Anwalt gedroht. Dann hat sie gesagt ihr Blog sei literarisch anstatt biographisch und dann hat sie angefangen zu löschen.
    • Saraina 31.07.2019 20:48
      Highlight Highlight Auch tragisch.
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