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Bis dass der Swipe euch scheidet? Ein Tinder-Ehepaar erzählt aus seinem Liebesleben

Martyna Rieck / watson.de



Ploppt beim Tindern die Meldung «It's a Match!» auf, ignoriere ich diese häufig und mache erstmal weiter mit dem Swipen. Da muss doch noch etwas 'besseres' dabei sein, denke ich. Ist es meistens nicht. Hat meine Langeweile irgendwann ihren Zenit erreicht, tausche ich vielleicht doch noch die eine oder andere Nachricht aus – alles ziemlich halbherzig. Klappt doch eh nie. Doch, tut es.

Ich kenne (t)in der Tat einige Paare, die sich über die weltweite Dating-App-Sensation kennengelernt haben. Das ganze wäre auch sonst eine sehr traurige Angelegenheit und wahrscheinlich würden sich die Singles dort in Scharen wieder abmelden. Was die meisten Erfolgsstories gemeinsam haben? Sie haben sich zu Tinders Anfängen, also in etwa zur selben Zeit, als der Ikea-Affe viral ging, kennengelernt – damals, so bummelig im Jahr 2012, als sich noch nicht jeder willige und untervögelte Single (oder Vergebene, soll's ja auch geben) ein Profil zugelegt hatte.

Zu dieser Kategorie gehören auch Sarah und Alex (Namen geändert). Gefunden habe ich sie während meiner Recherche zum Thema #TinderWedding – ein Hashtag, der gerade in den USA immer häufiger unter den Posts von frisch vermählten Paaren auftaucht. Aktuell sind darunter knapp 2'000 Fotos vertaggt. Und weil die Amerikaner Mottos lieben, zieht sich das Thema Tinder bei vielen durch die gesamte Hochzeitsfeier: Dekorationen, Einladungen, ja sogar Torten im Stil der App sind zu sehen. Die Amis, you gotta love them!

Unser deutsches Paar hat seine Zeremonie dann doch etwas klassischer gehalten, aber trotzdem den deutschen Hashtag #TinderHochzeit verwendet. Dort haben sie sehr wenig Konkurrenz – bloss neun Fotos sind darunter zu finden. Sind sie also die ersten Deutschen, die sich öffentlich, ohne Scham und ganz offiziell, auf Tinderisch trauen? Schon möglich! Also bin ich mal eben in ihre DMs geschlittert, wie man heute so schön sagt, und wollte unter anderem wissen, wie viele Horrordates sie auf sich nehmen mussten, bevor sie zueinander fanden, und was ihre Grosseltern zu der ganzen Sache eigentlich so sagen.

Er wohnte damals in der Nähe des Bahnhofs Köln-Ehrenfeld und hatte bei Tinder einen Radius von 2 km eingestellt. Wir können uns daher nur gematcht haben, als ich mit dem Zug dort durch gefahren bin.

Wie und wann habt ihr euch genau kennengelernt?
Das war im September 2014. Ich tingelte gerade zwischen den Städten Münster (da habe ich bis zu dem Zeitpunkt studiert), Köln (da komme ich her) und Bonn (da bin ich im Oktober 2014 fürs Referendariat hingezogen) hin und her. Er wohnte damals in der Nähe des Bahnhofs Köln-Ehrenfeld und hatte bei Tinder einen Radius von 2 km eingestellt. Wir können uns daher nur gematcht haben, als ich mit dem Zug dort durch gefahren bin. Seine Fotos fand ich gar nicht so schön, aber er bekam von mir einen «Mitleidslike», da ich vorher schon so viele weggedrückt hatte. Dann haben wir geschrieben. Als ich erfahren habe, dass er auch Lehrer ist, habe ich erstmal zwei Wochen nicht geantwortet, da ich keinen Lehrerfreund haben wollte. Später hat mich dann eine Freundin überredet, ihm doch nochmal zu antworten.

Dann ging alles ganz schnell, schreibt sie:

Erstes Schreiben: September 2014

Erstes Date: 22. Oktober 2014

Fest zusammen: 1.11.2014

Gemeinsame Wohnung: 1.6.2015

Hochzeit: 14.8.2018 (standesamtlich) / 20.10.2018 (kirchlich)

Wie viele Tinderdates hattet ihr vorher mit anderen?
Jeder von uns hatte Tinder etwa ein halbes Jahr zuvor installiert und etwa acht Dates mit anderen.

Mein Argument, zu tindern: Die einzigen, die ich künftig kennenlernen könnte, würden die Väter meiner Schüler sein!

Wie stehen eure Grosseltern zu eurem neumodischen Anfang?
Unsere Grosseltern haben das nicht richtig verstanden, da sie dieses Internet auch nicht wirklich verstehen. Mir wurde zu Tinder immer gesagt, dass das eine Restverwertung sei, ob ich das nötig hätte und ob ich mir dazu nicht zu schade sei. Auch mein Vater sagte mal: «Ihr seid doch beide hübsche Menschen. Warum seid ihr auf einer Dating-App gewesen?» Mein Argument war immer, dass ich kurz vor dem Referendariat stehe, in der Grundschule eigentlich nur Frauen arbeiten, in meinen Freundeskreisen keine Single-Männer sind, meine Mädels auch keine (interessanten) Single-Männer kennen und die einzigen, die ich künftig kennenlernen würde, die Väter meiner Schüler seien (die ich natürlich auch nicht wollte!).

Geht ihr ehrlich mit eurer Kennenlernstory um oder muss schon mal eine Notlüge her?
Ja, wir wurden bei der Hochzeit gefragt, ob wir Geld von Tinder bekämen für die ganze Werbung. Mein Schwager ist evangelischer Pfarrer und sprach während seiner Predigt in der Kirche immer wieder das Wort «tinderleicht». Natürlich war dies auch Thema in den Reden. Mein Mann und ich hatten als Überraschung ein Memory-Spiel für die Gäste vorbereitet, auf dem immer auf der einen Seite ein Foto von uns war und auf der anderen das Tindersymbol mit dem Spruch «It's a Match». Jeder Gast musste aus einem Beutel eine Memorykarte ziehen, sein Blind Date suchen und finden, gemeinsam einen trinken und ein Foto machen fürs Gästealbum. Ich sage immer, dass wir nicht die schönste Kennenlerngeschichte haben, aber dass wir froh sind, dass es die App gibt und wir auf diesem Wege unseren Seelenverwandten gefunden haben.

Werdet ihr auch den Hashtag #TinderBaby setzen?
Mit Sicherheit werden wir das! Denn ich bin auch irgendwie stolz drauf, dass wir zeigen können: Ja, es klappt!

Ich muss weg, mein Profil aktualisieren!

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