Leben
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Ein Schweizer Professor erklärt, wieso es mit deinem Leben ab 23 bergab geht

Bild: flickr

Prof. Dr. Hannes Schwandt ist sehr jung. Trotzdem hat er herausgefunden, wieso die Menschen in manchen Lebensabschnitten glücklicher sind als in anderen.



Das Glück diskriminiert nicht. Egal ob reich, arm, schwarz, weiss, Mann oder Frau – wie zufrieden wir mit unserem Leben sind, steht im direkten Zusammenhang mit unserem Alter.

Dies behauptet der Schweizer Ökonomieprofessor Hannes Schwandt. Er beschäftigt sich mit der Lebenszufriedenheit der Bevölkerung. Dabei fällt ihm auf, dass unabhängig von Geschlecht oder Einkommen, Menschen im Alter von 23 und 69 am glücklichsten sind. Dazwischen verläuft die Kurve u-förmig.

Smiley Glück

grafik: watson

Wir haben nachgehakt und den 34-jährigen Wissenschaftler um Erklärungen gebeten.

Hallo, Herr Schwandt. Ich werde bald 21. Laut Ihrer Arbeit habe ich noch zwei glückliche Jahre vor mir. Danach werde ich 46 Jahre lang unglücklich sein. Stimmt das?
Hannes Schwandt: So einfach kann man das nicht sagen. Die Daten zeigen zwar, dass man Mitte 20 und Ende 60 am glücklichsten ist, doch das passiert nicht auf einen Schlag. Ausserdem handelt es sich um Durchschnittswerte. Einer einzelnen Person stehen alle Wege offen. Also keine Angst.

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Professor Dr. Hannes Schwandt, 34, ist Assistent Professor am Economics Department und am Jacobs Center for Productive Youth Development an der Universität Zürich. bild: zvg

Wie und wann kommt denn das Unglück?
Es hat sich in den verschiedensten Studien gezeigt, dass die Lebenszufriedenheit in Bezug auf das Alter eine U-Kurve bildet. Mit 20 sind die meisten Leute noch sehr optimistisch gestimmt. Sie haben das Privileg zu träumen; von einer Karriere als Fussballprofi oder dem Leben als Popsängerin. Und wenn dann Mitte 20 der erste Traum platzt, muss man sich keinen Stress machen. Es bleibt noch immer genug Zeit, um eine erfolgreiche Anwältin oder ein renommierter Schriftsteller zu werden. Mit zunehmendem Alter kommt jedoch eine immer höhere Torschlusspanik ins Spiel. Und mit ihr schleicht sich dann eben auch die Unzufriedenheit ins Gemüt.

Die eigene Zufriedenheit wandert in den Keller, weil wir glauben, aus uns könnte nichts mehr werden.

Sprechen Sie etwa von der «Midlife Crisis»?
Ja, genau. Aber anders als bisher schaue ich die Midlife Crisis nicht als ein Phänomen an, dass Manager dazu verleitet, ihre Frau gegen eine jüngere Version einzutauschen und sich einen Porsche zu kaufen, sondern als einen natürlichen Zustand. Eine Lebensphase, die die meisten einmal durchleben müssen.

Das Bild vom Manager, der sich einen neuen Haarschnitt verpasst, ist doch mittlerweile passé. Es wird abgelöst von Postteenagern, die nicht wissen, wohin mit ihrem Leben. Was sagen Ihre Studien denn über die «Quaterlife Crisis»?
Die Quarterlife Crisis ist ein Phänomen, das nur in einer kleinen Gesellschaftsgruppe eintrifft. Es kann also nicht in jene gesamtgesellschaftliche U-Kurve integriert werden. Ich denke, dass die Mitt-20er-Krise aber von ähnlicher Natur ist wie die Midlife-Crisis. Die eigene Zufriedenheit wandert in den Keller, weil wir glauben, aus uns könnte nichts mehr werden.

Ich kann mir vorstellen, dass auch die langen Bildungswege, gekoppelt mit den unglaublich vielen Möglichkeiten und Angeboten, diese Stimmung zu verantworten haben. Ständig plagt einen das Gefühl vom richtigen und schnellsten Weg abzukommen, obwohl wir im Grunde wissen, dass es einen solchen gar nicht gibt. Auch hier geht es wieder um unerfüllte Erwartungen.

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bild: imgur

Wir werden also unglücklich, weil wir unseren hohen Erwartungen nicht gerecht werden. Eigentlich frustriert uns gar nicht das eigene Leben, sondern das Leben, das wir uns erträumt haben? 
Genau.

Wie kommen Sie zu dieser Schlussfolgerung?
Die U-Kurve an sich gibt es eigentlich schon lange. Ich stütze mich bei meinen Untersuchungen auf die Daten einer deutschen Studie, die seit 1984 jedes Jahr dieselben 23'000 Menschen zu ihrer Zufriedenheit befragt. Neben der Standardfrage «Wie zufrieden sind sie momentan?» wird dort auch noch die Frage «Wie zufrieden werden sie in fünf Jahren sein?» gestellt.

Was ist daran so spannend?
Eigentlich sollte man ja denken, dass es zum Allgemeinwissen zählt, dass wir im mittleren Alter eine Durststrecke durchmachen. Man würde erwarten, dass die Leute ihre Zukunft realistisch einschätzen können. Das Interessante ist aber, dass genau das Gegenteil der Fall ist. In jungen Jahren antizipieren die Menschen nicht, dass es mit ihrer Lebenszufriedenheit bergab gehen wird, sie erwarten im Gegenteil auch noch, dass ihre Lebenszufriedenheit stark steigen wird.​

Junge Menschen denken sich: Bei mir wird alles gut laufen.

Wieso kommt man denn Ende 60 wieder aus dem Dilemma raus?
Im Verlauf der Phase zwischen Anfang 40 und Ende 50, wenn die Leute so richtig im Keller der Gefühle sitzen, geht auch ihre Erwartung an ein zufriedenes Lebens verloren. Da sind die Menschen dann gleichzeitig enttäuscht von der Vergangenheit und sie haben die Hoffnung für die Zukunft verloren. Ihnen wird dann alles ein bisschen egal. Die beiden Kurven der momentanen und die der erwarteten Lebenszufriedenheit treffen sich in einem Tiefpunkt. Interessanterweise geht es von genau diesem Moment an wieder bergauf mit ihnen. Die Menschen erwarten eben tendenziell nie das, was sie dann wirklich erleben.

bild: wallhaven

Wieso überschätzen wir uns in jungen Jahren so sehr?
Anders als andere Wissenschaftler glaube ich nicht, dass diese Denkweise etwas mit Smartphones oder mit dem Kapitalismus zu tun hat. Ich glaube, es gibt evolutionäre Gründe dafür.

Welche?
Der Optimismus ist ein wichtiges Instrument der Evolution. Wenn junge Menschen eine realistische Vorstellung davon hätten, was es heisst, Nachwuchs grosszuziehen, würden wohl sehr viel weniger Leute Kinder kriegen. Diese Optimismus übersetzt sich in andere Lebensaspekte. 

Junge Menschen denken sich: Bei mir wird alles gut laufen. Meine Ehe wird funktionieren, meine Kinder werden gesund und mein Gehalt überdurchschnittlich hoch sein. Egal ob das alles eintrifft oder nicht, es wird sich nicht so befriedigend anfühlen, wie man es sich vorgestellt hat.

Und mit der Zeit gibt es dann einen Lernprozess?
Ja. Zudem gibt es zu diesem Thema eine interessante Studie von Neurowissenschaftlern aus Hamburg. Dort hat man mit älteren und mit jungen Menschen Spiele gespielt, bei denen es mit zunehmendem Risiko Geld zu gewinnen gab. Spielt man zu lange, kann man alles verlieren, hört man zu früh auf, geht einem möglicherweise ein hoher Gewinn durch die Lappen. Sobald sich die Teilnehmer für den Spielabbruch entschieden, wurde ihnen gesagt, was sie bei einer längeren Teilnahme gewonnen hätten. Man hat sie darauf mit ihren verpassten Chancen konfrontiert. Bei den älteren Menschen gingen dabei weder Herzschlag noch Hirnaktivität hoch. Bei den Jüngeren dafür umso deutlicher.

Was würden sie den jungen und was den älteren Menschen raten?
Den Jungen würde ich raten, sich weniger verkrampft ein fixes Zukunftsbild von sich selber zu erstellen. Leuten zwischen 40 und 50 würde ich auf die Schulter klopfen und ihnen versichern, dass sie nicht die Schuld tragen, dass es bei ihnen momentan nicht ganz so gut läuft. Und mit den älteren Menschen würde ich wahrscheinlich einfach herzhaft lachen. 

Zum Thema Zufriedenheit: Das sind die lebenswertesten Länder der Welt

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    Alle Leser-Kommentare
  • thzw 20.04.2017 15:35
    Highlight Highlight Schlimm ist doch, dass die Gesellschaft von uns erwartet, dass wir um jeden Preis glücklich sind (und uns dann nicht einmal erklären ​kann, was das überhaupt ist...)
  • Gummibär 19.04.2017 22:10
    Highlight Highlight Eine sog. Bullshit Studie die mit dem goldenen Elefantendung respektive einem Ehrendoktor belohnt werden sollte. Wurde Montag früh gefragt oder Freitagabend ? Waren die Befragten Bauern, Künstler, Raumpfleger oder gar frustrierte Professoren ?
    Eins ist sicher : Pessimisten sind am glücklichsten. Ihr ganzer Tag ist voller positiver Ueberraschungen.
    29-39-49-59-69 alle auf einer leicht ansteigenden Kurve. Mal sehen wie es weitergeht :-)
  • mrmikech 19.04.2017 09:15
    Highlight Highlight Diese forschung wurde vor einige jahren schon im ausland gemacht. Soll zumindest erwähnt werden.
  • rodolofo 19.04.2017 07:58
    Highlight Highlight U-Kurve?
    Die Vorstellung gefällt mir.
    Vielleicht hat es mit Verpflichtungen zu tun.
    Nach der ersten Pubertät um die 20 haben wir noch nicht so viele Verpflichtungen und stürzen uns unbekümmert in persönliche- und Arbeits-mässige Beziehungen, aus denen uns dann sehr viele Verpflichtungen erwachsen, die uns einerseits zu einem Teil eines "Organismus" machen (Integration in die Gesellschaft), die uns aber andererseits wie schwerer Ballast am Boden halten und am fliegen hindern.
    Nach der zweiten Pubertät (midlife-crisis) läuft der Prozess umgekehrt: Die Verpflichtungen nehmen ab, Freiraum kommt.
  • SJ_California 19.04.2017 00:00
    Highlight Highlight Wieso wird der gute Dr. im Interview nicht gefragt ob das auch auf ihn zutrifft? Mit 34 müsste er sich ja in einer ziemlichen Krise befinden...

    (Sorry, falls ich etwas überlesen habe)

    • pamayer 19.04.2017 11:09
      Highlight Highlight Genau deswegen diese Studie...
  • Theodorli 18.04.2017 23:09
    Highlight Highlight Einfach gesagt:
    In den ersten 10 J. lernt man denn Körper zu brauchen.
    10 bis 20 den Intellekt zu schulen und entdecken.
    20 bis 30 lernt man die "Werkzeuge" zu benutzen.
    30 bis 40 die "Werkzeuge" zu gebrauchen.
    40 bis 50 das eigene "Werk" zu erstellen.
    50 bis 60 sollte man von der Arbeit gut leben können.
    60 bis 70 anfangen das Altern zu lernen.
    70 bis weit als möglich das Alter genießen.

    Theoretisch wenn alles gut läuft.
    • pedrinho 19.04.2017 13:38
      Highlight Highlight IMO (ü60) rueckblickend gar nicht so daneben....

      ps.
      "60 bis 70 anfangen das Altern zu lernen" - und zu akzeptieren ;)
  • Gohts? 18.04.2017 22:56
    Highlight Highlight Herzliche Gratulation, Prof. Dr. Hannes Schwandt. Tolle Arbeit, wirklich.

    Die Ausrede für Ihre Depression im Anfangsstadium sollte mit dem Nobelpreis belohnt werden.
  • Toerpe Zwerg 18.04.2017 22:45
    Highlight Highlight Mit 40 nochmal was riskieren zahlt sich in jedem Fall aus. Auch wenn es schief geht.
  • Burdleferin 18.04.2017 21:54
    Highlight Highlight Wenn ich mit 34 eine tolle Professorin wäre, würde ich auch die Unzufriedenheit aller ausser mir studieren.
  • pamayer 18.04.2017 20:56
    Highlight Highlight Zwischen 25 und 50 etwa sind die Jahre der Brutpflege.
    Wer's kennt weiss es, wer's weiss, glaubt es: der längste Marathon deines Lebens: never ending.
    Das heisst, alles was es beinhaltet auf dem gut schweizerischen und sehr steinigen Boden für Familien. Trotz CVP.
    Nachher fliegen die Vögelchen langsam aus und das Leben beruhigt sich wieder etwas.
  • Chewbacca 18.04.2017 19:53
    Highlight Highlight "...ist sehr jung. Trotzdem hat er herausgefunden..."

    Hä?
  • El Schnee 18.04.2017 19:38
    Highlight Highlight Solche Theorien sind etwas müssig. Sie lenken letztlich ab von dem ab, was Menschen um 23 zu beschäftigen beginnt: die Sicherung der eigenen Existenz unter zum Teil unbefriedigenden Bedingungen. Es träumt wirklich nicht jede(r) vom Dasein als Popstar oder ähnlichem, aber vielleicht von angemessener Wertschätzung und sozialer Gerechtigkeit. Der Zustand Glücklichsein ist eher einer der bereits innerhalb eines Tages schwanken kann. Man kann diese Dinge nicht objektiv vermessen, aber die Psychologie und modischer Neurologie neigt leider oft dazu Menschen und ihre Lebensläufe zu observieren.
    • Armando 19.04.2017 18:05
      Highlight Highlight Manche benehmen sich mit 23 noch so, als wäre das Leben ein Kindergarten. Tendenz stark steigend.
  • Liselote Meier 18.04.2017 18:40
    Highlight Highlight Naja paar Fakten wären noch relavant vorallem wer die 23'000 befragten sind, klingt schwer nach nur Abi. Einer mit einem Hauptschulabschluss hatt schon eine ganz andere Kurve, da ist mit 23 nichts mehr mit Gross träumen, und im Alter ist das erste Rentenjahr wohl ein Glücksmoment, mit 69 muss man gucken das man mit der Rente über die Runde kommt.

    Das ist aber genau so "Grob", da Glück ab einer gewissen Stufe ziemlich Subejktiv ist wenn die Grundbedürfnisse gestilt sind.

  • Vio Valla 18.04.2017 18:02
    Highlight Highlight War beim mir genau so. Mit 25ig ne schwere Krise bekommen, weil ich nicht mal ansatzweise da war wo ich sein wollt. Nach zwei Jahren rumheulen den Finger aus dem Arsch genommen und nun mit Vollgas im letzten Moment noch die richtige Abzweigung erwischt. Jetzt mit bald 30ig geht es mir wieder gut. Bis zur nächsten Krise 😅🙈
  • bernd 18.04.2017 17:16
    Highlight Highlight Nachgehackt, das klingt etwas schmerzhaft. Und bei dass/das besteht auch noch etwas Potenzial. Inhaltlich ist das Interview aber ziemlich interessant.
  • äti 18.04.2017 17:01
    Highlight Highlight Vielleicht müsste man den Ausdruck "Glück" definieren. Nach meiner Erfahrung habe ich (resp mein Leben) 'Glück' laufend neu definiert. Was mir heute 'Glück' bedeutet ist gänzlich verschieden von dem mit 20. Nicht vergleichbar und nicht bewertbar.
    • mein Lieber 18.04.2017 17:28
      Highlight Highlight Genau das empfinde ich auch so. Gemäss Grafik wäre ich nun am unglücklichsten mit 44, dabei finde ich fast täglich neue Wege und Gründe zum Glück.
    • Datsyuk * 18.04.2017 17:50
      Highlight Highlight Glück ist (zum Glück) subjektiv.
  • Datsyuk * 18.04.2017 16:59
    Highlight Highlight Ich werde im Sommer 30 Jahre alt und befinde mich auf der "i-Linie". Alles gut!
  • Duscholux 18.04.2017 16:59
    Highlight Highlight Ab 25 wird alles teurer. Lohnabgaben, Telefon, Internet, Zugbillet, etc.
    • Altweibersommer 18.04.2017 18:15
      Highlight Highlight Mit dieser Einstellung wirst du nie glücklich
    • äti 18.04.2017 20:23
      Highlight Highlight Ab 65 schrumpft das Einkommen .. 😈 dafür blähen sich ein paar Ausgaben auf .. 😢

Es begann, als er Raumschiffe in der Bibel fand: Erich von Däniken und die Ausserirdischen

Erich von Däniken (84) ist einer der weltweit bekanntesten Schweizer. Er hat über 75 Millionen Bücher zum Thema «Ausserirdische» verkauft. Im Interview spricht er unter anderem über den Glauben an Gott, das Leben nach dem Tod, er erzählt über seinen Werdegang vom Hoteldirektor zum Bestseller-Autor und was beim Mystery Park schief gelaufen ist.

Feiern Sie auch Weihnachten?Erich von Däniken: Ja, ganz traditionell zusammen mit meiner Familie.

Sie erahnen, warum wir diese Frage stellen?Nein.

Mit ihren Theorien – die Götter waren ausserirdische Besucher, wir stammen von Ausserirdischen ab – kann der Eindruck entstehen, Engel seien bloss Astronauten.So ist es ganz und gar nicht. Ich bin in christlicher Tradition erzogen und nie ein gottloser Mensch geworden. Ich bin nach wie vor Mitglied der Katholischen Kirche und ich bete jeden Tag. …

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