Mafia & Co
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Abgehörte Telefonate

Mafia in Rom macht Geld mit Flüchtlingen

Die italienische Polizei ist mit Razzien gegen die Mafia in Rom vorgegangen. Jetzt veröffentlichte Telefonmitschnitte zeigen, dass die Mafiosi mit der Unterbringung von Flüchtlingen Geschäfte machen und bis ins Stadtparlament vernetzt sind.

03.12.14, 22:27

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Die Mafia in Rom hat offenbar mit Flüchtlingen und der Manipulation von öffentlichen Aufträgen Millionen gemacht. Das geht aus Protokollen von abgehörten Telefonaten hervor, die die Staatsanwaltschaft nun veröffentlicht hat. «Die Gewinne machen wir mit den Zigeunern, den Notunterkünften und den Einwanderern», prahlte Salvatore Buzzi, Komplize des mutmasslichen Mafia Bosses Massimo Carminati, demnach in einem abgehörten Gespräch. Man habe das Jahr mit «40 Millionen Euro Umsatz abgeschlossen», ist in dem Video zu hören.

Der Mafioso Salvatore Buzzi am Telefon, über Flüchtlinge redend: Weisst du, wie viel ich mit Einwanderern verdiene? Hast du eine Ahnung, ... Frau: Du wirst ja wohl kaum mit einer Baustelle Milliarden verdienen ... Buzzi: Das Drogengeschäft bringt weniger ein.  askanews/youtube

Der italienischen Polizei war am Dienstag ein wichtiger Schlag gegen die römische Mafia gelungen. Sie nahm 37 Menschen fest - darunter hohe Funktionäre des Öffentlichen Dienstes und der Politik. Insgesamt wird gegen einhundert Menschen ermittelt, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtet. Unter ihnen ist der frühere Bürgermeister der Hauptstadt Rom Gianni Alemanno. Die Vorwürfe lauten Bildung einer mafiösen Vereinigung, systematische Korruption, Kreditwucher, Geldwäscher.

Buzzi: Weisst du, wie viel ich Luca bezahle? 5000 Euro im Monat. Er muss sich ein wenig anstrengen ... Ein anderer hält Beziehungen zur Kommune für 1500. Ein anderer ... 7050 .... ein Stadtrat 10'000 Euro im Monat. Mann: Jeden Monat? Buzzi: Ja, aber wir bekommen alles wieder rein. Dieses Jahr haben wir mit 40 Millionen Umsatz abgeschlossen ... die Gewinne haben wir mit den Zigeunern gemacht, mit den Notunterkünften und den Einwanderern.

Der mutmassliche Kopf der römischen Mafia, Massimo Carminati, ist in Italien kein Unbekannter. Der rechtsextreme Boss, der in den Siebzigerjahren laut taz.de zunächst als Rechtsterrorist und später in einer römischen Verbrecherbande Karriere machte, soll die Strukturen unabhängig von Mafia-Organisationen in Süditalien aufgebaut haben. Die Hauptstadtmafia sei nicht nur eine Bande von Kriminellen, sondern bestehe aus einem Netz von unverdächtigen Firmen, berichten italienische Medien.

In this Dec. 2, 2014 handout photo Italian Carabinieri arrest Massimo Carminati, center, in Rome. Carminati, alleged far-right domestic terrorist in the 1970s, was arrested along with other 36 people in a sweeping probe of ties between gangsters based in the Italian capital and allegedly corrupt city politicians. Dozens of other suspects, including Gianni Alemanno, Rome's previous mayor, were formally notified they are being probed. (AP Photo/Carabinieri, ho)

Massimo Carminati bei seiner Verhaftung am 2. Dezember 2014.  Bild: AP/Italian Carabinieri

Zum Netzwerk gehörten offenbar enge Mitarbeiter der Bürgermeisters von Rom, die regelmässig Zusatzeinkommen von bis zu 15'000 Euro erhielten. Auf der Gehaltsliste standen unter anderem der Chef der städtischen Müllabfuhr sowie der Chef einer kommunalen Gesellschaft, die einen grossen Immobilienbesitz verwaltet, heisst es weiter.

Beschlagnahmungen in Millionenhöhe

Im Gegenzug für die Schmiergelder sollen die Bestochenen öffentliche Aufträge manipuliert haben. Die römische Mafia kümmerte sich so unter anderem um die Pflege öffentlicher Grünanlagen, Teile der Müllabfuhr und eben die Unterbringung von Flüchtlingen.

Bei der Durchsuchung von Behörden, Büros und Privatwohnungen, darunter auch die Alemannos - wurden insgesamt laut Ansa Güter im Wert von etwa 200 Millionen Euro beschlagnahmt. Es soll den Berichten zufolge in den seit Monaten andauernden Ermittlungen um Korruption und Manipulationen bei Auftragsvergaben und in den öffentlichen Finanzen gehen.

Im Fokus der Ermittlungen steht wohl auch der Präsident des Stadtparlaments, Mirko Coratti.« Den habe ich mir gekauft, der spielt jetzt für mich», sagt Buzzi über Coratti in einem abgehörten Telefonat. Coratti trat nun zurück. Auch der sozialdemokratische Baubürgermeister für den Wohnungsbau legte sein Amt nieder. (brk/sam/dpa)



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