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Zeitungsstaender mit Schweizer Zeitungen, aufgenommen am 31. Februar 2012 in St. Gallen. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Bild: KEYSTONE

Schweizer Presse

Zeitungen und Magazine verlieren weiter Leserinnen und Leser 



Die Schweizer Tageszeitungen haben im vergangenen Jahr mit wenigen Ausnahmen erneut Leserinnen und Leser verloren – zum Teil sehr viele. Lesereinbussen prägen das Bild auch bei Zeitschriften und Magazinen. Am meisten gelesen wird nach wie vor «20 Minuten». 

Die vier grössten Tageszeitungen der Deutschschweiz erreichen allesamt weniger Leserinnen und Leser. Dies geht aus der neusten Erhebung der WEMF AG für Werbemedienforschung hervor. 

Die Pendlerzeitung «20 Minuten» ist mit einer Reichweite von 1,57 Millionen weiterhin die meistgelesene Tageszeitung des Landes – ein leichter Rückgang von 4000 Lesern im Vergleich zur letzten Erhebung. 

Das Pendant «Blick am Abend» wird noch von 747'000 Personen gelesen. Das sind im Vergleich zur letzten Erhebung 32'000 weniger. Die meistgelesene Bezahlzeitung, der «Blick», verlor 15'000 Leser und kommt noch auf 705'000. Der «Tages-Anzeiger» erreicht noch 490'000 Personen (-14'000). Die «Neue Zürcher Zeitung» verliert 11'000 Leser und hat somit noch 284'000.

Für die jüngste Studie hat die WEMF in der Zeit zwischen dem 1. Oktober 2012 und dem 6. Oktober 2013 rund 19'000 Personen aus allen Landesteilen zu ihrer Mediennutzung befragt. Die Vergleichszahlen waren zwischen April 2012 und April 2013 erhoben worden. 

Gewinne dank neuer Zusammensetzung

Die «Neue Luzerner Zeitung» sowie das «St. Galler Tagblatt» haben zwar Leser gewonnen. Allerdings hat sich bei diesen beiden Titeln die Zusammensetzung im Vergleich zur letzten Studie verändert. 

Zur «Neuen Luzerner Zeitung» gehört neu der «Bote der Urschweiz», zum Verbund des «St. Galler Tagblatts» zählen inzwischen zusätzlich der «Werdenberger & Obertoggenburger», die «Rheintalische Volkszeitung» und das «Liechtensteiner Vaterland». 

Diese drei hatten zuvor zum Zeitungsverbund der «Südostschweiz» gezählt. Deshalb relativiert sich auch deren Verlust von 81'000 Leserinnen und Lesern, was einem Drittel der bisherigen Leserschaft entspricht. 

Signifikante Rückgänge bei Zeitschriften

Auch die Deutschschweizer Sonntagsblätter mussten mit Ausnahme der «SonntagsZeitung» (+4000 auf 655'000) Federn lassen. Eine besonders deutliche Abnahme der Leserzahl verzeichnete die «Schweiz am Sonntag». Die Zeitung verlor im Vergleich zur letzten Studie rund 15 Prozent ihrer Leserschaft (-72'000). Der «SonntagsBlick» hat noch 839'000 statt 848'000 Leser, die «NZZ am Sonntag» verzeichnet einen Rückgang und hat nun 472'000 Leser (statt 482'000).

Die WEMF hält zwar fest, bei der «Schweiz am Sonntag» sei ein Vergleich mit der letzten Studie nicht zulässig. Geändert hat sich aber lediglich der Name der Publikation. Die Auflage habe sich durch die Neulancierung nicht wesentlich verändert, hiess es bei den AZ Medien auf Anfrage. 

In der französischsprachigen Schweiz entwickeln sich die Zahlen für die Verlage ebenfalls nicht eben erfreulich: Auch hier ist die Zahl der Leser bei den meisten grossen Titeln geschrumpft – am stärksten bei «Le Matin» mit einem Minus von 26'000 (-8,2 Prozent). Von den zehn meistgelesenen Tageszeitungen konnten einzig «La Liberté» (+2000) und «Le Nouvelliste» (+1000) zulegen. 

Die WEMF beurteilt die Veränderungen in den Reichweiten ausser im Fall von «Le Matin» bei allen aufgezählten Zeitungstiteln als nicht signifikant. Anders bei den Zeitschriften und Magazinen. Hier haben etwa der «Beobachter» (-64'000), die «Schweizer Familie» (-37'000) sowie «Das Magazin» (-46'000) deutlich Leser verloren. 

Erfolgsgeschichte Landliebe

Unter den Zeitschriften und Magazinen hebt sich einzig die Ringier-Publikation «LandLiebe» von der weit verbreiteten Tristesse ab. Das Magazin, das sich unter anderem Rezepten aus der Landküche sowie Wohn- und Dekorationsideen widmet, gewann im Vergleich zur letzten MACH-Studie 82'000 Leser dazu und erreicht nun 482'000 Personen. 

Die Publikation findet insbesondere bei Frauen Anklang: Drei Viertel der Leserschaft sind weiblich. Ringier will die Erfolgsgeschichte seiner «LandLiebe» auf weitere Kanäle übertragen. Im Dezember ging LandLiebe Radio auf Sendung, Anfang März startete LandLiebe TV

Eine weitere Frauenzeitschrift konnte mit der neusten Erhebung zulegen: Die «Annabelle» aus dem Hause Tamedia: Sie kommt auf 264'000 (statt 259'000) – vorwiegend – Leserinnen.

«20 Minuten»-Leser sind jung und männlich 

Die WEMF hat die Lesegewohnheiten auch nach Alter und Geschlecht aufgeschlüsselt. Wenig überraschend stehen die Pendlerzeitungen bei den Jungen hoch im Kurs. Die 14- bis 34-Jährigen machen bei «20 Minuten» und «Blick am Abend» 41 Prozent beziehungsweise 46 Prozent der Leserschaft aus. 

Bei den traditionellen Tageszeitungen pendelt ihr Anteil hingegen lediglich zwischen 17 und 30 Prozent. Bei den meisten Zeitungen bilden die über 55-Jährigen die wichtigste Lesergruppe. 

Die Leser der Pendlerzeitungen sind zudem überwiegend männlich. 57 Prozent der «20 Minuten»-Leserschaft sind Männer, beim «Blick am Abend» sind es 55 Prozent. Auch die Leserschaft von «Blick» (61 Prozent), «Tages-Anzeiger» (57 Prozent) und der «Neuen Zürcher Zeitung» (62 Prozent) ist mehrheitlich männlich. (rey/sda)

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