MH17
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Ukrainische Flugsicherung unter Druck

Ein heikler Satz fehlt im Bericht: Ist Kiew mitschuldig am Absturz von MH17? 

Ist aus dem Zwischenbericht zu Flug MH17 ein womöglich brisanter Satz entfernt worden? Recherchen eines Investigativteams sollen das belegen – sie deuten auf eine Mitverantwortung der Ukraine an der Flugkatastrophe hin. 

04.12.14, 15:09 04.12.14, 16:32

MH17

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Knapp fünf Monate nach dem Abschuss von Flug MH17 gerät die ukrainische Flugsicherung zunehmend unter Druck. Bereits seit Längerem stehen Vorwürfe im Raum, wonach der Luftraum über dem Kampfgebiet im Osten des Landes zwingend vollständig hätte gesperrt werden müssen. 

Jetzt gibt es Meldungen, wonach aus dem Zwischenbericht zur Absturzursache ein brisanter Satz gestrichen wurde. So sei in einer früheren Version des Reports auf den Grund für die teilweise Sperrung des Luftraums hingewiesen worden, berichtet unter anderem die «Süddeutsche Zeitung» (SZ) – das gehe aus Recherchen von WDR, NDR, SZ und dem niederländischen Investigativteam «ARGOS» hervor

Hintergrund: Im Absturzgebiet war bereits drei Tage vor der Katastrophe um Flug MH17 eine Militärmaschine auf 6500 Metern Höhe abgeschossen worden. Danach hatte die Ukraine in einer sogenannten NOTAM (Notice to airmen) den Luftraum gesperrt, allerdings nur bis auf eine Höhe von 9750 Metern – etwas unter der üblichen Reiseflughöhe für Passagierflugzeuge. 

Vollständige Sperrung wäre angebracht gewesen

Local workers transport wreckage of the Malaysia Airlines Boeing 777 plane (flight MH17) at the site of the plane crash near the village of Hrabove (Grabovo) in Donetsk region, eastern Ukraine November 16, 2014. Local emergency services have begun collecting parts of the wreckage from its crash site in the middle of the conflict zone, Dutch air accident investigators said on Sunday. Dutch inspectors had hoped to collect the parts themselves, following the downing of the flight on July 17 that killed 298 people, two thirds of them Dutch citizens. But they remain concerned about the safety of their staff in the rebel-held conflict zone, and so have decided to work with local services following an initial focus on finding human remains and belongings. REUTERS/Maxim Zmeyev (UKRAINE - Tags: DISASTER TRANSPORT CIVIL UNREST TPX IMAGES OF THE DAY)

Bild: MAXIM ZMEYEV/REUTERS

Viele Experten meinen, eine vollständige Sperrung des Luftraumes wäre angebracht gewesen. «Mit dem Abschuss der Antonov auf einer Höhe von 6500 Metern war absolut klar, dass das nur mit schweren Flugabwehr-Raketensystemen geschehen konnte», zitiert «Tagesschau.de» Siemon Wezeman vom Stockholmer Institut für Friedensforschung (SIPRI). «Diese Raketensysteme erreichen normalerweise ohne Probleme Höhen zwischen 10'000 und 13'000 Metern.» 

Dieser Argumentation schliesst sich auch der Rechtsanwalt Elmar Giemulla an, der Angehörige deutscher MH17-Opfer vertritt. Laut SZ wirft er der Ukraine vor, sie habe den Luftraum nicht sperren lassen, weil sie nicht auf die Überflug-Gebühren habe verzichten wollen. Diese sollen bei täglich bis zu zwei Millionen Euro liegen. Die Hinterbliebenen klagen vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.

Grund für Sperrung gestrichen

Veröffentlicht wurde der Untersuchungsbericht durch den niederländischen Sicherheitsrat OVV. Dem Rechercheteam zufolge enthielt eine frühere Version des Textes auf Seite 14 den Satz: «Die NOTAM mit der Luftraumbegrenzung wurde verfasst als Reaktion auf den Abschuss einer Antonov 24 am 14. Juli auf einer Flughöhe von 6500 Metern.» In der schliesslich veröffentlichten Fassung wird dagegen kein Grund für die Sperrung genannt.

Laut «Tagesschau.de» teilte ein OVV-Sprecher zur Begründung mit, es sei nicht «100 Prozent» sicher gewesen, dass die Information in dem gestrichenen Satz korrekt sei. Dennoch fällt auf, dass die NOTAM unmittelbar nach dem Abschuss der Antonov in Kraft trat. An den Untersuchungen und dem Zwischenbericht dazu waren Ermittler mehrerer Nationen beteiligt, darunter auch solche aus der Ukraine. 

Beschwerde gegen einen Satz

«Anscheinend hat es aus irgendeinem Land eine Beschwerde gegen diesen Satz gegeben», zitiert «Tagesschau.de» den niederländischen Oppositionspolitiker Peter Omtzigt. «Und da mache ich mir Sorgen, ob die Flugunfallbehörde wirklich unabhängig arbeitet.» 

«Und da mache ich mir Sorgen, ob die Flugunfallbehörde wirklich unabhängig arbeitet.» 

Peter Omtzigt, niederländischer Oppositionspolitiker

Die Boeing 777 der Malaysia Airlines war am 17. Juli über der Ostukraine auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur abgeschossen worden. Alle 298 Menschen an Bord kamen ums Leben. Die internationale Ermittlergruppe unter Führung der Niederlande konnte bis heute keine eindeutigen Erkenntnisse über die Umstände der Flugkatastrophe liefern. 

(rls)

mh17 blackbox



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    Alle Leser-Kommentare
  • Qwertz 04.12.2014 17:56
    Highlight Die von der Luftfahrtbehörde wussten wohl, wie viel dringend benötigtes Geld ihnen bei einer Luftraumsperrung durch die Lappen gehen wird und werden einfach gehofft haben, dass die prorussischen Rebellen Passagierflugzeuge von einem militärischen Transportflugzeug unterscheiden können...
    1 1 Melden
  • sewi 04.12.2014 17:34
    Highlight Die Kiewer Junta versucht andere Länder in den Krieg miteinzubeziehen, wie vorher schon die Georgier.... Doch statt Krieg, wie wärs mit schaffe....?
    3 5 Melden
  • The Destiny // Team Telegram 04.12.2014 15:37
    Highlight Die Warheit wird da wohl nie mehr rasukommen.
    Die Niederlande haben Ihr schweigegeld in Form Ihrer Goldbestände erhalten. bzw. Ihnen wurde der Rücktransport eines teils Ihrer Goldbestände aus den USA gestattet, man merke an Deutschland wurde der Rücktransport Ihres Goldes verweigert und eine Inventur der Bestände ebenfalls.
    6 5 Melden
    • Angelo C. 04.12.2014 17:00
      Highlight Man sieht auch ohne Brille, dass von den anfänglichen Schuldzuweisungen an die Adresse der Separatisten und Russlands verdammt wenig Substanz übriggeblieben ist, zumal die USA ihre Vorwürfe nach Auswertung der Recorder und der genaueren Abklärungen nur zu gern lautstark wiederholen würden. Das seit langen Wochen betretene Schweigen sagt zwar nicht alles, doch vieles aus....
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