mint

Haute Couture aus der Mülltonne – schick sein und die Welt retten, das geht!

Christina Dean – Autorin und Modeaktivistin. Bild: courtesy of lifestyleasia

Öko-Mode zu tragen, bedeutet nicht automatisch, auszusehen wie ein Rattan-Sofa. Christina Dean kämpft von Hong Kong aus seit Jahren für einen bewussteren Umgang mit unserer Kleidung. Jetzt hat sie ein Luxus-Model-Label gegründet und ein Buch geschrieben, das dir dabei hilft, ein echter Umwelt-Fashionista zu werden.

09.07.17, 11:57

Als Christina Dean noch in ihrer Ausbildung zur Zahnärztin steckte, ahnte sie nicht, dass sie mal zu einem der einflussreichsten Modemenschen Hong Kongs werden sollte. 

«Manchmal spielt Erfahrung keine Rolle. Man begegnet dem Thema mit Beharrlichkeit und einer unverfälschten Wahrnehmung. Dynamische Probleme bedürfen dynamischer Lösungen.»

Christina Dean

Nach ihrem Umzug nach Hong Kong wurde sie dort frontal mit den Auswirkungen der Umweltverschmutzung konfrontiert. Aus der Modeindustrie allein fallen in China jedes Jahr 20 Millionen Tonnen Müll an. Diese liegt weltweit damit auf dem zweiten Platz der Umweltbelastungen. Geschlagen nur von der Ölindustrie. In Hong Kong sind es 293 Tonnen Textilien, die täglich auf den Müllhalden landen – 11'000 Kleidungsstücke jede Stunde.

Alle Informationen beruhen auf Aussagen in Christina Deans Buch und Daten der Weltbank.

Sie begann, sich intensiv mit den Ursachen und Konsequenzen der Verschmutzung auseinanderzusetzen und gründete die NGO Redress. Daraus entstand auch der Modepreis EcoChic Design Award und schliesslich das Haute-Couture-Label BYT, das Ende Jahr lanciert wird. 

Vor kurzem hat sie ein Buch zum Thema veröffentlicht: «Dress [with] sense». Darin erklärt sie nicht nur, was die grössten Missverständnisse sind im Zusammenhang mit den ausgelutschten Begriffen der Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit. Sie gibt auch kurze, einfach umzusetzende Hinweise, wie man im Alltag ganz konkret und unmittelbar die Verringerung der Umweltbelastung unterstützen kann. 

«Das Leben ist ein mentales Spiel – manchmal muss man sich selbst über die Schmerzgrenze heben.»

Christina Dean podcast violet sessions

Bild: redress facebook

Weniger ist mehr

Der Konsument wird dazu verführt, immer grössere Mengen billiger Mode zu erstehen. Diese trendgetriebene Kleidung, die unter rasiermesserdünnen Produktionsdeadlines und zu abgrundtiefen Preisen in Massenproduktion entsteht. In der Folge überleben diese Stücke nur wenige Durchläufe in der Waschmaschine, geschweige denn die Saison. Das wiederum bestätigt und unterstützt diesen Kreislauf und erhöht die Produktion nur noch. Es gibt Schätzungen, nach denen bis zu 150 Milliarden Kleidungstücke pro Jahr produziert werden. 

«Heute kauft man Kleider wie BigMacs; sie sind billig, schnell und in Folge der mangelhaften Qualität nicht besonders gesund.»

Christina Dean  truecostmovie

Um aufzuzeigen, dass eigentlich alles, was benötigt wird, schon vorhanden wäre, suchte sich Christina ihre Klamotten ein ganzes Jahr lang ausschliesslich von der Müllhalde und Secondhand zusammen. Und begleitete ihre Kombinationen mit der Kamera und Instagram

Schluss mit Shopping-Therapie

In der Produktion einer Jeans werden 3'625 Liter Wasser verbraucht. Damit könnte ein Mensch rund 2.5 Jahre überleben. In ihrem Buch führt Christina gleich mehrere effektive Tricks auf, mit denen auch fleckige und langjährige Kleidungsstücke noch gerettet werden können. Und wenn wir ehrlich sind, wissen wir doch alle: Ein weiteres Stück in deinem Kleiderschrank macht dich unterm Strich auch nicht glücklich. 

So gut kann Nachhaltigkeit auch aussehen: FAIR FASHION – Der Überschuss der Modeindustrie

Taktik: Lass los!

Wenn an dir auch nur etwas Zweifel nagt, dann lass los, dreh dich um und verlass das Geschäft. Du hältst die letzte Autorität über dich selbst. Willst du wirklich dein hart verdientes Geld für ein Etwas weggeben, dass du gar nicht wirklich brauchst oder richtig gut findest? Schaff Abstand, mach eine Kaffeepause, wenn du wirklich ein Stück brauchst, dann such weiter oder noch besser: Schlaf drüber. Besonders relevanter Rat für all diejenigen unter uns, die anfällig sind für Late-Night Online Shopping. Am nächsten Tag wirst du bereits eine objektivere Entscheidung fällen, was dich zu einem vorsichtigeren Konsumenten und deinen Schrank nachhaltiger macht. 

«Die ultimative Lösung für den Konsumenten wäre es, weniger zu kaufen, besser zu kaufen und die Textilien besser zu schätzen.»

Christina Dean

Upcycle? Repurpose!

Aus Christinas Buch geht under anderem hervor, dass teilweise bis zu 20 Prozent der Textilien in der Produktion eines Kleidungsstückes als Abfall übrig bleiben. Diese Reste könnten jedoch weiterverarbeitet werden. Auch rät die Autorin dazu, Dingen neuen Wert einzuverleiben, indem man sie mit einfachen Mitteln an die eigene Persönlichkeit anpasst oder auch mal in ganz anderen Lebensbereichen nach Inspirationen sucht. Ford beispielsweise hat mittlerweile einen Preis ausgeschrieben für DesignerInnen, die aus dem Überschuss ihrer für Autos entwickelten Textilien spannende Kollektionen entwickeln. 

Ford Design Grant Gewinnerin Sara Kadesch in Stücken ihrer Kollektion aus nachhaltigen Textilüberschüssen. redress

Und spannender als Shoppen ist doch auch immer noch das Tauschen von Kleidung im Bekanntenkreis. Endlich eine gute Ausrede, in fremden Schränken zu wühlen!

Jedes Jahr lädt Christinas Organisation daher auch im Rahmen des EcoChic Design Awards zehn junge Talente nach Hong Kong ein. Diese Preisträger haben unterdessen schon für Esprit, Ford und andere internationale Unternehmen Kollektionen aus den überschüssigen Materialien der Modeindustrie gestaltet.

Der EcoChic Design Award

Video: YouTube/RedressAsia

Aus den Anstrengungen ihrer Organisation Redress, wiederverwertete Textilien laufstegtauglich und für die breite Gesellschaft attraktiver zu machen, ist nun ein eigenes Label entstanden: BYT, Be You Today, wird im September lanciert.

Hier sind weitere grüne Haute-Couture DesignerInnen, die Spass machen:

Fashion, Fashion, Fashion ...

1m 12s

Saint Laurent auf der Pariser Fashion Week

Video: reuters

Mehr mint gibt's hier:

Das ist der schlechteste «Star Wars»-Film aller Zeiten! Kleiner Scherz. Er ist SUPER.

Diese 9 B-Movies sind so schlecht, da hilft nicht einmal mehr Alkohol

«Warum kann Wein eigentlich nicht vegan sein?»

Du hast einen «schrägen» Humor? Dann schau dir diese 7 Comedy-Serien an!

Flyer verteilen mit jugendlichen Verschwörungstheoretikern: Ein Trauerspiel in 5 Akten

«Bilder von unten» – 12 Leute erzählen, was sie auf Tinder und Co. nicht sehen wollen

«Sind 1000 Franken teure Weine wirklich so gut?»

Man kann auch Guetzli haben ohne Spass: 7 Rezepte, die bitzli weniger fett machen

Und für alle, die Guetzli-Spass wollen: 7 Rezepte, die uns superfett machen werden

Schone dein Portemonnaie und die Umwelt: 19 Tipps, wie du weniger Müll produzierst

«Für welchen Wein entscheid ich mich, wenn ich vor dem Regal stehe?»

Profi-Kuschler und 9 weitere Menschen, die du tatsächlich mieten kannst

Von «Pulp Fiction» ins Weltall: Tarantino will einen «Star Trek»-Film drehen

Ein einig Volk von Zügel-Freaks: Fast jeder vierte Mieter ist im letzten Jahr umgezogen

«Warum kostet eine Magnum-Flasche mehr als zwei kleine?»

Kampf gegen Dr. Google – warum Cyberchonder zum Problem werden

Istanbul ist auch ein Würfelspiel – aber nur für Kenner!

«Welchen Wein bestelle ich im Restaurant, damit er allen passt?»

Lichter aus, Flaschen auf – jetzt spielen wir Horrorfilm-Bullshit-Bingo!

An diesen 11 Orten kannst du dich perfekt vor dem Winter verstecken

Kinomonat Dezember: 9 Filme im Check. (Acht davon sind nicht «Star Wars»)

«Wie erkenne ich eigentlich, ob ein Wein Zapfen hat?»

Mit 99 Jahren, da fängt das Leben an: Zu Besuch bei der ältesten Yoga-Lehrerin der Welt

Die erste deutsche Netflix-Serie startet – sie ist «Dark» und gut

Der Google-Translate-Roboter ist ein Sexist – weil er von unseren Gewohnheiten lernt

16 Brett- und Kartenspiele, über die sich nicht nur Kinder an Weihnachten freuen

«Es geht nicht nur um Sex und Geld» – ein Sugardaddy erzählt

Nach dem Schockerfinale geht «Vikings» endlich in die fünfte Runde! Und es wird blutig

Weihnachtsessen in 9 Grafiken: Auf diese Dinge darfst du dich auch dieses Jahr «freuen»

Weil's dir sonst niemand sagt: 23 Dinge über Analsex, die du unbedingt wissen solltest

27 kreative Lifehacks, die deinen Büro-Alltag ein kleines bisschen besser machen

«Ethnos» ist gaaanz anders als es aussieht, nämlich ein Familienspiel, ehrlich! 

Von süss bis salzig: 5 leckere Rezepte für den perfekten Sonntagszopf

Cartoonist zeichnet über Behinderte und Kranke: «Es ist albern, sich zu  entschuldigen»

Du findest den Winter grusig? Diese 11 Orte beweisen dir das Gegenteil!

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt: So bastelst du einen Adventskranz – ohne «Kranz»

Lust auf eine Runde «Secret Hitler»? – 7 Spiele, die nichts für Kinder sind

16 Ideen, was du aus deinen alten Kleidern machen kannst (Nein, keine «Lumpen»)

Cosplayerin Silja: «Ich inszeniere mich nur als starke oder Badass-Frau»

So antwortest du stilgerecht auf Dick Pics und andere unerwünschte Glieder

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
3
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Gavi 16.07.2017 11:21
    Highlight Meine Kleider passen in ein 160cm Schrank. Also wenig Kleider. Trotzdem bekomme ich immer Komplimente für meinen Style. In der Firma, auf der Strasse von wildfremden Menschen, gestern von einer Kassierin.
    Geheimnis: ich kaufe was zu mir passt und im Baukastensystem. Und vor allem keine Kleider mit miserabler Qualität. Es degradiert.
    Mein System spart Platz und Geld.
    0 0 Melden
  • kebabverkaufer 09.07.2017 16:26
    Highlight aber das funktioniert ja nur, weil zuvor so viele kleider gekauft und weggeworfen wurden... d.h. sie sind auf den vorangegangenen konsum angewiesen. die lösung liegt woanders. und wieso immer solche superlative? die welt retten... mit design nur lächerlich...
    6 3 Melden
  • Daenerys Targaryen 09.07.2017 12:51
    Highlight Ich finde das toll, dass man den ökologischen Fussabdruck verringern möchte und tut. Jedoch kann ich keines der Kleidungsstücke auf den gezeigten Bildern auf der Strasse tragen, da sie zu extravagant sind. Vielleicht recyclete Kleider produzieren, welche auch klassisch und gut kombinierbar sind?
    16 0 Melden

Cosplayerin Silja: «Ich inszeniere mich nur als starke oder Badass-Frau»

«Cosplayer sind hoffnungslose Träumer, die keine Freunde haben und sich darum in ihre Fantasiewelt flüchten» –  so das Vorurteil. Die Realität sieht anders aus.

An der Wand gegenüber dem Eingang lagern Rüstungsteile so gross, dass der Blick einen Moment fasziniert darauf haften bleibt. Daneben stehen ein Kleiderständer, ein Holzschrank und ein einfaches Regal, vollgestopft mit Sprühklebern, Styroporkugeln, Farbflaschen und Stoffbündeln. Diverse Schubladen und Kisten enthalten Kleinteile, bei denen man nur erahnen kann, wofür sie gut sind. Die einzigen zwei Fenster sind mit unzähligen vollgestopften Kisten verbarrikadiert. Ein Schlaraffenland …

Artikel lesen