mint

Liebe Instagrammer, was soll eigentlich dieser Kaffeebecher zwischen euren Beinen?

bild: shutterstock

Immer noch? Wirklich?

16.03.17, 15:40 17.03.17, 05:27

Wieso ist jetzt alles mint?

Liebe User, herzlich willkommen zu unserem neuen watson-Blog mint! Ihr findet hier die Themen:

«Flair&Fair» (Design, Streaming, Reisen, Foodwaste)
«Fit&Food» (Katzen-Yoga, Rezepte, fein! – und gesund)
«Fuck&Feel» (selbsterklärend)

In mint schreiben watson-Autoren und freie Autoren aus aller Welt. Die Geschichten erkennt ihr auf der watson-Startseite an einem «m.» im Bild. So, und nun: Viel Spass. :)

Und nun zurück zum Artikel.

Instagram ist unser aller Chance, endlich mal zu zeigen, wie wir wirklich sind: oberflächlich und überbelichtet. Die Plattform hat sich erfolgreich als Ort des digitalen Kuschelns und Konsumierens etabliert, ohne ihre Nutzer dabei mit lästigen Problemen wie Clickbait-Artikeln oder Hassprosa in den Kommentarspalten zu konfrontieren.  

Ein Motiv hält sich seit Jahren besonders hartnäckig: nackte Frauenbeine mit darüber oder daneben platzierten Kaffeetassen – am besten von oben fotografiert. Eine Kulisse, die so unschuldig wirkt wie Kate Middletons Haarschnitt und gleichzeitig mit dem jugendlichen Schmuddelfaktor von American Pie 1 ausgestattet ist. Ideal also, um nicht gegen die Gemeinschaftsregeln zu verstossen und doch auf eine scheinbar subtile Art und Weise zu zeigen: Schaut mal, ich kann auch sexy!  

bild: shutterstock

Vorsicht, heiss!

Begleitet von quergeschnittenen Avocado-Stückchen und MacBooks wirkt die Protagonistin auf dem Foto zumindest genauso unberührt wie das Schokoladecroissant – und reproduziert ganz nebenbei das glattrasierte Schönheitsideal anno 2012.  

Anders als ein Dirndl-Dekolletee auf dem Oktoberfest sind nackte Beine irgendwie immer ästhetisch, nie too much, gerne gesehen und viel geliked. Sie kommen weder zu exhibitionistisch, noch zu angestrengt rüber – suggerieren sie doch mit hashtags wie #butfirstcoffee, wie einfach und bewusst ihre Besitzerinnen leben.

Sie lesen besonders zerfledderte Versionen von Jane Austen (#retro), legen Wert auf schöne, weisse Bettdecken (#interiorlover) sowie frisch gebrühten Kaffee (#coffeelovers) und wecken bei den Betrachtern die Vorstellung der liebevollen Partnerin, ja, vielleicht sogar Bettgefährtin.

Wer sonst bekommt Einblick, in diesen besonders intimen Ort?  

bild: shuttertsock

Es wirkt fast verdächtig, dass #coffeelove so oft alleine im Bett praktiziert wird, wo die bequemere Variante doch eindeutig das Schlürfen direkt am Küchentisch bedeutet. Dafür muss frau nicht einmal vorher die Fussnägel lackieren! Gerne würde man zur Abwechslung ein Foto von der verdreckten Bettdecke sehen, als das geliebte Porzellan die Waagrechte suchte. Oder ein Bild hinter den Kulissen von der einstündigen Vorbereitungszeit.  

«I even painted my toenails for you»

Lena Meyer-Landrut

Vielleicht geht es ja gar nicht um den Kaffee. #Coffeeporn ist die beste Möglichkeit seine frischrasierten Beinchen auch dann zu zeigen, wenn draussen der Schneesturm tobt. Die Nummer sicher unter allen Beziehungen, das Understatement im entkoffeinierten #cleanandhealthy-Epizentrum. Frauen, die Kaffee im Bett trinken, zeigen, dass sie das Zeug zum Pferdestehlen haben. Sie sind brav und niemals «zu bitchy», denn sie offenbaren gerade so viel, dass weder Mutter, noch Schwägerin, ja nicht mal die katholische Kirche darüber lästern kann. Eigentlich.  

Denn wenn man genau hinsieht, sind die Bilder ebenso berechenbar wie ein Pin-Up-Kalender aus dem Jahre 2002, in dem sich vollbusige Models den Körper mit Sand beschmieren. Klar werden die Fusspornfotos geliked – der Playboy verkauft sich schliesslich auch schon seit gefühlt 250 Jahren. Eines sollte trotzdem im Hinterkopf behalten werden, bevor man das nächste Mal auf Hochladen drückt: Geil finden diese Motive vor allem ungevögelte 14-Jährige, die noch nie einen anderen Körper als den eigenen berührt haben.  

Ein von @dicklatte geteilter Beitrag am

Boyfriends of Instagram – Wie sich Männer für die perfekten Fotos ihrer Freundinnen zum Affen machen

Mehr mint gibt's hier:

Das ist der schlechteste «Star Wars»-Film aller Zeiten! Kleiner Scherz. Er ist SUPER.

Diese 9 B-Movies sind so schlecht, da hilft nicht einmal mehr Alkohol

«Warum kann Wein eigentlich nicht vegan sein?»

Du hast einen «schrägen» Humor? Dann schau dir diese 7 Comedy-Serien an!

Flyer verteilen mit jugendlichen Verschwörungstheoretikern: Ein Trauerspiel in 5 Akten

«Bilder von unten» – 12 Leute erzählen, was sie auf Tinder und Co. nicht sehen wollen

«Sind 1000 Franken teure Weine wirklich so gut?»

Man kann auch Guetzli haben ohne Spass: 7 Rezepte, die bitzli weniger fett machen

Und für alle, die Guetzli-Spass wollen: 7 Rezepte, die uns superfett machen werden

Schone dein Portemonnaie und die Umwelt: 19 Tipps, wie du weniger Müll produzierst

«Für welchen Wein entscheid ich mich, wenn ich vor dem Regal stehe?»

Profi-Kuschler und 9 weitere Menschen, die du tatsächlich mieten kannst

Von «Pulp Fiction» ins Weltall: Tarantino will einen «Star Trek»-Film drehen

Ein einig Volk von Zügel-Freaks: Fast jeder vierte Mieter ist im letzten Jahr umgezogen

«Warum kostet eine Magnum-Flasche mehr als zwei kleine?»

Kampf gegen Dr. Google – warum Cyberchonder zum Problem werden

Istanbul ist auch ein Würfelspiel – aber nur für Kenner!

«Welchen Wein bestelle ich im Restaurant, damit er allen passt?»

Lichter aus, Flaschen auf – jetzt spielen wir Horrorfilm-Bullshit-Bingo!

An diesen 11 Orten kannst du dich perfekt vor dem Winter verstecken

Kinomonat Dezember: 9 Filme im Check. (Acht davon sind nicht «Star Wars»)

«Wie erkenne ich eigentlich, ob ein Wein Zapfen hat?»

Mit 99 Jahren, da fängt das Leben an: Zu Besuch bei der ältesten Yoga-Lehrerin der Welt

Die erste deutsche Netflix-Serie startet – sie ist «Dark» und gut

Der Google-Translate-Roboter ist ein Sexist – weil er von unseren Gewohnheiten lernt

16 Brett- und Kartenspiele, über die sich nicht nur Kinder an Weihnachten freuen

«Es geht nicht nur um Sex und Geld» – ein Sugardaddy erzählt

Nach dem Schockerfinale geht «Vikings» endlich in die fünfte Runde! Und es wird blutig

Weihnachtsessen in 9 Grafiken: Auf diese Dinge darfst du dich auch dieses Jahr «freuen»

Weil's dir sonst niemand sagt: 23 Dinge über Analsex, die du unbedingt wissen solltest

27 kreative Lifehacks, die deinen Büro-Alltag ein kleines bisschen besser machen

«Ethnos» ist gaaanz anders als es aussieht, nämlich ein Familienspiel, ehrlich! 

Von süss bis salzig: 5 leckere Rezepte für den perfekten Sonntagszopf

Cartoonist zeichnet über Behinderte und Kranke: «Es ist albern, sich zu  entschuldigen»

Du findest den Winter grusig? Diese 11 Orte beweisen dir das Gegenteil!

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt: So bastelst du einen Adventskranz – ohne «Kranz»

Lust auf eine Runde «Secret Hitler»? – 7 Spiele, die nichts für Kinder sind

16 Ideen, was du aus deinen alten Kleidern machen kannst (Nein, keine «Lumpen»)

Cosplayerin Silja: «Ich inszeniere mich nur als starke oder Badass-Frau»

So antwortest du stilgerecht auf Dick Pics und andere unerwünschte Glieder

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
10
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Hoppla! 17.03.2017 03:14
    Highlight Who cares?!? Soll dich jeder wie er will.

    "nackte Beine irgendwie immer ästhetisch"

    Ou, da bin ich mir nicht so sicher. Ästhetik ist beibvielen Beinen ein Fremdwort.
    17 4 Melden
    • Bianca_Jankovska 17.03.2017 10:52
      Highlight Naja, aber die, die man sieht sind schon meist ganz "ok", nicht? Als ob nur dünnbeinige Models solche Fotos hochladen würden.
      6 1 Melden
  • BaaDummmTschhh 17.03.2017 01:13
    Highlight Ich habe mal eine "Roomtour" einer dieser glattgeschliffenen, makelbefreiten Porridge-futternden Youtuberinnen angesehen: Hatte sie TATSÄCHLICH vergessen den Klodeckel runterzumachen und DA.WAR.KALK! Das geht natürlich gaaar nicht und alle völlig aus dem Häusschen. Sie hat dann ins Video einen Kommentar geschrieben, dass der Kalk vom Vormieter käme und sie das natürlich jetzt beseitigt hätte und und und. War ein grosses Drama. Und irgendwie hatte ich ein wenig Mitleid mit dem Mädchen, wenn man derart besessen ist, allen anderen das perfekte, makellose Leben vorspielen zu müssen.
    27 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 16.03.2017 22:52
    Highlight Haha - Schlusssatz ist grosses Kino ;) Dankeschön.

    ...14Jährige (ob m/w) gehören aber auch nicht gevögelt. Die sollen sich ruhig noch 4-5 Jahre an Kaffee und Beinen aufgeilen.
    33 3 Melden
    • Bianca_Jankovska 17.03.2017 10:51
      Highlight Gerne! :D und danke.
      11 0 Melden
    • Gohts? 17.03.2017 21:54
      Highlight @Zäme!: War auch schon mehr als einisch 14.
      Und trotzdem läuft mir bei den Bildern das Wasser im Mund zusammen, der Herzschlag erschnellt, wird mir ganz warm ums Herz...

      Und dann diese Beine...

      Versauen sie einfach das Bild.
      8 1 Melden
  • Dä Brändon 16.03.2017 20:33
    Highlight Wie findet der Rest eigentlich diese Selbstdarstellung auf Instagram? Ich weiss nicht ob es an mir liegt, manchmal glaube ich dass ich der einzige bin der das so peinlich und lächerlich findet. Vorallem diese Fotos mit Hundeohren -und zunge. Wieso macht man das? Und dann alles noch mit diese # versehen die teilweise so behindert sind.
    59 4 Melden
  • Luca Brasi 16.03.2017 18:58
    Highlight Ich bin nicht 14-jährig!😢

    Aber wieder einmal klasse geschrieben. ;)
    6 3 Melden
    • Bianca_Jankovska 17.03.2017 10:51
      Highlight Danke Luca für deine immer sehr netten Worte.
      B.
      4 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 16.03.2017 16:45
    Highlight Bros beeing Basic nehmen dieses sujet auch gern auf die schippe :D
    69 2 Melden

Liam füdliblutt – wieso Eltern denken müssen, bevor sie ihre Kinder zu Insta-Stars machen

Kinder, ob lustig oder süss, sind ein Hit auf Social-Media. Aber ethisch könnte da was faul dran sein – eine Analyse.

Es tut weh. Das Bild von Liam*; wie die Speckröllchen über seinen aufgeblähten Bauch rugeln, währenddem er das Wasser in der nicht mal halb gefüllten Badewanne zu schlagen versucht. Seine Mutter, die das Bild auf Facebook geladen hat, hat sein «Schnäbeli» mit lasziv anmutendem Emoji verdeckt. Es ist einfach niedlich.

Auch der Insta-Post, der die einjährige Muriel* beim familiären Ausflug ins Fastfood-Restaurant zeigt, klaubt ein Wonnegefühl aus jeder noch so finsteren Magengrube heraus. Wie …

Artikel lesen