mint
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

«Good Girls Revolt» – Wie Frauen in den Siebzigern dafür kämpften, schreiben zu dürfen

Bild: amazon studios



Es gibt Rechte, die sind scheinbar so selbstverständlich, dass sie nicht mehr hinterfragt werden. Stell dir vor du bist bestens ausgebildet, talentiert, arbeitest hart und bleibst, wenn es sein muss, auch mal bis spätnachts im Büro. Du lebst, um zu schreiben. Und doch kannst du deinen Namen nicht unter deinen Artikel setzen. Denn du bist eine Frau.  

Während die Männer auf einer erhöhten Plattform sitzen, drängen sich die Frauen eine Etage tiefer.

Klingt abwegig? Bis 1970 war das im amerikanischen Magazin «Newsweek» üblich. Frauen sind den Männern Gehilfinnen, die niedere Arbeiten erledigen. All das Zeug eben, das anstrengt und deutlich weniger Spass macht, als die Details stilsicher aufpoliert zu einem Text zusammenzuführen. Telefonieren, recherchieren, Dokumente kopieren, hin und wieder einen Kaffee für den Boss aufsetzen. Frauen müssen ran, wenn es brennt und bekommen im Gegenzug weniger Gehalt und keinerlei Aufstiegschancen. Dass sie die Texte der Redakteure und Reporter vor- und umschreiben – geschenkt.

Die Serie «Good Girls Revolt» beruht auf den gleichnamigen Memoiren von Lynn Povich, einer von 46 Journalistinnen, die 1970 ihre Arbeitgeber des New Yorker Newsweek-Magazins wegen Diskriminierung verklagten. Die Amazon-Serie ist ein gelungenes Lehrstück über historische Ereignisse, die aus der Perspektive der betroffenen Frauen geschildert werden. In Povichs fiktionalisierter Version wird den Hauptcharakteren bewusst, dass sie sich gegen die ungerechten Strukturen an ihrem Arbeitsplatz auflehnen müssen, um gleichberechtigt zu arbeiten.  

Da gibt es Patti, ein rothaariges Hippie-Mädchen, das nicht nur einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit hat, sondern auch mit Vorliebe bekifft Nachrichten schaut. Konträr dazu verhält sich die privilegierte, konservative Jane (weiss, blond, reich), die trotz Sinnesschärfe und Intellekt immer noch darauf hofft, geehelicht zu werden. Und Cindy, die noch genau ein Jahr hat, bevor sie den Dienst als Hausfrau und Mutter antritt, ohne vom Ehemann nach ihren eigenen Wünschen gefragt zu werden. Warum auch? Ein Loch im Diaphragma reicht als Antwort aus.  

Bild

bild: amazon studios

Es sind die Details, die «Good Girls Revolt» auszeichnen. Das Set im 70er-Jahre Stil prägt das Visuelle genauso wie der analoge Büroalltag ohne Mails und Smartphone. Die Charaktere nehmen von Folge zu Folge mehr Gestalt an und lassen den Zuseher an ihren inneren Konflikten teilhaben.  

Der Kampf der Frauen und ihre steten Bemühungen, die Welt ein kleines bisschen gerechter zu machen, wird sensibel aufgearbeitet und tut vor allem dort weh, wo Parallelen zur heutigen Zeit sichtbar werden.

Das verflixte mit den Rechten ist immer noch, dass sie erkämpft werden müssen – und niemals in Stein gemeisselt sind.

Obwohl sich die Frauen dazu entschliessen, das Magazin anzuklagen, werden die Männer nicht als Gegner portraitiert, sondern als das, was sie sind: Partner, Liebhaber, Freunde und Gesprächspartner, die mithilfe ihrer Kolleginnen ein qualitativ hochwertiges Magazin schaffen, das Woche für Woche die neuesten Drehs zu Streiks, Bürgerrechtsbewegungen und Krieg hervorbringt.  

Begleitet werden sie von der Anwältin Eleanor (Joy Bryant), die als junge schwarze Anwältin, Professorin und Aktivistin nicht nur Beistand leistet, sondern auch aufklärt.

«Ungerechtigkeit tut weh, nicht wahr? Das ist euer Beweis, dass hier etwas nicht stimmt. Ignoriert das nicht.»

bild: amazon studios

Das vielleicht Schwerste: Sobald die Frauen Beschwerde einreichen, ist jeder Platz, den sie bekommen, einer, den sie den Männern wegnehmen. «Wir haben der Welt eine Botschaft zu vermitteln», so Eleanor. «Und wir werden es nicht länger hinnehmen, Bürger zweiter Klasse zu sein. Nicht bei News at the Week, noch bei der Post, noch bei der Bank. Es geht nicht ohne Blutvergiessen». Etwas, das vor allem denjenigen auffällt, die sich mit der Situation arrangiert hatten, und kurz vor einem angenehmen Leben ohne finanzielle und berufliche Probleme standen. Anerkennung für die Rolle abzugeben, die sie tadellos erfüllten, erschien zu aller Erst: unbequem und unvorsichtig. Von der Möglichkeit, die Stelle zu verlieren, gar nicht anzufangen.  

good girls

bild: amazon studios

Immer wieder treffen sich Patti und Cindy auf der Toilette und später in Pattys Wohnung um den Plan auszuführen. Es ist interessant mitanzusehen, wie die Frauen nach und nach erwachen und sich aus ihrer Unterlegenheitsposition emanzipieren. Cindy aus ihrer Ehe, Patty aus den Machtstrukturen ihrer Beziehung zu einem Reporter und Jane aus der Gunst ihres Vaters.  

In «Good Girls Revolt» kämpfen gebildete Frauen aus guten Verhältnissen für etwas, das ihnen eigentlich per Gesetz zustehen müsste. Gerade weil sie über die Privilegien verfügen, ist es ihre Pflicht, erstmal für diejenigen zu sprechen, die keine Stimme haben und so etwas anzustossen, das gesamtgesellschaftliche Auswirkungen mit sich bringt. 

Letztlich geht es um die Frage nach dem Status Quo. Wann lohnt es sich, Bestehendes in Frage zu stellen – und was ist der Preis dafür? Wie kann ein glückliches Leben aussehen, wenn dafür persönliche Einbussen in Kauf genommen werden müssen?  

«Gleicher Scheiss, anderes Jahrhundert» – Die besten Schilder vom Women's March

Mehr zum Thema:

Showbusiness heisst nicht Sexgewerbe! Der Sturz des Fotografen Terry Richardson 

Link zum Artikel

Im Fall Weinstein gibt's vor allem eins zu sagen: «Fuck you!» – an mehrere Adressen

Link zum Artikel

FOMO, Squish & Vanilla: Das grosse Sex- und Gefühls-ABC der Generation Z

Link zum Artikel

«Es gibt kein Geschlecht. Es gibt keine Regeln. Es gibt nur mich.»

Link zum Artikel

WTF? 23 vergenderte Produkte, die keiner braucht 

präsentiert vonMarkenlogo
Link zum Artikel

«American Apparel»-Gründer so: «Mit Mitarbeiterinnen zu schlafen, ist unvermeidlich»

Link zum Artikel

Wütende Österreicher fordern Tod und Zwangssterilisation für die «Katzentreterin»

Link zum Artikel

Fast alle ungenügend, aber auf gutem Weg: Disney-Prinzessinnen im Gender-Check

Link zum Artikel

Hinter dem Film übers Schweizer Frauenstimmrecht steckt ein Skandal-Baby

Link zum Artikel

12 sexistische «Perlen» aus dem SRF-Archiv – muss man sehen, um es zu glauben

Link zum Artikel

Lügen-Quellen! Frauen erobern ihren wahren Platz in der Weltgeschichte zurück

Link zum Artikel

Die keltische Kriegerkönigin Boudica, die tausende Römer niedermetzelte

Link zum Artikel

Absätze, Lippenstift und neutrale Unterwäsche – darf man Frauen das vorschreiben?

Link zum Artikel

Frauen, die Geschichte schrieben, Teil I: Die ägyptische Traumfrau Kleopatra

Link zum Artikel

«Fleisch» – Lehrer mit teigigen Figuren und Kopflesben sollten dieses Buch nicht lesen

Link zum Artikel

Kaiserin Agrippina: Das herrschsüchtige Teufelsweib, das ganz Rom verführte und die Männer zu Sklaven machte

Link zum Artikel

#SchweizerAufschrei: 21 Tipps gegen den ganz alltäglichen Sexismus

Link zum Artikel

Sie haben genug: 22 Schweizerinnen erzählen, wie sie sexuelle Gewalt im Alltag erlebten

Link zum Artikel

Diese Frau steckt hinter der Aktion #SchweizerAufschrei

Link zum Artikel

Du bist jung, weiblich und in deine beste Freundin verliebt? Dies erwartet dich <3

Link zum Artikel

Diese 15 genialen Bilder beschreiben perfekt, wie es ist, die Mens zu haben

Link zum Artikel

In 6 Schritten zum Stalker: Der Aktionsplan für die Frauen-mit-Kopfhörer-Anmache

Link zum Artikel

Du wirst bald 30? Freu dich, jetzt wird dein Leben echt fantastisch!

Link zum Artikel

Der BH als Spiegel unserer Gesellschaft: Ist es wieder mal Zeit für eine Befreiung der Brüste?

Link zum Artikel

«So nicht, liebe Männer!» Tinder-Knigge zweier watson-Userinnen macht aus Eseln Hengste

Link zum Artikel

Stefanie gegen die rechte Welt: Was der Spruch «Feministinnen sind hässlich» wirklich bedeutet 

Link zum Artikel

Auf der Tür zur Hölle der Frau stehen 3 Buchstaben: PMS. Prämenstrueller Supergau

Link zum Artikel

«Voll zwischen die Beine» – «Habe ich schon x-mal erlebt» – «Man hat sich daran gewöhnt»: Wie Frauen im Ausgang sexuell belästigt werden

Link zum Artikel

«Und was ist mit den Männern?!» Das Schreckgespenst Feminismus geht wieder um 

Link zum Artikel

Das Fazit von Köln: Frauen müssen lernen, nicht vergewaltigt zu werden

Link zum Artikel

Es ist ganz einfach: Feminismus ist das neue Cool

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

So viel verdient dein Lehrer – der grosse Schweizer Lohnreport 2019

Link zum Artikel

Prügelt Trump die amerikanische Wirtschaft in eine Rezession?

Link zum Artikel

Schweizer Firmen wollen keine Raucher einstellen – weil sie (angeblich) stinken

Link zum Artikel

Liam und Emma sind die beliebtesten Namen der Schweiz – wie sieht es in deinem Kanton aus?

Link zum Artikel

AfD-Politikerin Alice Weidel ist heimlich wieder in die Schweiz gezogen

Link zum Artikel

Mein Horror-Erlebnis im Militär – und was ich daraus lernte

Link zum Artikel

2 mal 3 macht 4! – Das wurde aus den Darstellern von «Pippi Langstrumpf»

Link zum Artikel

Greta Thunberg wollte Panik säen, erntet nun aber Wut

Link zum Artikel

Pasta mit Tomatensauce? OK, wir müssen kurz reden.

Link zum Artikel

«Es war die Hölle» – dieser Schweizer war am ersten Woodstock dabei

Link zum Artikel

Oppos Reno 5G ist ein spektakuläres Smartphone – das seiner Zeit voraus ist

Link zum Artikel

MEI, Minarett und Güsel: Das musst du zum Polit-Röstigraben wissen

Link zum Artikel

Ich hab die 3 neuen Huawei-Handys 2 Monate im Alltag getestet – es gab einen klaren Sieger

Link zum Artikel

Keine Hoffnung auf Überlebende nach Unwetter im Wallis ++ Gesperrte Pässe in Graubünden

Link zum Artikel

Immer wieder Djokovic – oder Federers Kampf gegen die Dämonen der Vergangenheit

Link zum Artikel

QDH: Huber ist in den Ferien. Wir haben ihn vorher noch ein bisschen gequält

Link zum Artikel

YB-Fan lehnt sich im Extrazug aus dem Fenster – und wird von Schild getroffen

Link zum Artikel

10 Tweets, die zeigen, dass in Grönland gerade etwas komplett schief läuft

Link zum Artikel

Wahlvorschau: Die Zentralschweiz ist diesmal nicht nur für Rot-Grün ein hartes Pflaster

Link zum Artikel

Sogar Taschenrechner verwirrt: Dieses Mathe-Rätsel macht gerade alle verrückt

Link zum Artikel

Die bizarre Geschichte der Skinwalker-Ranch, Teil 4: Die Zweifel des Insiders

Link zum Artikel

Uli, der Unsportliche – warum GC-Trainer Forte in Aarau unten durch ist

Link zum Artikel

Die Bloggerin, die 22 Holocaust-Opfer erfand, ist tot, ihre Fantasie war grenzenlos

Link zum Artikel

Google enthüllt sechs Sicherheitslücken in iOS – das solltest du wissen

Link zum Artikel

Der neue Tarantino? Ist Mist. Aber vielleicht seht ihr das ganz anders

Link zum Artikel

Wohin ist denn eigentlich die Hitzewelle verschwunden? Nun, die Antwort ist beunruhigend

Link zum Artikel

Gewalt und Krankheiten – die Bewohner der ersten Steinzeit-Stadt lebten gefährlich

Link zum Artikel

Ab heute lebt die Welt auf Ökopump – und diese Länder sind die grössten Umweltsünder

Link zum Artikel

ARD-Moderatorin lästert über «Fortnite»-Spieler und erntet Shitstorm – nun wehrt sie sich

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

1
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen

Wenn Frauen über Autoren schreiben, wie sonst nur Männer über Autorinnen schreiben

Alles fing damit an, dass sich eine Journalistin über eine Rezension im «Tages-Anzeiger» aufregte. Darin schrieb ein älterer Mann über das Buch einer sehr jungen Frau. Vor allem aber schrieb er darüber, wie er das Aussehen besagter sehr junger Frau auf dem Foto im «New Yorker» empfand. Sie sehe darauf aus «wie ein aufgeschrecktes Reh mit sinnlichen Lippen».

Die Frau heisst Sally Rooney – sie ist 28 Jahre alt und eine mit Literatur-Preisen überhäufte Bestseller-Autorin aus Irland.

Aber anstatt in …

Artikel lesen
Link zum Artikel