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Neuer Sommertrend: Kranksein bei 30 Grad – ich hab' es ausprobiert

Die Autorin hat sich entschieden den folgenden Beitrag mit Quallen zu bebildern – da sie sich während ihrer Krankheit in etwa so gefühlt hat. shutterstock

Tausche Spritzwein gegen Gurgellösung. Noch wer? 

18.06.17, 13:59 19.06.17, 06:27

Es gibt nicht vieles, auf das man sich heutzutage noch verlassen kann. Der grippale Infekt kurz vor dem sieben Monate im Voraus gebuchten USA-Urlaub, er gehört auf jeden Fall zu den Top 5.

Pünktlich wie die SBB holt er einen spätestens ab Tag 3 zurück ins Bett und verdeutlicht einmal mehr die natürliche Gewalt der Streptokokken. Mensch, was bist du auch für ein verwundbares Tier.  

Was zwischen dem Ende der Seuche und dem Moment passiert, an dem man «es» bemerkt, habe ich in diesem Krankheitstagebuch festgehalten.

Gewidmet allen Leidensgenossinnen und -genossen.

Tag 1

Du fragst dich, was das für ein Kratzen in deinem Hals ist. Darf man damit raus gehen? Kann eigentlich nicht wahr sein, dieses Kratzen, ist bestimmt nur vorübergehend. Also, du bist ja schliesslich sonst auch nie krank und gestern ging es dir noch tadellos. Das Immunsystem wird es richten.  

Denkst du.  

Tag 2

Alles wie gestern, nur schlimmer. Du sortierst die Medikamente im Badezimmerschrank nach Haltbarkeitsdatum. Kann man das noch einwerfen? Soll ich wirklich zuhause bleiben? 

Abends hast du eine Verabredung mit Emil, für die du deine letzte Würde geopfert hast. Absagen unmöglich. Also, sicher nicht wegen diesem bisschen Hals- und Ohrenweh. Morgen ist es vorbei.

Ganz bestimmt!  

Tag 3

Morgen ist es dann jedenfalls nicht vorbei gewesen, sondern eher zu einer mittelschweren Angina fortgeschritten. Um das Theaterstück mit den nackten Menschen im Keller zu überstehen, hast du dir gestern präventiv zwei Schmerztabletten gegönnt. Dort unten haben sie dann noch stärker geschwitzt als du auf Paracetamol – und das soll was heissen.  

Später wart ihr dann noch eins trinken. Hättest du dir sparen können, das ganze Prozedere. Getränk bestellen, Getränk hochheben, zum Mund führen, verführerisch Lächeln trotz der pochenden Mandeln in deinem zuckersüssen Rachen. Autsch! 

Nein, Fieber ist es bestimmt keines, was dir diese Gänsehaut beschert. Also, bis jetzt nicht.  

Zuhause Fieber messen. 37,6. Geht ja noch so gerade. Die Nachtruhe wird es richten.  

Eine sehr prachtvolle Qualle. Da war sie noch optimistisch ... shutterstock

Tag 4

38,2. Die Nachtruhe hat es nicht gerichtet. Nach zwölf komatösen Stunden wachst du schweissgebadet auf und fühlst dich totgeboren. Du konfrontierst dich endlich mit der Realität und siehst ein, dass du krank bist. Also, so richtig. Es ist das widerlichste Gefühl, das du bei 30 Grad im Schatten kennst. Also, abgesehen von Sonnencreme mit Sandpartikeln auf deiner frischepilierten Haut.

Essen ja, schlucken nein. Die Nahrungsaufnahme wird zur kompliziertesten Angelegenheit der Welt.

Erstmal Netflix mit dem Passwort deines Ex-Freunds anschmeissen, die neue Staffel «Master Of None» kommt dir jetzt wirklich gelegen. Zwei Stunden später wachst du mit verklebtem Rachen auf und merkst, dass du nichts mehr im Kühlschrank hast.  

Du schälst dich aus deinem Nachthemd hinein ins bequemste Kleid, spuckst etwas aus, das dich entfernt an Lungengewebe erinnert (warum ist das so rot?) und schleppst deinen schweren Körper die Treppen hinab wie bei einer durchzechten Nacht. Zurück im Bett wirst du neben Schokobons und Erdbeeren ohnmächtig.

Morgen dann aber wirklich Arzt.  

Tag 5

Das erste Open-Air des Jahres? Verpasst. Das Grillen am Sonntag? Verpasst. Kino unter Sternen? Nope, nicht für dich. 

Statt dem neuen Body hast du seit drei Tagen dasselbe grüne Schlaf-T-Shirt an, das sie dir 2010 im Volleyballlager geschenkt haben und fragst dich, warum du noch nicht gestorben bist.

Es gibt keinen demütigenderen Moment, als mit 38,2 Grad Fieber um 8.30 Uhr mit 25 anderen Kranken vor einer verschlossenen Arztpraxis zu stehen und seine Mandeln pulsieren zu hören. Du glaubst, irgendjemand lässt dich trotz deines Leichenzustandes und dem Vogelnest auf dem Kopf vor. Dem ist dann nicht so. Immer schön hinten anstellen, Madame. 

Denn: Vorschrift ist Vorschrift und Warten heisst auch dann noch warten, wenn einem währenddessen ein Bein abfällt. Als du endlich drinnen stehst, fängst du an zu heulen wie ein 3-jähriges Kind. WO ist deine Mutter, herrgottnochmal. Kann dich irgendjemand bitte ins Wartezimmer tragen? Erwachsensein kann so erbärmlich sein.

Du wartest anderthalb Stunden auf der unbequemsten Sitzbank der Welt, um dir drei Sekunden in den Rachen leuchten zu lassen.

Eine Stunde später bist du mit stärkeren Antibiotika versorgt als ein durchschnittliches Supermarkthuhn und fragst dich, wie Menschen überhaupt älter als 30 Jahre werden können, wenn es gleichzeitig Zustände wie diese gibt, in denen man an seinem eigenen Schleim erstickt.  

Eine Qualle, die das Licht schon sieht ... shutterstock

Tag 6

Angesichts deiner Fieberzustände hast du das Antibiotika als letzte Ausflucht dankbar in Kauf genommen, um irgendwann wieder unter den Lebenden zu weilen. FOMO (Fear of missing out = Die Angst, etwas zu verpassen) wird dein neuer Endgegner.

Tag 6 – fast noch genauso scheisse wie Tag 5, nur ohne der grenzenlosen Hoffnungslosigkeit. Der Schleim, er fliesst jetzt halsaufwärts und findet seinen Weg aus deinem Körper. Alles, was du tun kannst, ist Netflix, Fertigpizza, Lutschtabletten – in dieser Reihenfolge. Und natürlich ganz viel Tee!

Wer Wasser trinkt, befeuchtet seinen Hals, muss aber gleichzeitig doppelt so oft aufs Klo. Es sind die ganz grossen Entscheidungen, die man in den Tagen der absoluten Isolation mit sich selbst ausmachen muss.  

Tag 7

Ein Hoch auf die moderne Medizin! Das Antibiotika entfaltet seine volle Wirkung und nimmt den Druck aus deinem linken Ohr. Du kannst sogar wieder telefonieren! Ganz angenehm so, ohne das Quietschen. Tag 7 zeichnet sich auch dadurch aus, dass du den Krankenstand langsam ganz geil findest und literweise Ben and Jerry's löffelst. Wann kannst du schon in hektischen Zeiten wie diesen absolut gar nichts tun, ohne dich dabei bei Freunden, Verwandten oder dir selbst zu entschuldigen? Eben. 

Spätestens ab Tag 7 fängt auch die Zeit an, in der du wieder aufrecht Käsebrot im Bett essen kannst, ohne das Gefühl zu haben unter der Schwere deines Oberkörpers einzubrechen. 

Deine Freunde fragen inzwischen per WhatsApp nach dem Zustand deiner Tuberkulose.

Sehr witzig, Elena!  

Auch Quallen haben Freunde. Shutterstock

Tag 8 bis zum Ende der Seuche

Deine Fantasie erfreut sich mittlerweile an allem, das nicht an knielange Nachthemden und Cortisolinfusionen erinnert. Du bist druffer als jeder Raver um 15 Uhr im Berghain und fragst dich, wer seinem Körper so etwas freiwillig antut.

Also, wäre da nicht diese unbändige Lebenslust, die dich an eine Existenz ausserhalb deiner vier Wände erinnert und dir Hummeln in den Arsch pflanzt, für später. 

Eine Weile hält er ja zum Glück noch an, der Sommer.

Dabei könnte alles doch sooo schön sein ... Sommer in der Schweiz <3

Surfen – nicht nur im Sommer schön:

1m 3s

Surfen unterm Nordlicht

Video: reuters

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Brikne, 20.7.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • Franbon89 20.06.2017 11:29
    Highlight Chan dir voll na fühle 😥 ich bim s erste mal i mim Lebe im Summer chrank und das bi dene Temperature wo mer doch i de Freizit lieber ga schwümme gat und nöd dihai Nastüecher volrotzt und sich d Lunge fascht usehuestet...Wünsche Anne mitchranke e gueti Besserig und allne Gsunde wo wahrschinlich am Schaffe sind en guete Tag 😀
    0 3 Melden
  • Paul Girard 19.06.2017 14:21
    Highlight DAS AntibiotikUM.
    DIE AntinbiotikA.
    Bitte, gern geschehen.
    11 3 Melden
  • Calvin WatsOff 18.06.2017 17:57
    Highlight Ähhmm, liest sich irgendwie lustig, wenn man gesund ist.😊 gute Besserung der Verfasserin und Kopf hoch, der Sommer hat erst begonnen. 👍🏻🤗
    49 4 Melden
  • Chrutondchabis 18.06.2017 16:40
    Highlight Ich bin seit 25 Jahren nicht mehr krank gewesen und bin nun 40. Ich bin seit 25 Jahren nicht mehr geimpft worden... Gute Besserung Xenia
    12 112 Melden
    • Marlon Mendieta 18.06.2017 17:26
      Highlight Bin seit 15 Jahren nicht mehr krank gewesen, und bin 30.
      Ich bin seit 15 Jahren nicht mehr in der Kirche gewesen... Gute Besserung Chrutondchabis
      150 6 Melden
    • exeswiss 18.06.2017 19:33
      Highlight "Ich bin seit 25 Jahren nicht mehr geimpft worden..."

      dank deinen mitmenschen die geimpft sind. (falls du etwas anderes als die grippeimpfung meinst)
      79 5 Melden
    • Gulasch 19.06.2017 01:48
      Highlight Ich war seit 15 Jahren nicht mehr krank und hatte vor 3 Monaten die letzte Impfung!
      Bitte nur evidence und nicht eminence based Aussagen!
      37 1 Melden
    • Chrutondchabis 19.06.2017 08:19
      Highlight Gratuliere Euch allen zu Eurer Gesundheit, ich bin stolz auf Euch :-)
      15 2 Melden
    • Asmodeus 20.06.2017 12:57
      Highlight Ich war seit 6 Monaten nicht mehr krank.

      It's something.
      3 1 Melden
  • wipix 18.06.2017 16:10
    Highlight Hab die Symptome seit ca. 1,5 Wochen. Wegen geschwollenem Hals Schnarchen> Frau auch ins Gästezimmer gezügelt (ne, die! Ich durfte nicht)...
    Seit gestern Nacht noch nun endlich Besserung. Hoffe bald wieder zu zweit in der Nacht🤧🤒
    26 3 Melden
  • oureax 18.06.2017 16:04
    Highlight Wegen einer Grippe zum Arzt rennen? Kein Wunder steigen die Krankenkassenprämien...
    32 116 Melden
    • Rendel 18.06.2017 16:09
      Highlight Streptokokken haben nichts mit einer Grippe zu tun, bei Angina muss man zum Arzt.
      104 6 Melden
    • Aglaya 18.06.2017 16:27
      Highlight Die Autorin hat Antibiotika erhalten, also hatte sie offenbar keine Grippe, sondern eine bakterielle Erkrankung. Zudem müssen die meisten Berufstätigen nach spätestens drei Tagen Abwesenheit ein Arztzeugnis vorlegen.
      130 6 Melden
    • Sunny92 18.06.2017 16:41
      Highlight Du arbeitest wohl nicht? In der Regel muss man nach 3 Tagen Krank sein ein Arztzeugnis vorlegen.
      80 2 Melden
    • Spinoza 18.06.2017 16:45
      Highlight Leider werden oft Antibiotika verschrieben, wenn es sich um virale Infekte handelt. Bakteriell oder viral lässt sich klinisch meist kaum unterscheiden.
      Wenn man länger als eine Woche krank ist, kann man zum Arzt. Vorher ist das einfach nur übertrieben.
      14 68 Melden
    • Rendel 18.06.2017 17:17
      Highlight Der Arzt könnte ganz einfach einen Abstrich machen und ins Labor schicken. Manchmal reicht auch das Sputum. (Spucke, Auswurf)

      Und sie gehören wohl auch zu denen, die nicht arbeiten oder selbständig sind.
      43 1 Melden
    • Spinoza 18.06.2017 18:33
      Highlight Was in den meisten Fällen vollkommen überflüssig und nicht aufschlussreich wäre, kann so ein Abstrich schliesslich nicht erkennen, ob der Erreger krank macht oder einfach zufällig da ist.
      Mit der zunehmenden Resistenz sollte man einfache Grippale Infekte und solche Erkrankungen sowieso nicht mit Antibiotika behandeln.

      5 15 Melden
    • Rendel 18.06.2017 21:56
      Highlight Grad gegen zunehmende Resistenzen hilft es zu wissen mit welchem Bakterium man zu tun hat, um gezielt ein wirksames Antibiotikum einzusetzen, statt ein Breitbandantibiotikum zu verabreichen. Ein verantwortlicher Arzt, gibt eh keine Antibiotika ab bei Grippeverdacht, bei Angina hingegen schon.
      10 0 Melden
    • Gulasch 19.06.2017 01:54
      Highlight @Spinoza: Die Abstriche für Angina/bzw. Rachen sind spezifisch für Streptokokken, die sind nur bei Angina da, also sind die aufschlussreich und nicht überflüssig! Es ist aber richtig, es gibt falsch-negative und -positive!
      Eine antibiotische Therapie kann also relativ gut indiziert werden!
      10 0 Melden
  • Rendel 18.06.2017 16:03
    Highlight Ich fand es amüsant zu lesen und hab gelacht. Mitleid hat es nicht erweckt und ich glaub zu wissen, dass das auch nicht ihr Ansinnen war. 😊
    25 0 Melden
  • dommen 18.06.2017 15:23
    Highlight Darf den Zustand auch gerade "geniessen", und so langsam geht mir das Ibuprofen aus
    12 6 Melden
    • Nilda84 19.06.2017 22:35
      Highlight Willkommen im Club ✌🏽️
      1 0 Melden
  • Wasmeinschdenndu? 18.06.2017 14:40
    Highlight Ich verstehe dich ja, zumindest ein bisschen. Aber all die Heuschnupfengeplagten, die grippeähnliche Symptome vom März bis September haben machen doch einiges mehr durch. Und wenn du gleich in der Pollenhochsaison noch krank wirst fühlst du dich als hättedt du Pest und Cholera gleichzeitig...
    58 8 Melden
    • ThePower 18.06.2017 15:48
      Highlight Mir hilft Telfastin sehr gut. Macht nicht müde, reduziert das Elend doch sehr deutlich und ist sogar bezahlbar, wenn man das Generikum kauft (10 Stk um die 6.-). Hoffe, ich konnte helfen😎
      16 3 Melden
    • Rendel 18.06.2017 16:00
      Highlight Wieso immer vergleichen, ich könnte ihnen Krankheiten nennen, da sind sie froh haben sie nur Heuschnupfen.
      53 4 Melden
    • Sinriu 20.06.2017 09:25
      Highlight Ein klarer Fall von Whataboutism...
      Bin auch seit einer woche krank und fühle mich nicht besser, nun da ich das mit den Heuschnüpflern weiss...
      1 0 Melden

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