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Jetzt gibt's eins auf den Helm: Wir spielen «Arena for the Gods!»

Bild: EPA/KEYSTONE

Jeder für sich und die Götter gegen alle: In diesem kurzweiligen Würfelspiel ist niemand vor den Fähigkeiten der anderen sicher.   

05.11.17, 17:42

Wir spielen heute:
«Arena for the Gods!»

Bild: iello

«Arena for the Gods!»: Würfel-Eliminationsspiel von Maxime Rambourg für 2 bis 6 Spieler ab 8 Jahren. Spieldauer: 30 bis 60 Minuten. Verlag: iello. Deutsche Version: Hutter Trade.  Preis: etwa 56 Franken.

Thema:

Gladiatoren treten in einer Arena zum Kampf «Jeder gegen jeden» an. 

Was macht man?

Vor dem Kampf: Um Ausrüstungskarten bieten.
Während des Kampfs: Würfeln, entsprechend dem Resultat Fähigkeiten anwenden, Figuren bewegen oder Schläge austeilen. 

Besondere Features:

Sehr variabler Aufbau des Spielbretts.

Geeignet für:

Leute, welche die direkte Konfrontation mit anderen beim Spielen nicht scheuen und gerne mit Würfeln zocken.  

Wir haben es für euch gespielt!

Wenn man arglos eine Spieleschachtel öffnet, kann es durchaus passieren, dass man – zoing pfonz bling – in die Arena einer mythologischen Welt katapultiert wird, wo man auf alte Freunde, die man von der Arbeit kennt, einprügeln muss. In den Logen haben mächtige Götter Platz genommen: Für Meeresgott Poseidon wurde extra ein mit Wasser gefüllter Bottich aus Gold aufgestellt, aus dem heraus er das Geschehen in der Arena verfolgen und Längen des Programms mittels Beschäftigung mit seinem Gummi-Entchen überbrücken kann. Paul Mafayon, der die Grafik des Spielbretts gestaltet hat, zeigt jedenfalls durchaus Sinn für Details und Humor.   

Vom Ansatz her erinnert «Arena for the Gods!» an das grossartige «King of Tokyo», das ebenfalls im Verlag Iello erschienen ist. Genau wie dort müssen die Spieler versuchen, in einem Würfelspektakel jeder gegen jeden die 20 Lebenspunkte der Gegner auf null zu bringen. Damit sind allerdings die Ähnlichkeiten auch schon erschöpft. Vom Spielgefühl her generiert «Arena for the Gods!» ein ziemlich anderes Erlebnis, das weniger dynamisch abläuft. Der französische Spieleautor Maxime Rambourg aus Nancy hat an seinem Werk zu basteln begonnen, lange bevor «King of Tokyo» die Welt eroberte, nämlich schon in seiner Kindheit vor über 15 Jahren.

Auf der Spielmesse in Essen gab es eine Grossversion von «Arena for the Gods!» Bild: Tom Felber

Die Ausgangslage kann variiert werden: Die Arena auf dem Spielplan ist immer wieder anders mit 3D-Hindernis-Türmen, Fallen und Lebensbrunnen bestückbar. Auch die Grösse kann man daran anpassen, ob nur zwei oder gar bis zu sechs Helden aufeinander los gehen. Die Bildung von Teams ist möglich und durchaus interessant. Zu Beginn wählt jeder Mitspieler eine Heldenfigur, von denen – sehr zeitgemäss – gleich viele weibliche wie männliche vorhanden sind. Sie tragen verheissungsvolle Namen wie Kleo, Mafaya, Nakamura, Maximus, Tzi-Xican und Sigi. 

Die Charaktere an sich haben noch keine unterschiedlichen Fähigkeiten. In einer Ausrüstungsphase muss dann aber jeder Spieler vier Karten mit individuellen Aktionsmöglichkeiten ersteigern: Eine Waffe, ein Reittier, eine Rüstung und ein Zauberspruch. Dies geschieht jeweils durch ein verdecktes Gebot. Zahlungsmittel dafür sind die Lebenspunkte, von denen zu Beginn jeder Spieler 20 hinter seinem Sichtschirm versteckt, in der Form von roten transparenten Würfelchen. Wer in dieser Phase zu stark dem Konsumwahn verfällt, tritt möglicherweise am Ende der Ausrüstungsphase nur mit der Hälfte der ursprünglichen Lebenspunkte in die Arena. Allerdings kann sich der Griff in den Lebenspunkte-Topf durchaus lohnen. Einige Karten haben ziemlich krasse Fähigkeiten. 

Karten der englischen Version. Bild: iello

In der eigentlichen Kampfphase würfelt dann reihum jeder Spieler und setzt die gewürfelten Symbole in Kombinationen ein, um zu agieren. Es gibt vier verschiedene Symbole auf den Würfeln: Ein rotes Schwert, eine grüne Tatze, ein gelber Stern und ein blaues Schild. Grundsätzlich kann jeder Spieler vier Basis-Aktionsmöglichkeiten ausführen:

Durch die vier Karten erhält jeder Spieler vier weitere Optionen, die nur sein Held zur Verfügung hat und sonst niemand. Wer klug ist, kann versuchen, starke Karten-Combos zusammenstellen. 

Die Rückseite der Schachtel. Bild: iello

Mit «Thors Hammer» führt man zum Beispiel einen Rundumschlag aus, der alle Gegner trifft. Mit der «Sphinx» kann man auch gegnerische Figuren bewegen. Mit «Shivas Halsband» bekommen die Angreifer selber Schäden, wenn sie auf einen einprügeln, mit «Freyas Segen» werden die Würfel so gedreht, wie man will, mit «Lokis Illusion» kann die Position mit einer Gegner-Figur getauscht werden und dank «Sachmets Heilkraft» bekommt man wieder Leben zurück. Weil das Spiel 48 verschiedenen Karten enthält, ist für Abwechslung gesorgt. Auch auf dem Spielplan kann man Lebenspunkte generieren, nämlich mit dem Betreten eines Lebensbrunnens. Lebensabzug gibt es für Helden, die in Fallen geschubst werden. 

Grundsätzlich würfelt jeder Held mit sieben Würfeln. Durch die eingesetzten Fähigkeiten der Gegner kann es aber passieren, dass man wesentlich weniger zur Verfügung hat. Jeden Würfel kann man einmal benutzen, um damit Aktionen festzulegen. Die Zahl der Lebenspunkte sind grundsätzlich hinter dem Sichtschirm verborgen, wer schlau ist, zählt aber heimlich mit. Sobald jemand auf null Leben sinkt, ist das Spiel zu Ende und es gewinnt, wer noch am meisten rote Würfelchen vorweisen kann. Natürlich besteht dabei die Gefahr des Königmacher-Effekts

Wer nicht aufpasst, verhilft einem Dritten unabsichtlich zum Sieg. Das Spiel läuft relativ chaotisch ab und wie bei jedem Würfelspiel ist man dem Schicksal ziemlich stark ausgeliefert. Es kann sogar vorkommen, dass man eine teuer erworbene Mega-Kartenfähigkeit während der ganzen Partie nicht ein einziges Mal anwenden kann, weil man einfach immer nur unpassenden Müll zusammenwürfelt. Im Teamspiel, bei dem man nicht dauernd damit rechnen muss, von irgend jemandem von hinten eins über den Helm gezogen zu kriegen, ist ein wesentlich planvolleres Vorgehen möglich.  

Einen allzu grossen taktischen Tiefgang können die Spieler aber natürlich trotzdem nicht erwarten. Wer an der Reihe ist, würfelt und versucht halt einfach, das beste daraus zu machen. Die eigentliche Herausforderung besteht sowieso darin, den Gesundheitszustand der übrigen Mitspieler im Gedächtnis zu behalten, die Gegner verbal gegeneinander aufzuhetzen und im richtigen Augenblick mit einem vernichtenden Move zuzuschlagen.

«Arena for the Gods!» ist ein durchaus kurzweiliges, abwechslungsreiches Fun-Spiel. Auch der Achtjährige kann dabei gegen seinen Vater gewinnen, so ihm die Götter beistehen. 

Bild: iello

Ist das Spiel zu zweit spielbar?

Ja klar, und zwar problemlos. Dann wird es sogar wesentlich taktischer und ausgeglichener, und man ist nicht mehr der Willkür von Koalitionen oder unmotivierten Dritten ausgeliefert, die eigentlich keine Ahnung haben, was sie gerade tun.  

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Als Jurymitglied ist Tom Felber verpflichtet, sämtliche relevanten neuen Spiele mehrfach auszuprobieren. Dazu benötigt er natürlich auch immer wieder neue Mitspieler. Wer Lust hat, mitzuspielen, kann sich über spieleabende@bluewin.ch für seinen Newsletter anmelden. Die Spiele-Testrunden finden jeweils in Zürich statt.

Tom Felber ist ...

... der Vorsitzende der internationalen Kritiker-Jury «Spiel des Jahres» und veröffentlicht seit 1985 Spiele-Rezensionen in verschiedenen Medien. Fortan wird er hier für uns regelmässig neue Brett- und Kartenspiele vorstellen.

bild: zvg

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    Alle Leser-Kommentare
  • Pogon 07.11.2017 16:27
    Highlight Cooler Artikel! Bitte noch mehr Brettspiel-Content :)
    2 0 Melden
  • Rendel 05.11.2017 20:57
    Highlight ..Oder unmotivierten Dritten ausgeliefert, die eigentlich keine Ahnung haben was sie tun. 😂 Ich kenne sie und das sind echte Spielverderber! 😡



    15 1 Melden

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