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bild: marin valentin wolf

«It kills the atmosphere»

Aaron Parks Little Big besuchten zum wiederholten Male das «Musig im Pflegidach» Muri und verzauberten das Publikum
18.11.2019, 10:37
Gloria Kunz

Plötzlich erklingen flötenartige Klänge. Das Keyboard von Aaron Parks gibt sehr hohe Töne von sich. Es wird gespannt zugehört und man ist fasziniert über diese scheinbar wirren Keyboard-kompositionen. Erinnerungen an ein dschungelartiges Ambiente kommen auf. Diese künstlichen Abwandlungen von Tönen erzeugt Parks mit dem Synthesizer. Diese sind computergesteuert, das System dafür hat Parks selber kreiert. Mit dem Keyboard können viele Töne auf einmal gespielt werden, aber die Töne können nicht lange gehalten werden. Dies umgeht Parks mit seinem eigenen System von Klängen.

«Hearing a piano solo isn’t something that makes you think, that something special is going to happen»
Aaron Parks

So erklärt der 36-jährige Amerikaner. Er allein am Klavier sei nichts besonders Interessantes oder Spannendes. Nur mit der Gitarre seines Bandkollegen vereint, werden die Songs bemerkenswert. «Die Symbiose zwischen Gitarre und Klavier machen diese Band einzigartig. Das Zusammenspiel und die Einheit, als die sie auftreten ist einfach fett», so wird die Band «Little Big» von den Zuschauern Mathieu Friz, Mathias Brehle und David Krähenbühl beschrieben. Es wird eine entspannende Leichtigkeit in den Solos, mit der überraschenden Schnelligkeit in gewissen Passagen vereint.

Hinweis
Die Autorin ist Schülerin an der Kanti Wohlen. Im Rahmen ihres Deutschunterrichts verfassen die Schüler auch Konzertberichte, die in die Note einfliessen.

Attention, Earthlings

Der gleichnamige Song soll auf den Klimawandel aufmerksam machen, weist Parks hin. Es folgt keine Reaktion der Zuschauer. Der Pianist entgegnet: «Yeah that’s the usual reaction I get. It kills the atmosphere, so to speak». (Ja, das ist die übliche Reaktion, die ich auf das [diese Ansage] kriege. Es tötet sozusagen die Atmosphäre.) Mit diesem Wortspiel meint er, dass der Klimawandel nicht nur die (Erd)Atmosphäre tötet, sondern dieser, als Thema, tötet auch die Atmosphäre im Konzertsaal.

Obwohl er sehr viel fliegt, stellt er sich auf die Seite der Klimaaktivisten und setzt sich für sie ein, dies erscheint auf den ersten Blick paradox. Aber laut Parks, bedeute es Mensch zu sein, Hypokrit [Heuchler] zu sein. Damit meint er, dass es heutzutage fast unmöglich sei, konsequent klimaneutral zu leben. Das Mindeste, was er gegen den Klimawandel unternehmen kann, ist ein Bewusstsein dafür zu schaffen durch seine Songs.

Aaron Parks Little Big - «Professor Strangeweather» Muri

Seit 2009

Parks kam erstmals vor zehn Jahren in den Ochsen. Damals im Jahre 2009 waren die Plätze spärlich besetzt. Parks kam immer wieder mal nach Muri, es sei für ihn immer eine Freude hierhin zurück zu kommen. Es fühle sich an wie eine Familie hier, offenbart er. Heute ist das Pflegidach ausverkauft. Eine typische Jazzkarriere, der Weg ist lang, bis die breite Öffentlichkeit von einem Jazzkünstler erfährt.

Wo Parks in zehn Jahren stehen wird, weiss er noch nicht. Der erfolgreiche Pianist hofft zumindest, dass er und die Band dann immer noch touren können und dass er glücklich und frei leben kann. Sein grösster Wunsch ist es, dass die Welt nachhaltiger ist in Zukunft und noch nicht vollständig vom Klimawandel zerstört wurde.

Solace (Trost)

Diesen Gedanken führt er in seiner neuen Komposition weiter. «It’s pretty rough out there» (Da draussen [in der Welt] ist es ziemlich hart), macht Parks geltend. Dies nicht nur aufgrund des Klimawandels, sondern auch wegen vieler weiterer Faktoren. Beispielsweise ist das die endlose Bombardierung einer Person mit Informationen und man ist ständig mit dem Internet in Kontakt. Da kann man sich schnell klein und machtlos fühlen.

«[It] closes your heart off, because there’s too many things to care about [...] [it’s noticed as] a shrinking emotional capacity» (Es lässt das Herz sich verschliessen. Weil es zu viele Sachen in der Welt gibt, über die man sich sorgen könnte. Dies führt zu einer schrumpfenden emotionalen Kapazität.) Der Song sei eine kleine Dosis, von was man vielleicht Herz öffnende Medizin nennen kann. Dem universellen Leiden soll Trost gespendet werden.

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Aaron Parks Little Big @ «Musig im Pflegidach» Muri

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Aaron Parks Little Big @ «Musig im Pflegidach» Muri
quelle: valentina gutierrez
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In alter Frische – oder in frischem Alter
Samara Joy (Gesang) aus New York, Ben Paterson (Klavier) aus Philadelphia, Malte Arndal (Schlagzeug) aus dem ländlichem Dänemark und Mathias
Allamane (Bass) aus Südfrankreich zeigten am letzten Sonntagabend bei «Musig im Pflegidach» in Muri, in einer perfekt eingespielten Formation, wie universell und zeitlos Jazz war und bis heute ist.

«Diese Sängerin hier wird einmal ganz gross werden.» Mit diesen Worten begrüsste Stephan Diethelm am letzten Sonntagabend das Publikum und die 22-jährige Samara Joy. Da es sich in den letzten 20 Jahren schon öfter herausstellte, dass Künstler*innen, die bei «Musig im Pflegidach» auftraten, später grössere Erfolge feiern durften, muss man Diethelms Vorhersage ernst nehmen.

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