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Julian Lage Trio bei «Musig im Pflegidach», Muri
Julian Lage Trio bei «Musig im Pflegidach», Muri
Stephan Diethelm

Jazz-Gitarrist Julian Lage liebt die Freiheit

Vergangenen Sonntagabend verzauberte das Julian Lage Trio das zahlreich erschienene Publikum bei «Musig im Pflegidach» in Muri.
21.11.2016, 15:4727.02.2017, 11:26
Noëlle bräker*

* Die Autorin ist Schülerin an der Kanti Wohlen. Im Rahmen ihres Deutschunterrichts verfassen die Schüler auch Konzertberichte, die in die Note einfliessen.

Der Organisator Stephan Diethelm meinte vor dem Konzert: «In der Schweiz gibt es keine vergleichbare Veranstaltung an einem Sonntagabend, die so viele Besucher anzieht.» Und wirklich, im Dachstock der Pflegi Muri war jeder Platz besetzt und einige der über 90 Besucher und Besucherinnen mussten sogar stehen. Sie nahmen dies jedoch gerne in Kauf, um den drei Ausnahmemusikern zuhören zu können.

Nach einigen Konzerten in den USA trat das Julian Lage Trio zum ersten Mal in dieser Konstellation in Europa auf. Die drei Musiker harmonierten perfekt miteinander, es gab aber auch erstklassige Soli von jedem der Künstler. Jedes der Stücke spielten sie mit einer unglaublichen Dynamik. Es schien als wüsste Eric Doob am Schlagzeug immer genau, was Jorge Roeder am Kontrabass denkt.

Auch Julian Lage, der Gitarrist, schien immer genau zu wissen, was als nächstes kommt, obwohl beim Jazz viel improvisiert wird und man viele Freiheiten hat. Genau diese Freiheiten seien auch der Grund, erzählte Lage, weshalb er, nachdem er einige andere Musikrichtungen studiert hatte, letztendlich dem Jazz treu geblieben sei.

Julian Lage Trio: Harlem Blues

Das Julian Lage Trio spielt «Harlem Blues» bei «Musig im Pflegidach», Muri

Das musikalische Wunderkind

Julian Lage begann schon mit fünf, Gitarre zu spielen. “Ich wollte unbedingt so sein wie mein Vater.” Sein grosses Talent wurde früh entdeckt, und bereits als Achtjähriger spielte er mit grossen Musikern wie Carlos Santana. Mit dreizehn Jahren stand das musikalische Wunderkind auf der Bühne bei den Grammy Awards.

Im ländlichen Muri, wo er am Sonntag bereits zum dritten Mal zu Gast war, fühlt sich der gebürtige Kalifornier wie zuhause. Obwohl er in seiner 23-jährigen Musikkarriere schon auf vielen bedeutenden Bühnen gestanden hat und mit vielen grossen Musikern gespielt hat, kann er sich auf kein Lieblingskonzert, geschweige denn auf einen Lieblingsmusiker festlegen. «Zu diesem Zeitpunkt spiele ich nur mit Leuten, die ich auch persönlich mag», verriet er. Für ihn sind die Musiker, mit denen er auftritt, wie seine Familie.

Schmaler Grat zwischen Nervosität und Ruhe

Dass nicht nur eine Menge Talent, sondern auch viel Professionalität auf der Bühne im Dachstock der Pflegi stand, zeigte sich deutlich, als dem Trio beim zweiten Stück ein Fehlstart passierte. Sie liessen sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen, lachten, wie auch das Publikum, kurz auf und machten weiter im Programm, als wäre alles nach Plan verlaufen.

Auf die Frage, ob sie nervös seinen bevor sie auf eine Bühne gehen, waren sich alle einig. Nervosität sei zwar kaum vorhanden, wirklich entspannt seien sie jedoch auch nicht. «Es gibt einen schmalen Grat zwischen Nervosität und Ruhe», ergänzt Lage. Da es ihr Job ist, sind sie jeweils sehr fokussiert und konzentriert vor einem Auftritt. Diese Konzentration wollen die drei Musiker während dem Konzert möglichst konstant halten, was auch der Grund für die wenigen Unterbrüche während des Auftritts ist.

Julian Lage Trio bei «Musig im Pflegidach», Muri

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Julian Lage Trio bei musig im pflegidach, Muri
quelle: stephan diethelm
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Das neueste Album «Arclight», welches seit Anfang 2016 auf dem Markt ist, beinhaltet vor allem alte Jazzstücke im Stil der 1920er Jahre. Eine Geschichte hinter der Platte gibt es laut Lage nicht. «Ich suchte einfach nach einem Grund um meine Telecaster Gitarre spielen zu können», gibt er lachend zu.

Das Trio verabschiedete sich nach einem gelungenen Abend mit einer weiteren unglaublich dynamischen Komposition und einem «Bis zum nächsten Mal». Das begeisterte Publikum bedanke sich mit einem tosenden Applaus. Es machte den Anschein, als könnten sie es kaum erwarten, die begnadeten Musiker wieder in ihrem zweiten Zuhause spielen zu hören.

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Eine Mischung aus Jazz und Rock

Zum vierzehnten Mal stand «Forq» auf der «Musig im Pflegidach» – Bühne. Das Instrumentalquartett schaffte es auch dieses Mal, dem Publikum die Sprache zu verschlagen, und das ganz ohne Worte. Gitarrist Chris Mcquee. Bassist Kevin Scott, Drummer Jason «JT» Thomas und Keyboarder Henry Hey überzeugten auch dieses Mal mit ihrem dynamischen Sound und ihrer Vorliebe für die Forschung von Klängen.

Vor rund fünfzehn Jahren war «Forq» zum ersten Mal in Muri anzutreffen. Gründer und Keyboarder Henry Hey sieht «Musig im Pflegidach» schon als zweites Zuhause. Nach dem ersten Lied legte er eine kleine Pause ein und spricht zum Publikum. Mit einem warmherzigen Lächeln und einem «It’s great to be back», begrüsste er die Zuschauer. Das waren auch die einzigen, wenigen Worte an diesem Konzert. «Forq» ist dafür bekannt, ohne grossen Worte die Zuschauer umzuhauen.

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