Musig im Pflegidach
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Ellen Andrea Wang bei «Musig im Pflegidach» Muri

Schwer zu beschreiben – einfach zu mögen

Genau so beschreibt die norwegische Komponistin Ellen Andrea Wang ihre Musik und verzauberte vergangenen Samstag das Publikum im «Pflegidach» bereits zum zweiten Mal.

Sina Gisler



Ein vielseitiges Trio

Mit ihrer ruhigen, natürlichen Ausstrahlung zog Ellen Andrea Wang mit ihrem Trio das Publikum von der ersten Minute an in ihren Bann. Die melancholischen tiefen Töne des Basses setzten einen klangvollen Kontrast zu ihrer klaren und hellen Stimme. Der Schlagzeuger Erland Dahlen überzeugte mit explosiven Rhythmen, während der Pianist Erlend Slettevoll den Stücken eine melodische Verträumtheit verlieh.

Die unglaublich grosse Variation des Trios überraschte mit seinem harmonischen Zusammenspiel in jedem Stück aufs Neue. Inspiriert durch verschiedene Bands wie Gurls oder Pixel, in denen Ellen Andrea Wang spielt, sind ihre Kompositionen ein Mix aus Jazz, Pop und Songwriting und haben etwas sehr Modernes und Zeitnahes.

Ellen Andrea Wang «Electric» @ Musig im Pflegidach, Muri

abspielen

Video: YouTube/Stephan Diethelm

«Koselige» Atmosphäre

Gekonnt drückt das Trio Gefühle und Texte mit Tönen aus und verleiht jedem Stück eine persönliche Note. So versetzten einen etwa die hellen Glockentöne im Lied «Fjord Ferry» direkt in die klare Kälte der nordischen Landschaft hinein. «Heart Beat» wird im Rhythmus eines Herzschlages gesungen und im Song «Electric» wird die Stimme der Sängerin roboterähnlich verzerrt. 

Dem kontrastreichen Zusammenspiel des Trios gelang es während dem ganzen Konzert, eine unglaubliche Spannung aufrecht zu halten und füllte den Saal ganz mit seiner Musik aus. Die Leichtigkeit, mit der die Gruppe die verschiedenen Stücke spielte, verleitete einige Zuhörer dazu, entspannt die Augen zu schliessen oder mit dem Fuss im Takt zu wippen. Ellen Andrea Wang beschrieb die Atmosphäre während des Konzertes als sehr «koselig» (dt. gemütlich, heimelig) und freute sich darüber, im Pflegidach zu spielen.

Gefährliches Bass-Solo

Mit dem Lied «Pefect Danger» kam der Abend zu einem Höhepunkt. In blaues Licht getaucht, schaffte es Ellen Andrea Wang mit einem tiefen, leicht unheimlichen Bass-Solo, das Publikum in eine angespannte Stimmung zu versetzen. Durch unerwartete Schlagzeugbeigaben wurden die Zuschauer überrascht, wenn nicht gar aufgeschreckt, was für ein Lächeln auf vielen Gesichtern sorgte. Der Mix von wirren Rhythmen und mysteriösen Melodien widerspiegelte perfekt die Gefühle von Gefahr und sorgte für heftigen Applaus zwischen einzelnen Passagen des Stückes.

«In der Musik habe ich die Freiheit, zu tun und zu sagen, was ich möchte»

Ellen andrea wang

Raum für Interpretationen

«In der Musik habe ich die Freiheit, zu tun und zu sagen, was ich möchte», schwärmt Ellen Andrea Wang. Im Lied «Peace Prize» beispielsweise spricht sie die Flüchtlingsproblematik an, im Stück «Electric» singt sie über elektronische Geräte, die bei ihr zu Hause zu finden sind. Dabei spielt sie mit den Worten, fügt Passagen hinzu, die nicht zum Kontext passen; könnte sie dies nicht tun, so würde sie sich von der Musik eingeengt fühlen.

Die erwähnten Lieder gehören zu ihrem neuen Album «Blank out». Nicht alles, was sie sage, müsse für das Publikum dieselbe Bedeutung haben wir für sie. Im Gegenteil, sie wolle die Zuhörer inspirieren, eigenen Geschichten in der Musik zu hören, sich von ihrer Interpretation zu lösen und Raum für eigene Gedanken und Wahrheiten zu schaffen, so wie es eigentlich der Titel schon sagt.

Die Künstlerin hat tatsächlich Recht wenn sie sagt, «schwer zu beschreiben, einfach zu mögen». Das hat jedenfalls der grosse Applaus zum Schluss des Konzertes bewiesen.

Ellen Andrea Wang bei «Musig im Pflegidach» Muri

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