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Fantasie wird zu Musik

Ben van Gelder und seine Band zeigten uns letzten Sonntag im «Pflegidach» in Muri, was Jazz ist – anspruchsvoll und intellektuell.
06.02.2018, 14:0119.02.2018, 14:55
Tanja Leuenberger

Wer am vergangenen Sonntagabend im «Pflegidach» in Muri das Konzert des Niederländers Ben van Gelder besuchte, dem wurde eine etwas andere Art des Jazz geboten. Die Rhythmen und Melodien, die der 29-Jährige zum Besten gab, forderten das Publikum. «Es wurde teilweise recht kompliziert», meinte eine Zuhörerin. Dies erstaunt nicht, denn Ben van Gelder verpackt seine Fantasie in Musik, welche oft auch komplexe Inhalte besitzt. 

Spannend war das Interview, für welches sich der Saxophonist am Schluss noch Zeit nahm. Ihm ist durchaus bewusst, dass sich seine Musik nicht allen Zuhörern gleichermassen erschliesst. Sein Wunsch ist, seine Gefühle und Emotionen auszudrücken. Dies zeigt sich in seinem ganz eigenen Stil der Komposition.

Ben Van Gelder - «Among Verticals» @ Musig im Pflegidach

Töne aus einem Bild

Er erzählte von der Muse seines letzten Albums, welche das Gemälde «Madame Kupka Among Verticals» war. Er nutzte die Musik als Werkzeug, um die Wirkung des Bildes und seine aufgekommenen Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Während des einjährigen Prozesses wurde ihm klar, dass dieses Gemälde das gleiche Gefühl in ihm hervorruft, welches er in New York spürt. Um dies zu zeigen wendete er verschiedene kompositorische Tricks an. Van Gelder erklärt:

«Wenn ich die Töne auf dem Klavier weit auseinander spiele, stellt das für mich die Vertikalen aus dem Bild dar. Diese Vertikalen kann man auch als die vielen Gebäude in New York interpretieren.»
ben van gelder

Der Musiker beschreibt seine Lieder wie eine Geschichte ohne Worte. Wenn die Stücke intensiver und abstrakter wurden, zeigte sich dies auch im Empfinden der 85 Zuhörer, als die Songs vom neuen Alben «Among Verticals» gespielt wurden. Dass das «Pflegidach» umgestellt hat und die Band jetzt mehr im Zentrum steht, trug auch zur besonderen Atmosphäre am letzten Sonntagabend bei.

Alte Schulfreunde

Das Quartett setzt sich zusammen aus Craig Weinrib (Schlagzeug), Sam Harris (Piano), Joe Sanders (Bass) und dem Bandleader Ben van Gelder (Saxophon). Die Bandmitglieder lernten sich vor etwa zehn Jahren während des Studiums in New York kennen.

«Improvisationsmusik kann man sehr gut mit einer Konversation vergleichen. Ich sage etwas, du sagst etwas zu mir. Wir haben ein Gespräch. Dasselbe ist es mit den Instrumenten.»
ben van gelder

Dazu gibt es viele verschiedene Arten, wie man etwas sagen kann. Es kann wütend, scheu, fröhlich oder verzweifelt sein, oder auch alles gleichzeitig. Bei ihrem Auftritt wurde schnell klar, dass diese Gruppe perfekt aufeinander abgestimmt ist und auf der Bühne lebhaft kommuniziert. Für Ben van Gelder ist Jazz darum eine sehr menschliche Art der Musik.

Sam Harris spielte ein langes, melancholisches Klaviersolo, welches das gesamte Publikum berührte. Später setzen Joe Sanders mit dem Bass und Craig Weinrib mit dem Schlagzeug ein. In diesem Moment konnte man ihrer intimen Konversation gespannt lauschen. Die Dringlichkeit, mit der die Musiker ihr Anliegen ausdrückten, war zu hören.

Ben van Gelder ist ein emotionaler und musischer Mensch. Er interessiert sich sehr für die moderne und zeitgemässe Art der Kunst, aber auch für ihre Vergangenheit. Aus diesem Grund studierte er nebst Musik auch Kunstgeschichte. In seiner Freizeit ist er ebenfalls künstlerisch unterwegs und fotografiert leidenschaftlich gerne. Van Gelders Schnappschüsse sind auf seinem Instagram Account zu bewundern. Seine emotionale Seite zeigt er mit seiner Musik.

Ben van Gelder bei «Musig im Pflegidach»

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Ben van Gelder bei «Musig im Pflegidach»
quelle: sophie anderhub
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Aller guten Dinge sind 4 (fOUR)
Vergangenen Sonntag kam der musikalische Multitasker Nate Wood zurück nach Muri und eröffnete erfolgreich die 21. Saison von «Musig im Pflegidach». Mit seinen mitreissenden Klängen begeisterte er das Publikum. Bereits vor vier Jahren präsentierte Wood im Pflegidach sein damals noch neues Soloprojekt «fOUR».

Dass dieses Konzert laut sein wird, hat Stephan Diethelm, Ressortleiter von «Musig im Pflegidach», bei der Begrüssung bereits angekündigt. Als dann die ersten Töne auf dem Schlagzeug gespielt wurden, hat sich diese Vorwarnung bestätigt. Nate Wood startete direkt mit rasanten Rhythmen, lauten Beats und schnellen Melodien. Das Publikum wurde sofort gepackt und von Wood auf eine Reise durch seine Lieder mitgenommen. Musik zum Einschlafen ist dies definitiv nicht und das hat sich auch gezeigt.

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