Musik
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epa05033015 (FILE) The file picture dated 06 August 2010 shows German singer Xavier Naidoo performing an open air concert on Marienberg Castle in Wuerzburg, Germany. According to media reports on 19 November 2015, Naidoo will represent Germany without preliminary decision in the next Eurovision Song Contest taking place in Stockholm, Sweden on 14 May 2016.  EPA/KARL-JOSEF HILDENBRAND EDITORIAL USE ONLY - NEWS MEDIA ONLY  EDITORIAL USE ONLY *** Local Caption *** 02276813

Hat eine Unterstützungs-Anzeige in der «FAZ »erhalten: Xavier Naidoo. 
Bild: EPA/DPA / EPA FILE

Pro-Naidoo-Anzeige in der «FAZ»: Rufrettungs-Marketing für 73'000 Franken

Eine ganze Seite in der «Frankfurter Allgemeinen», nur mit den Worten «Menschen für Xavier Naidoo» und 100 Unterzeichnern. Was soll das? Ist Naidoo ein Unheil geschehen, das wir verpasst haben? Nein, keine Sorge. Es geht nur um Marketing.

Ein Kommentar von Christian Stöcker



Ein Artikel von

Spiegel Online

Vielleicht ist es tatsächlich so, wie seine Verteidiger immer wieder sagen: dass Xavier Naidoo «weder rechtspopulistisch noch homophob oder antisemitisch» ist, wie etwa ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber das formuliert hat. Vielleicht sagt und tut Naidoo nur einfach öfter mal Dinge, über die er vorher nicht richtig nachdenkt.

Und formuliert dann eben Sätze wie den, dass das, was nach dem 11. September 2001 passiert ist, ein «Warnschuss» gewesen sei: «Wer das als Wahrheit hingenommen hat, was darüber erzählt wurde, der hat den Schleier vor den Augen. Ganz einfach.» Dem «Stern» hat er später erläutert, ein Gebäude neben den Türmen des World Trade Center sei ja augenscheinlich kontrolliert gesprengt worden, «daran gibt es nichts zu deuten».

Viele Leute mögen ihn offenbar

Die sogenannten Reichsbürger, bei deren Anti-Wiedervereinigungsdemonstration er das mit dem Schleier im Oktober 2014 sagte, fanden das super, sie applaudierten und johlten. Zuvor hatte Naidoo dort schon den Wunsch geäussert, dass «wir irgendwie miteinander Ordnung schaffen in diesem Land», auch das eine Forderung, die bei den Reichsbürgern gut ankam.

Xavier Naidoo anzeige

Die Anzeige aus der «FAZ».
Bild: EPA/DPA / FILE

Noch so ein Satz: «Wir haben immer noch keinen Friedensvertrag und deswegen ist Deutschland auch kein echtes Land und nicht frei», 2011 im ARD-«Morgenmagazin». Vielleicht meinte er auch diesen Liedtext nicht so, in dem pädophilen Gewalttätern erst Verstümmelungen angekündigt wurden, um sie anschliessend zu fragen, warum sie denn «keine Möse» liebten. Das kam bei Schwulen- und Lesbenverbänden nicht so gut an, aber das war ja auch gar nicht so gemeint, wie Naidoo später erklärte.

Vermutlich ist es tatsächlich so, dass Naidoo, wenn man ihn persönlich kennt, ein netter, wenn auch ein bisschen versponnener Typ ist. Anders sind die durchaus heftigen emotionalen Solidaritätsbekundungen kaum zu erklären, die ihm seit der ESC-Absage zuteil geworden sind: Til Schweiger, Herbert Grönemeyer, Miriam Pielhau. Viele Leute mögen ihn offenbar und verzeihen ihm dafür, dass er manchmal kompletten Unsinn redet.

Als sei er zum Opfer einer schrecklichen Tat geworden

Obwohl manche von diesen Sachen, die ihm da ab und an rausrutschen, ebenso gut zum Kanon von Pegida, AFD und Co. passen, zu den Glaubenssätzen antiamerikanischer Verschwörungstheoretiker, die eigentlich lieber vom - Zufall! - äusserst homophoben Wladimir Putin beschützt werden möchten als von den USA und der Nato. In seinem Management und unter den Menschen, die an und mit Naidoo Geld verdienen, muss man schon vor einiger Zeit gemerkt haben, das es manchmal vermutlich besser wäre, wenn der Sänger mehr singt und weniger sagt, zu bestimmten Themen jedenfalls.

Die Namen einiger dieser Menschen tauchen jetzt auf einer seltsamen, ganzseitigen Anzeige auf, die am Samstag in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» erschienen ist. «Menschen für Xavier Naidoo» steht da, schwarz auf rotem Grund, und darunter hundert Namen. Sonst nichts. Als sei Naidoo zum Opfer irgendeiner schrecklichen Tat geworden. Oder irgendwo eingesperrt. Dabei soll er nur doch nicht für Deutschland bei einem Liederwettbewerb auftreten.

73'000 Franken zur Rettung der Marke?

Unter den Namen finden sich die von Mitgliedern von Naidoos Band und die diverser anderer Musiker, ein paar Komiker, etwa Michael Mittermeier und Atze Schröder, ein paar Schauspieler, etwa Til Schweiger und Mario Adorf, der Koch Tim Mälzer und derjenige, der die Anzeige bezahlt hat, und seine Familie: der Konzertveranstalter Marek Lieberberg, mit dessen Agentur MLK nicht nur Naidoo, sondern auch viele andere der Unterzeichner im Geschäft sind.

Warum also hat Marek Lieberberg die mindestens 73'000 Franken investiert, die so eine Anzeige kostet? Vielleicht einfach deshalb, weil Xavier Naidoo eine Marke ist. Eine Marke, mit der man immer noch eine Menge Geld verdienen kann. Weil es sich um eine vorbeugende Massnahme handelt, eine Rufrettungsmarketingmassnahme. Und dafür ist so eine Anzeige ja im Grunde auch genau das richtige Mittel.

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