Naher Osten
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Spent shells litter the ground after clashes between Iraqi security forces and the predominantly Sunni militants from the radical Islamic State of Iraq and the Levant (ISIL) in the town of Dalli Abbas in Diyala province, June 26, 2014. Grand Ayatollah Ali Sistani, the most influential Shi'ite cleric in Iraq called on the country's leaders on Friday to choose a prime minister within the next four days, a dramatic political intervention that could hasten the end of Nuri al-Maliki's eight year rule. Picture taken June 26, 2014. REUTERS/Stringer (IRAQ - Tags: CIVIL UNREST POLITICS MILITARY)

Irakische Truppen am 26. Juni in Dalli Abbas südöstlich von Tikrit. Patronenhülsen am Boden zeugen von den Kämpfen gegen die Dschihadisten von ISIS.  Bild: STRINGER/IRAQ/REUTERS

ISIS-Vormarsch

Irakische Truppen erobern offenbar Tikrit zurück



Mit einer gross angelegten Offensive versucht die irakische Armee, die strategisch wichtige Stadt Tikrit von den extremistischen ISIS-Milizen zurückzuerobern. Regierungstruppen gelang es am Samstag nach eigenen Angaben, den Vorort Al-Awja einzunehmen.

Dort wurde der frühere Diktator Saddam Hussein geboren und nach seinem Tod im Jahr 2006 begraben. Der staatliche TV-Sender Al-Irakija meldete, irakische Kampfjets hätten ihre Angriffe auf die nordirakische Stadt Mossul verstärkt. Diese befindet sich wie Tikrit unter Kontrolle der Terrorgruppe Islamischer Staat im Irak und in der Levante (ISIS).

Tikrit

Tikrit liegt rund 140 Kilometer nordwestlich von Bagdad am Fluss Tigris. Die Geburtsstadt des ehemaligen irakischen Diktators Saddam Hussein hat rund 100'000 Einwohner und ist damit neben Mossul eine der grössten Städte in der Hand von ISIS. 

ISIS-Kämpfer und ihre regionalen sunnitischen Verbündeten kontrollieren mehr als zwei Wochen nach Beginn ihres Vormarsches grosse Teile des Nordens und Westens des Iraks. Sie wollen die Hauptstadt Bagdad einnehmen und ein grenzüberschreitendes Kalifat gründen.

Soldaten hätten Al-Awja befreit, sagte ein Armeeoffizier der Nachrichtenagentur dpa. Demnach beherrschen die Regierungstruppen das Umland von Tikrit und wollen die Stadt nun «von allen Seiten» stürmen. Die Angaben liessen sich von unabhängiger Seite nicht bestätigen. Tikrit werde «ein grosses Grab für Aufständische» werden, kündigte der Armeeoffizier an.

Hinweise auf Kriegsverbrechen

Die irakische Armee hatte am Freitag eine Offensive auf Tikrit angekündigt und diese am Samstagmorgen begonnen. Dabei rückte sie mit Panzern und gepanzerten Fahrzeugen auf die Stadt vor. Augenzeugen berichteten, eine grosse Zahl von Soldaten habe sich von Süden her der Stadt genähert. Auch Kampfhelikopter waren im Einsatz.

ISIS-Milizen töteten in Tikrit nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) bei Massenexekutionen mindestens 160 Menschen. Fotos und Satellitenaufnahmen aus der Stadt Tikrit gäben starke Hinweise auf ein «schreckliches Kriegsverbrechen», hatte HRW am Freitag berichtet. Von ISIS im Internet veröffentlichte Bilder zeigen, wie vermummte Bewaffnete auf am Boden liegende Männer in Zivilkleidung zielen.

Hilfe für Flüchtlinge

Als Reaktion auf den Vormarsch der Isis im Irak unterstützt das deutsche Aussenministerium Hilfsprojekte im Land mit zwei Millionen Euro. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz solle mit dem Geld Flüchtlingen helfen, erklärte der deutsche Aussenminister Frank-Walter Steinmeier am Samstag in Berlin. Unter anderem gehe es um die Versorgung mit sauberem Trinkwasser.

Bei Kämpfen sind im Irak seit Monatsbeginn mehr als 1000 Menschen ums Leben gekommen. In den Konfliktgebieten gibt es für Vertriebene nur eingeschränkten Zugang zu Wasser, Nahrung und medizinischer Versorgung.

Nach Schätzungen sind 1,2 Millionen Menschen als Binnenvertriebene im Land auf der Flucht. Das Flüchtlingshilfswerk UNHCR berichtete am Freitag, dass in den vergangenen Tagen allein rund 10'000 Christen aus dem Nordirak in die kurdischen Autonomiegebiete geflüchtet seien. (viw/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

1
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 28.06.2014 16:21
    Highlight Highlight Eine Regierung unter Beteiligung von Sunniten, Schiiten und Kurden wäre der einzige richtige Weg. Al-Maliki spielt aber auf Zeit und hofft, dass die USA ihm helfen werden. Aus gutem Grund tun sie das aber nicht. Al-Maliki wird erst dann verschwinden, wenn die ISIS vor den Toren Bagdads steht und Teile der Armee zur Isis überlaufen.
    In der Zwischenzeit schaut man Fussball.

Operation «Tigerpranke»: Erdogan bombardiert Nordirak – 4 Dinge, die du dazu wissen musst

2014 ermordete die Terrormiliz «Islamischer Staat» tausende Jesidinnen und Jesiden. Die Bilder des Völkermords an der religiösen Minderheit gingen um die Welt. Sechs Jahre später wirft die Türkei über dem Jesiden-Gebiet Bomben ab.

Das türkische Militär wirft wieder Bomben auf fremdes Staatsgebiet ab. Seit Wochen führt Präsident Recep Tayyip Erdogan erneut einen aggressiven Kurs gegen die kurdische Arbeiterpartei PKK. Seit einer Woche wird mit der Offensive «Adlerkralle» und «Tigerpranke» das Kandil- und Sinjar-Gebirge im Nordirak schwer unter Beschuss genommen. Auf dem Gebiet leben auch tausende Jesiden, die 2014 vor der Terrormiliz Islamischer Staat geflohen waren. Ein Überblick in vier Punkten.

Am Montag, 15. Juni …

Artikel lesen
Link zum Artikel