Naher Osten
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Krisenherd Irak

Dschihadisten greifen Raffinerie an – 60 Bauarbeiter verschleppt



epa01179734 An Iraqi oil worker at a refinery in the waters of the Northern Arabian Gulf close to the port town of Umm Quasar, Basra, Iraq on 22 November 2007. World oil prices set a new record late November in overnight trading as the US Dollar fell.  EPA/HAIDER AL-ASSADEE

Eine Ölraffinerie im Irak. Bild: EPA

Die Terrorgruppe ISIS versucht mit aller Gewalt, Richtung Bagdad vorzudringen. Rund 200 Kilometer nördlich der irakischen Hauptstadt übernahmen die Kämpfer am Mittwoch die grösste Öl-Raffinerie des Landes. Deren Betrieb war bereits am Vortag aus Sicherheitsgründen gestoppt worden. 

Wie aus Sicherheitskreisen verlautete, hatten ISIS-Kämpfer die Anlage in Baidschi rund 200 Kilometer nördlich von Bagdad am Morgen unter Beschuss genommen. Den Kämpfern sei es gelungen, in die Anlage einzudringen, sagte ein Raffinerie-Vertreter, der sich in dem Komplex aufhielt. 

Die Mitglieder der sunnitischen Extremisten-Gruppe ISIS (Islamischer Staat im Irak und in der Levante) kontrollierten nun die Produktionsanlagen, die Verwaltungsgebäude und vier Wachtürme. Im zentralen Kontrollraum lieferten sich die Extremisten weiterhin Kämpfe mit Sicherheitskräften. 

Karte: GoogleMaps

Mehrere Öltanks seien in Brand geraten. Ein Angestellter der Raffinerie sagte, die Beschäftigten seien geflohen. Mehrere Soldaten seien bei den Kämpfen getötet oder verletzt worden. Die Raffinerie war am Vorabend wegen des Vormarschs der Dschihadisten geschlossen worden.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur «All Iraq» reagierten irakische Regierungstruppen mit Luftangriffen auf Stützpunkte der sunnitischen Extremisten. 

Zuvor sollen die militanten Islamisten Dutzende ausländische Bauarbeiter verschleppt haben. So seien etwa 60 Menschen in der Nähe der Ölstadt Kirkuk von der sunnitischen Extremistengruppe ISIS (Islamischer Staat im Irak und in der Levante) gefangen genommen worden, meldete die türkische Nachrichtenagentur Dogan am Mittwoch unter Berufung auf einen Arbeiter, der entkommen konnte.

Unter den Geiseln seien neben 15 Türken auch Arbeiter aus Pakistan, Bangladesch, Nepal und Turkmenistan. Die Zeitung «Times of India» berichtete zudem von 40 indischen Bauarbeitern, die von mutmasslichen ISIS-Mitgliedern festgehalten würden.

Ein Aussenministeriumssprecher in Neu-Delhi erklärte, er könne den Bericht nicht bestätigen. Allerdings sei es der Regierung bislang nicht gelungen, mit der Gruppe in Mossul Kontakt aufzunehmen.

Die Islamisten erstürmten vor einer Woche die Millionenstadt Mossul im Norden des Irak. Dabei hatten sie bereits 31 türkische Lastwagenfahrer entführt und bei der Einnahme des türkischen Konsulats weitere 49 Menschen gefangen genommen.

Irans Präsident Hassan Ruhani versicherte derweil, der Iran werde alles zum Schutz der heiligen Stätten im Nachbarland tun. Der Iran warne «die Grossmächte, ihre Lakaien, die Mörder und Terroristen», dass das iranische Volk alles zum Schutz der Begräbnisstätten der schiitischen Imame in Kerbela, Nadschaf, Kadhimijah und Samarra tun werde, sagte Ruhani am Mittwoch bei einer im Fernsehen übertragenen Rede.

Ruhani hatte dem Irak bereits zuvor Unterstützung im Kampf gegen den Vormarsch der Dschihadisten zugesagt. Die sunnitische Extremistengruppe betrachtet Schiiten als Ketzer und hat gedroht, die von ihnen verehrten Grabmäler der Imame in Samarra, Kerbela und Nadschaf zu zerstören.

Der hochangesehene schiitische Geistliche Grossayatollah Ali al-Sistani rief vergangene Woche die Schiiten auf, zu den Waffen zu greifen, um die heiligen Stätten zu verteidigen.

Der Iran ist ein wichtiger Verbündeter des irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki. Die Sunniten im Irak werfen dem Schiiten al-Maliki seit langem vor, sie in Politik, Verwaltung und den Sicherheitskräften zu benachteiligen.

Eine friedliche Protestbewegung sunnitischer Politiker und Stammesführer vergangenes Jahr wurde von der Regierung gewaltsam unterdrückt. Bei ihrem Vormarsch auf Bagdad fand ISIS daher auch Unterstützung bei vielen gemässigten Sunniten, darunter früheren Offizieren und Beamten des 2003 durch die US-Intervention gestürzten Machthabers Saddam Hussein. (rar/sda)

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