Naher Osten
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epa04434272 A Palestinian woman sits in a passenger bus outside the Erez Crossing terminal, after crossing into Israel in order to attend Eid al-Adha prayers in at the al-Aqsa Mosque in Jerusalem, one of the holiest sites in the Islamic world, in Israel, 06 October 2014. Israel is allowing some 500 Palestinians all over 60 years of age into Israel each day for the three-day holiday, or Eid, for prayers as well as for visiting family members int he West Bank.  EPA/JIM HOLLANDER

Palästinenser, die in Israel arbeiten, müssen demnach ab sofort auf der Rückfahrt einen anderen Bus benutzen als die israelischen Siedlungsbewohner. Bild: JIM HOLLANDER/EPA/KEYSTONE

60 Jahre nach Rosa Parks: Palästinenser dürfen nicht mehr gemeinsam mit Israelis im Bus fahren

Es wird als Sicherheitsmassnahme angepriesen, Menschenrechtler sprechen von Rassismus: Palästinenser aus dem Westjordanland dürfen nicht mehr in denselben Bussen fahren wie Israelis.

20.05.15, 10:14 20.05.15, 14:46


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Trennung in Pendlerbussen: Palästinensern aus dem Westjordanland ist es künftig verboten, dieselben Fahrzeuge zu benutzen wie Israelis. Das sagte ein Vertreter des Verteidigungsministeriums der Nachrichtenagentur AFP, auch israelische Medien berichten über die Anordnung. Palästinenser, die in Israel arbeiten, müssen demnach ab sofort auf der Rückfahrt einen anderen Bus benutzen als die israelischen Siedlungsbewohner.

Es handele sich um ein «dreimonatiges Pilotprojekt», hiess es. Ein Sicherheitsprojekt, das jedoch Ungerechtigkeit schafft. Denn für palästinensische Arbeiter mit Reisegenehmigungen wird es nun kompliziert: Sie müssen bei der Rückkehr in das Westjordanland dieselbe Militärsperre passieren wie bei der Ausfahrt.

«Man muss kein Sicherheitsexperte sein, um 20 Araber in einem Bus mit einem jüdischen Fahrer, zwei oder drei Passagieren und einem bewaffneten Soldaten als Szenario für eine Attacke zu erkennen.»

Bisher konnten sie frei zwischen verschiedenen Übergängen entscheiden. Die israelische Zeitung Haaretz schrieb am Mittwoch, die neuen Beschränkungen könnten die Reisezeiten für pendelnde Arbeiter um rund zwei Stunden verlängern.

Palästinenser dürften auch keine regulären israelischen Buslinien mehr verwenden, die ins Westjordanland führen. Die Benutzung desselben Busbahnhofs soll demnach hingegen weiter möglich sein.

«Das ist eine beschämende und rassistische Massnahme.»

Mit der Verordnung gibt das Verteidigungsministerium Forderungen des israelischen Siedlerrats nach. Der hatte Sorgen vor Anschlägen geäussert – und sich für getrennte Busse für Juden und Araber ausgesprochen. «Man muss kein Sicherheitsexperte sein, um 20 Araber in einem Bus mit einem jüdischen Fahrer, zwei oder drei Passagieren und einem bewaffneten Soldaten als Szenario für eine Attacke zu erkennen», hatte Wohlfahrtsminister Moshe Kahlon im Oktober Kritikern geantwortet. Das Pilotprogramm solle solche Situationen nun unterbinden.

Menschenrechtsorganisationen wollen die Anweisungen vor dem Höchsten Gericht in Jerusalem anfechten. «Das ist eine beschämende und rassistische Massnahme», sagte Anwalt Michael Sfard, Berater der Nichtregierungsorganisation Yesh Din, der «Haaretz». Israel erreiche damit einen moralischen Tiefpunkt, sagte Sfard: «Wir werden diesen Schritt mit allen möglichen legalen Schritten bekämpfen.»

Vor 60 Jahren, im Dezember 1955, wurde die Afroamerikanerin Rosa Parks mit ihrer Weigerung, ihren Sitzplatz im Bus für einen weissen Fahrgast zu räumen, zur Ikone der Bürgerrechtsbewegung. Das Ereignis gilt als Auslöser der Proteste gegen die Rassentrennung in öffentlichen Verkehrsmitteln.

vek/AFP/dpa

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

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    Alle Leser-Kommentare
  • qumquatsch 20.05.2015 12:24
    Highlight das wort beschämend trifft es leider sehr gut...
    4 0 Melden
  • Louie König 20.05.2015 11:01
    Highlight Wann wird endlich mal etwas gegen Israel unternommen? Klar das jüdische Volk hat in der Geschichte sehr viel leid erlebt aber das darf doch kein Freifahrtschein für Ungerechtigkeit sein. Israelkritik wird immer sofort als antisemitisch bezeichnet und somit sofort im Keim erstickt. Kommt nun die Apartheidt nach Israel? Es scheint der Anfang zu sein, versteckt unter dem Terrormäntelchen. Der Siedlungsbau von Israel auf palästinensischem Gebiet, das ist der wahre Terror...
    6 0 Melden
  • Mr. Kr 20.05.2015 10:52
    Highlight Israel und ihre Bevölkerung hat leider von Ihrem Schicksal kein stück gelernt. Immer auf dem Holocaust berufen wenn einem Juden was unrechtmäßiges angetan wird aber selber die grössten Rassisten sein und Verbrechen an anderen Völkern begehen.
    5 0 Melden
  • frankyfourfingers 20.05.2015 10:43
    Highlight APARTHEID
    9 1 Melden

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