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Vicente (Augustín Silva) liegt am schönen Strand der Costa Central von Chile.
Vicente (Augustín Silva) liegt am schönen Strand der Costa Central von Chile.

Wahres Kino aus Chile: Was passiert, wenn ein betrunkener Senatorensohn einen Mann überfährt

«Aquí no ha pasado nada» («Hier ist nichts passiert») heisst der neue Film aus Chile, der anhand einer wahren Begebenheit zeigt, was in diesem schlanken Land mit der langen Küste alles schiefläuft: Ein Porträt einer gleichgültigen Jugend in einer korrupten Welt. 
06.07.2016, 11:2007.07.2016, 16:35

Vicente ist ziemlich reich, seine Eltern haben nicht wirklich Zeit für ihn, also hängt er mit seinen Freunden in seiner Villa an der Costa Central von Chile rum, nimmt Drogen, trinkt, macht Party und hat viel Sex. Grundsätzlich ist er einer dieser gelangweilten Jugendlichen, die alles haben, aber nicht wissen, wohin damit. 

Vicente (Agustín Silva) beim Rummachen mit Francisca (Geraldine Neary).
Vicente (Agustín Silva) beim Rummachen mit Francisca (Geraldine Neary).

Mit einem nächtlichen Autounfall der fünfköpfigen Partygesellschaft nimmt das Drama seinen Lauf: Es ist die wahre Geschichte eines Jugendlichen, der durch den Wolf der korrupten chilenischen Politik gedreht wird. 

Trailer – «Aquí no ha pasado nada»

«Aquí no ha pasado nada» – Alejandro Almendras
Alejandro Almendras Film wurde durch Crowdfunding finanziert und in nur elf Tagen gedreht.  Die Mitwirkenden stellten sich unentgeltlich in den Dienst dieses gesellschaftskritischen Werks. Der Soundtrack des Films besteht aus Musik von zeitgenössischen chilenischen Bands, deren Bekanntheit teilweise kaum über die Szenenbars von Santiago hinaus geht.
Der Film läuft ab dem 14. Juli in den Schweizer Kinos.

Der Fall, auf dem der Film aufbaut, geht ins Jahr 2013 zurück: Der Sohn des einflussreichen chilenischen Senators Carlos Larraín fährt betrunken einen Fussgänger um. Dieser stirbt, weil er und seine Freunde flüchten, anstatt ihm zu helfen. Eingesperrt werden aber am Ende nur zwei der Mitfahrer, der wahre Schuldige mit dem einflussreichen Vater kommt ungeschoren davon.

Der Autopsie-Bericht des Unfalltoten wurde zu seinen Gunsten gefälscht und der Senator Larraín bot der Opfer-Familie 20'000 Dollar Schweigegeld an. Der Ausgang des Prozesses empörte das ganze Land. Es war einer dieser hässlichen Fälle, der in aller Deutlichkeit die Käuflichkeit der chilenischen Justiz offenlegte.

Die Party-Gesellschaft mit Manuel Larrea (Samuel Landea) am Steuer.
Die Party-Gesellschaft mit Manuel Larrea (Samuel Landea) am Steuer.

In «Aquí no ha pasado nada» ist der naive Vicente der Sündenbock. Er versteht lange nicht, weshalb er ins Gefängnis gehen soll, wo er doch unschuldig ist. Sein Prozess läuft und er macht mit seinem Leben einfach weiter. Am Anfang bemitleidet er sich noch ein bisschen («Verdammt, warum hab ich so viel Pech?!»), aber dann scheint ihm doch alles gleichgültig zu sein – und er fügt sich still in sein Schicksal. 

Manuel (Samuel Landea) und Vicente (Agustín Silva) vor Gericht wegen Fahrerflucht mit Todesfolge.
Manuel (Samuel Landea) und Vicente (Agustín Silva) vor Gericht wegen Fahrerflucht mit Todesfolge.

Der Regisseur Alejandro Almendra hat nicht nur einen wahren chilenischen Justizskandal verfilmt. Er liefert auch ein Portrait einer gut situierten, gelangweilten Jugend, die keine Träume mehr hat, die nur bekifften Stumpfsinn von sich gibt und ansonsten ihre innere Leere mit Alkohol füllt. Der einzige Tiefgang scheint das Meer zu haben, an das sich Vicente ab und zu legt.

Vicente (Agustín Silva) am Strand, an dem die Villa seiner Eltern steht.
Vicente (Agustín Silva) am Strand, an dem die Villa seiner Eltern steht.

Und natürlich der Film selbst, der den Zuschauer durch seine Unverfälschtheit traurig zurücklässt. 

Ana Tijoux – «Sacar La Voz»

Aus dem Soundtrack von «Aquí no ha pasado nada».
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